Langemeyer zur Kokserin: „Alles liegt auf dem Tisch“

Foto: Stadt Dortmund

Herr Langemeyer, Ein paar Bomben, die ihre Aussichten im Wahlkampf ruinieren könnten, ahnt man schon heute. Zum Beispiel soll der Prozess gegen die Kokserin aus ihrem Büro, die eine Million Euro bei Ihnen geklaut hat, im kommenden Frühjahr losgehen.

Vor einiger Zeit gab es bei der  Bundesbank einen Fall, bei dem 5 Mio. Euro verschwunden sind. Deswegen hat kein Mensch gefordert, dass der Bundesbankpräsident abtritt.

Der Bundesbankpräsident muss auch nicht in den Wahlkampf ziehen.

Gut, aber Kriminalität ist nicht hundertprozentig vermeidbar. Zudem haben Mitarbeiter die Vorschriften nicht vollständig umgesetzt. Die Konsequenzen habe ich gezogen. Die kriminelle Mitarbeiterin ist angeklagt. Das Rechnungsprüfungsamt hat die internen Abläufe durchleuchtet.

Es geht aber um die schmutzigen Details. Haben Sie keine Angst, dass im Prozess ab Frühjahr peinliche Einzelheiten bekannt werden, etwa wie leicht die Frau Geld in Ihrem Büro unterschlagen konnte? Oder wo sie überall gekokst hat?

Alle Fakten liegen auf dem Tisch. Das ist alles bekannt.

Es geht um die Plakate im Wahlkampf. Es geht nicht um eine inhaltliche Diskussion.

Was erwarten denn die Bürger in einem solchen Fall? Wen jemand in die Kasse greift, erwarten die Bürger personelle Konsequenzen. Die gibt es. Die kriminelle Mitarbeiterin ist angeklagt. Gegen die anderen, die sich falsch verhalten haben, gibt es Disziplinarverfahren. Es ist alles aufgeklärt. Wenn es zum Prozess käme, wird nichts Neues rauskommen.

Was heißt, wenn es zum Prozess käme? Rechnen Sie damit, dass es keinen Prozess geben wird?

Ich meine, wenn der Prozess im Zeitraum des Wahlkampfes beginnen würde. Ich weiß ja nicht, wie die Gerichtstermine liegen.

Glauben Sie nicht, dass es zur Schlammschlacht kommt?

Ich kann doch nicht verhindern, dass der politische Gegner versucht, Kapital aus der Situation zu schlagen. Aber dazu müsste mir persönliches Fehlverhalten nachgewiesen werden. Und das ist der Opposition bis jetzt nicht gelungen. In dem ganzen Fall wurde nicht mal eine Unterschrift von mir gefälscht. Ich habe mit dem ganzen Fall nichts zu tun. Ich bin Behördenchef. In dem Moment, in dem mir mitgeteilt worden ist, es gab ein Fehlverhalten, habe ich die Staatsanwaltschaft informiert. Alles was darüber hinausgeht, ist der Versuch Rufmord zu betreiben.

Darum geht es im Wahlkampf.

Wenn der Gegner damit kommt, frage ich mich, ob er politisch nichts drauf hat.

Die nächste Bombe ist der Skandal um das Klinikum. Hier konnte nur eine städtische Patronatserklärung das Institut vor der Pleite bewahren.

Es geht um einen bundesweit bekannten Sachverhalt. Der Gesetzgeber will dafür sorgen, dass für Krankenhäuser weniger Geld ausgegeben wird. Deswegen sind alle Krankenhäuser in einem Sanierungsprozess. Für das größte Klinikum in NRW ist das eine Herausforderung. 25 Mio Euro Ergebnisverbesserung im Jahr haben wir bisher erreicht. Weiter Schritte sind erforderlich. Ich habe diese Schritte vorgeschlagen. Wo ist der Skandal?

Ihnen kann wegen der Klinik-Finanzierung der städtische Haushalt um die Ohren fliegen.

