Popp nach Dortmund – PR-Coup oder der Beginn einer echten Fußballgeschichte?

Das Stadion in Dortmund im Februar 2025. Foto: Robin Patzwaldt

Während sich der Männerfußball am Samstag wieder einmal in gewohnter Lautstärke um sich selbst drehte, schob sich plötzlich eine Nachricht in die Schlagzeilen, mit der wohl kaum jemand gerechnet hatte: Alexandra Popp wechselt zu Borussia Dortmund. Und zwar nicht zu irgendeinem ambitionierten Frauen-Bundesligisten – sondern zu einem Team, das aktuell noch in der Regionalliga herumturnt. Drittklassig.

Das ist ungefähr so, als würde plötzlich ein ehemaliger Champions-League-Sieger beschließen, seine Karriere in der Kreisliga zu beenden – nur mit deutlich größerer medialer Begleitung. Denn eines ist dem BVB mit diesem Transfer definitiv gelungen: Ganz Fußball-Deutschland schaut plötzlich auf eine Mannschaft, die bisher eher ein Randdasein fristete.

Der BVB entdeckt seinen Frauenfußball

Es ist noch gar nicht so lange her, da spielte der Frauenfußball bei Borussia Dortmund bestenfalls eine Nebenrolle im Vereinskosmos. Der Klub, der sich gerne als Volksverein inszeniert, brauchte erstaunlich lange, um im Frauenbereich ernsthaft aktiv zu werden.

Jetzt soll plötzlich alles ganz schnell gehen. Aufstieg, Bundesliga, große Bühne. Und wer könnte diese Ambitionen besser symbolisieren als Alexandra Popp – langjährige Kapitänin der deutschen Nationalmannschaft, Champions-League-Siegerin und Identifikationsfigur beim VfL Wolfsburg.

Mit 34 Jahren kommt sie allerdings nicht mehr als Sturmwunder mit unendlicher Zukunft, sondern als Spielerin, die selbst sagt, dass sie „langsam Richtung Ende ihrer Karriere“ geht. Genau darin liegt der spannende Punkt dieses Transfers: Ist Popp der Grundstein eines großen sportlichen Projekts – oder schlicht das perfekte PR-Gesicht für einen Verein, der seinen Frauenfußball endlich sichtbar machen will?

Der PR-Effekt ist jetzt schon riesig

Der Zeitpunkt der Verkündung war jedenfalls kein Zufall. Noch bevor die Männer des BVB gegen den FC Augsburg antraten, war die Nachricht bereits in der Welt. Social Media explodierte, Medien berichteten im Minutentakt, und plötzlich wusste jeder Fußballfan: Dortmund hat ein Frauen-Team.

Mission Aufmerksamkeit? Erfolgreich abgeschlossen.

Und seien wir ehrlich: Genau darum ging es vermutlich auch. Denn sportlich ist der Weg von der Regionalliga bis in die Frauen-Bundesliga ein langer. Selbst mit einer Spielerin vom Format einer Alexandra Popp lässt sich ein solcher Durchmarsch nicht automatisch buchen.

Schalke macht es ähnlich – nur im Männerfußball

Interessant wird der Blick über die Reviergrenze. Während Dortmund im Frauenbereich eine erfahrene Ikone verpflichtet, setzt der Erzrivale im Männerfußball ebenfalls auf einen prominenten Veteranen: FC Schalke 04 präsentierte kürzlich Edin Džeko als Gesicht seiner Aufstiegshoffnungen.

Auch Džeko ist weit jenseits seiner sportlichen Prime. Auch er bringt vor allem Erfahrung, Namen und Strahlkraft mit.

Man könnte fast sagen: Im Ruhrgebiet glaubt man derzeit wieder an die alte Fußballweisheit, dass große Namen große Geschichten schreiben. Ob diese Geschichten allerdings tatsächlich mit sportlichem Erfolg enden – das steht auf einem ganz anderen Blatt.

Zwischen Traum und Realität

Für Alexandra Popp selbst ist der Wechsel zweifellos eine Herzensangelegenheit. Sie ist seit Kindheit BVB-Fan, und irgendwann im schwarz-gelben Trikot aufzulaufen, dürfte tatsächlich ein persönlicher Traum sein.

Für den Verein wiederum ist sie das perfekte Aushängeschild – besonders mit Blick auf die UEFA Women’s Euro 2029, bei der Dortmund einer der zentralen Spielorte sein wird. Ein bekanntes Gesicht, das Stadion, ein wachsender Frauenbereich: Das ergibt eine schöne Marketinggeschichte.

Die eigentliche Frage bleibt jedoch: Reicht eine Ikone am Karriereende aus, um aus einem Drittligisten ein Bundesliga-Projekt zu formen?

Oder anders formuliert: Hat der BVB gerade den ersten echten Baustein einer neuen Erfolgsgeschichte gesetzt – oder einfach den lautesten PR-Transfer der Regionalliga-Geschichte gelandet?

Die Antwort wird – wie so oft im Fußball – nicht in den Pressemitteilungen entschieden. Sondern auf dem Platz.

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