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Ticker: Nazis in Dortmund, Palästinenser in Bochum.

Polizeisperre in Dortmund


Heute soll, wahlweise, Europa erwachen oder Palästina befreit werden. In Dortmund wollen 500, aus den Nachbarländern herangekarrte, Nationalsozialisten für ein erwachendes Europa demonstrieren, ihnen entgegen stellt sich eine breite, allerdings auch zersplittertes, Menge von Gegendemonstranten entgegen. Und in Bochum will die „Palästinensische Allianz in NRW“ für ein befreites Palästina auf die Straße gehen und eine Kundgebung abhalten. Wir berichten in unserem Ticker von beiden Veranstaltungen.

Dortmund, 11.00 Uhr: Bislang können wir uns nur auf unterschiedliche Twitter Accounts berufen, aber in Dortmund gerät schon einiges in Bewegung. Angeblich haben sich die eingeborenen Nazis mit ihrem Geraffel schon auf den Weg gemacht und ihren Unterschlupf in Dorstfeld verlassen. Gleichzeitig stimmt man sich auf der Gegenseite mit einem kleinen Tennisspielchen vor dem Hauptbahnhof auf die möglicherweise kommenden Ereignisse ein. Die Polizei schaut zu und sucht einen Parkplatz für den Wasserwerfer. In eigener Sache: Immer mal wieder werden die Kollegen versuchen, dass eine oder andere Video live zu übertragen, wir empfehlen daher, unsere Facebook Seite auch im Auge zu behalten.

Dortmund, 11.14 Uhr: Nun haben wir auch unsere „boots on the ground“ und sind nicht mehr nur auf twitter angewiesen. Durch das Unionviertel ziehen 200 bis 300 Antifa Aktivisten und versuchen, zur Demonstrationsroute der Nazis zu gelangen. Bislang scheiterten die Versuche an zwei Sperren der Polizei. Dabei kamen auch schon Tonfa und die Pfefferspraydose zum Einsatz.

Dortmund, 11.38 Uhr: Während die Nazis ihre Bühne aufbauen, ist die Anzahl der antifaschistischen Gegendemonstranten auf knapp 400 gestiegen. Es wird auch von einer 700 Mann starken Gruppe berichtet, die sich unter Polizeibegleitung auf dem Weg zum Veranstaltungsort von BlockaDo befinden soll. Die Stimmung der Polizei wird als „angespannt“ beschrieben, immer wieder kommt zu Lauf- und Geländespielen mit den Antifaschisten. Lockerer als im Unionviertel geht es im Bahnhof zu. Zwar hat die Polizei den Veranstaltungsort der Nazis weiträumig abgesperrt und auch zwei der neuen, schicken, WaWe 10 Wasserwerfer aus der Garage geholt, aber grundsätzlich kann man sich noch relativ frei und entspannt bewegen.

Antifa wird von Polizei mit Wasserwerfer begleitet

Dortmund, 11.54 Uhr: Ob der Oldtimer aus Thüringen ein H-Kennzeichen hat und deshalb in die Umweltzone darf, können wir nicht sagen. Mit starken Einsatzkräften, hier aus Thüringen, werden die Demonstranten begleitet, die zur BlockDo Veranstaltung wollen. Die Polizei hat sehr viele Einsatskräfte und Material zusammengezogen, um den Tag heute ordentlich über die Bühne zu bekommen.

Dortmund, 12.11 Uhr: Geländespiele vor dem Hauptbahnhof, dort bewegt sich eine Gruppe von 80-100 Antifaschisten hin und her. Überhaupt ist das Verhalten der antifaschistischen Gegendemonstranten sehr dynamisch. Unter hinter dem Bahnhof? Bei den Nazis? Schließlich veranstalten wir hier den Zinnober wegen ihnen… Also, 12 Nazis, zwei Frauen und zehn Männer, befinden sich auf dem Veranstaltungsgelände am Nordausgang, wie auch die noch zu erwartenden völkischen Demonstranten, mussten auch sie durch die Durchsuchungszelte der Polizei. Dabei sollen auch schon Knüppel und Sturmhauben sichergestellt worden sein. Ihre Technik haben sie auch schon aufgebaut bekommen.

Nazis vor dem Durchsuchungszelt.

Dortmund, 12.24 Uhr: Oben auf der Katharinentreppe halten ca. 70 Autonome erstmal ein Plenum ab. Gleichzeitig trifft hinter dem Bahnhof die erste größere Gruppe von Nazis ein. 80 bis 100 von ihnen dürfen jetzt erstmal in der Schlange stehen, um sich im Zelt von der Polizei durchsuchen zu lassen, bevor sie den gesperrten Bereich betreten dürfen. Unter ihnen Christian Worch.

