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Rüttgers und der Rau-Kult

Mit einer doppelseitigen Anzeige wirbt die CDU im aktuellen Spiegel. 21 Menschen bekennen: „Früher habe ich Johannes Rau gewählt, dieses Mal wähle ich Jürgen Rüttgers…“ Wenn ich ein traditioneller CDU-Anhänger wäre, würde mich diese Anzeige stören.

Und nicht nur das: Der ganze Rau-Kult von Rüttgers würde mich stören. Denn der bedeutet, dass die Union in den 80er und 90er Jahren bei den meisten Wahlen ja besser gar nicht angetreten wäre – gegen den tollen Johannes Rau.

Und was ich, auch ohne traditioneller CDU-Anhänger zu sein, nicht verstehe ist, was an Rau denn so phantastisch war. Ich habe seine Ministerpräsidentschaft fast vom ersten bis zum letzten Tag in NRW miterlebt. Als Wissenschaftsminister hatte Rau seine Verdienste. Als Ministerpräsident sorgte er dafür, dass Mehltau über diesem Land lag.

Gut war in seiner Regierungszeit, dass er Christoph Zöpel die Internationale Bauaustellung machen ließ. Schlecht, dass auch Clement mit seinen Leuchttürmen zig Millionen Steuergelder ohne größeren Effekt versenken durfte. Ansonsten, so meine Erinnerung, spielte er gerne Skat, trank Pils, war gegen ein geeintes Ruhrgebiet und sorgte mit seiner These, er könne 1987 als Kanzlerkandidat die absolute  Mehrheit für Erheiterung.

Ob Steinkohle oder Bildung: Rau bewahrte und änderte nichts. Er hatte zwei Sinnsprüche. Der Offizielle: Versöhnen statt spalten. Der Inoffizielle: Wer sich bewegt verliert. Als er 98 ging, waren nicht wenige erleichtert, obwohl die Art und Weise wie in seine eigenen Genossen aus dem Amt gedrängt haben unwürdig war.

Der Rau Kult – eines der großen Geheimnisse Nordrhein-Westfalens, dass ich nie verstehen werde.

RuhrBarone-Logo

21 Kommentare zu “Rüttgers und der Rau-Kult

  • #1
    Jens

    Wie beruhigt heute – nach Veröffentlichung des Spiegel-Artikels zur Parteispendenaffäre der CDU – wohl die CDU-Verantwortlichen waren, dass sie doch noch das CDU-Logo auf die Anzeige in die rechte Ecke gepackt haben.

  • #2
    Torti

    @ Stefan
    Du hast die Bibelzitate vergessen. Unter Rau war die SPD jedenfalls schwer evangelisch.
    Was nicht ohne Komik ist, denn die jetzige Landesregierung besteht nur aus Katholen.

    Im Ortsverein meiner Mutter galt jedenfalls das Motto: Händefalten, Köpfchen senken, immer an Johannes denken.

    Es war die Zeit der „Bei uns SPD“ Plakate, ja sowas hat mal gereicht um NRW zu regieren, davon hat sogar so ein politischer Geisterfahrer wie Clement profitiert.

    Ich bin jedenfalls während meiner gesamten Schulzeit SPD regiert worden und wirklich alles was Frau Kraft heute fordert hat Rau verhindert. Ein “ Piep,piep, piep wir haben uns alle lieb“ ersetzte eine Integrationpolitik und das Steigerlied war schon sowas wie Arbeitsmarktpolitik.

    Ne bloss nich wieder…..

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  • #4
    Jens

    @Torti: Du widersprichst Dir gerade… wenn Du jetzt sagst, dass Kraft sich deutlich von Rau unterscheidet und jetzt das auf keinen Fall wieder haben willst.

  • #5
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Jens: Sie sagt ja von sich selbst sie sie eine „Kohletante“. Und der Rau war ein Kohleonkel. Und die Filzstrukturen im Land sind noch intakt – da kann sie gleich an ihre Vorgänger anknüpfen :-).

  • #6
    himynameis

    Hm, hat Rüttgers Raus alten Wahlkreis? Oder haben die „Bekenner“ früher in Raus gewohnt und leben nun in Rüttgers‘? Ansonsten versteh ich die Anzeige mal gar nicht ;).

  • #7
    Angelika

    @Stefan Laurin
    Du glaubst also, dass H.Kraft gewissermaßen ‚von gestern‘ ist? Na, dann lass dich mal überraschen …
    Dass Kraft an Politik von Anno-Tucktuck (Rau-Ära) anknüpfen würde/wird (wait and see …) ist m.E. wirklichkeitsfremdes Denken.

