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Semesterticket: Die ASten versemmeln es

Stadtbahn Foto: Bogestra

Stadtbahn Foto: Bogestra


Es gibt Gremien, die von so wenigen Menschen gewählt werden, das man sie eigentlich mit Missachtung strafen müsste. Die Gremien der Industrie und Handelskammern gehören ebenso dazu wie die Selbstverwaltungsgremien der Sozialversicherungen und die  Allgemeinen Studentenausschüsse (AStA). Letztere sind gerade dabei das vor fast 25 Jahren eingeführte Semesterticket vor die Wand zu fahren.

Auch wenn ich seit langem nicht mehr an der Uni bin, habe ich immer noch das Gefühl, das mich  das Thema Semesterticket etwas angeht. Ich war 1991 im AStA der Uni Essen, warb für das Semesterticket vor der damals allmächtigen SPD-Landtagsfraktion und organisierte die Kampagne für das Ticket in Essen. Die Idee für das Ticket kam damals aus Darmstadt, die Dortmunder hatten es als erste eingeführt und mein  AStA-Mitreferent Ursus Himmelsbach  riss sich damals den Arsch auf, um es den ASten, dem Verkehrsverbund Rhein Ruhr und der Politik schmackhaft zu machen.

Das Ticket was wir damals aushandelten kostete 84 Mark – also so ungefähr 42 Euro – Semester und galt nur im VRR. 80 Mark gingen an den VRR, vier Mark behielten wir in der Kasse um Sozialfälle zu unterstützen. Schon damals gab es Streit wegen des Preises mit ASten, die ihre Aufgabe eher darin sahen, sich mit der Politik zu streiten als die Interessen der Studenten zu vertreten. Sie fanden 84 Mark zu teuer und wollten nicht mehr als fünf Mark im Monat zahlen, also 30 im Semester. Daran wäre die Einführung des Tickets fast gescheitert, vor allem zwischen den Asten in Bochum und Essen gab es einen heftigen Streit. Genutzt habe ich es übrigens kaum: Ich habe seit der Schule ein eigenes Auto.

Und den gibt es heute wieder – vor allem zwischen den ASten und dem VRR. Die meisten ASten wollen die Preiserhöhung nicht tragen. Das Semesterticket steht vor dem Aus.  Coolibri erklärt warum:

Streitpunkt ist eine außerordentliche Erhöhung des monatlichen Beitrages um 3,80 €. Diese Erhöhung soll über insgesamt fünf Semester gestaffelt passieren. Ab dem Sommersemester zahlen Studierende für das Semesterticket mit Gültigkeit im gesamten VRR-Gebiet 19,06 € pro Monat, im Wintersemester 2015/16 wären 21,06 € fällig und bis zum Sommer 2017 dann 22,86 €. Zusätzlich zu dieser außerordentlichen Erhöhung behält sich der VRR jährliche Preisanpassungen zwischen 2 % und 4 % vor.

Zum Vergleich: Statt 22,86 im Monat kostet ein YoungTicket, wie es Auszubildende nutzen, 93,30 Euro. Es werden also ein paar Privilegien von Studenten abgebaut, darin sehe ich kein Problem. Die meisten erwartet als Akademiker ohnehin ein privilegiertes Leben.

Wegen dieses Preises das Semesterticket abzulehnen, ist mit strunzdumm noch freundlich beschrieben.  Ein paar, von kaum einem Studenten gewählte Vertreter, blasen sich auf, spielen Politik und riskieren ein schon  unverschämt günstiges Angebot des VRR, dass auch nach den Preiserhöhungen gegen Auszubildende oder Hartz-IV Empfänger kaum zu rechtfertigen ist. Verspielen sie das Semesterticket, wäre es zum Schaden vieler Studenten. Aber immerhin würde die Welt ein wenig gerechter werden.

 

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37 Kommentare zu “Semesterticket: Die ASten versemmeln es

  • #1
    Harod Pirschner

    Sehe ich ebenso, bei der Anzahl der Studierenden die auf die Fahrten mit ÖPNV angewiesen sind macht es durchaus einen Unterschied ob man nun ein paar Euro pro Monat mehr zahlen wird oder direkt auf die 90,- Monatskarte wechseln muss.

  • #2
    Klaus Lohmann

    Besonders geil ist ja auch das „Argument“ der Anti-Ticket-Studenten, ihnen als Auto- oder Fahrradfahrer würde die Solidarität der Finanzierung des Tickets über den für Jeden geltenden Sozialbeitrag „aufgezwungen“.

    Man bekommt also trotz Erhöhung immer noch für einen Spottpreis den Zugang zu einer der größten und dichtesten ÖPNV-Infrastrukturen in ganz Europa auf dem Tablett, kann damit mangels Freizeit-Fantasie nichts anfangen, beharrt aber auf dem – für spätere wirtschaftskonservative Arbeitgeber natürlich interessanten – egozentrischen „Ich zahl nur das, was ich selbst verbrauche!“-Ansatz und vergisst dabei auch noch, dass die Studiengebühren seit drei Jahren weggefallen sind.

    Dass man den NRW-Unis damit einen Teil ihrer Attraktivität wieder entzieht und so dazu beiträgt, dass diese Unis demnächst doch wieder Studiengebühren erheben müssen, ist wohl zu hoch für manche Noch-nicht-ganz-Erwachsenen.

    PS, man muss es ja auch erwähnen: *Jeder*, der eine Hochschulzugangsberechtigung (Abi, FH-Reife) für NRW-Unis hat, kann sich dort in einigen Fächern ohne irgendwelche NCs oder andere Zugangsbeschränkungen einschreiben und somit das NRW-Ticket zumindest für eine gewisse Zeit für sich nutzen, ohne eine Uni auch nur betreten zu müssen. Dass der VRR da einen gewissen Ausgleich beansprucht, sollte klar sein, aber dieses „Schlupfloch“ sollte man den Unis, also als Asta auch sich selbst ankreiden.

