Perfektes Dinner: „Das ist ja so gar nicht meins!“

VOX ruft derzeit Hobbyküche aus dem Ruhrgebiet auf, sich für die Kochdoku „Das perfekte Dinner“ zu bewerben. Eine sehr erfolgreiche Sendung ist das, die in mir jedoch regelmäßig Aggressionen auslöst.

Zum Konzept der Sendung gehört es, dass fünf wildfremde Menschen gegeneinander antreten, um sich in ihren Kochkünsten und Gastgeberqualitäten zu messen. Reihum bittet einer der Kandidaten die anderen vier Knalltüten zu sich nach Hause, setzt sie an den gedeckten Tisch und tischt ihnen ein mehr oder minder originelles Menü auf. Am Schluss jeder Folge wird er dann von seinen Kontrahenten benotet; wer am Ende der Woche die meisten Punkte erkocht hat, ist der Sieger.

So weit, so unterhaltsam. Man muss wahrscheinlich zugeben, dass es diese Sendung ist und nicht eine der zahlreichen Kochshows mit TV-Köchen, die in ihrer Außenwirkung am nachhaltigsten auf die Gewohnheiten der TV-gesteuerten Deutschen abstrahlt. Seitdem dieses Format läuft, wird es im privaten Kreis nachgespielt. Man lädt sich gegenseitig ein, man spielt Gastgeber und bekocht im schlimmsten Falle „befreundete Pärchen“, die grundsätzlich Klaus und Heidi heißen und natürlich die Pest sind. Dass dabei nicht nur auf kreative Gerichte wert gelegt wird, sondern auch auf eine gewisse Tischkultur, auf Gläser, Besteck und Tischwäsche, finde ich als Ansatz gar nicht mal so schlecht. Subversives Gedankengut lässt sich besser mit Stil, Anstand und Niveau entwickeln und pflegen; rüpelhafte Ausschweifungen machen mehr Spaß mit einem Champagnerglas von Riedel in der Hand und einer gelockerten Frackschleife um den Hals. (Oder, Schlange?)

Nur geht es bei dieser Sendung natürlich um alles andere als um die Revolution. Es geht darum, dass Klaus und Heidi bzw. die sich unbekannten Kandidaten einen auf gutbürgerliche Kopfnoten-Revue machen, viel zu anspruchsvolle Gänge kochen, wie sie der herrschaftlichen Küche vorbehalten waren, viel zu viel Blödsinn über „eingebundene Tannine“ und „lange Abgänge“ faseln und mit Lust übereinander herziehen, wenn der Gastgeber gerade am Herd steht und nicht zuhören kann.

Was die Sendung vollends für mich unerträglich macht, ist die Teilnahme der schlimmsten Spezies, die auf Gottes Erdboden herumtrampelt: junge Frauen von Ende zwanzig, Anfang dreißig, nachweislich also die dümmsten Geschöpfe seit dem Urknall. Nicht genug, dass diese doofen Weiber mir regelmäßig meine Lieblingssendung „Wer wird Millionär“ mit ihrer Ungebildetheit vermiesen („Literatur? Das ist nicht gerade mein Spezialgebiet. Erdkunde kann ich auch nicht. Biologie? Fußball?“ – Ja, wovon habt Ihr Pflaumen denn überhaupt Ahnung?), nicht genug, dass sie dieses herrliche Spiel mit ihrer Entscheidungsschwäche und luschigen Hilflosigkeit verzögern und am Ende gedemütigt mit 8.000 Euro in ihre Bausparwohnungen zurück kriechen müssen, nein, sie haben außer von vielen, vielen anderen Dingen auch vom Kochen und Essen keine Ahnung. Analog zu ihrer miserablen Performance beim Jauch-Quiz stören sie auch das „Perfekte Dinner“ mit ihrem unqualifizierten Quaken: „Roher Fisch? Ist ja so gar nicht meins.“ Da diese dummen Dinger aber auch kein Fett, keine Innereien, keine Ochsenbäckchen, keinen Fenchel, keinen Kümmel, keine Blutwurst, keinen Burgunder aus der Doppelmagnum, keinen Korn zum Frühstück, keine halben Schweine auf Toast und überhaupt nix mögen, das nicht bis zur Unkenntlichkeit denaturiert und in künstlich gepimpten Fitzeln vor ihnen auf dem Teller liegt, sind sie der Tod jeder Folge. Der Satz „Ist ja so gar nicht meins“ sollte mit einer Woche Rucolaverbot und folgender Zwangsdiät bestraft werden – ja richtig: Sauerbraten vom Pferd, anständige Kutteln, dicke Bohnen mit westfälischem Speck, Steckrübeneintopf, Möppkenbrot mit dick Sempf, Schmalzbrot, Coq au vin vom zähen Hofhahn und Spanferkel vom Grill. So!