Nein. Das ist nicht so. Der Sanierungsberater hat Ende Mai in einem Gutachten gesagt, wenn wir vom Klinikum erwarten, nicht nur den laufenden Betrieb zu finanzieren, sondern auch Investitionen zu schultern, dann müssen wir Aufgaben des Landes übernehmen, weil das Land die Investitionsmittel nicht herausgibt. Der Berater sagte, die Stadt sollte in die Rolle des Landes treten und die Kosten für die Investitionen übernehmen.
Ich habe vorgeschlagen, dass wir als Stadt für die Zinsen und die Tilgungen eintreten, die für Investitionen anfallen. Weil ich genau weiß, nur mit den Investitionen kriegen wir die Wirtschaftlichkeit des Klinikums hin. Aus städtischen Unternehmen kommen in 2008 und 2009 für diese Lasten Sonderausschüttungen in den Haushalt. Das heißt, der städtische Haushalt wird mit keinen zusätzlichen Euro belastet.

Der Regierungspräsident in Arnsberg, Helmut Diegel von der CDU, meint, die städtische Patronatserklärung hätte in den Haushalt eingestellt werden müssen. Und mit der Patronatserklärung wäre der Haushalt kaum noch zu genehmigen gewesen.

Bitte verstehen Sie, dass ich mich zu diesem Vorgang nicht äußern will, da ja auch die Staatsanwaltschaft eingeschaltet ist. Ich habe mich auf jeden Fall völlig korrekt verhalten. Die Sache ist ausreichend im Rat erläutert worden. Wir können uns darüber detailliert unterhalten, wenn die Ermittlungen eingestellt sind.

Vor allem die Entsorgung Dortmund – EDG hat das Geld für das Klinikum gegeben. Das hört sich so an, als sei die Müllfirma ihr Sparschwein. Die Entsorger bekommen ihr Geld aus Müllgebühren. Eigentlich müssen diese Gebühren kostendeckend sein. Wenn jetzt Geld aus den Müllgebühren über die EDG in das Klinikum gepumpt wird, sieht das aus wie eine Zweckentfremdung von Gebühren? Sollten die Gewinne nicht in die Senkung der Müllgebühren gesteckt werden?

Das ist nicht so. Die EDG hat gut gewirtschaftet. Und die Sonderausschüttungen kommen nicht aus den Müllgebühren, sondern aus den sonstigen Geschäften.

Sie haben vorhin gesagt, dass sie im Land eine Rolle spielen. Wird der Rat des alten, weisen Mannes aus Dortmund noch in Düsseldorf gehört?

Meine Rolle ist unverändert. Es gibt nur eine kleine Änderung. Ich war Landesvorsitzender der sozialdemokratischen Gemeinschaft für Kommunalpolitik. Ich war aber auch gleichzeitig Bundesvorsitzender der Vereinigung. Deswegen habe ich wegen der zeitlichen Belastung den Landesvorsitz abgegeben. Diese Rolle hat Frank Baranowski, der SPD-Oberbürgermeister von Gelsenkirchen, übernommen. Zudem bin ich stellvertretender Präsident des deutschen Städtetages. Auch da auf der Bundesebene. Deswegen habe ich mich auf der Mitgliederversammlung des nordrhein-westfälischen Städtetages nicht mehr um den Vorsitz bemüht, den ich zuvor innehatte.

Sie sind also noch eine Nummer in NRW. Was haben Sie der SPD-Landeschefin Hannelore Kraft im Fall Clement geraten?

Ich habe Frau Kraft in dieser Sache nichts zu raten. Der Vorgang wird vor der Bundesschiedskommission verhandelt.

Aber Sie sind ja ein Repräsentant der traditionellen NRW-SPD: pragmatisch und wirtschaftsnah. Fühlen Sie sich noch in einer SPD heimisch, in der auf allen Ebenen über eine Zusammenarbeit mit der Linkspartei diskutiert wird? Mit Clement soll doch auch die Agenda 2010 abgestraft werden.

Das sehen Sie nicht richtig. Bei dem Verfahren um Wolfgang Clement geht es um Äußerungen, die er vor der Landtagswahl in Hessen gemacht hat. Damit muss man sich nun auseinandersetzen und ich warte das Ergebnis der Beratungen ab.

