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Peter Doherty & The Puta Madres live in Köln

Erstaunlicherweise schreibt und spielt er immer noch, macht Platten und ist drogenabhängig. Und – gerade 40 geworden – noch am Leben.

Der letzte Provokateur des Rock’n’Roll, Peter Doherty ist zurück und performte heute Abend live mit seiner neuen Band The Puta Madres in der Kantine in Köln.

Dort stellte er, mit (Ex) Freundin Katia DeVida am Keyboard und Gitarrist Jack Jones, sein neues, Ende April erschienenes, selbstbetiteltes Album vor. Während seine Huskys über das Dach der Kantine streiften.

Das Leben des Ausnahmemusikers beginnt 1979 in Hexham, Northumberland, Vereinigtes Königreich.. Mit 11 Jahren beginnt er Gitarre zu spielen, anfänglich nur um ein Mädchen zu beeindrucken, später um Songs zu schreiben. Nach dem Schulabschluss zieht er zu seiner Großmutter nach London und wird Totengräber, was ihm die Möglichkeit gibt, in Ruhe zu schreiben, während er auf dem Friedhof rumhängt.

Ende der 90er Jahre gründet er mit einem Schulfreund seiner älteren Schwester, Carl Barât,  The Libertines. Diese Band wird mit ihrem Debutalbum „Up the Bracket“ 2002 zum heißesten Newcomer der Indie Szene. Das Duo Barât/Doherty wird in den UK schon als die neuen Lennon/McCartney gehandelt. Doch immer wieder gibt es Streit unter den beiden, Pete verlässt die Band mehrere Male aufgrund seiner Eskapaden. 2004 folgt dann mit „The Libertines“ das zweite Studioalbum und der Umzug in die großen Hallen des Kontinents.

Eigentlich sollte ab jetzt alles laufen, doch Doherty wird noch im selben Jahr aus der Band geworfen und widmet sich seinem neuen Projekt, den Babyshambles, mit denen er drei Studioalben veröffentlicht und ausgiebig tourt.

Ab 2004 ist er auch immer wieder solo unterwegs und veröffentlicht 2009 sein erstes Soloalbum „Grace/Wastelands“, 2016 erscheint  „Hamburg Demonstrations“.

Peter Dohertys Musik ist ein Spiegel seiner Persönlichkeit – eine raue Fassade und voller Ecken und Kanten, doch im Inneren steckt eine sensible Seele, ein literarischer Punkrocker und ein großer Poet. Immerzu pendelt er zwischen tieftraurig und kindlich naiv. In Verbindung mit dem knöchrigen Indie Sound ergibt sich eine energetische und einzigartige Mischung, die so nur von Mr. Peter Doherty stammen kann.

Die Kantine war heute Abend rappelvoll. Peter Doherty verfügt über eine erstaunlich treue Gefolgschaft unter seinen Fans, viele sprechen britisch. Kurz vor halb zehn, 20 Minuten später als geplant, betritt Peter mit seiner Teilzeit-Band die Bühne. Er trägt eine lang geschnittene Smokingjacke, Hemd und Hosenträger, hat schmutzige Fingernägel. Und trotz seiner Schmuddeligkeit und grauen Haare hat er immer noch eine zerbrechliche, jungenhafte Schönheit.  

Die neuen Songs sind eine sympathische Mischung aus Gypsy-Folk-Punk und der musikalische Schwerpunkt des Abends. Dohertys Auftritt ist gekonnt improvisiert, seine Textsicherheit läßt wie immer zu wünschen übrig, das “Kaputte” und “Unperfekte” schimmert gewollt durch und wird gefeiert  Das, was beim Publikum ankommen soll, schwappt auf jeden Fall über den Bühnenrand und das gewaltig. Es ist Leidenschaft, Schmerz, Wehmut und viel Liebe, die besungen und transportiert wird. Peter ist während seines Auftritts immer wieder auf seine Mitmusiker fixiert, sucht immer wieder ihre Nähe und Blickkontakt, man hat den Eindruck, er wirke etwas verloren , suche Halt. Dann ist er wieder sehr in sich gekehrt, konzentriert, hat die Augen geschlossen.

Ich ziehe meinen Hut vor diesem Auftritt. Grade im Hinblick auf die letzten Jahre, die vor allem an Doherty sehr gezerrt haben und gewisse Problematiken es auch immer noch tun, hat er auch diesen Auftritt wieder brillant und ohne Zwischenfälle gemeistert.

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