Dortmund, 12.31 Uhr: Das war dann selbst den eigenen Kameraden zu doof, aber einer muss ja immer aus der Reihe tanzen. Ein Neonazis hat wohl mehr als nur ein bisschen zu viel getrunken und den rechten Arm zum Hitlergruß gehoben… da haben ihn die eigenen Leute rausgeschmissen. So kann’s gehen…

Dortmund, 12.37 Uhr: Auch hinter dem Bahnhof, am Nordausgang, will man die Nazis nicht ungestört gewähren lassen. Bislang haben sich am Cinestar um die 300 Gegendemonstranten eingefunden.

Dortmund, 12.51 Uhr: Ärger im Paradies… Thomas „Steiner“ Wulf und SS-Siggi Borchardt sitzen plaudernd auf einem Mäuerchen und lassen den Christian nicht mitspielen. Worch stromert verloren und ein wenig traurig dreinblickend durch die Gegend. Unterdessen sind knapp 10 Neonazis aus Bulgarien eingetrudelt um sich erklären zu lassen, was das mit diesem Europa so auf sich haben soll.

Dortmund, 12.56 Uhr: Im Westpark setzt die Polizei die Reiterstaffel ein, um antifaschistische Demonstranten zu zerstreuen. Aus unbestätigten Twitter Quellen geht hervor, dass dabei eine Demonstrantin umgeritten und dabei verletzt worden sein soll.

Dortmund, 13.07 Uhr: Damit Europa erwacht, soll Ahmadinedschad helfen… na doll. Insgesammt sind es jetzt knapp 200 Neonazis, die sich auf dem Veranstaltungsgelände befinden, und es tröpfeln immer noch einige hinzu.

Dortmund, 13.15 Uhr: So, das war es dann mit dem akademischen Viertelstündchen… Wie der Russlandfeldzug, so fängt auch diese Veranstaltung mit Verspätung an. Tscha, aus der Vergangenheit eben absolut nix gelernt.

Dortmund, 13.19 Uhr: Die ersten Pressemitteilungen trudeln ein. Auf der Seite des antifaschistischen Gegenprotestes ist man zum jetzigen Zeitpunkt zufrieden mit dem, was man bislang geschafft hat. 800 Gegendemonstranten bewegen sich rund um die geplante Demoroute, wobei man sich von der Polizei schikaniert fühlt. So sei Demonstranten der Zugang zum BlockaDo Bereich mit der Begründung verwehrt worden sein, die Veranstaltung würde nicht stattfinden.

Dortmund 13.40 Uhr: Rund um den U-Turm ist es unruhig, so unruhig, dass die Polizei Einsatzkräfte vom Gelände der Nazis abzieht und in die Richtung schickt. Überhaupt tut sich bei den Gegendemonstranten viel. 600 bis 800 rund um den U-Turm, 1000 bis 1500 am Stadthaus und 300 bis 400 am Cinestar.

Dortmund, 13.44 Uhr: Michael Brück gibt an, dass sich bis jetzt 700 Neonazis versammelt hätten und man immer noch auf eine weitere Gruppe warten würde, die sich auf der Anreise befinden würden. Auch müsste man weitere Ordner bereitstellen. 700 klingt für uns komplett zusammenphantasiert aber nach unserer Schätzung sind es deutlich weniger, eher 350 bis 400

Dortmund, 14.00 Uhr: Eine Stunde Verspätung. Endlich kommen die Nazis mal in die Pötte. Gerade haben sie die Auflagen für die Versammlung verlesen. Dann dudelt noch mal Musik und wahrscheinlich wird man sich noch eine Menge Geschwafel anhören müssen, bevor sie ihren Marsch beginnen.

Dortmund, 14.20 Uhr: Während aus der Anlage Hells Bells schallt, läuft der Zug des Arbeitskreises gegen Rechtsextremismus über die Kampstraße in Richung U-Turm.

Dortmund, 14.15 Uhr: Bei den Nazis beginnen nun die unterhaltsamen Redebeiträge. Wenn man etwas Glück hat, dann versteht man sie nicht, denn die die da die Reden bislang geschwungen haben, kommen aus Norwegen und Bulgarien. Leider hat man aber kein Glück, denn das Geseier wird mehr oder weniger simultan übersetzt, was das ganze noch elend in die Länge zieht. Vorab hat die Polizei die Zahl der Neonazis mit 600 angegeben.