Jetzt aber Ihr, Ruhrbarolo-Leser! Wie gesagt, zurzeit ruft die Produktionsfirma uns Ruhrgebietler zur Teilnahme am „Perfekten Dinner“ auf. Während der Fußball-WM (!) finden die Dreharbeiten statt (genau: vom 21.-25. Juni), und wer nun will und Klaus und Heidi heißt, sollte die Kölner Nummer 0221. 492 04 82 40 anrufen oder an perfektesdinner at vox.de schreiben. Wir anderen machen uns derweil Gedanken darüber, wie die ausgerechnet auf uns gekommen sind… Neue Ruhrgebietsküche? Kulturhauptstadt? War da was? Obwohl: Wenn dann die Folgen bei uns inne Siedlung spielen, die Balkontür ist auf, die Köttel spielen zwischen den Teppichstangen aufm Hof Fangen, und zum Vorrundenspiel Kamerun – Dänemark reicht die Gastgeberin kaltes Pilsbier und belegte Bütterken mit Radieschen ausm Schrebergarten obendrauf… och joh, dann ruf ich da jetzt auch mal an.

Foto (Perik): Passend zum Thema: Landei mit schwarzem Trüffel von Dreisternekoch Joachim Wissler, Bergisch GladbachPromodinner:

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19 Kommentare

  1. #1 | susanne sagt am 4. Mai 2010 um 09:30 Uhr

    perik, wo du hinschreibst wächst kein gras mehr und auch kein ruccola, geil!

  2. #2 | jule sagt am 4. Mai 2010 um 09:58 Uhr

    Lieber Ruhrbaron,

    Trash-TV wie „Das perfekte Dinner“ und Konsorten sind wie ein Autounfall – man will nicht hinschauen, schaut aber wie gelähmt in ekliger Fazination zu und ist hinterher froh, dass man selbst nicht davon betroffen ist.

    Vielleicht geht’s Ihnen genauso mit den dummen Frauen, die Sie als dumme Lemminge bezeichnen, die sich jedesmal durch ihre nicht vorhandene Bildung von selbst über die Klippe der Bildung manövrieren – Ihre Fazination dafür ist jedenfalls die beste Erklärung, warum Sie anscheinend keine anderen Frauen in diesem Altersbereich kennenlernen, die nicht nachweislich die dümmsten Geschöpfe seit dem Urknall sind.

    Übrigens wurde dieser Artikel von einer Frau Ende 20 geschrieben und somit der Beweis erbracht, dass es auch noch andere Frauen in diesem Altersbereich gibt – q.e.d!

    Schönen Tag noch!

  3. #3 | Jens Kobler sagt am 4. Mai 2010 um 10:24 Uhr

    Oh, ich lese gerade die anderen Kommentare und stelle fest… Na, ich schreib einfach mal: Also, ich finde schon – bei dem Artikel über die KuFiTa schrieb ich schon über Medienkompetenz vs. prekäre Verhältnisse, zweiter Teil morgen – dass die Leute gerade von hier bei allem äh Hunger nach Aufmerksamkeit doch gucken sollten, und zwar genau, WIE sie bei all dem media coverage über Land und Leute hier eigentlich aussehen. – Nein, Perik, damit meine ich nicht (!) Dein Auftreten bei Spiegel-Online. 🙂
    (Nun wollte ich Gülcan Kamps bei Anne Will letztens als Beispiel anführen, wo ja auch mal wieder „für so eine Karriere muss man ja auch was auf dem Kasten haben“ höflich als Alternative zu (alt-??)bürgerlicherer Karriere angeführt wurde, aber… Ich kann ja nichts dafür, nunja wenig. Ach doch: Ein Ex-Sonderschüler, der jetzt ausgerechnet für Porsche sprechen darf, war auch da und wirkte ganz bestimmt nicht schlauer, nur weil er irgendeine von irgendwem angesehene Position ausfüllt. Also: Mann, Frau, VOX, ARD: Sch… aussehen kann mensch überall. Unappetitlich, sozusagen. Und alles nur weil: Ein bisschen Spaß muss ja sein, ins Fernsehen und so will mensch ja rein, etc. Aber Du schreibst ja in die Richtung, denke ich. Dieser fast Zwang von beim TV arbeitenden Leuten, ihre Gäste noch blöder aussehen zu lassen als sie selbst schon wirken, das sollte sich doch mal so sachte herumgesprochen haben. Kleiner Tipp: Mal dienstags in die 11Freunde-Bar in Rüttenscheid zum DSF-„Fantalk“ gehen, da läuft wöchentlich quasi eine Art Seminar zum Thema. Ich gehe auch ab und an mal zum Auffrischen hin, wenn ich mir vor Augen führen will, wie genau diese Lou Richter Typen funktionieren.) P.S.: Komisch, dass immer so viel im TV darüber gesprochen wird, wie entlarvend Internet-Netzwerke sein können – als wäre das Fernsehen da nicht oft viel vernichtender.