  • #3
    Sebastian Geiger

    Wenn man derartige Artikel liest, ist man froh, dass der Autor nichts mit dem Semesterticket zu tun hat und offenbar damals dem benannten Mit-Referenten die (Haupt-)arbeit überlassen hat. Ein Vergleich zwischen dem individuell bezogenen Auszubildendenticket ist ebenso falsch wie die Annahme, dass ein Verkehrsverbund inzwischen auf die Einnahmen aus den Semestertickets verzichten würde/könnte. Vielleicht sollte der Verfasser mal einen Verhandlungsworkshop besuchen.

  • #4
    Martin

    Der Kernaussage des Artikels kann man nur zustimmen. Einige Aussagen sollte man vielleicht noch mal hinterfragen: Gäbe es ein verpflichtendes Ticket für alle Azubis, die an Ruhr-Berufsschulen ihre duale Ausbildung mit absolvieren, wäre es auch deutlich günstiger. Und natürlich ist der VRR auf dieses Ticket genauso angewiesen wie die Studierendenschaften. Die U35 würde vielleicht einen 10-Minuten-Takt fahren, ansonsten würde sich wenig ändern auf Schienen und Straßen im Ruhrgebiet, gäbe es dieses Ticket nicht.

    Studierende können sich auch nach dieser Erhöhung ein Semesterticket leisten, auch den NRW-Fortsatz. Und für diejenigen, die es sich nicht leisten können, bieten ASten immer noch Sozialbeitrags-Erstattungen an.

    Die Kommunikation des VRR ist miserabel, aber was will man vom VRR auch erwarten. Dass die ASten nun diesen Sachverhalt als Politikum ausmachen, ist angesichts anderer Fragen auf dem Campus schier lächerlich: Die Preiserhöhungen des AKAFÖ an der Ruhr-Universität treffen alle Studierenden härter als die Semesterticket-Erhöhung. Die Art und Weise, wie dieses Studentenwerk in den letzten Jahren sich neue Kompetenzen einverleibt hat und sie mit allen Mitteln verteidigt, widert mich an. Ich kann es leider auch nicht anders formulieren. Der Gipfel von allem war diese Selbstdarstellungs-Posse bei Kabel 1, als das neue Campusrestaurant im Querforum West bei „Mein Lokal, Dein Lokal“ mitgemacht hat. Für wen oder was eigentlich? Wie kann es überhaupt sein, dass ein so subventioniertes Unternehmen auch am Abend mit subventionierten Gambas und Co. privater Gastronomie solche Konkurrenz bieten darf? Muss das sein?

    In den letzten Jahren wurden die Semesterbeiträge oder die Essenspreise merklich erhöht (entweder das eine oder das andere, man ist ja nicht blöd). Anstatt sich zu fragen, ob gewisse Aufgaben wirklich erbracht werden müssen (die Initiative BOSKOP mit ihren Workshops z.B., die einen Bruchteil der Studenten erreichen oder eben dieses neue Wohlfühl-Restaurant), machen die Studenten-Vertreter da eifrig mit. Deswegen wird es da auch keinen großen Protest geben: Beim VRR entscheiden ja andere Leute, beim Studentenwerk sind die Studentenvertreter mit am Tisch.

    Es gäbe auch andere politische Fragen, die man mal diskutieren könnte. Welche Mittel hat die „Studierendenvertretung“ überhaupt gegenüber dem Rektorat bzw. die Fachschaft als kleinste Organisation der Studierendenschaft gegenüber der Fakultät? Die Gremien haben ja nicht einmal ein Klagerecht wie Verbraucherzentralen o.ä. – darüber wird zu wenig gesprochen. In den letzten Jahren ist auch dank der Abschaffung der Studienbeiträge die politische Grundlage für die studentische Selbstverwaltung eine andere geworden. Diese kann man mit dieser VRR-Posse kaum rechtfertigen.

  • #5
    Bildung für alle

    Oder: Alles für alle und zwar umsonst! So gehen ja die Studenten-Slogans… Mir fehlt in dem Artikel ein wenig der Aspekt, dass auch diese VRR-Preiserhöhung politisch gewollt ist und in Zusammenhang mit der Schuldenbremse („schwarze Null“) gesehen werden muss. Wenn der Staat seine horrenden Schulden abbauen soll, muss man auf der anderen Seite eben für (semi-)staatliche Dienstleitungen etwas mehr bezahlen. Und zwar heute. Denn dann müssen bis 2020 eben auch in NRW Landeszuschüsse auch für den VRR gekürzt werden…

  • #6
    Streuner

    Das Problem ist nicht das es eine Erhöhung gibt, sondern das es es eine außerordentliche Erhöhung ist.
    Das Semesterticket wird so oder so bereits jetzt schon jedes Jahr ungfähr 3% teurer. Nun wurde der Vertrag gekündigt um mehr verlangen zu können. Bis Dato konnte der VRR noch keine Ordentliche begründung dafür bringen. (Die 3% richten sich nach den Erhöhung der Allgemeinen Dauerticketpreise.

  • #7
    Roman

    Andere Frage, warum die Preiserhöhung? Die Spritpreise fallen rasant, auf vielen Strecken fahren noch immer alte Züge, die Bahnhöfe marode.