Was haben Sie denn gedacht als sie gehört haben, dass Wolfgang Clement aus der SPD ausgeschlossen werden soll?

Ich schätze Wolfgang Clement nach wie vor wegen seiner Verdienste – auch um die SPD. Das ist doch klar. Genauso meine ich, dass man nicht alles, was man auf dem Herzen hat, zu jeder Zeit sagen muss.

Was müsste Ihrer Ansicht nach die SPD machen, um im Bund und im Land wieder an die Spitze zu kommen? Sollte sich Ihre Partei der Linkspartei öffnen? Oder doch lieber an Rau und Clement orientieren?

Die SPD muss sich auf ihre eigene Stärke konzentrieren. Das heißt, sie muss sehr nah bei den Menschen sein, muss genau zuhören, was die Menschen wirklich wichtig finden, und daraus Politik machen. Das ist die Grundlage einer Volkspartei. Die SPD muss es schaffen, Menschen im linken Spektrum und in der Mitte anzusprechen und ihnen klar machen, dass eine Reformpartei die besseren Lösungen hat. Man muss den Menschen aber auch erklären, dass man das Geld nur einmal ausgeben kann. Dass nicht Ostern, Weihnachten und Geburtstag zusammenfallen und wir immerzu Geschenke verteilen können. Wir müssen verantwortliche Politik machen. Für mich ist klar, dass am linken Rand reinster Populismus herrscht, der keine Lösungsansätze für die Probleme der Gegenwart bietet. Wenn man eine kraftvolle SPD-Politik wie in der Vergangenheit durchsetzen will, muss man um die Mehrheit kämpfen. Und die Mehrheit bekommt man nur, wenn man die Bevölkerung in ihrer Breite anspricht: Nicht nur Gewerkschafter und nicht nur Traditionalisten, sondern auch die Mitte müssen wir ansprechen und die Menschen, die in den neuen Berufen zu Hause sind und ganz andere gesellschaftliche Vorstellungen haben, als wir es früher gewohnt waren.

Was Sie gerade beschrieben haben, könnte auch Jürgen Rüttgers als CDU-Ministerpräsident unterschreiben.

Ja, aber man muss sich sein konkretes Handeln anschauen. Reden und Handeln sind bei Herrn Rüttgers weit auseinander.

Schaut man sich die Umfragen an, hat er mit seiner Politik Erfolg. Er liegt mit der CDU weit vor der SPD.

Ich sage ja nicht, dass sich Herr Rüttgers ungeschickt verkauft, aber seine Motto heißt: Privat vor Staat und das führt nicht unbedingt dazu, dass die Interessen der Allgemeinheit gewahrt werden.

Lesen Sie im dritten Teil des Interviews, was Langemeyer zum RVR sagt, warum er meint, der RVR-Verbandsdirektor Klink braucht keine Kompetenzen, wieso die Planungen von Thomas Rommelspacher antiquitiert sind und warum Dortmund, Bochum und Essen Konzerthäuser brauchen.

Zurück zum ersten Teil des Interviews

Schreiben lassen (1)

Foto: flickr/photos/kubia

In sehr loser Folge veröffentlichen wir hier nun auch aktuelle Beiträge, die aus unerfindlichen Grüßen noch nicht abgedruckt wurden. Den Anfang macht eine Rezension vom Kollegen Christian Werthschulte. Auf gehts, Bua:  

