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Prima Klima dank Schwefel aus China

Der Klimawandel macht Pause. Sonnenflecken, ungewöhnliche Meeresströmungen und vor allem der viele Schwefel aus chinesischen Kohlekraftwerken setzen der globalen Erwärmung zu.

Titelbild FOCUS Nr. 48 vom 27. Nov. 2010

Der Deutschlandfunk hat gestern berichtet, n-tv auch, und gestern Abend stellte auch die FTD diesen Artikel online. Heute zog dann Spiegel Online nach. Dabei ist der Spiegel-Redaktion die Sachlage seit gut anderthalb Jahren im Grunde bekannt. In seiner Printausgabe vom 18. November 2009 schrieb der Spiegel auf Seite 134: „KLIMA – Das Schwächeln der Sonne: Die Erderwärmung ist ins Stocken geraten: Seit zehn Jahren steigt die globale Durchschnittstemperatur nicht weiter an. Die Klimatologen rätseln darüber, wie sich dieser Trend erklären lässt. Liegt
es an den fehlenden Sonnenflecken? Oder an ungewöhnlichen Meeresströmungen?“

Okay, alles noch in Frageform. Heute weiß man: es liegt sowohl am Schwächeln der Sonne als auch am Wechsel der südpazifischen Wetter- und Strömungsverhältnisse. Was man vor anderthalb Jahren noch nicht ahnte: auch die Verdoppelung der Kohleverbrennung in China zwischen 2003 bis 2007 trug segensreich dazu bei, dass die globale Erwärmung inzwischen gestoppt ist. Denn die vielen neuen chinesischen Kohlekraftwerke pusteten nicht nur den vermeintlichen Klimakiller Kohlendioxid, sondern auch riesige Mengen Schwefeloxide in die Luft. Die daraus entstehenden Aerosolpartikel werfen das Sonnenlicht in den Weltraum zurück.

Wie auch immer, ob nun mit oder ohne Berücksichtigung der chinesischen Luftverpestung: das Ergebnis war schon vor gut anderthalb Jahren, also vor der Kopenhagener Klimakonferenz, bestens bekannt: die globale Durchschnittstemperatur (auch so eine Geschichte) legt seit einiger Zeit nicht mehr zu. Dies hatte Mojib Latif, Klimapapst und steter Mahner vor der einschlägigen Katastrophe, bereits am 2. November 2008, also einen Monat vor der Kopenhagen-Konferenz, in der Zeit eingeräumt: „Der letzte Rekord bezogen auf die weltweite Mitteltemperatur war tatsächlich 1998, seit damals gab es keinen neuen Spitzenwert. Danach ist kein signifikanter Trend erkennbar – weder in die eine, noch in die andere Richtung. Wir haben ein hohes Niveau erreicht und verharren nun auf diesem Plateau.“

Befragt danach, wie er sich das denn nun erkläre, antwortet Latif beinah sportlich: „Das ist zu erwarten, denn es können nicht Jahr für Jahr neue Rekorde gebrochen werden.“ Logisch. „Für uns Klimaforscher …“ – ja sicher – „… ist es deshalb nicht ungewöhnlich, …“ natürlich nicht – „… dass die Erwärmung bis zur Mitte des nächsten Jahrzehnts pausieren könnte. Danach wird sie dafür wohl umso schneller weitergehen.“ Wird wohl. Beim Adverb wohl wird mir immer ganz unwohl. Allerdings: hier könnte Latif wohl Recht haben. Der Deutschlandfunk berichtet aktuell: „Zwischen 1998 und 2008 gab es keine weiteren Temperaturrekorde, nur das Jahr 2005 war noch einmal besonders. Über die komplette Elf-Jahresspanne gesehen machte die globale Erwärmung Pause“.

„Pause“, das bedeutet: vorher und nachher passiert etwas. Und die Elf-Jahresspanne resultiert daraus, dass der natürliche Sonnenzyklus exakt elf Jahre bemisst. „Die Zahl der Sonnenflecken – ein Indikator für die Aktivität des Sterns – steigt und fällt
üblicherweise in Zyklen von elf Jahren“
, heißt es bei Spiegel Online. „Derzeit nähert sich Zyklus Nummer 24 seiner Endphase und damit seinem Maximum – doch danach ist erst einmal Ruhe“, eine „jahrzehntelange Verschnaufpause“ stehe bevor. Strittig ist jedoch, wie groß der Einfluss der Sonnenflecken auf die Erdtemperatur ist. Genauso strittig wie die Bedeutung des menschengemachten Anteils am Klimawandel. Selbst für die landläufige These, dass Kohlendioxid-Emissionen die globale Temperatur überhaupt erhöhen, fehlt letztlich (noch?) der Beweis.