  • #8
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Roman: Züge fahren mit Strom – da wird der Energiewendeunfug mitbezahlt

  • #9
    Studentin

    Lieber Herr Laurin,

    zu diesem Artikel kann man Sie nur beglückwünschen: Es ist schon fast eine Bewerbung für die Stelle des Pressesprechers beim VRR. Denn sie schließen sich nahtlos der Argumentation des VRRs an: Azubis sind so schlecht dran, dann müssen es die Student*innen bald auch sein! Gerechtigkeit ist also, wenn es allen schlecht geht…

    Es ist total bequem sich hinzustellen und nichts mit Härtefällen zu tun zu haben und dann zu sagen, dass das ja alles zukünftige Akademiker*innen sind. Aber Fakt ist: Dann sind sie nunmal einfach noch nicht. Ich schlage vor: Unterhalten sie sich doch mal mit Student*innen, die kein Bafög bekommen und mit Monatseinkommen unter dem Armutsniveau der EU jonglieren müssen. Dabei sind Härtefallregelungen rar und Studienkredite teuer.

    Es ist so einfach wie wenig journalistisch sich auf eine Seite einzuschießen und die Verfehlungen des VRRs, zum Beispiel einfach das Ticket zu kündigen, den Vergleich mit den Azubis zu ziehen und sich nicht einmal in Verhandlungen zu begeben, einfach zu ignorieren. Aber stimmt: Hier bloggen ja Journalisten das Revier.

    Von einem Menschen, der damals das Solidaritätsprinzip mit ausgearbeitet hat, hätte ich mir einfach mehr erwartet. Es bleibt: Ein großes Mimimi, eine Beleidigung aller, die gerade verhandeln, Pressearbeit für den VRR und viel Polemik.

  • #10
    Ex-Studi

    Leider greift der Artikel zu Kurz und ist in Teilen auch falsch. Sicherlich wäre eine höhere Wahlbeteiligung bei Stupa Wahlen zu wünschen, aber es liegt in der Natur der Demokratie, dass jede/r sich entscheiden kann, ob er oder sie wählen geht.

    Vergleiche mit Azubi Tickets etc. habe ich in meiner Aktiven Zeit im Asta (nicht im Ruhrgebiet) auch immer wieder zu hören bekommen. Allerdings ist dieser Vergleich fehlerhaft, da z.B. die Azubis die Freiheit haben sich zu entscheiden ein Ticket zu kaufen oder nicht.
    Die Studierendenschaft schließt einen kollektiven Vertrag ab und muss auch mit dieser Verantwortung umgehen. Für die Verkehrsbetriebe bedeutet das, dass sie Millionenbeträge bekommen mit kaum einem Verwaltungsaufwand. Daneben sichern diese Summen auch eine gewisse Infrastruktur vor Ort, von dem auch alle anderen Personengruppen (Azubis, Hartz IV Empfänger etc.).
    Deshalb ist es auch wichtig, dass nicht jede Preisvorstellung der Verkehrsbetrieben einfach durchgewunken wird.
    Vor ca 10 Jahren gab es an der Uni Münster eine große Untersuchung. Dabei kam heraus, dass die Verkehrsbetriebe ca das gleiche verdienen würden, wenn die Studierenden kein Semesterticket hätten, sondern auf z.B. Azubitickets zurück greifen würden. Nur mit dem Unterschied, dass die Verkehrsbetriebe einen extrem hohen Verwaltungsaufwand hätten und betroffene Studierende deutlich mehr Geld bezahlen müssten.
    Das Semesterticket ist eine große Errungenschaft der Studierenden, bedeutet aber auch eine große Verantwortung. Ich glaube damit sind die Studierendenschaft bisher gut mit umgangen und tun gut daran nicht zu allen Vorstellungen der Verkehrsbetrieb ja sagen.

  • #11
    Alessandro Oddini

    Die prägnanten Aspekte oder zumindest das, was man als Student erfahren kann sind:

    -zur Zeit muss man den Semesterbeitrag bezahlen um studieren zu dürfen
    -> kein Geld, kein Studium (Bildungshürde, nicht gut)

    -Studierende studieren zumeist Vollzeit, sodass Erwerb nur mit zusätzlichem (möglichen) Zeitaufwand Geld verdienen müssen (im Gegensatz zur Ausblidung, duale Ausbildung ist außerordentliche Belastung und kann kaum als Standard gewertet werden)
    ->Studis haben quasi kein Geld.

    -nach offiziellen Schätzungen nutzen von den Studenten die das Ticket bezahlen (müssen) +- ~50%(wenn überhaupt), sodass das Ticket ohne Solidaritätsprinzip aus logischer Sicht aktuell im Monat 50 Euro kosten würde. Natürlich bezahlen gemäß Solidarprinzip auch die, die es absolut nicht brauchen und statt 1,5h Bahn 0,5h Auto fahren oder an der Türschwelle des Campus wohnen. Kostet das Ticket am Ende 40% mehr, also rund 215 Euro (bitte validieren) und mal OHNE Solidarprinzip, aus Fairness zu den Azubis etc., dann ~71 Euro- das sind alles Müllwerte, jedenfalls
    ->erheblich mehr als zu selben Konditionen andere Teilnehmer bezahlen müssen

    man muss das Solidarprinzip übergangsweise rausrechnen, sonst verzerrt es massiv.

    -der VRR vereinbarte mit allen anderen Vertragsteilnehmern (~8stk) bevor er mit den Studis Kontakt BEKAM denn er suchte sie nicht auf sondern kündigte den Vertrag einfach, obwohl es auch ein Aufhebungsvertrag MIT Verhandlung getan hätte. Unterm Strich könnte der Eindruck erweckt werden

    -der VRR nutze seine Monopolstellung aus um die Preiserhöhung durchzusetzen, die er intern selbst verschuldet zB. durch 300.000Euro teure Entertainmentveranstaltungen.