  • #8
    Dieter Carstensen

    Johannes Rau sagte 1985 auf einer Veranstaltung des DGB NRW zum 40’ten Jahrestag der Wiedergründung der Gewerkschaften im CC Aachen, zu der ich auch eingeladen war:

    „Heute war ich schon auf einer kirchlichen Veranstaltung und nun habe ich auch noch ein wenig Zeit für Sie gefunden.“

    Die meisten Gewerkschafter haben in heiliger Einfalt auch noch Beifall geklatscht, für mich war Rau danach endgültig untendurch.

    Er hätte auch ein guter CDU Ministerpräsident sein können, insofern ist das CDU Plakat garnicht mal so abwegig.

  • #9
    Frank

    Rau im Bundestagswahlkampf 1987: Jungunionisten drängeln während der Rede Raus in den Saal. Halten ein Schild hoch. Aufschrift: „Den besten für Deutschland“ Dann drehen Sie es um. Auf der Rückseite steht: „Helmut Kohl“.

    Rau sieht das und kontert: „Was will uns die Junge Union damit sagen? Ich glaube: Der Helmut Kohl müsste sich um 180°-wenden, damit er der beste für Deutschland würde.“ Tosender Beifall.

    Humor hat er immerhin gehabt. Den hat Rüttgers aber nicht. Wer will der eigentlich noch alles sein? Hat ja schon den Wahlkampf von Barrack Obama kopieren lassen.

  • #10
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Angelika: In der Kohlepolitik ist sie genau das, was die Grünen früher ein“Grubenpony“ genannt haben. Seit gestern heißt das ja wohl Kohle-Zombie 🙂

  • #11
    Stefan Laurin Beitragsautor

    An die Spaßvögel der Nacht: Wir werden nicht alle Rau-Schwänke freischalten. Alles klar? 😉

  • #12
  • #13
    Torti

    @ Jens
    Also mit „Nie wieder“ meine ich die Reinkarnation von Rau und das ist doch nicht die Kraft oder habe ich die CDU Kampagne missverstanden…mit dem was Frau Kraft fordert z.b im Bereich Bildung kann ich mich anfreuden.

    Allerdings erhöhen die Jahre der SPD Regierungszeit nicht gerade Ihre Glaubwürdigkeit.

    @ Frank
    Also mir ist ein guter humorloser MP lieber als ein Lachsack als Oberbremser der sein Licht mitgebracht hat.

  • #14
  • #15
  • #16
  • #17
    Ö.bama.dp

    Wie glaubwürdig ist denn die CDU?

    An der FernUniversität Hagen soll ab 2012 der Master-Studiengang Elektro- und Informationstechnik u.a. mit dem Studienschwerpunkt „Regenerative Energiesysteme“ eingestellt werden.
    Diese Maßnahme wird von der CDU in NRW befürwortet.

    Da weiht einerseits jetzt der Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) pressewürdig die Offshore Windparkanlage Alpha Ventus in der Nordsee ein – andererseits will die CDU hierzulande diese zukunftsweisende Wissenschaftssparte an der Uni Hagen schließen.
    Ich finde, dass ist nicht nur unglaubwürdig und verantwortungslos, sondern ein Skandal, wie sich schon die CDU in NRW so einige Skandale wie z. B. mit dem Sponsoring bei Parteitagen und die schwarzen Kassen geleistet hat.

    Ich schaue lieber mal in www.wahlpedia.de oder www.kandidatenwatch nach, ob es noch andere Parteien gibt, wie die ÖDP, die von der Wirtschaft unabhängig sein wollen und keine Firmenspenden annehmen.

  • #18
    Perik O'Loso

    Ebenfalls Dank an Jens (15); prima Artikel. Hier bei uns in Doatmund wird übrigens seit Jahren unter der Hand erzählt, dass einflussreiche Gerüst-/Bauunternehmer, Gastronomen und ähnliche Koryphäen selbstverständlich ihr SPD-Parteibuch in der Nachttischschublade hätten, bei Wahlen aber ihr Kreuzchen bei der CDU machen. Ist ja auch irgendwie süß und passt zum Thema. Dank an Stefan übrigens für das Lob an Christoph Zöpel.

  • #19
    Hans

    Einfach nur peinlich, was die SPD oh pardon CDU in NRW für einen Wahlkampf fährt.

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  • #21
    Lukas der Bergbahnlokomotivführer

    Rau hat NRW ähnlich dynamisch regiert wie König Alfons der Viertel-Vor Zwölfte Lummerland.
    Und dass Rüttgers sich für seinen legitimen Nachfolger hält, ist ein weiterer Grund, ihn nicht zu wählen.

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