Alpinisten der Improvisation

Österreich, du hast es besser. Dank einer nachhaltigen Kulturförderung hast du im Übermaß, was das Ruhrgebiet nur am Rande hat – Schmankerl der experimentellen Musik. Wer davon probieren wollte, war am Samstag bei „Felix Austria" im Dortmunder Künstlerhaus an der richtigen Adresse.
Michael Moser ist eigentlich Cellist. Doch anstatt sein Instrument mit klassischer Musik zu langweilen, erforscht er lieber seine Klangeigenschaften, streicht mal zart über die Seiten und nutzt den Korpus für Halleffekte – wie einst im Fluxus. Doch der Fortschritt hat vor der improvisierten Musik nicht Halt gemacht. Ein Computer nimmt die Klänge auf und manipuliert sie sanft und bei bloßem Hinhören kaum wahrnehmbar.
Anders Billy Roisz und Silvia Fässler. Als Silly setzen sich die beiden vor ihre Laptops, verziehen keine Miene und starren für die Dauer ihres Sets gebannt auf die Monitore. Was dort passiert, lässt sich nur erahnen. Kurze Pianoloops werden hörbar, unterbrochen von einem minimalen Rhythmus und digitaler Klangsynthese. Das ist laut, humorvoll und kickt auf angenehm unklimaktische Art und Weise. Doch wo Silly dafür den Computer bemühten, hat sich Werner Dafeldecker der Analogtechnik verschrieben. Mit Hilfe eines Bandechos wurde aus einem einfachen Sinuston eine Klangkaskade, die nuancenreich zwischen Lärm und Stille oszillierte.
Zum Abschluss collagierte dieb13 Fragmente aus der Jazzgeschichte mit drei Plattenspielern. Dass dabei von den Originalaufnahmen wenig erhalten blieb, verdankt er einer selbstgeschriebenen Software, die im Inneren eines kleinen Holzkastens ihr Werk tat und ihre Ergebnisse zurück in die Mix-Melange speiste. Eine Form von musikalischer Aneignung, die ihre politischen Ambitionen nicht verleugnet. Zum Schluss seines Sets ertönt eine geloopte „Internationale" in der Spieluhr-Version, dieb 13 riss die Regler nach oben und entließ seine Zuhörer ins weiße Rauschen. Hat Spaß g’macht.

Die Nummer Eins

Jens Lehmann wurde in einem Dortmunder Autohaus fotografiert. Jens Lehmann wurde auf dem Dortmunder Weihnachtsmarkt gesehen. Jens Lehmanns Konkurrent bei Arsenal hält einen Elfmeter. Jens Lehmann braucht Spielpraxis, sonst kann er sich die Fußball-Europameisterschaft von der Backe putzen. Jens Lehmann soll sich ein Gefährt mit dem Steuer auf der linken Seite gekauft haben. Der Fall ist klar. Jens Lehmann spielt die Rückrunde in Dortmund.

Oder? klick

Hmmm, im Sommer 2008 zurück, der Kinder wegen, die Euro scheißegal, na so was.

Jens Lehmann muss man eben anders sehen: Jens Lehmann fuhr S-Bahn, hat Leinwände gerne mit kleinen Punkten – Münsterschen Stadtansichten – verziert. Er hat keine (typische) Spielerfrau. Er hat IHN abgelöst. Er ist ein deutscher Gary Cooper oder James Stewart  – entschlossen, auch ehrgeizig, eigenbrödlerisch, aber nicht eitel.

Und: Jens Lehmann ist immer noch ein WELTKLASSEtorwart. Schon deshalb muss er in London bleiben.

Die Macht aus Dortmund

Dr. Gerhard Langemeyer, 63, ist nicht irgendwer. Der Dortmunder SPD-Oberbürgermeister ist einer der mächtigsten Männer im Ruhrgebiet. Leider aber ist der ehemalige Kulturpolitiker kaum über die Stadtgrenzen seines Sprengels hinaus bekannt. Das sollte sich ändern, finde ich. Denn der echte Ruhrbaron Langemeyer stellt einige der wichtigsten Weichen im Revier.

Zum Beispiel hat er als Vorsitzender des Stiftungsvorstandes der Schüchtermann Schiller’sche Familienstiftung dafür gesorgt, dass Schalke 04 eine Klinik auf das Stadiongelände nebend er Arena gesetzt bekam. Das hat den Kickern vom FC Schalke ein paar schicke Kröten eingebracht, als es dem Club wegen diverser Problemgeschäft gerade nicht so gut ging.

Aber auch für die Dortmunder Kicker vom BVB hat Langemeyer ein Herz. Die Balltretern genießen in Langemeyers Stadt ein seltenes Steuerprivileg. Ihnen wurden Millionensummen gestundet, um die Pleite der Reichtumskicker abzuwenden.