    -Die Preiserhöhungen haben keine rechnerische Grundlage, mehr Teilnehmer als Kosten sind quatsch, denn neue Teilnehmer wie der doppelte Abiturjahrgang bezahlen folglich auch das Ticket.

    -Nebst Ticketerhöhung gibt es bereits eine Semestermäßige „Preisanpassung“ diese betrug soweit ich weiß letztes mal +12 Euro.

    Alles in allem ist es nun mal sehr ärgerlich WIE mit den „unmündigen“ Studierenden umgegangen wird und so viele es niederkämpfen und sich an den populierten Daten und Scheinkorrellationen aufhängen.

    Meine Meinung lautet:
    Auf jeden Fall ein Ticket! Auf jeden Fall Solidarprinzip, schließlich muss es maximal vielen Menschen ermöglicht werden zu studieren!

    Aber bitte mit anständiger Behandlung und nicht einem „politischen Preis“ der nach Willkür riecht und es bei denen holt, die kein Geld haben…

    Ich entschuldige mich für die Schätzwerte, doch sie spiegeln imho wesentlich näher das wider, was ambach ist. Habe an diversen Veranstaltungen teilgenommen und bin in aller Bescheidenheit sehr im Thema und um ehrlich zu sein ziemlich objektiv.

    Wer mag schon gerne in der Bittstellung stehen, vor allem bei „gleichberechtigter Vertragspartnerschaft“?

  • #12
    Mr. Smith

    Ich kann mich an die Diskussionen damals bei der Einführung des Semester-Tickets auch noch gut erinnern und fand das Gefeilsche einiger ASTEn bzw. einiger Gruppen in den ASTEn wegen des Preises für das Semesterticket schon damals vollkommen schwachsinnig.
    Natürlich gibt es genügend Studierende, die von Mama und Papa nicht beständig Zucker in der Arsch geblasen bekommen, sich neben dem Studium was dazuverdienen müssen und bei denen das Geld knapp bis sehr knapp ist. Ich war auch einer von ihnen. Und ein Auto hätte ich mir schlichtweg nicht leisten können. Ich war daher auf Bus und Bahn angewiesen und das Semesterticket war für mich eine riesige finanzielle Entlastung. Und es hat mir als Zugezogener überbaut erst ermöglicht das Ruhrgebiet nach Herzenslust zu erkunden (um dann nach dem Studium hierzubleiben!).
    Anstatt sich also über die minimale Preiserhöhungen aufzuregen. sollten sich die ASTEn einmal Preis und Konditionen für das Sozialticket anschauen. Für 30.- Euro im Monat dürfen sich diejenigen, die eh schon wenig haben, gerade mal im eigenen Stadtgebiet bewegen. Ein kleingeistiger Geiz seitens der Politik und des VRR gegenüber Bedürftigen, der wirklich erbärmlich und skandalös ist.

  • #13
    Frank Geisner

    Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal die …

    Niemand hat die Absicht, das Semesterticket abzuschaffen, im Gegenteil. Dennoch erwarte ich von einer Interessensvertretung (ob studentisch oder nicht), massive Preiserhöhungen nicht einfach zu schlucken (auch wenn VRR und Coolibri es schön rechnen, es geht insg. um knapp 40% Preissteigerung). Da muss schon vorher das gesamt Verhandlungspotential ausgenutzt werden, und das geht bei der Interessensgruppe Studis eben auch mit Protesten etc.

    Leider versemmeln es die ASten eher in der Hinsicht, dass sie nichts organisieren und einfach abwarten…

  • #14
    discipulussenecae

    Schon während meines Bochumer Studiums von Anfang bis Ende der 80er war es mir immer völlig klar, daß die ASTEN eher weniger die allgemeinen Studenteninteressen im Blick hatten, sondern vielmehr die jeweils eigenen Politikkarrieren starten wollten (SHB, Jusos, GHG, RCDS etc.), oder auf einen festen Job bei der Vorbereitung der Weltrevolution spekuliert hatten (MSB).

    Weil es damals noch kein Semesterticket gab, bin ich meist getrampt, was im Sommer oft lustig und im Winter meistens nicht so lustig war.

    Was soll sich in den letzten 25 Jahren an diesen politischen Verhältnissen geändert haben – außer daß es den MS/H/B nicht mehr gibt? Es wäre interessant, einmal nachzuschauen, welche damaligen ASTA-Referenten heute auf wohldotierten Posten in der Landesregierung, im Akafö, in Stiftungen und in Bildungswerken gleich welcher Couleur oder Gewerkschaft sitzen, und wer von denen überhaupt ein Examen abgelegt hat!

    Und ich finde es sehr erfrischend und gleichsam als einen Gesundbrunnen für meine in diesem Zusammenhang sonst stets entzündeten Augen, daß ‚Das akademische Unwort‘ der letzten 20 Jahre im Artikel konsequent nicht erwähnt wird: „Studierende“!

  • #15
    Klaus Lohmann

    „->Studis haben quasi kein Geld“ Aber Autos? LOL.

    Ich wäre dann dafür, dass autofahrende Studenten an allen NRW-Unis kräftigst Parkgebühren latzen. Diese Einnahmen dienen dann für die Studenten, die den ÖPNV nutzen, als Differenzausgleich zu einem Azubi-Ticket.