Dagegen gilt ein klimaerwärmender Effekt als unstrittig, wenn die Chinesen damit beginnen, mit Filteranlagen die Schwefelmengen aus ihren Kohlekraftwerken zu reduzieren. Die Sache ist vertrackt. Was heißt das jetzt für uns? „Was muss noch alles passieren“, um Claudia Roth – live in Duisburg im Vorfeld der Kopenhagener Konferenz – zu zitieren, „damit reagiert wird? Es geht um nicht weniger als das Fortbestehen unseres Planeten.“ Also nicht nur ums Überleben, sagen wir: der Kröten oder Menschen, sondern um die Existenz der Erde schlechthin. Klar, wir kennen das vom Fieber: wird Dir zu heiß, gehst Du tot. Man muss sich wundern, wie die z.B. Venus seit Menschengedenken mit dieser Hitze klarkommt. Egal. Was sollen wir jetzt machen?

Was hätten wir nicht alles für das Fortbestehen unseres Planeten getan?! Wir hätten den Geländewagen nur noch bei Regenwetter benutzt, und – wer weiß? – vielleicht hätten wir sogar unseren Dackel gegessen. Doch jetzt, nach diesen Infos … – plötzlich erscheint
alles irgendwie so sinnlos. Die Gletscher des Mount Everest schmelzen sowieso weiter, und hinterher stellt sich der Protest gegen das Kohlekraftwerk auch noch als klimaschädlich heraus. Das Beste ist: die ganze Sachlage … – einfach nicht zur Kenntnis nehmen. Einfach überhören. Durchziehen, business as usual. Und was sehe ich da?! Heute schreibt der Chefökonom und Vizedirektor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung bei Welt Online: „Der Ausstoß von Treibhausgasen führt zur Erderwärmung, das ist weitgehend unstrittig.“ Weitgehend.

RuhrBarone-Logo

19 Kommentare zu “Prima Klima dank Schwefel aus China

  • #1
    Stefan Laurin

    Wir sollten häufiger an alte Indianerweisheiten denken:
    „Erst wenn das letzte Kraftwerk abgerissen, der letzte Ofen zerstört, die letzte Gasheizung ausgeschaltet ist, werden die Menschen feststellen, dass man mit Ökohysterie nicht heizen kann“

    http://www.youtube.com/watch?v=sVLBnhSu4TY

  • #2
    christian

    Ohhh nein…Klimaskeptiker…. bitte verschont uns doch mit diesen Verschwörungsschwachsinn

  • #3
    christian

    Nochmal…die Globale Erwärmung macht keine Pause: 2009 und 2010 waren Rekordjahre und wer will kann gerne mit mir eine Wette eingehen, dass weitere folgen werden.

  • #4
    Stefan Laurin

    @Christian: Ich fand den Winter recht frisch. Ein paar Grad mehr wären ganz ok gewesen 🙂

  • #5
  • #6
    Caro

    Claudia Roth soll schon mal anfangen den Planeten zu retten. Hat ja mit ihrer Farb Orgie schon genug zu seiner Zerstörung beigetragen.
    Ich habe auch noch nichts von Erderwärmung gemerkt. OK, vielleicht heute etwas. Aber so allgemein friert man sich in Deutschland doch eher den Hintern ab.
    Und immer auf den armen Chinesen rumhacken. Demnächst haben wir hier auch wieder Kohlekraftwerke. Braucht doch Bayer gaaaanz dringend. Nicht zu vergessen, der Atomausstieg…

  • #7
    Stefan Laurin

    @christian: Anfang Januar – so bis zum 10. war es verdammt bitter kalt.

