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Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung übersieht das Ruhrgebiet

 

Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung.. Foto: Ruhrbarone

Berlin, Frankfurt, Düsseldorf, Leipzig, Köln, Hamburg, Stuttgart, Mannheim, München und Nürnberg hat Roland Berger im Auftrag der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung  untersucht.  Fragestellung: Welche Stadt ist für die Kreative Klasse in Deutschland die attraktivste? Roland Berger bezog sich dabei nicht auf den etwas biederen Ansatz Nordrhein-Westfalens, den Fokus vor allem auf die Kulturwirtschaft zu richten, sondern auf die Ideen von Richard Florida. Florida rechnet neben kulturell Kreativen auch die wirtschaftlich Kreativen (vor allem Unternehmensgründer) und die technologisch Kreativen (Ingenieure, Programmierer etc.) zur kreativen Klasse. Untersucht wurden Kriterien wie urbane Attraktivität, Toleranz und die Dichte Hochqualifizierter in einer Stadt. Sieger waren München, Hamburg und Stuttgart.

Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung. Foto: Ruhrbarone

Berlin, Frankfurt, Düsseldorf, Leipzig, Köln, Hamburg, Stuttgart, Mannheim, München und Nürnberg hat Roland Berger im Auftrag der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung  untersucht.  Fragestellung: Welche Stadt ist für die Kreative Klasse in Deutschland die attraktivste? Roland Berger bezog sich dabei nicht auf den etwas biederen Ansatz Nordrhein-Westfalens, den Fokus vor allem auf die Kulturwirtschaft zu richten, sondern auf die Ideen von Richard Florida. Florida rechnet neben kulturell Kreativen auch die wirtschaftlich Kreativen (vor allem Unternehmensgründer) und die technologisch Kreativen (Ingenieure, Programmierer etc.) zur kreativen Klasse. Untersucht wurden Kriterien wie urbane Attraktivität, Toleranz und die Dichte Hochqualifizierter in einer Stadt. Sieger waren München, Hamburg und Stuttgart. Am miesesten schnitt Leipzig ab – keine große Überraschung: Wer will sich schon von den von regelmäßiger Erwerbsarbeit entwöhnten Kahlköpfen durch die Straßen jagen lassen?

Nicht in die Auswahl der überprüften Städte kam das Ruhrgebiet – weder einzelne Städte noch die Region als Ganzes hatte man auf dem Schirm, und auch im Internet, wo man seine Stadt nachträglich beschreiben kann, taucht nur Dortmund auf – mit einem Foto. Für mich ein schöner Beleg dafür, dass wir bundesweit nicht wahrgenommen werden – was zum Teil an dem im Ruhrgebiet ausgeprägten Hang zur Mittelmäßigkeit liegt – lieber vier Konzerthäuser statt einem richtig guten – aber auch daran, dass wir nicht auf hier entwickelte Projekte setzen, sondern auf Importe wie die Loveparade. Warum wurde auf der ITB mit der Loveparade geworben, aber nicht auch mit Bochum Total, dem größten Festival in Deutschland? Übrigens eine Bitte an die Leser der Ruhbarone – wenn auch nicht ohne Risiko: Bitte setzt doch Texte, Fotos etc. auf die FAZ Seite. Wenn es die Politik schon nicht schafft, dem Ruhrgebiet Wahrnehmung zu verschaffen (und es auch bei den angeblich so starken Städten nicht klappt) müssen wir  das eben selber tun. Ich habe einen Text zum Ruhrgebiet geschickt. Es wäre schön, wenn er nicht der einzige wäre, denn die Frankfurter bekommen. Hier der Link: http://ranking.faz.net/staedte/upload.php

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Ein Kommentar zu “Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung übersieht das Ruhrgebiet

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    Arnold Voß

    Die Erklärung dafür liegt doch auf der Hand. Das Ding heißt Städteranking und nicht Regionalranking. Es gibt keine Stadt die Ruhrgebiet heißt, geschweige den eine Ruhrstadt. Deswegen taucht ja auf der allabendlichen Fernsehwetterkarte auch nur Köln auf. Und mal ehrlich, nicht mal die größte der RVR-Gemeinden hätte einzeln im Verhältnis zu den in der Studie genannten Top 5 eine ernst zu nehmende Chance gehabt. Was hätte es also dem Ruhrgebiet genutzt wenn auf Platz 7-10 wohlmöglich Dortmund, Essen und Bochum und nicht Mannheim, Nürnberg und Leipzig gestanden hätte. Da ist es vielleicht besser, gar nicht in einer solchen Liste aufzutauchen, denn die Kriterien der Auswahl sind bei näherer Betrachtung recht willkürlich.

    Dass ne Menge interessanter Leute aus dem Ruhrgebiet in den letzten Jahren und Jahrzehnten nach Berlin, Hamburg oder Köln gegangen sind, ist allerdings jenseits solcher Städtevergleiche Fakt. Ich selber habe seit einigen Jahren auch noch einen Wohn- und Arbeitssitz in Berlin und das hat nicht nur beruflich Gründe. Urbanität (ein wichtiges Kriterium des FAZ-Städterankings) ist, wenn man, wie ich, gerade Nachts meistens zu Fuß und/oder mit dem ÖNV unterwegs ist, in Berlin einfach besser lebbar als im Ruhrgebiet. Es sei den ich wollte meine Abende ausschließlich im B3E (Bermudadreieck) verbringen. Aber selbst von da komme ich unter der Woche nach Mitternacht nicht mehr weg und an den Wochenenden auch nur stündlich. Aber wem sage, respektive schreibe ich das.

    Tagsüber ist dagegen das Ruhrgebiet ideal für die von mir auch geliebte Kombi von Fahrrad und Nahverkehr, wobei das Radeln entlang der interkommunalen, sprich de facto innerstädtischen Radwege, bei schönem und warmem Wetter auch nachts großen Spaß bereitet. Viel mehr auf jeden Fall als im fast überall dicht bebauten und somit überall autoüberfluteten Berlin. Überhaupt sollte das Ruhrgebiet mit seinen nichturbanen und trotzdem sehr lebenswerten Qualitäten wuchern und nicht krampfhaft versuchen Metropole zu werden. Kreativität ist keineswegs an städtebaulicher Dichte gekoppelt. Zumindest nicht mehr in den Zeiten des Internets. Und urbane Treffpunkte gibt es in der Ruhrstadt mittlerweile auch. Und Kultur bis zum Abwinken. Warum also will das Ruhrgebiet partout in die Liga von Berlin, London oder Paris aufsteigen, wo es doch jetzt schon die spannendste Provinz Europas, wenn nicht der ganzen Welt ist. Eine allerdings, in der man ständig unterwegs sein muss um sie in ihrer ganzen Vielfalt zu entdecken. Das allerdings gilt auch für Metropolen ähnlicher Ausdehnung und Bevölkerungsmenge. Frankfurt ist aus dieser Sicht nicht mehr und nicht weniger als eine Kleinstadt mit (zu) vielen Hochhäusern. Aber auch der Umzug nach Nürnberg, Leipzig, Mannheim oder Stuttgart wäre für einen mobilen Ruhrstädter nichts anderes als ein urbaner Abstieg. Lange Rede kurzer Sinn: Gäbe es eine Ruhrstadt, dann wäre sie nicht nur in den Vergleich aufgenommen worden sondern hätte es wohlmöglich unter die ersten 5 geschafft. Das Problem des zunehmenden Wegzugs bzw. des zu geringen Zuzugs kreativer Leute wäre damit allerdings nicht gelöst.

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