  • #16
    tomatinator

    Die Formulierung tut mir schon ein wenig Leid aber: Herr Laurin: Wer hat ihnen eigentlich ins Hirn geschissen?
    Studieren ist ein Hauptberuf und was ihnen im Vergleich zu den Azubis auffallen sollte ist, dass diese bereits mit ihrer Ausbildung Geld verdienen und Studenten nicht. Wär ja noch schöner wenns fürs Studieren auch noch Geld geben würd….
    Der Vergleich greift also mal überhaupt nicht. Die einzige Finanzierung, die man als Student bekommen kann wäre BaFög, was in vielen Fällen allein auch schon nicht reicht. Dazu sollte man sich mal auch die soziale Herkunft der Studenten im Ruhrgebiet anschauen, die sich ja ein kleinwenig von anderen Standorten unterscheidet… Es ist allein ein Unding, dass Studierende häufig unter dem normalen Hartz4 Satz leben und teilweise zur Tafel gehen. Aber Semesterticket verteuern ist ja ein reines Luxusproblem?
    Die Studierendenschaft ist mit ihrem Semesterticket ein fester Finanzpunkt beim VRR in Millionenhöhe. Trotzdem hatte der VRR es nicht nötig mit den Studierenden konstruktiv und offen mit den Asten zu verhandeln. Würde ein anderer Konzern so mit seinen Großkunden umgehen, würden Plätze frei werden und Köpfe rollen.
    Was ich in ihrem Artikel auch sehr schön finde, ist dieser wunderbare wechsel zwischen den 42 Euro pro Semester, die Sie bezahlen mussten und dann auf einmal, wenn es um die heutige Situation geht, wird das ganze auf einmal in Monaten gerechnet: Sieht dann ja auch nach gar nicht so viel aus.

    Laut altem Vertrag gab es übrigens schon jedes Semester eine tarifliche Preisanpassung von meistens um die 3%. Was jetzt kommt ist eine Sprunghafte Erhöhung und noch nicht einmal irgendeine Garantie, dass die Studierendenschaft 2020 nicht wieder an der gleichen Stelle steht und wieder auf unverschähmte Weise vom VRR gemolken wird.

    Um mich einem der vorherigen Kandidaten anzuschließen:
    Wenn man keine Ahnung hat und so weiter……

  • #17
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @tomatinator: Und jetzt kommt die ganz bittere Erkenntnis: Das Leben ist kein Ponyhof. Die Alternative zu der Preiserhöhung des VRR ist nicht ein günstigerer Tarif, sondern, für die die ein Ticket brauchen, das Young-Ticket. Sie können jetzt ganz böse sein, sich ungeheuer aufregen und von mir aus den Betroffenheitsbeauftragten ihrer Hochschule anrufen – für die, die das Ticket brauchen, wird es teuer. Der Rest freut sich, dass er die Kohle in den Tank packen kann 🙂

  • #18
    Klaus Lohmann

    @tomatinator: „Studieren ist ein Hauptberuf“ – Noch ein Brüller, es wird immer besser:-)
    Dann sollte man doch eher seine ganz Energie drauf verschwenden, diesen angeblichen „Hauptberuf“ für die Rente voll anerkannt zu bekommen, statt seine eigene Fäkalienbirne hier zu sonnen.

  • #19
    tomatinator

    @Stefan Laurin: Natürlich ist das Leben kein Ponyhof. Ich habe trotzdem nicht jede undurchdachte und asoziale Entscheidung, die andere für mich treffen (in dem Falle der VRR) einfach zu akzeptieren.
    Die außerordentliche Preiserhöhung ist grundlos und bei einem Vertrag zwischen zwei theoretisch gleichberechtigten Partner (hier VRR und Asten) hätte ich ein wenig mehr Kompromissbereitschaft und Koorperation von Seiten des VRR erwünscht.
    Sie haben natürlich Recht, dass die Studenten durch Verlust des Semestertickets nichts gewonnen haben. Der VRR aber auch nicht. Bei Verlust des Tickets wird der VRR einen festen Ertrag los und wird vermutlich keine oder jedenfalls keine bedeutenden Mehreinnahmen machen.
    Ich war bis jetzt auf mehreren dieser wunderbaren Vertragsverkündigungsveranstaltungen mit dem Herrn Castrillo zugegen und bei wichtigen Fragen in diese Richtung kamen nicht mehr als irgendwelche Platitüden. Highlight: „Bitte antworten Sie einfach mit Ja oder Nein“, „Alsooo….“.
    Ich war vorhin etwas sehr aufgebracht muss ich zugeben, aber ich vermisse in ihrem Artikel einfach den Versuch die Gegenseite (Studierende) einmal ernsthaft nachzuvollziehen.
    @ Klaus Lohmann: Die Formulierung ist vielleicht unglücklich gewählt gewesen: Vollzeitbeschäftigung trifft es eher. Es ist eine ziemliche Belastung Studium und Finanzierung gleichzeitig zu regeln, wenn man nicht den finanziellen Rückhalt aus dem Elternhaus hat. Es kommt ja auch nicht von Ungefähr, dass die Nachfrage nach psychologischer Betreuung an Universitäten steigt.