  • #8
  • #9
    Frank

    @Stefan: Mein Lieblingszitat von Mojib Latif stammt aus dem Jahre 2000: “Winter mit starkem Frost und viel Schnee wie noch vor zwanzig Jahren wird es in unseren Breiten nicht mehr geben.“ Du musst Dich also getäuscht haben 🙂

  • #10
    Christian

    Ich habe noch nichts von der Erderwärmung gemerkt … es könnte doch im Winter ruhig etwas wärmer sein … wie kommt die Venus bloß mit der Hitze klar? Au weia – was wird das denn hier? Klimaskepsis-Verschwörungstheorie bei den Ruhrbaronen? Das finde ich wirklich bedauerlich…

  • #11
    h.f.ullmann

    Seltsamerweise fällt hier nicht das entscheidende Schlagwort, daher empfehle ich allen folgenden Text bei Wikipedia:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Globale_Verdunkelung

    „Nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 galt für drei Tage ein Flugverbot für die gesamten USA. In dieser Zeit wurde beobachtet, dass die Temperaturdifferenz zwischen Tag und Nacht über den USA um 1,1 °C höher war als einen Tag vor oder nach dem Flugverbot. Ein so hoher Temperaturunterschied war dort in den vergangenen dreißig Jahren nicht gemessen worden.“

    In meinen Augen sind die ganzen Umweltschützer einfach zu eindimensional bei dem Thema, man kann den Effekt nicht mehr verhindern, man kann aber das Beste draus machen. Es wurde bereits vorgeschlagen, mit einer Flotte von Booten zusätzliche Wassertröpfchen in die Luft zu befördern, damit die Einstrahlung der Sonne verhindert wird. Man stelle sich einmal vor man würde dies vor Spanien machen und und so den Verwüstungseffekt stoppen. Und wenn man die Technik weiter ausbaut, bin ich mir sicher könnte man Nordafrika in einen riesigen Wald verwandeln. Die Mengen an gebundenem CO2 wären durch Einlagerung im Boden nicht zu erreichen und die Temperatur der Meere könnte gehalten werden. Wenn man dies noch weiter ausbaut könnte man bei Waldbränden für die Region vorgesehene Regenwolken produzieren.

    Aber wie soll man das machen wenn die meisten Umweltschützer keine Ahnung von Technik haben?

  • #12
    Frank

    @Werner Jurga:

    Die WELT kompakt hatte heute eine interessante Gegenüberstellung von einem Klimaerwärmungsgläubigen und einem Ungläubigen. Gemerkt habe ich mir den Satz: „Die CO2-Steuer ist für einige Politiker die einmalige Gelegenheit, unsere Atemluft zu besteuern. Das werden sie sich nicht entgehen lassen.“ Wird wohl so kommen.

  • #13
    Arnold Voss

    Leute, wieso schmilzt auf der Erde großflächig und anhaltend das Eis, bzw. nehmen die Eisflächen kontinuierlich ab ? Weil es im Durchschnitt wärmer oder weil es im Durchschnitt kälter wird? Der langfristige Trend scheint mir eindeutig zu sein, und Klimawandel ist nun mal eine langfristige Sache. Seien wir froh drum.

  • #14
    Gast

    „Klimaskepsis-Verschwörungstheorie bei den Ruhrbaronen? Das finde ich wirklich bedauerlich…“

    dito

    wie armselig.

  • #15
    Caro

    an #14 | Gast
    Wieso? Haben wir in Deutschland Meinungsdiktatur?
    Wußte ich schon immer, daß Öko Fanatiker ziemlich humorlos sind.

  • #16
  • #17
    amo

    Die Enquetekommission des deutschen Bundestages „Schutz der Erdatmosphäre“ hat schon 1988 weise geschrieben, dass Maßnahmen zu ergreifen sind, obwohl Ausmaß und Folgen der Klimaerwärmung exakt bekannt sind.
    Was sagen wir nachfolgenden Generationen. Tut uns leid, die Wissenschaft war noch nicht so weit, dass mehr als 99,9% überzeugt waren, deshalb haben wir erst einmal nichts getan.
    Das ist kein verantwortungsbewusstes Handeln.
    Oder sagen wir: Durch die Verteuerung der Rohstoffe machte Energiesparen volkswirtschaftlich zwar Sinn, aber wir konnten uns nicht einigen, wie gefördert werden soll, wie die Investitonskosten (z.B. der Wärmedämmung) auf Mieter und Vermieter aufgeteilt werden soll.

    Wer den möglichen Schaden nicht genau beziffern kann, der versucht ihn zu vermeiden.

  • #18
    amo

    Sorry, ein „nicht“ zu wenig.
    „obwohl Ausmaß und Folgen der Klimaerwärmung nicht exakt bekannt sind“ ist richtig.

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