Der PFT-Sündenbock von Minister Uhlenberg (CDU) im Sauerland ist umgekippt.

Foto: NRW-Umweltministerium / Minister Uhlenberg steht links

NRW-Umweltminister Eckhard Uhlenberg (CDU) drohen kurz vor den Landtagswahlen erneut Schwierigkeiten in Sachen PFT. Diesmal geht es um ein Feld in Brilon-Scharfenberg. Dort hatte Minister Uhlenberg im Winter 2006 mit großem Pomp eine Millionen-Euro teure Filteranlage bauen lassen, die nahezu alleine das Problem mit dem krebserregendem Gift im Trinkwasserfluss Ruhr lösen sollte. Uhlenberg sagte damals, aus dem Acker mitten im Sauerland würden 80 Prozent des PFT in der Möhne stammen und weiter in die Ruhr strömen. Mit der Sanierung des Feldes sei damit Schluss.

Doch wie Unterlagen beweisen, die mir vorliegen, ist das Vorhaben weitgehend gescheitert. Zunächst konnte nachgewiesen werden, dass vor allem aus den Kläranlagen des Ruhrverbandes über 50 Prozent der PFT in die Ruhr strömen, und nicht das Feld in Brilon die Hauptursache ist. Und jetzt steht auch noch fest, dass die Sanierung des Ackers in Brilon-Scharfenberg nicht funktioniert hat. Nach wie vor sickert PFT aus dem Feld und verseucht das Wasser der Region.

Bereits im Frühjahr 2008 hatte die Bezirksregierung Arnsberg festgestellt, dass trotz Sanierung des Ackers die Kläranlage in Brilon-Scharfenberg des Ruhrverbandes immer noch mit hohen PFT-Lasten zu kämpfen hatte. Am 30. Mai 2008 schließlich heißt es in einem vorliegenden Telefonvermerk, die Bezirksregierung habe Kenntnis erlangt, dass die PFT-Drainage um das belastete und angeblich sanierte Feld unterspült wird. Sprich: das Gift wird dort bis heute nicht komplett aufgefangen und in der Filteranlage aus dem Wasser geholt, sondern es fließt an der Technik schlicht vorbei. Danach sickert das PFT durch undichte Stellen in Abwasserkanäle, vermischt sich dort mit Hausabwässern und landet in der Kläranlage.

Die Forderung der Bezirksregierung auf Basis dieser Sachlage ist überraschend. Nicht das Feld soll saniert oder die Kläranlage ertüchtigt werden. Nein, die Kanäle sollen endlich besser abgedichtet werden, damit das PFT nicht mehr in die Kläranlage des Ruhrverbandes läuft und dort die Messwerte versaut. Auch der Hinweis eines Vorstandes der Stadtwerke Brilon, dass dann das PFT halt direkt in die Möhne und die Ruhr fließen würde, verunsicherte die staatliche Umweltverwaltung unter Kontrolle des Ministers Uhlenberg nicht.

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In einem Gesprächsvermerk vom 12. Januar 2009 heißt es, das Uhlenberg-Ministerium lege „größten Wert darauf, dass das PFT-haltige Wasser nicht mehr durch die Kläranlage fließt.“ Sprich, dass die alten Kanäle saniert werden. Die Messwerte dort lagen nach einer Analyse des Ruhrverbandes teilweise bei über 80.000 Nanogramm Gift je Liter Abwasser. Maximal 300 Nanogramm gelten als gerade noch Ok.

Der Uhlenberg-Sprecher Markus Fliege dementierte die Aussage. Er meinte, die Drainage würde gut funktionieren. Nur „teilweise“ würde das PFT-verseuchte Wasser an der Filteranlage auf dem Acker vorbeiströmen. Und es würden „minimale Mengen“ in die Gewässer gelangen.

Diese Aussagen des Uhlenberg-Intimus finde ich ganz schön gewagt. Ich veröffentliche hier die vollständigen Messergebnisse nur eines Tages an der bekannten Stelle am Feld. Wie man sieht, sind die Werte sehr hoch – höher als die Werte in dem südlichen Drainageschacht.