Aber auch wirtschaftlich ist Langemeyer eine Nummer im Revier: Als Aufsichtsratschef der Stadtwerke Dortmund kontrolliert der Politiker die Zusammenfügrung der Gemeindebetriebe aus Dortmund und Bochum auf die Gelsenwasser AG. Gleichzeitig ist er ab Januar als Aufsichtsrat der WestLB an den strategischen Beatungen eines der wichtigsten potentiellen Financiers des Deals beteiligt. Und auch beim RWE, das ebenfalls überlegt, bei dem neuen Gelsenwasser-Stadtwerk einzusteigen, hängt Langemeyer mit im Aufsichtsrat.

Aber sicher am wichtigsten ist der Einfluss den Langemeyer tief in den Innereien des Essener Stromriesen ausüben kann. Wie, das erkläre ich mal möglichst kurz hier: Weitaus größter Anteilseigner des RWE ist die so genannte RW Energiebeteiligungsgesellschaft. Dahinter verbergen sich die KEB Holding AG und die RW Holding AG. Wer diese beiden Firmen kontrolliert, führt ein entscheidendes Wort im Stromriesen. Hinter der RW Holding AG stecken viele Städte. Die Gesellschaft selbst aber wird nicht von den Kommunen gesteuert, sondern von der WestLB, deren Aufsichtsrat Langemeyer in wenigen Tagen beitritt. Die Bank hat nach meinen Informationen einen Geschäftsbesorgungsvertrag mit der RW Holding. Der Geschäftsführer der RW Holding ist Angestelter der WestLB. Die Hauptversammlung der AG fand vor ein paar Tagen in der WestLB statt.

Die KEB Holding wiederum gehört zu 65 Prozent den Dortmunder Stadtwerken, einer weiteren Langemeyer-Adresse. Die entscheidende Vorstandsfrau der KEB Holding ist die Kämmerin von Dortmund. Und damit eine direkte Untergebene von Langemeyer.

Natürlich ist klar, wer sich dermaßen gut in Wirtschaft und Politik vernetzen kann, ist keine Pfeife. Langemeyer ist einer der fähigsten strategischen Köpfe der NRW-Solzialdemokratie. Wie gut sich durchsetzen kann, will ich nur an einem Beispiel erklären:

Langemeyer spielt im Regionalverband Ruhr (RVR), als damaliger Vorsitzender des Vorstandes, eine sehr wichtige Rolle. Der schwachen Chef des Verbandes Heinz-Dieter Klink, gilt als Indianer von Langemeyers Gnaden.

Wie dem auch sei, hier will ich erzählen, wie Langemeyer seinen Wunschkandidaten Hanns-Ludwig Brauser, dem Macher der Projekt Ruhr GmbH mit durchaus zweifelhaften Ruf, als Chef der Wirtschaftsförderung des RVR durchzusetzen konnte. Die Grünen lehnten nämlich Brauser unter anderem wegen seiner dubiosen Praktiken bei der Projekt Ruhr ab. Der Dortmunder Oberbürgermeister war aber bereit, die rot-grüne Kolaition im RVR scheitern zu lassen, wenn die Grünen Brauser nicht mittragen würden.  Sein Kalkül, die Grünen würden eher den Frosch Brauser fressen, als sich mit der CDU zu einigen. Zum Schein ging Langemeyer sogar auf Verhandlungen zur Bildung einer großen Koalition im RVR ein, um die Grünen zu brechen.

Das Kalkül des Sozialdemokraten ging tatsächlich auf. Nach heftigen Turbulenzen fraßen die Grünen Brauser, wählten ihn zum Chef der Wirtschaftsförderung, und gaben damit über weite Teile ihre politische Handlungsfähigkeit im RVR preis. Als gebrochene Partner sind sie jetzt Mehrheitsbeschaffer, denen nur ab und an ein Häppchen zugeworfen werden muss. Selbst bei dem grünen Urthema "Umweltzone Ruhr" können sich die Grünen nicht mehr gegen Langemeyer durchsetzen.