  4. #4 | Christina sagt am 4. Mai 2010 um 10:48 Uhr

    Ach ja. Wie schön. Wir sprechen der Frau mal wieder jedes bisschen an Verstand ab. Hat das nicht schon einmal jemand getan? Da gabs doch eine berühmte Schrift über den physiologischen Schwachsinn des Weibes…. https://de.wikisource.org/wiki/%C3%9Cber_den_physiologischen_Schwachsinn_des_Weibes

    Seit 1903 hat sich in den Köpfen mancher nichts geändert. Egal, ob mehr Frauen als Männer studieren und bessere Abschlüsse machen, wir scheißen drauf. Die Frauen sind von Natur aus dumm, vor allem „junge Frauen von Ende zwanzig, Anfang dreißig, nachweislich also die dümmsten Geschöpfe seit dem Urknall.“

    Aha. Wer kann das nachweisen? Die Studie hätte ich gern. Da rollen sich mir die Fußnägel bei so einem Machogehabe.

    Aber was kann ich schon wissen – eine Frau von Ende Zwanzig, das dümmste Geschöpf seit dem Urknall.

    So, jetzt muss ich aber wieder an den Herd. Vorher verstecke ich all meine Zeugnisse und Auszeichnungen, die mir ja gar nicht zustehen, weil ich so dumm bin.

  5. #5 | Hillenbach-de Beauvoir sagt am 4. Mai 2010 um 11:33 Uhr

    @Jule, @Christina: Seit 1903 funktioniert aber auch dieses hier: Man(n) pfeift und wirft das Macho-Stöckchen ins Gebüsch, und die ersten, die zuverlässig hinterher hecheln, sind immer genau die, die gar nicht gemeint sind. Und jetzt wieder an den Herd – da steh ich übrigens selbst gerade. Grüße, Perik.

  6. #6 | Torti sagt am 4. Mai 2010 um 11:48 Uhr

    Grandios, Bravo, Bravo….

  7. #7 | Meriem sagt am 4. Mai 2010 um 12:15 Uhr

    Ich kann nur hoffen, dass Du mit der Pauschalisierung der Frauen Recht behältst. Ich hoffe es zutiefst – denn dann ist es wohl eben dieser weiblichen Dummheit zuzuschreiben, dass der Witz, die Pointe, die Ironie Deiner Worte „junge Frauen von Ende zwanzig, Anfang dreißig, nachweislich also die dümmsten Geschöpfe seit dem Urknall.“ an mir vorbeigezogen sind.

  8. #8 | schuri sagt am 4. Mai 2010 um 12:16 Uhr

    Problem sind weniger die Macken von Frauen, sondern die Falschheit der Mitesser. Hintenrum wird kübelweise Gift und Galle gespuckt und am Tisch lächelt dazu die Fassade. In England gibt es das gleiche Format, da treffen sich Leute, die eher nett zueinander sein wollen, höflich sind, über sich lachen können – hierzulande wollen wir uns offenbar immer noch am liebsten gegenseitig vernichten. Wenns nicht anders geht dan halt beim Abendessen.

  9. #9 | jule sagt am 4. Mai 2010 um 12:37 Uhr

    Lieber Perik,

    warum sollten sich die bildungsfernen Lemming-Frauen sich zuverlässig auf diesen Post melden? Die interessieren sich doch gar nicht für ihr Geschreibsel.

    Und seit Urzeiten von Jahren ist es auch so, dass Frauen es viel einfacher haben, einen Mann ins Bett zu kriegen als vor den Herd oder normale Hausarbeiten erledigend zu sehen. Und woran liegt das? Weil ihr Männer selbst die Männer als unnormal anseht, die Vätermonate nehmen wollen und damit auf diesem Weg die Frauen weiterhin unterdrückt…

    Ich bin ja beileibe keine Feministin der ersten Schule, aber ich nehm mir das Recht meine Meinung abzuliefern. Aber halt, es war nur ein Stilmittel und ich bin zu dumm dafür um das zu erkennen?

