Update Documenta: Vertreter Hessens haben eine Aufsichtsratssitzung beantragt, Kassels OB wird in Kürze den Termin bekannt geben

Angela Dorn Foto: Hessisches Ministerium für Wissenschaft und Kunst Lizenz: CC BY-SA 3.0


Die von antisemitischer Kunst geprägte Kasseler Documenta soll offenbar über die Sommerpause gerettet werden.

Hatte Hessens Kunstministerin Angela Dorn (Grüne) noch vor wenigen Tagen eine Sondersitzung des Aufsichtsrates der nordhessischen Kunstshow angekündigt, mochte sie auf Anfrage dieses Blogs weder erklären, ob sie eine solche bereits beantragt, hat noch ob und wann die Sondersitzung stattfinden wird. Es könnte durchaus sein, dass diese vor der Sommerpause der Kasseler Stadtverordnetenversammlung und des hessischen Landtags nicht mehr zustande kommt, die in knapp zwei Wochen beginnen. Sollte der Documenta-Aufsichtsrat nicht während der Sommerpause tagen, könnte ein solches Treffen erst im September, kurz vor dem Ende der Kunstmesse am 25. September stattfinden. Auf die laufende Ausstellung hätten dann gefasste Beschlüsse kaum Auswirkungen.

Dorn gesellt sich mit dieser Politik in die Reihe der Aufklärungssimulantinnen der Staatsministerin für Kultur Claudia Roth (Grüne) und Sabine Schormann, der Generaldirektorin der Documenta. Doch während Schormann seit Wochen schweigt nutzen Roth und Dorn jede Gelegenheit, um ihre Betroffenheit und ihren Willen zur Aufarbeitung der Antisemitismusskandale kundzutun – und dann trotzdem nicht zu handeln. Roth ist es sogar im Bundestag mit Hilfe von SPD, Grünen und FDP gelungen, dass Thema BDS klein zu halten. Die Parteien verabschiedeten sich faktisch vom BDS-Beschluss des Bundestages aus dem Jahr 2019, in dem der BDS als antisemitisch bezeichnet wurde. Staatliche Stellen sollten nicht mehr mit BDS-Unterstützern kooperieren. Ein später Sieg Roths über das Parlament: Als eine der wenigen Politiker einer demokratischen Fraktion hatte sie damals gegen den Beschluss gestimmt. Nun hat sie ihre Position der BDS-Tolerierung bei SPD, Grünen und FDP durchgesetzt. Die Israelhasser im Kultur- und Wissenschaftsbetrieb werden ihr dankbar sein und auch alle, die bislang auf Demonstrationen gegen Juden und Israel hetzten, werden die politische Botschaft vernommen haben.

Ärger droht der Documenta indes von anderer Seite. Wie die Hessisch Niedersächsische Allgemeine berichtet, hat sich VW, einer der wichtigsten Sponsoren der Show an den Aufsichtsrat gewandt: „Bereits Donnerstag voriger Woche – noch bevor sich Mendel und Steyerl zurückzogen – schrieb Hauptsponsor VW eine Nachricht an Geselle und den Aufsichtsrat. Darin heißt es, man sei fassungslos „und mehr als enttäuscht“, dass „eines der zentralen und größten Werke in dieser Ausstellung ungeprüft blieb“. Der Autokonzern erwarte „konkrete Antworten auf alle offenen Fragen und Auskünfte über die weiteren Maßnahmen.“ Der Publizist Thomas von der Osten-Sacken kommentierte die Meldung treffend auf Facebook: „Wenn jetzt schon VW mahnend den Finger hebt, ein wichtiger Sponsor der „documenta fifteen“ ….:, dann kann es nur ums gute Ansehen gehen, das in Gefahr ist.“

Update: Das Kunstministerium Hessen hat mittlerweile auf unsere Anfrage geantwortet: 
Die Vertreterinnen und Vertreter des Landes im Aufsichtsrat haben in der vergangenen Woche eine außerordentliche Sitzung des Aufsichtsrates beantragt. Die Festsetzung des Termins ist Aufgabe des Aufsichtsratsvorsitzenden. Den Termin wird in Kürze Kassels OB Christian Geselle bekann tgeben.

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