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Ruhrgebiets-Asterix: Ich muss Abbitte leisten

Ich bin mit Asterix-Comics groß geworden. Ich habe gelernt, das man, wenn man einem Mädchen begegnet, in das man sich verliebt hat, kaum mehr als “Grmblwrx” heraus bekommet, das Goten Trottel sind und natürlich ist mein zweitliebster Hund nach Snoopy Idefix. Als dann Asterix-Comics in verschiedenen Dialekten auf den Markt kamen, empfand ich das als ein Sakrileg, fast so, als würde man Casablanca mit Til Schweiger und Veronica Ferres in den Hauptrollen neu verfilmen. Natürlich wurde meine Meinung dadurch gefestigt, dass ich nie einen solchen Asterix-Band in der Hand hatte. Das ändert sich vor einem guten Jahr. Ich bekam   damals  “Dingenskirchen”, die Ruhrgebietsdialekt-Version der Trabantenstadt, geschenkt und war begeistert. Nun ist “Voll auf die Omme” erschienen, im Original “Kampf der Häuptlinge”.

Dass mir die Ruhrgebietsversionen der alten Comics besser gefallen als die Neuerscheinungen hat einen Grund und der heißt Hennes Bender: Asterix-Comics neu zu texten ist durchaus vergleichbar mit einem Spaziergang durch ein Minenfeld. Viele würden sich das, aus guten Gründen, nicht trauen. Aber Bender hat sich zum Glück auf das Wagnis eingelassen: Er erzählt die Geschichten nicht nach, er erzählt sie neu. Die Charaktere werden behutsam ins Ruhrgebiet übertragen, ohne dabei beschädigt zu werden. Die Nachdichtung gelingt ihm so gut, dass man das Original vergisst und sich auf die neue Geschichte einlässt. Und wie die Original-Bände gibt es eine zweite Ebene, die  Bender mit seinem Wissen über das Ruhrgebiet, seine Städte und Menschen  bespielt. Also: Ich muss Abbitte leisten. Die Ruhrgebiets Asterix-Bände sind großes Tennis, mit Hinkelsteinen gespielt.

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8 Kommentare zu “Ruhrgebiets-Asterix: Ich muss Abbitte leisten

  • #1
    Klaus Lohmann

    Man sollte trotz aller Euphorie Herrn Bender evt. darauf hinweisen, dass es hierzulande umgangssprachlich *die* Köttelbecke und dementsprechend sprechblasentechnisch " ‘ne Köttelbecke" heißt. Dass "Becke" vermutlich von "Bach" abstammt (also Köttelbecke insgesamt "Kackbach" bedeutet) und das ‘n demnach grammatikalisch richtig wäre, interessiert den Ruhreinwohner ‘n Dreck;)

  • #2
    Mika

    Kann man sehen, wie man will. Die deutschen Übersetzungen von Asterix sind zum großen Teil überhaupt nicht gelungen. Je neuer, desto blöder. Auf Französisch sind die wirklich klasse.

  • #3
    Björn Morawitz

    Köttelbecke heißer hier wohl eher Kotbecken. Und im östlichen Teil des Ruhrgebiets würde man auf jeden Fall "nen Köttelbecke" sagen

  • #4
    Klaus Lohmann

    @Björn Morawitz: Das kann ich guten Gewissens und qua Abstammung aus dem "östlichen Teil des Ruhrgebiets" verneinen. Was aber das Sauerland dazu sagt, möchte ich wegen der dort weitestgehend fehlenden Erfahrung mit begradigten und betonierten Abwasser-Bachläufen der Emscher nicht beurteilen;-)

  • #5
    Klaus Lohmann

    Ich vergaß: "-becke" oder "-beck" stammt aus dem Niederdeutschen und bedeutet wirklich "Bach" (siehe z.B. Gladbeck, Borbeck, Minden-Lübbecke…):
    https://de.glosbe.com/nds/de/-beck

  • #6
    Hennes Bender

    Aber wenn "Becke" "Bach" heisst, dann ist "N" also" DER doch richtig, oder? DER Kackbach, ergo: DER Köttelbeck… Wegen Diskussionen wie dieser mache ich diese Übersetzungen überhaupt!

  • #7
    Klaus Lohmann

    @Hennes: Wie ich oben schon schrob, ist das zwar *grammatikalisch* richtig, aber der gemeine Ruhrgebietler ist zumindest im Osten des Reviers doch mehr oder weniger mundfaul und verludert sich gern mit der phonetischen "Denkweise", dass was mit "e" am Ende manchmal sächlich und meistens weiblich is. Isso; )

  • #8

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