Dortmund, 14.23 Uhr: Immer wieder gibt es rund um den U-Turm Gerenne. Antifa Gruppen versuchen sich laufend der Polizei zu entziehen, nur um an der nächsten Straßenecke von einer weiteren Polizeisperre aufgehalten zu werden.

Bochum, 14.30 Uhr: Aus Bochum gibt es zu melden, dass es noch nichts zu melden gibt… außer ein paar Pfadfindern die Flyer verteilen und das die Cafes gut gefüllt sind und, ach ja… Das bislang, handgestoppte und ausgeschriebene, acht Teilnehmer der Veranstaltung für ein befreites Palästina anwesend sind…

Dortmund, 14.32 Uhr: Nazis werden Pressevertretern gegenüber handgreiflich.

Dortmund, 14.36 Uhr: Der dritte Redner bezeichnet sich als „Aktivist“, fühlt sich als Teilnehmer in einem Krieg und kommt aus Russland… Wen auch immer er mit „Globalisten“ meinen mag, das bleibt sein Geheimnis… jedenfalls wollten diese die Völker zerstören… nun ja…

Dortmund, 14.45 Uhr: Und einer muss auch noch… Sascha Krolzig muss auch noch eine Rede schwingen und vergleicht sich gleich mal mit den Dissidenten in Nordkorea, China und der Türkei, darunter tut man es einfach nicht. Danach soll der Demonstrationszug beginnen.

Nazidemo in Dortmund.

Dortmund 14.52 Uhr: Auweia… Wir denken uns das echt nicht aus, würden wir auch gar nicht durch das Lektorat bekommen wenn wir es täten, aber Michael Brück schwadroniert davon, dass Dortmund ein solches Fahnenmeer seit ’45 nicht mehr gesehen habe…

Dortmund, 15.04 Uhr: Nazis biegen in die Unionstraße ein.

Dortmund, 15.12 Uhr: Da stößt man schon mal an intellektuelle Grenzen. Einige Nazidemonstranten würden gerne „Ausländer raus!“ rufen. Deshalb müssen sie von Michael Brück ermahnt werden. Denn es wäre doppelt doof, ausgerechnet dann zu skandieren, wenn ein großer Teil des Umzuges aus… nun ja… Ausländern besteht, ganz abgesehen davon, dass der Spruch verboten worden ist…

Dortmund, 15.18 Uhr: Am Hohen Wall, auf der anderen Seite des U-Turms, hat sich bunter und lauter Gegenprotest zusammengefunden. Leider wird den Nazi Zug kaum stören können, dazu ist die Entfernung zu groß.

Dortmund, 15.32 Uhr: Das Ruhrgebiet ist eben ein Schmelztiegel, BFE Einheiten aus Thüringen, Einheiten aus Hessen und aus Schleswig Holstein… Polizisten aus aller Herren Länder.

Dortmund, 15.36 Uhr: Und der Zug der Nazis krabbelt weiter auf der Möllerstraße. Aber das wäre ja zu einfach. Nein, nun muss erstmal eine Zwischenkundgebung an der Ecke Möller- Lange Straße abgehalten werden, damit noch ein wenig schwadroniert werden kann. Das kann aber auch noch ein wenig auf sich warten lassen, denn offenbar sind mal wieder ein paar Kameraden aus der Reihe getanzt und die Polizei nimmt im hinteren Bereich des Zuges Personalien auf.

Dortmund, 15.47 Uhr: Eigentlich ist Französisch ja eine schöne Sprache, aber das macht es gerade auch nicht besser. Bei der Zwischenkundgebung dürfen sich die Bulgaren und Norweger nun jemanden aus Frankreich anhören…

Dortmund, 15.55 Uhr: Babylonisches Sprachgewirr bei den Neonazis. Nach dem Redner aus Frankreich auch noch einer aus… Tscha… wir können es nicht sagen, denn man hat ihn nicht verstanden. Wie dem auch sei, die Nazis ziehen wieder weiter in Richtung Sonnenplatz.

Dortmund 16.05 Uhr: Auf der Möllerstraße gibt es eine eher kleine Sitz… nein… eine Liegeblockade gegen die Nazis. Unterdessen rollt ein Wasserwerfer dramatisch rauchend durch die Gegend… Oldschool Diesel eben… Ansonsten ist es bei den Gegendemonstranten auf der Möllerstraße entspannt. 200 Anwohner und Demonstranten stehen in der Sonne und essen ihr Eis.

