
Der Kohleausstieg kann nur dann mit einer stabilen Stromversorgung umgesetzt werden, wenn zusätzliche gesicherte Kapazitäten aufgebaut werden. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Kurzstudie des Lehrstuhls für Energiesystemökonomik der RWTH Aachen.
Die Analyse untersucht die Versorgungssicherheit im Jahr 2030 unter dem bestehenden Kohleausstiegspfad bis 2038. Grundlage ist ein KI-basiertes Simulationsmodell, das die Wahrscheinlichkeit von Unterdeckungssituationen im Stromsystem bewertet.
Zur Bewertung wird der Indikator „Loss of Load Expectation“ (LoLE) verwendet. Dieser gibt an, wie viele Stunden pro Jahr die Stromnachfrage voraussichtlich nicht vollständig gedeckt werden kann. Der derzeitige Zielwert für die Versorgungssicherheit liegt bei 2,77 Stunden pro Jahr.
Die Ergebnisse zeigen: Beim Kohleausstieg bis 2038 ist zusätzliche gesicherte Leistung erforderlich. „Ohne zusätzlichen Zubau gesicherter Leistung ist der Kohleausstieg aus Sicht der Stromversorgung nicht darstellbar“, erklärt Professor Aaron Praktiknjo, Inhaber des Lehrstuhls für Energiesystemökonomik der RWTH Aachen und Leiter der Studie.
Die Wissenschaftler rechneten verschiedene Kohleausstiegsszenarien durch und zeigten dabei, dass der Zubau zusätzlicher Gaskraftwerke im Umfang von 20 Gigawatt die Versorgungssicherheit deutlich verbessern würde. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) wollte neue Gaskraftwerke in genau diesem Umfang bauen lassen, bekam von der EU allerdings nur Kraftwerke mit einer Leistung von 12 Gigawatt genehmigt.
Nun muss sich Deutschland zwischen dem Kohleausstieg und einer sicheren Energieversorgung entscheiden, denn es darf nicht genug Gaskraftwerke bauen.
