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Töte sanft, Wes!

Macht mir bis heute Angst: völlige Dunkelheit

Macht mir bis heute Angst: völlige Dunkelheit

Los Angeles – Horrorregisseur Wes Craven ist tot. Deswegen versuche ich mich hier an etwas, was so gar nicht mein Metier ist: Kultur.

Wahrscheinlich geht der Versuch in die Hose, aber das ist mir egal. Und genau das habe von Wes Craven gelernt. Das, und dass man sich niemals in Sicherheit wiegen sollte, nur weil jemand beerdigt wurde.

Als ich heute morgen hörte, dass Wes Craven verstorben ist, war ich wirklich ein wenig betrübt. (Ebenso, wie als ich später hörte, dass auch Oliver Sacks seit heute nicht mehr unter uns weilt.) Allerdings weiß und wußte ich da wenig über Craven. Und ich werde hier nicht den Aufguß seines Wikipedia-Artikels geben – und auch nicht einfach die IMdB runternagen. Das könnt ihr selber, indem ihr den gesetzten Links folgt.

Ihr könnt auch im Netz genug Aufsätze finden, die beleuchten, was B-Movie-Horror ist und inwiefern Science-Fiction- und Horror-Filme immer ein reales Spiegelbild der Befürchtungen und Wünsche einer bestimmten Zeit sind. Ich teile diese Haltung, aber auch darum soll es hier nicht gehen.

Es sollen persönliche Sätze sein. Ein persönliches Dankeschön, an einen der das Dankeschön nicht mehr hören kann. Also irgendwie etwas zwischen persönlicher Katharsis, Verneigung und Homestory. Wenn euch das nicht interessiert, lest doch einfach das oder das.

Was ich heute oft gelesen habe, ist „Scream-Regisseur tot“. Und das stimmt. Und ich werde jetzt hier keinen auf Friedrichshain machen und mich beklagen, dass nur ausgerechnet dieses Werk heute im Fokus steht, wo doch früher alles bla bla bla hipsterargumentation bla berlin-und-bowie blubb. Nein, „Scream“ war geil. „Scream“ war zu seiner Zeit innovativ. Wer nachgeahmt wird, der ist gut. Und „Scream“ wurde kopiert, parodiert, verzerrt und welches andere Verb ihr noch für angemessen haltet – auch von Wes Craven selbst. Er war Kapitalist genug, nichts darauf zu geben, was andere davon hielten, dass er seine eigenen Filme immer wieder spin-offte oder sogar neu auflegte. Er und Carpenter. Helden für mich.

Dabei hat Craven einen Film gedreht, der mich tatsächlich tief bewegt hat: die Schlange im Regenbogen (und ja, ich knicke mir auch diese kultur-ole-Nummer, die Titel alle im englischen Original zu benennen – in dem ich sie weder als Kinder, noch als Jugendlicher oder auch jetzt gesehen habe). Ich muss damals in etwa 10 oder 11 Jahre gewesen sein, und habe in Polen die FSK 18-Version gesehen. Ähm. Ja. So war das. Mit gelesenen Synchronstimmen. (Bis heute nicht unüblich in Polen, dass eine Synchronstimme über alle Originalstimmen auf Polnisch liest, so dass man immer noch das Original durchklingen hört.) Der Film verstörte mich. Aber ich hatte nicht wirklich Angst. Er war anders – als all die Horrorfilme, die ich damals auch nicht sehen durfte, aber bei Polenurlauben guckte. Das Ganze war von einer so ursprünglichen Gewalt, einer so harten und urtümlichen erdbefleckten Bildersprache, dass ich mehr über Voodoo und Zombies wissen wollte. Gut möglich, dass ein Teil meines Interesses für Parawissenschaften und abseitige Themen durch diesen Film erst geweckt wurde – Akte-X war dann in den 90ern meine persönliche Illumination, gefolgt von Millenium.

Ich habe es später vermieden, mir den Film noch einmal anzuschauen – so wie auch Tron aus dem Jahr 1982. Es gibt Filme, von denen ich finde, man sollte sie sich nicht dadurch kaputtgucken, dass man sie mit den Augen der aktuellen Zeit nochmal sieht – bei Red Sonja ging mir das so, und auch bei Halloween.

Wie viele Kinder hatte auch ich in der Grundschule Angst vor Freddy Krüger, ohne einen einzigen Nightmare on Elm Street – Teil ganz gesehen zu haben. Trotzdem hatte ich zeitweise Angst einzuschlafen. Der Junge aus der Wohnung unter uns hatte mir zu plastisch von Freddy erzählt. Später wurde ich Nirvanafan. Keine Ahnung, ob Kurt Cobains Pulli eine Anspielung auf Freddy Krüger war. Erst als ich an meiner Doktorarbeit zu Verschwörungstheorien saß, verstand ich den Witz mit der „Elm Street“ – es war die Strasse auf der JFK erschossen wurde. Wahrscheinlich sind einige solcher Gags an mir vorbei gegangen.

Viel mehr habe ich eigentlich nicht zu sagen. Und das ist eine der Sachen, die ich aus Horrorfilmen gelernt habe: wenn du nichts mehr zu  sagen hast, halt die Klappe. Es stirbt immer als nächster derjenige der Triviales oder Banales ausspricht.

Insofern: seid vorsichtig beim Kommentieren – und wenn ihr im Bett liegt, und ein Kratzgeräusch hört, aus dem Schrank, versteckt euch ruhig unter der Bettdecke – dann seht ihr die Messer zumindest nicht kommen. Gute Nacht.

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