Ich finde, für eine solche durchsetzungsstarke Politik gebührt Gerhard Langemeyer Achtung. Er hat die Grünen diszipliniert, wie vor ihm vielleicht nur Joschka Fischer. Chapeau!!

Auch seine Wirtschaftspolitik ist aus Perspektive der SPD nicht zu dumm. Er hält die Fäden des kommunalen Einflusses zusammen. Leider hat seine Stadt wenig davon. Noch immer ist die Großkommune unter Haushaltssicherung.

Und ob Langemeyers Fortune seine politische Karriere in Dortmund retten kann, ist mit dem steigenden Einfluss von Franz-Josef Drabig, dem SPD-Unterbezirksvorsitzenden, ebenfalls fraglich. Vor allem nach der Koksaffäre, direkt in Langemeyers Umfeld, bei der Säckeweise Geld verschwand.

Ich wünsch ihm das beste.

 

Werbung
Werbung


Musterwestfale unter Druck

Zwei gegen das Revier: RVR-Chef Klink und Dortmunds OB Langemeyer

 

Dortmunds Oberbürgermeister Gerhard Langemeyer ist ein gut vernetzter Mann. Er sitzt im Aufsichtsrat der schlingernden WestLB, ist Teil des Aufsichtsrates der Kultur.2010 GmbH und natürlich gehört er auch zum Beirat von Borussia Dortmund, und bis vor nicht allzu langer Zeit sah es ganz so aus, als ob es zu ihm keine Alternative eines Kandidaten bei der nächsten Kommunalwahl geben würde. 

Doch nun häufen sich, nach Jahren des Erfolges, die Probleme: Da verschwinden gut eine Million Euronen aus der Kasse seines Büros, unter anderem durch die Nase einer koksenden Mitarbeiterin, floppt der groß angekündigte Bau eines neuen Bahnhofes, gab es Ärger um den Ausbau der Dortmunder U zu einem Zentrum für Kreativwirtschaft und bemängeln Parteimitglieder hinter vorgehaltener Hand, dass Langemeyer viel zu wenig volksnah sei. Dass sich innerparteilich Dortmunds Planungsdezernent Ulrich Sierau auf eine eigene Kandidatur warmzulaufen scheint, macht die Sache für Langemeyer ebenso wenig leichter  wie das Gerücht, dass der Arnsberger Regierungspräsident Helmut Diegel (und Ehemann der Grünen Landtagsabgeordneten Barbara Steffens) als CDU-Kandidat gegen ihn antreten soll. Und dann liegt er auch noch im Dauerstreit mit seiner Partei und vor allem deren Vorsitzenden, Franz-Josef Drabig.

Ein Hauch von Götterdämmerung in Dortmund. Der Mann, dem wir den profillosen Heinz-Dieter Klink als Chef des RVR zu verdanken haben, der kaum mehr als eine Bauchrednerpuppe von seinen Gnaden ist,  der sich bei jeder Gelegenheit gegen das Ruhrgebiet stellte und Dortmunds Zukunft als Vorort von Münster sieht, könnte bald Vergangenheit sein. Dafür spricht auch, dass im Dortmunder Rathaus ein beeindruckendes Hauen und Stechen begonnen hat. Langemeyer säbelt Widersacher ab und befördert hektisch Günstlinge. Alles nach Gutsherren Art – eben ganz westfälisch.

Langemeyer wankt. Für das Ruhrgebiet eine gute Nachricht, denn wenn es jemanden gab, der in den vergangenen Jahren alles getan hat, um das Zusammenwachsen des Reviers zu blockieren, dann er. Langemeyers Ende wäre keine Garantie dafür, dass sich Dortmund aus seinen Westfalen-Träumen löst, aber die Chance dazu würde zumindest bestehen. Redet man mit Sierau, fällt häufig das Wort Ruhrgebiet. Spricht man mit Langemeyer, kann der sich gerade einmal den Begriff "westfälisches Ruhrgebiet" herauspressen und macht dann noch dabei ein Gesicht, als würde ihm die Galle hochkommen.