  • #20
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @tomatinator: Der VRR wird seine Verluste durch Leistungskürzungen oder Preiserhöhungen ausgleichen. Er ist nicht erpressbar. Er macht die Tarife für hochsubventionierte Volkseigene Betriebe mit teuren Vorständen und großen Aufsichtsräten, die nebenbei Personen befördern. Das Wort „Kunde“ bedeutet dort nicht viel mehr als beim Arbeitsamt. Man sollte es nicht allzu ernst nehmen. Es gibt schlicht keine Druckmittel jenseits der Politik. Die Karte wurde gespielt, sie hat nicht gezogen. Die Studenten die kein Semesterticket haben sind die einzigen Verlierer in diesem Spiel,

  • #21
    tomatinator

    @ Stefan Laurin: 1. Die Leistungskürzungen kommen so oder so. Mit Ticket oder ohne. Stadtbahnen in Mühlheim oder Duisburg stehen schon auf Grund der mangelnden Schienensicherheit vor dem Aus.
    Dies wäre aber auch nicht durch die in diesem Preisdimensionen durchgeführte Erhöhung zu retten und das Versagen ist hier wohl vor allem der Politik zu unterstellen.
    2. Ich bin auch nicht erpressbar 😀 und wenn Sie das schon so formulieren: Warum schreiben Sie dann keinen Artikel gegen den hochsubventionierten Verein mit seinen teuren Vorständen? Wäre das nicht ein viel lohnenswerterer Ansatz bei dieser Debatte? Bei diesem ganzen Spielchen sind bei beiden realen Lösungen übrigens die Studenten die Verlierer. Entweder man verliert das Semesterticket oder im Extremfall seinen Studienplatz, weil er für einen persönlich nicht bezahlbar ist.
    Es kann nicht sein, dass man wieder zu dem Punkt kommt, an dem die Frage „Studium oder nicht?“ wieder mehr eine Frage des Geldbeutels der Eltern ist, als viel mehr eine Frage der Eignung.

  • #22
    Klaus Lohmann

    @tomatinator: Im Sinne der Vorteile für viele, grad finanziell schlechter gestellter Studenten müssen die ASten doch nicht den Frontalschlag mit den kompletten Kündigung riskieren.

    Für eine moderate Erhöhung ließen sich doch die Härtefallregelungen ausweiten oder einfach stringenter bzw. für alle Unis gleich anwenden (inkl. der schon angewendten Möglichkeit, in der direkten Nähe vom Fachbereich oder unzumutbar weit weg wohnenden Studis den Beitrag zu kürzen/erlassen) oder auch neue Modelle wie die Sockelbeitragsmodelle aus Baden-Württemberg ausprobieren. Eine Schmollecken-Konfrontation wird der VRR, wie Stefan schon ausführte, ohne Zucken gewinnen. Verhandlung bedeutet nicht „Krieg“ und auch nicht Profilierungssucht einiger ASten.

  • #23
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @tomatinator: Eine kleine Auswahl:
    http://www.ruhrbarone.de/nahverkehr-im-ruhrgebiet-teuer-aufs-abstellgleis/90562
    http://www.ruhrbarone.de/vrr-nahverkehrsversager-wehren-sich-gegen-regionalverband-ruhr/5670
    http://www.ruhrbarone.de/kein-wettbewerb-bis-2023/1972

  • #24
    Marlene

    Mit diesem Artikel offenbart Herr Laurin mal wieder das er wirtschaftsliberale Positionen vertritt und in keinerweise daran interessiert ist für die Beseitigung sozialer und struktureller Ungleichheiten zu argumentieren. Stattdessen fordert Laurin der private Geldbeutel soll die gesellschaftlich geforderte Mobilität sicherstellen.
    Das Thema der Berichterstattung hätte gut genutzt werden können um einen kostenfreien ÖPNV in NRW zu fordern.
    Ansonsten ist den Positionierungen der Ticket-Befürworter*innen nichts mehr hinzuzufügen, insbesondere der Beitrag von #9 Studentin ist meinem Sinne.

  • #25
    Holgi

    Da sich hier alle in Quatsch-Debatten ergehen, ob ASten überflüssig sind oder schlecht verhandeln oder der VRR pöse oder raffgierig ist, möchte ich nochmal wie recht zu Anfang darauf hinweisen, dass das Problem ein anderes ist:
    Die Schuldenbremse. Wir haben seit zig Jahren steigende Schulden und deswegen beschlossen, dass damit Schluss sein muss. Das wurde in das Grundgesetz geschrieben. Da Deutschland voll von Subventionen und Querfinanzierungen ist, die man kaum überblicken kann, werden nun alle diese Zuschüsse Stück für Stück gekürzt, damit NRW irgendwann wenigstens keine neuen Schulden mehr aufnimmt (2020). Das ist eine staatliche Entscheidung, gegen die weder der VRR noch die ASten was sagen können. Der VRR sagt nun, er muss die Nutzerentgelte erhöhen und fischt sich die (angeblich) bisher am besten stehende Gruppe: Die Studierenden (:-)) heraus. Die bittet er jetzt etwas mehr zur Kasse. Was soll er denn machen, wenn die Landesmittel gekürzt werden und man trotzdem noch schön Boni fürs Nichtstun und ein bisschen Bimse für Kulturklimbim raushauen will? Diese Inszenierte Konfrontation zwischen ASten und VRR ist fadenscheinig. Intern sind sich alle einig. Der Preis steigt relativ moderat um 40%. Da sollten wir mal nicht meckern, wenn man nach Griechenland schaut und sich die Lohnverluste bei gleichzeitigen Preissteigerungen da ansieht…
    Das Theater wird doch nur für einige wenige links-grüne Regierungsjugendliche aufgeführt, die – bevor sie einknicken gegenüber dem VRR – ihrer Klientel noch einen Moment des Wir-Gefühls und des berechtigten Protests mitgeben wollen. Mutmaßlich: Für die nächste AStA-Wahl.
    Es ist albern hier so zu tun als gebe es irgendeinen Spielraum: Weder der VRR noch die ASten haben den. Die „große Politik“ hat entschieden, dass es eine Schuldenberges geben soll. Und die wird jetzt langsam umgesetzt. Schuldenberges heißt aber nur: Wir zahlen jetzt und nicht mit Zinsen morgen und übermorgen für das, was wir heute verbrauchen.
    Die Studenten sollten sich mal überlegen, dass die wenigen Euros, die sie heute mehr bezahlen für das Ticket, eben nicht mehr während ihres Arbeitslebens als Steuern für heute aufgenommene Kredite zurückbezahlt werden müssen – und das mit Zins und Zinseszins.
    Kurzum: Eine Studserendenvertretung, die nicht „strunzdumm“ ist, empfiehlt ihren Studis im nächsten Sommersemester die Annahme des neuen Vertrages mit dem VRR, der ein paar Euros teurer wird, ohne Wenn und Aber. Na gut.
    Mir sei der Seitenhieb auf die Ruhr-Uni nicht verwehrt, dass hier eine bestimmte Studi-Gruppe besonders agitiert, dass man die Preiserhöhung nicht mitgehen sollte, deren Mastermind mittlerweile selber im Stadtrat Bochums und im VRR-Verwaltungsrat mit Sitz und Stimme vertreten ist… Stefan weiß oder weiß jetzt, was ich meine… 🙂
    Der entscheidende Punkt bleibt am Ende: Politische Rhetorik hilft gar nichts, wenn man die Zusammenhänge nicht versteht und auch benennt. Die Schulden der Zukunft sollen sinken. Damit müssen die Preise in der Gegenwart steigen. So steht es im Grundgesetz der BRD. Daran beißen weder VRR noch ASten einen Faden ab. Ein paar Euro mehr für das Studi-Ticket, sind viele Euro an Steuern in der Zukunft gespart.. (Nein, ich bin nicht in der FDP, es ist einfach so.)
    Wer das doof findet, kann ja demnächst wieder Wagenknecht wählen… ist ein freies Land.

