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Strategiewechsel bei Der Westen? Ergebnisoffene Debatte!

Katharina Borchert hat Der Westen aufgebaut. Zum 1. April kommenden Jahres wechselt sie als Geschäftsführerin zu Spiegel-Online. Grund für die WAZ-Gruppe ihr Internetangebot "Der Westen" einmal gründlich zu renovieren?

Der Kommentator mit dem Namen fiftyruhr ist sauer: "Das ist ja die Krux: Die Onliner nehmen es bedenkenlos in Kauf, dass Zeitungen und mit ihnen Zeitungsjobs dabei draufgehen, wenn sie Print-Inhalte komplett & kostenlos absaugen und gratis ins Netz stellen."

fiftyruhr ist nicht der Einzige, der sich im WAZ-Protestblog Medienmoral-NRW abfällig ist die Strategie der WAZ-Gruppe äußert, nicht unbeträchtliche Teile des inhaltlichen Angebots der Druck-Ausgabe schon am Vortag kostenlos ins Netz zu stellen. Viele WAZ-Mitarbeiter sehen in diesem Vorgehen einer der Gründe für die Auflagenverluste der WAZ-Zeitungen - und den Verlust ihrer Arbeitsplätze.

Dabei sollte Der Westen neue Leser für die WAZ gewinnen: Online und im Print. Über 2 Millionen Menschen, so einst die Analyse der WAZ, werden allein

Katharina Borchert hat Der Westen aufgebaut. Zum 1. April kommenden Jahres wechselt sie als Geschäftsführerin zu Spiegel-Online. Grund für die WAZ-Gruppe ihr Internetangebot "Der Westen" einmal gründlich zu renovieren? Laut WAZ-Chefredakteur Ulrich Reitz befindet sich der Verlag in einer ergebnisoffenen Debatte über die künftige Ausrichtung seines Online-Portals.

Der Kommentator mit dem Namen fiftyruhr ist sauer: "Das ist ja die Krux: Die Onliner nehmen es bedenkenlos in Kauf, dass Zeitungen und mit ihnen Zeitungsjobs dabei draufgehen, wenn sie Print-Inhalte komplett & kostenlos absaugen und gratis ins Netz stellen."

fiftyruhr ist nicht der Einzige, der sich im WAZ-Protestblog Medienmoral-NRW abfällig ist die Strategie der WAZ-Gruppe äußert, nicht unbeträchtliche Teile des inhaltlichen Angebots der Druck-Ausgabe schon am Vortag kostenlos ins Netz zu stellen. Viele WAZ-Mitarbeiter sehen in diesem Vorgehen einer der Gründe für die Auflagenverluste der WAZ-Zeitungen – und den Verlust ihrer Arbeitsplätze.

Dabei sollte Der Westen neue Leser für die WAZ gewinnen: Online und im Print. Über 2 Millionen Menschen, so einst die Analyse der WAZ, werden allein im Kernerscheinungsgebiet der Titel der WAZ Gruppe in NRW, Teilen des Ruhrgebiets, der Sauerlandes und des Rheinlands, nicht erreicht. Mit Der Westen sollte sich das ändern und zumindest was die Reichweite des verlagseigenen Internetangebot betraf, ging das Konzept auch auf: Gegenüber der Zeit, in der jede Zeitung der Verlagsgruppe mit einem eigenen Internetangebot auftrat, hat sich seit der Einführung des Gruppen-Angebots "Der Westen" die Zahl der Seitenaufrufen von gut 23 Millionen im September 2007 auf 73 Millionen im September 2009. Allerdings hat das die  Auflage der Zeitungstitel nicht gestützt: Die WAZ-Gruppe hat in den vergangenen zwei Jahren knapp acht Prozent ihrer Auflage eingebüßt. Für viele Mitarbeiter ist klar: Das liegt auch an den Gratis-Inhalten im Netz – auch wenn nahezu alle Regionalzeitungen in den vergangenen Jahren bei der Auflage Verluste hinnehmen mussten.

Nun soll wohl die Online-Strategie des Verlages geändert werden. Wenn Westen-Chefin Katharina Borchert im kommenden Jahr die WAZ-Gruppe Richtung Hamburg verlässt, könnte sich, soll WAZ-Chefredakteur Ulrich Reitz vor Mitarbeitern erklärt haben, einiges ändern: Umsonst am Vortag soll es die noch heute verfügbaren Artikel-Mengen dann nicht mehr geben. Reitz widerspricht gegenüber den Ruhrbaronen dieser Darstellung:

So einfach stimmt das nicht. Wir diskutieren intensiv, wie andere Verlage auch, über die Möglichkeit, unsere teuren, weil selbst recherchierten Inhalte, gegenzufinanzieren. Dabei geht es um die zukünftige Sicherung des Qualitätsjournalismus. In diesem Zusammenhang spielt die Frage eine Rolle, wie wir künftig online mit lokalen Inhalten umgehen. Die Debatte in unserem Haus wird ergebnisoffen geführt.