    Aber nicht zu dumm, um ein gutes und ein billiges Stilmittel auseinanderhalten zu können. Und so ein Stöckchen in die Runde zu schmeißen, nur damit man häufiger geklickt wird, das hat was von einer Potenzverlängerung an, die man auf normalem Weg nicht erreicht…

    Viel Spaß noch beim weiteren Umrühren aller billigen Stilmittel.

  10. #10 | martin sagt am 4. Mai 2010 um 13:10 Uhr

    hallo perik,
    hatte gerade den täglichen abwasch, staubsaugen wäschewasch und all das getue hinter mich gebracht und hab im netz über das alte ruhrgebioet gesurft. fand entsetzlich rührselige geschichten über die vergangenheit von „gottes lieblingsmagazin“ (kenner wissen, daß von marabo die rede ist), alte bekannte autoren, die zum glück nicht viel gutes am kulturhauptstadtding 2010 lassen und dann sowas. da lassen diese dummen dinger sich doch wirklich noch auf die palme bringen, wegen einer geschmackssicheren provokation. gratulation! ich guck das alles nicht, nur zufällig sah ich tatsächlich gülcay kamps oder wie die heißt. Heinz Olaf Henkel meinte „Liebe Frau gülcan“, (ganz toll) und als ich sie sprechen hörte, da ahnte ich, daß so etwas wie dein text kommen mußte. brillant, herzlich willkommen in meiner männergruppe „schöner scheitern“. Ich glaub ich mach jetzt endlich mal pause von meinen väterjahren, die ich mir genommen habe und nehme ein paar frauenwochen.
    gruß martin

  11. #11 | schlange sagt am 4. Mai 2010 um 15:02 Uhr

    auf die gastrosexuellen männer!

    (bei den rüpelhaften ausschweifungen scheint mein erinnerungs-protokoll brüchig)

  12. #12 | Christina sagt am 4. Mai 2010 um 17:22 Uhr

    Schade ist, dass eine vermeintliche Fernsehkritik mit einer Degradierung der Frau als solche endet. Konstruktiv ist anders.

    Aber halt, da fällt mir noch was zu ein. Das Machogehabe gab´s ja alles schon mal, da brauchen wir gar nicht bis 1903 zurückzugehen. Sogar eine Nummer größer. https://www.faz.net/s/Rub117C535CDF414415BB243B181B8B60AE/Doc~E5CE14443A0F041629B175ACDD46E9B88~ATpl~Ecommon~Scontent.html

    Eigentlich hab ich jetzt schon zu viel Zeit damit verschwendet. Also, in diesem Sinne.

  13. #13 | Jens König sagt am 4. Mai 2010 um 20:20 Uhr

    Leute, schmeisst doch endlich euren doofen Fernseher raus.
    Dann bleibt euch auch „Verdreckte Dinger“ oder wie das heisst, erspart.

    Ich durfte bei einem Besuch im Freundeskreis zehn Minuten davon sehen und seitdem sitze ich heulend im Keller.
    Auch die Kritik an Fernsehverblödung ist hinreichend ausgereizt (trotzdem: Sehr schöne Schmähschrift!), es reicht doch, zu sagen: Es gibt Privatfernsehen, alles andere ist die logische Folge.

    Was die Hobbyköche im Ruhrgebiet angeht, kann ich nur einen Tip geben:
    Anmelden, als erster kochen (das bedeutet: Schnitzel und Pommes beim Profigrill ordern, dazu ein lecker Fiege), anschliessend bei den Sumpfranzen, die sonst so dran sind den Wanst vollschlagen und generell 0 Punkte geben.

    Ein perfektes Dinner ist a) lecker (sonst wär es nicht perfekt), b) im Kreise guter Freunde (sonst wäre es auch kein Dinner sondern Abendessen).
    Damit schliesst ein gefilmter Abend mit Blitzbirnen die Gleichzeitigkeit mit einem perfekten Dinner aus. Die Sendung ist als Etikettenschwindel entlarvt und damit überflüssig.

    Wer zur Hölle sind Gülcan und Lou?
    Und ausserdem gibt es zu jeder 30ger Schnepfe auch einen 32er Sportler.

  14. #14 | Claus sagt am 5. Mai 2010 um 16:20 Uhr

    Hah, hab´s doch gewusst, wenn die das bei euch im Pott machen wollen gibts ne Revolte, und dann auch noch während der WM, wer soll da mitmachen?