  • #26
    Holgi

    Sorry, ich bitte die automatische Rechtschreibverschlechterung zu entschuldigen: Überall da, wo „Schuldenberges“ steht, sollte „Schuldenbremse“ stehen.. argh… hat aber im rechten Lichte betrachtet was, diese automatische Rechtschreibverschlechterung…

  • #27
    discipulussenecae

    #21 tomatinator:
    „Entweder man verliert das Semesterticket oder im Extremfall seinen Studienplatz, weil er für einen persönlich nicht bezahlbar ist.“ Ich habe damals nicht Medizin, Jura oder WiWi studiert (= sicherer Job); ich habe, weil meine beiden (!) Eltern normal verdienten, in der sog. ‚Mittelschichtsfalle‘ gesessen, also kein BAFÖG bezogen, habe also „von Mama und Papa nicht beständig Zucker in der Arsch geblasen bekommen“ (Danke #12, Mr. Smith) und hätte mir mit einem Semesterticket einige Bier mehr im Intershop oder sonstwo leisten können. Und für diesen Luxus hätte ich gern auf ein Bier pro Semester ebendort verzichtet! Mein Studium war für mich zwar mit diversen Jobs bezahlbar, wäre aber mit einem zu heutigen Preisen umgerechneten Semesterticket deutlich entspannter gewesen!

  • #28
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Marlene: Warum sollte ich das tun? Ich fordere ich auch kein freies Benzin für alle.

  • #29
    Marc Obladen

    Der reine Vergleich, was kostet das Semesterticket, was das YoungTicket, ist nicht aussagekräftig.
    Da das Semesterticket ein verpflichtendes Ticket ist, muss zumindest mal der Modal Split unter den Studenten untersucht und diskutiert werden.
    Das Mobilitätsverhalten der Studierenden unterscheidet sich sehr stark von den der Berufspendler, welche morgens alle zur gleichen Zeit fahren und die Kapazität (damit in Investitionen) des ÖPNV bestimmen. Ein durchschnittlicher Student verursacht so eben andere zusätzliche Kosten als ein Berufspendler. Ein Vergleich zw. dem 9Uhr-Ticket und dem entsprechenden normalen Ticket ist angebracht und zeigt einen Preisunterschied von ca. 26%. Hinzukommen eben auch Verwaltungsgebühreneinsparungen wie bei einem Großkunden mit Jobticket.
    Fair wäre eine Offenlegung der Kalkulation (öffentlicher Monopolist), mit der man den Preis des Semestertickets verhandeln könnte.

  • #30
    Thorsten Stumm

    Also…das Semesterticket steht ja nicht komplett vor dem aus…einige private Bildungseinrichtungen haben den Vertrag mit dem VRR verlängert, dort hat die Verwaltungsebene ohne grosses Murren unterzeichnet. Einfach weil die rechnen können und daraus kein antikapitalistischen Klassenkampf machen wollen…auf dem Rücken derer die es am nötigsten haben …lediglich die Hochschulen mit Asten verweigern sich. Das wird zu der seltsamen Situation führen, dass die privaten Hochschulen ihren Edelstudenten ein Ticket kaufen und die anderen kräftig bezahlen müssen….ganz toll….

  • #31
    Milo Posuhibe

    Die politische Karte ist nicht ausgereizt. Das Ticket zu diesen Konditionen nicht zu unterschreiben ist die nächste Stufe der politischen Möglichkeiten. Das kann ein AStA nur in enger Zusammenarbeit mit den Fachschaften und einer ordentlich durchgeführten Urabstimmung machen. Aber es geht.

    Es bedeutet ein/ zwei/ drei Semester kein Ticket. Es bedeutet für einige Studis richtig Scheiße, andere werden sich freuen, es ist weniger Geld und mehr Verwaltungsaufwand für den VRR, es bedeutet volle Straßen, Staus und Parkplatznot rund um die Hochschulen, es bedeutet Wanderbewegungen von Nichtticket Hochschulen zu Ticket-Hochschulen, vor allem von den Ticketstudis, es bedeutet grobe Verwerfungen und es bedeutet rot/grün ins Gesicht zu scheißen, auch wenn man danach mit dreckigem Arsch rum laufen muss.