 

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8 Kommentare zu “Strategiewechsel bei Der Westen? Ergebnisoffene Debatte!

  • #1
    Olaf

    Die Beiträge werden doch nur deshalb am Tag vor der Printausgabe im Internet zur Verfügung gestellt damit durch die Leserkommentare die gröbsten inhaltlichen Fehlern rechtzeitig vor Drucklegung ausgebügelt werden.

    Tatsache ist doch auch das die WAZ und WR an einigen Wochentagen inzwischen vom Umfang ähnlich dünn wie die Boulevardzeitung mit den 4 großen Buchstaben ist, bei teilweise doppelten Preis. Da muss man sich nicht wundern das kaum jemand noch die WAZ im Laden kaufen will. Das trifft übrigens auch auf Menschen zu die gar nicht oder kaum das Internet nutzen.

  • #2
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Olaf: Die Leserkommentare sind so mit der größte Schwachpunkt beim Westen. Ein guter Teil besteht aus Hetze, Autorenbeschimpfung und gegenseitigen Anfeindungen. Ich glaube nicht, dass sie eine wirkliche Korrekturfunktion haben.

  • #3
    Olaf

    @Stefan: Mein Kommentar war in gewissen Umfang ironisch gemeint.
    Bei der überregionalen Berichterstattung gebe ich dir 100% recht. Bei bestimmten Themen wie Harz4 oder die aktuelle Landesregierung sind mindestens die Hälfte aller Kommentare beleidigend, ausfallend und von einer unfassbaren Verbohrtheit geprägt.
    Aber bei den Artikeln der Lokalredaktionen (zumindest bei den kleineren) fehlen diese Ausfälle meistens noch. Und zumindest hier vor Ort (Castrop-Rauxel) hat die Qualität der Lokalausgabe der WAZ massiv nachgelassen und Artikel werden regelmäßig nach Leserkommentaren korrigiert.

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  • #5
    Qualle

    allgemein sollte an der Qualität der Artikel gearbeitet werden, im Print wie auch Online (meist ja eh das gleiche). Beispiel: schlecht gekürzte Pressemitteilungen sollte man einfach nirgendwo verwenden. Sonst reicht eben auch die wöchentliche Gratiszeitung voller Pressemitteilungen…

    Noch schlimmer als die Qualität der Artikel: die Qualität der Kommentare bei westen.de. Die Kommentarfunktion ist voller Besserwisser, Spinner und Nazis – auch in den Lokalteilen die ich verfolge (Do und Ge). Zu allem Unglück funktioniert sie technisch nicht mal einwandfrei. Kein gutes Zeichen für die Qualität des Angebots…

    Abgesehen von diesen grundlegenden Problemen: die Artikel der WAZ gibt es schon seit Jahren, auch vor westen.de, am Abend vorher im Netz. Aktuelle Probleme bei der Auflage können damit also eher schlecht erklärt werden…

  • #6
    martin schepers

    wenn dies dazu führt, dass spiegel-online endlich wieder ernstzunehmen wird und auch weniger als hamburger/berliner regionalblatt daherkommt ist dies nur zu begrüßen. (das ruhrgebiet hat schließlich soviel einwohner wie berlin und hamburg zusammen.) grundsätzlich halte ich mittlerweile der auftritt von derwesten für deutlich seriöser als spiegel-online, da nicht in dem maße über promi-unsinn, von boris becker bis irgendweilche ami-schnick-schnack-parties(heute,wen interressiert den sowas? musste wohl der örtliche korrespondent beschäftigt werden)berichtet wird. außerdem ist es mir bei spiegel-online etwas zuviel ‘deutschland’, was im benachbarten ausland, insbesondere holland, aber auch belgien, dänemark etc. los ist erfährt man bestenfalls im reiseteil. (vom ruhrgebiet oder nrw liegen amsterdam oder brüssel deulich näher, london und paris etwa gleich weit weg wie berlin, nicht nur geographisch!)

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  • #8
    egghat

    @Stefan Laurin:

    Schau mal auf:

    http://www.derwesten.de/nachrichten/staedte/dortmund/2009/11/9/news-140195108/detail.html

    Das war collaborative editing. Nur dass die 2(!) WAZler bezahlt werden und die Leser und Kommentatoren nicht. Peinlich zum Quadrat. Der Artikel im Print war dann in Ordnung.

    Natürlich ist der große Teil der Kommentare Schrott, aber wo ist das nicht so. Selbst bei der FAZ sind die Kommentare manchmal ähm verbohrt. Klar, bei der WAZ ist das extrem, aber wenn sich die Super-Borchert (I blog in English therefor I am important) nicht um das Community-Management kümmert, naja. Vielleicht demnächst beim Spiegel …

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