Dortmund, 16.14 Uhr: Immer wieder versuchen mehr oder weniger große Gruppen von Antifaschisten zum Sonnenplatz, dem Ort der Abschlusskundgebung der Nazis zu gelangen. Dort soll die Polizei ziemlich humorlos und angespannt sein.

Dortmund, 16.19 Uhr: Auf der Möllerstraße Ecke Beuerhausstraße braucht man nicht aus dem Haus zu gehen, um gegen die Nazis zu protestieren. Transparente und laute Musik aus offenen Fenstern soll die Nazis stören und tut es auch. Offenbar ist die Polizei jedoch gerade in eines der Häuser eingedrungen, irgendetwas scheint sie gestört zu haben. Überhaupt wird die Stimmung langsam angespannter und die Demonstration der Nazis steht.

Dortmund, 16.41 Uhr: Nazis treffen auf dem Sonnenplatz ein und werden nun ihre Abschlusskundgebung abhalten. Die Polizei lässt Gegenprotest nur in Hörweite zu und hat die Lage weitestgehend im Griff. Unrühmlich aber bemerkenswert, dass die Nazis sich mehrfach bei Polizeipräsident Lange dafür bedankt haben, dass er ihnen mit der zugewiesenen Route die spektakulärsten Bilder seit Jahren ermöglicht hat. Ebenso unrühmlich und bemerkenswert, dass, anders als in den Vorjahren, die Wasserwerfer ausschließlich auf die Gegendemonstranten gerichtet waren.

Dortmund, 16.58 Uhr: Und plötzlich ist ihnen Udo Voigt von der Fahne gegangen. Eigentlich sollte er auf der Abschlusskundgebung reden, aber nun will man wohl nicht mehr miteinander in Verbindung gebracht werden. Tscha…angeblich sollen „parteipolitische Gründe“ vorliegen, die gegen den Auftritt gesprochen haben. Dann muss eben Sven Skoda ran, um sein Sprüchlein aufzusagen.

Dortmund, 17.08 Uhr: Immer noch werden bei den Nazis große Reden geschwungen, aber langsam haben die Wohl auch die Schnauze voll und werden wohl bald zum Ende kommen. Denn die Rede von Skoda ist so spannend, dass die ersten Kameraden den Platz der Abschlusskundgebung verlassen. Laut Polizei sollen die Nazis später mit der U-Bahn zum Bahnhof gebracht werden. Auch rundherum entspannt sich die Lage, BlockaDo hat seine Veranstaltung schon vor geraumer Zeit beendet und alles befindet sich irgendwie in fröhlicher Auflösung.

Dortmund, 17.14 Uhr: Geschafft! Jedenfalls den offiziellen Teil. Nun geht es darum, wie der Abtransport der Nazis verlaufen soll. Unter Polizeibegleitung erst zum Haltepunkt Stadthaus und von dort zum Hauptbahnhof. Den hat die Polizei offenbar für den normalen Publikumsverkehr weitgehend abgesperrt.

Dortmund, 17.56 Uhr: Dumm rumstehen können sie gut. Obwohl die Nazikundgebung nun auch schon eine geraume Weile vorüber ist, steht die Bande immer noch auf dem Bahnsteig an der Möllerbrücke, von wo aus es über Stadthaus zum Hauptbahnhof geht. Als Teilnehmer der antifaschistischen Gegendemonstrationen hat man es da jetzt, im Gegensatz zu vorhin, deutlich angenehmer und kann sich einen schönen Feierabend machen.

Dortmund, 18.13 Uhr: Wir gehen nicht mehr davon aus, dass noch irgendetwas weltbewegendes hier geschehen wird, trotzdem, für die Nazis heißt es im Moment mal wieder „rin inne Kartoffeln und wieder raus…!“ Mit der Bahn zum zum Hauptbahnhof und dort, richtig, dort stehen sie wieder dumm rum.

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4 Kommentare zu “Ticker: Nazis in Dortmund, Palästinenser in Bochum.

  • #1
    Bebbi

    14:46 Irgendwo über’m Kreuzviertel ist ein Hubschrauber im Einsatz. Aktuell für mich nur zu hören und zu riechen.

  • #2
    Bebbi

    Der REWE an der Möllerbrücke hat geschlossen.
    https://de-de.facebook.com/rewe.sanecki/posts/673601353031097

  • #3
  • #4
    Gerd

    @3:

    Wenn da nur acht Israelfeinde gewesen sind gibt es vermutlich nicht mehr zu berichten.

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