Diese Werte, die ich hier bringe, sind die einzigen vollständigen und validen PFT-Werte, die bislang öffentlich wurden. Es gibt noch mindestens eine zweite Messung vom 24. März 2009, die in Unterlagen der Stadtwerke Brilon gelangt sind. Doch bei diesen Werten fehlt eine entscheidende Zahl – nämlich der Wert der Durchflussmenge. Aus diesem Grund sind die Messungen nicht vollständig und nicht ernsthaft in der Diskussion nutzbar. Was sagt ein Konzentrations-Wert von unter 100 Nanogramm je Liter aus, wenn ich nicht weiß, ob überhaupt ein Liter Wasser durch den Schacht abgeflossen ist? Richtig, das sagt nichts aus.

So weit so gut. Es bleibt die Frage, warum es dem Uhlenberg-Ministerium so wichtig war, nur auf die Sanierung der Kanäle zu setzen?

Eine funktionierende Kläranlage, die in der Lage ist PFT aus dem Trinkwasserfluss zu halten, muss der Ruhrverband bezahlen. Es drohen Kosten in Millionenhöhe. Eine funktionierende Sanierung des Feldes kostet das Uhlenberg-Ministerium viel Geld. Die Sanierung der alten Kanäle müssen vor allem die Menschen in Brilon-Scharfenberg privat bezahlen.

Die Anwohnerin Elisabeth Henne hat bereits ein Zwangsgeld angedroht bekommen, wenn sie nicht endlich den Kanal an ihrem Haus für ein paar tausend Euro abdichtet. Ihr Haus stehe im PFT-verunreinigten Grundwasser, heißt es. Sie hat Klage beim Verwaltungsgericht Arnsberg eingereicht. Sie kann das Geld nicht aufbringen.

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2 Kommentare

  1. #1 | Jürgen sagt am 5. Mai 2010 um 11:16 Uhr

    Anscheinend interessiert sich kein anderer Journalist und kein Vertreter einer der aktuellen Oppositionspolitiker (bzw. Oppositionspolitiker im Wartestand) um diese Sache. Dabei wäre es sie genauso wert, in den regionalen und überregionalen Tageszeitungen thematisiert zu werden, wie verdeckte beispielsweise Wahlkampfspenden. Weshalb? Weil es hier wirklich um die Gesundheit der Menschen geht! Weil hier bewusst und fahrlässig auf eine konsequente Sanierung ebenso verzichtet wird wie auf eine Aufrüstung der betroffenen Klärwerke. Auf einmal sollen Private für die, oberflächliche, Beseitung gerade stehen. Interessiert das keine Sau in NRW? Die Miet-Affäre und diese PFT-Sache sind allein zwei ausreichende Gründe, weshalb Rüttgers und seine CDU trotz möglicher Erfolge abgewählt gehört.

  2. #2 | Elisabeth Henne sagt am 8. Mai 2010 um 11:43 Uhr

    Hallo Jürgen!
    Es gibt durchaus „Noch“-Oppositionspolitiker, die sich für PFT und den Umgang damit interessieren. Und die PFT-Geschädigten in Scharfenberg hoffen von ganzem Herzen, dass sie ab morgen eben keine Opposition mehr sind, die genauso wie die Betroffenen mit Verschweigen und Halbwahrheiten dumm gehalten werden sollen. Und ich glaube, ohne David Schraven und seine Arbeit hätten wir, die Politik und die PFT-Geschädigten, in den letzten Jahren vieles nicht herausgefunden.
    Skandalös ist und bleibt, dass mit krimineller Energie der Verunreinigung auf den Äckern in Scharfenberg möglich war. Doch noch viel skandalöser ist für mich inzwischen der Umgang damit. Wenn PFT großräumig aus dem betroffenen Acker in die Umgebung und ins Grundwasser gelangt ist, kann die Abdichtung von Kanälen nicht die Lösung sein. Hier gehört neben einer Aufrüstung des betroffenen Klärwerks möglicherweise eine Grundwassersanierung hin, damit das Ruhrgebiet dauerhaft gesundes und sauberes Trinkwasser erhält.
    Und berichtet wird in Kürze auch wieder über den PFT-Skandal in Scharfenberg. WDR-Lokalzeit Siegen hat am letzten Donnerstag stundenlang in Scharfenberg gedreht und wird am kommenden Freitag in der Lokalzeit Siegen senden.

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