    Das Ticket ist tatsächlich im VRR sehr günstig eingeführt worden. Seitdem erhöht der VRR jährlich die Preise um etwa 3% (wie bei anderen Tickets halt auch). Das wurde früher in zähen Verhandlungen zwischen ASten und VRR verhandelt und ist inzwischen so eingespielt und an die sonstigen Preiserhöhungen angekoppelt, dass man sich beiderseits Verhandlungen abgewöhnt hat.

    Hin und wieder kriegt der VRR aber einen extra Finanzschluck von den Studis. Das eine mal waren die Landeszuschüsse für das Semesterticket weggebrochen, dafür wurde das Semesterticket mit einem Preissprung zum quasi Ticket2000 aufgewertet (Fahradmitnahme/Personenmitnahme abends und am WE). Das andere mal haben die Verkehrsverbünde die Gunst der Stunde genutzt und auf Kosten der DBAG das von den Studis gewünschte NRW-Ticket eingeführt (auch diese Geld kriegen die Stadtwerke).

    Nun also ohne Verhandlung und weitere Gegenleistung, auch ohne sinnige Begründung der nächste Extrapreisschub. Und das sollen die ASten also einfach schlucken. Die Verkehrsbetriebe haben schon immer neidisch nach Berlin (189,10€) oder Hamburg (165,60€ – Uuups, hat man ja fast eingeholt) geschaut, ob der dortigen Preise, nur ist das Ruhrgebiet nicht Berlin oder Hamburg. Hier studiert man weil man es sich leisten kann, oder schon immer hier war.

    Wenn das Ticket scheitert ist es ein Scheitern der Politik, nicht eines der Studierendenschaften. Politisch hat das Ticket aber sowieso nicht gefruchtet. Von den Vordenkern in Darmstadt und Karlsruhe war es nämlich von Anfang an auch als Einstiegsmöglichkeit in ein Bürgerticket gedacht. Stattdessen wird im Autoland Deutschland die Bahn weiter und weiter und weiter ……..

  • #32
  • #33
    Martin

    Hier wird über eine enge Abstimmung mit den Fachschaften gesprochen. Viele halten diese Fachschaften ja für die größten Basisorganisationen der Universität. Wie viele Leute besuchen denn Vollversammlungen, auf denen die Fachschaftsräte besucht werden? Vielleicht 3 bis 20 mehr als die, die gewählt werden? An einer Fakultät mit 2.000 Studenten ist das nichts. Da ist die Wahlbeteiligung noch geringer als bei SP-Wahlen.

    Da muss man nicht mal „ich heiße Jeff“ sagen.

  • #34
    discipulussenecae

    #31 Milo Posuhibe:
    „Das kann ein AStA nur in enger Zusammenarbeit mit den Fachschaften und einer ordentlich durchgeführten Urabstimmung machen. Aber es geht.“

    Mit einer ‚ordentlich durchgeführten Urabstimmung‘? Wann hat es die jemals gegeben? Wieviele Studenten (?) müßten dann abstimmen? Hat nur eine einzige StuPa-Wahl seit irgendwann eine auch nur irgendeine irgendwie legitimierende Wahlbeteiligung erreicht?

  • #35
    Martin

    #35

    Zur Einführung des NRW-Tickets hat es an der Ruhr-Universität z.B. eine Urabstimmung gegeben. Zur Einführung der Kultur-Flatrate (für das Schauspielhaus) z.B. auch.

  • Pingback: VRR kündigt den Vertrag des Semestertickets - BilkOrama

  • #37
    Truckbuster

    Der Autor war ja in einem AStA und er sollte sich wirklich mal in die Situation der Studentenvertreter zur Zeit hineinversetzen:

    Die großen ASten in NRW blicken auf eine lange Tradition zurück, in denen Studentenvertreter im Interesse der Studierendenschaften immer den harten Weg gegangen sind und können daher gegenwärtig keinen VRR-Vertrag durchstimmen lassen. Noch dazu die ASten sich freiwillig zusammengeschlossen haben in einer Zweckgemeinschaft (Facebook: SonichtVRR, AG Seti etc).

    Dann ist da noch so ein VRR-Vorstand der gar nicht daran denkt, zwischen Kommunalpolitikern und ASten zu vermitteln, sondern nur einseitig seine Monopolstellung und Preise durchdrücken möchte.

    Das einzige was die ASten zur Zeit versemmeln sind meiner Meinung die Proteste:
    Mir ist es ein Rätsel, warum nicht massiv auf der Strasse protestiert wird und so der maximale Schaden für die Kommunalpolitik verursacht wird. Das ist nämlich leider auch der Fall: Alles wird teurer: Mieten, Studentenwerke, Krankenversicherung und die Gehälter der meistens prekär beschäftigten Studierenden steigen nicht dementsprechend an etc. Das soll ja dann wohl ein schlechter Scherz sein, dass die Kommunalpolitiker nicht zu den Stupa-Sitzungen kommen, sondern die hochbezahlten VRR-Bonzen als Prügelknaben zur Verkaufsveranstaltung entsenden. So gesehen ist der Protest der ASten gegen die Erhöhungen nur ein kleiner Teil von dem, um den es wirklich geht:

    Es geht auch darum, dass die ASten sich behaupten müssen in einer politischen Auseinandersetzung und die sozialen Interessen ihrer Studierenden zu vertreten haben: Sonst werden sie nämlich abgewählt, als Verräter beschimpft etc.

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