  15. #15 | Hillenbach-de Beauvoir sagt am 5. Mai 2010 um 16:55 Uhr

    @Jens König (13): Interessant, dass Du im letzten Satz die Schnepfen erwähnst. Da hätte ich noch meinen alten Kommentar zum Kochplattenteller-Blog (letzten Dezember) beizusteuern — eine herrliche Rezeptidee zum „Perfekten Dinner“… Wohl bekomm’s:

    Guten Abend. Die Virenabwehr erfordert manchmal auch ungewöhnliche Mittel. Zum Beispiel Schnepfendreck. Aber der Reihe nach.
    Gestern war ich mit Freund Marc, Präsident des FC Ruhrgebiet, aufm Doatmunder Markt, wie immer geht es an den Wildstand von Schräder, und der Onkel hat da eine Schnepfe liegen. O, Schnepfe, denken wir, barocker Vogel, Tafelfreuden gekrönter Häupter aus der Zeit, als man noch Schwäne aß. Was macht man denn da so mit? Und kuck doch mal, wie niedlich, das Köpfchen und der lange Schnabel!
    Dass die Schnepfe im Ganzen gebraten werde, sagt der Onkel, und dass die Innereien da noch drin sind. Besonders mit dem Darm habe es eine Bewandtnis, welche, wisse er aber gerade nicht, er habe Schnepfe noch nie höchstselbst zubereitet.
    Wir erstehen für 29 Euro 1,3 Kilo Hirschgulasch, 2 Fasanenbrüste à 2,50 Euro und den Schnepf, der wohl 10 Euro kostete. Das Köpfchen und den Schnabel lassen wir vom Onkel Unhold abhacken, das war ein Fehler, denn später lesen wir auf schnepfenrezepte.de, dass Krallen und Kopf gefälligst dranbleiben sollen; an ersteren erkenne man, dass es ne Schnepfe war und keine Hauskatze, und letzteren hämmere man auf, um das Gehirn zu löffeln. Nun.
    Zuhause angekommen (zwischen Kaufen und Kochen liegt ein halber Nachmittag in Wenkers Brauhaus, mit etlichen leckeren trüben Bieren, währenddessen das Fleisch in unseren Tüten nachreifen kann), öffnen wir das Tierchen unter OP-Bedingungen und mit Sport & Musik und Kurt Brumme auf WDR2, finden Herz, Leber & Niere, die uns wenig später ein Amuse bouche liefern werden, und legen besonderes Augenmerk auf den Darm. Denn: „Schnepfendreck“ ist eine Delikatesse! Man zerhackt den Darm, brät ihn mit Speck, Rosmarin & Thymian an, gießt ein gewürztes Eigelb drüber und serviert auf Toast. Klasse! Barockkönige! Yiehaa!
    Die Schnepfe selbst gab’s wenig später als niedliche Brust & Keule (sehr schnepfig im Geschmack!) und dazu ein böser, tiefer Jus, gezogen aus der Schnepfenkarkasse (hallo? hier ist der Blog mit den Neologismen!) und allerlei Rotwein.
    Wir tranken einen südafrikanischen „Allesverloren“ dazu, den es gerade im Vino Vin aufm Westfalendamm für 10,79 im Angebot gibt und zu dem eine schöne Story vom historischen, verheerenden Weingutbrand erzählt wird, und seitdem hat sich aber auch sowas von NULL Vir hier blicken lassen, ich führe das auf den Genuss von Wildvogeldarm zurück! Schönen Abend noch, sagt der Perik.

    13. DEZEMBER 2009 18:50

  16. #16 | Jens König sagt am 6. Mai 2010 um 15:43 Uhr

    Eigentlich wollte ich Bratze schreiben, das fiel mir nur gerade nicht ein.
    Hast Du dafür noch ein Rezept?

  17. #17 | Perik O'Loso sagt am 6. Mai 2010 um 16:10 Uhr

    „Bratze“ ist nur unvollständig… es muss „Bratzeit“ heißen, oder?
    Ansonsten siehe hier:
    https://www.stupidedia.org/stupi/Bratze

    (vielleicht schaffen wir auf diese Weise auch die 77 Kommentare zu Annikas Linke-Artikel…)

  18. #18 | “Das perfekte Dinner” sucht Kandidaten im Ruhrgebiet » Pottblog sagt am 8. Mai 2010 um 14:43 Uhr

    […] nicht bewerben. Das liegt natürlich nur an der zu kleinen Küche. Nein im Ernst – das ist ja so gar nicht meins das mit dem […]

  19. #19 | Dat perfekte Ahmndbrot | Kochplattenteller sagt am 24. Juli 2014 um 11:35 Uhr

    […] mich nun für das perfekte Dinner im Ruhrgebiet, ja oder nein? Ich Schnarchnase bin ja erst über das und das drauf aufmerksam geworden.Was also ist zu tun?Die Vorstellung, vier Halbgescheite, die ich […]

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