18

Verwöhnaroma für Studierende mit Hinlauftendenz

Grafik: Haifischmaedchen, Quelle Flickr, CCBY-ND2.0 

Und sperrt man mich ein, in finsteren Kerkern

Der Bundesgerichtshof hat entschieden, dass Frau Krämer der Sparkasse nicht die Wortwahl vorschreiben kann. Sie wollte die Bank gerichtlich dazu zwingen, nicht Kunde, sondern Kundin, nicht Kontoinhaber, sondern Kontoinhaberin zu schreiben, selbst in allgemeinen Formularen. Eine entsprechende Revision wurde abgelehnt.

Wie selbstverständlich, könnte man meinen. Eine weitreichendere Beschneidung der Freiheit kann es schließlich kaum geben, als wenn jemand über meine Worte gebietet. Wir denken in Worten, wir brauchen sie, um uns in dieser Welt zu verankern und uns in ihr zu bewegen. Sperrt man einen Menschen ein, so kann er immer noch über seine Innenwelt verfügen und denken, was er will und was ihn beglücket. Er kann auf dem Schafott noch seinen Protest ausrufen. In einer Gesellschaft ohne Meinungsfreiheit kann er diesen Protest wenigstens verklausulieren, kann er ihn in Kunst oder Witz verpacken. Macht über die Sprache auszuüben, über das konkrete Wort, das ich nutzen darf oder muss, beschneidet selbst diese letzte Beweglichkeit. Deshalb ist das „Neusprech“ so ein wichtiges Werkzeug der absoluten Diktatur in 1984.


Ich bin also erleichtert über das Urteil und weiß nicht, ob ich es amüsant oder tragisch finden soll, dass Frau Krämer all diese Mühen wegen eines sprachlichen Missverständnisses auf sich nimmt. Denn ihre Behauptung, sie würde von der Ansprache „Kunde“ nicht berücksichtigt, ist einfach falsch. Sie interpretiert die Sprache hier auf eine konkretistische Weise. Weil sich das Wort anhört, wie die Form, die nur Männer meint, glaubt Frau Krämer, dass auch nur Männer gemeint seien. Das widerlegt sich recht simpel schon dadurch, dass sie ja der Empfänger der bemängelten Schreiben ist. Aber eben auch durch den offenkundigen Sinn, den die maskuline Form im Deutschen hat. „Der Kunde …“ ist eine Abstraktion und meint weder nur männliche Kunden noch überhaupt einen bestimmten Kunden. Dafür hat diese Sprache praktischerweise eine Ausdrucksform vorgesehen. Immer die weibliche Form dazu zu sagen (und fairerweise dann auch eine geschlechtsneutrale) würde bedeuten, die Sprache von einem verfeinerten Niveau herunterzuholen auf ein konkretistisches, wo man alles einzeln aufzählen muss, weil einem die Überbegriffe fehlen. Kinder reden so. Sie sagen: „Ich habe das Auto gehabt und dann wollte er das Auto und dann habe ich das festgehalten und dann hat er das weggenommen und dann habe ich ihn gehauen.“ Anstatt: „Wir hatten einen Streit um das Auto.“

Nicht nur Bauchredner reden mit dem Bauchgefühl

Es ist nicht selten, dass Menschen Formulierungen falsch verstehen. Sie sagen „Ich bin auf Halbacht-Stellung“ und denken wohl irgendwie an eine Uhr, weil sie nicht wissen, dass dieser Ausspruch militärisch begründet ist und „Hab-Acht-Stellung“ heißt. Sie denken „Gefahr im Verzuge“ bedeute so etwas wie „Gefahr im Anflug“ und nicht „Gefahr im Falle eines Verzugs (einer Verzögerung)“. Sie meinen, es hieße „diesen Jahres“, weil es ja auch „letzten Jahres“ heißt. Letzteres ist aber die Kurzform von „des letzten Jahres“ und erstes kann nicht von „des diesen Jahres“ kommen. All das ist nicht schlimm und stört im Alltag nicht (außer Pedanten wie mich). Aber aus so einem Missverständnis eine Klage abzuleiten, macht die Sache gefährlich.

Niemand ist männlich

Und dass es ein Missverständnis ist, zeigt sich, wenn man sich weitere Beispiele der Verallgemeinerung ansieht. Denn selbst die Frage wer? hat eine maskuline Endung. Auch niemand ist maskulin, es  steckt sogar (scheinbar) das „Mann“ drin. Will jemand behaupten, „niemand ist da“ hieße eigentlich lediglich: „Es sind keine Männer da“? Mann hat die gleiche Wurzel wie Mensch und im Englischen gibt es für beides noch heute nur ein Wort. Wer sagt denn eigentlich, dass die Menschheit hier auf Männer reduziert wurde? Die Bezeichnung für das Männliche ging aus dem Menschen hervor (und nicht umgekehrt).
Daher umfasst das Wort niemand eben alle Sorten von Menschen. Es fehlt dort nicht die Frau, wir müssen kein „niefraud“ einführen. Die verkrampften Bemühungen, einen universellen Begriff für Männer und Frauen zu finden, mit Unterstrichen und Sternchen und unlesbar langen Doppelungen, die sind wohlfeil, weil unsere Sprache schon eine auf Menschen beruhende Struktur hat.

Taten, nicht Worte

Das zweite Missverständnis ist die Hoffnung, durch einen Einfluss auf die Sprache die Beschaffenheit der Welt ändern zu können. Ich bin überzeugt, dass eine vollständige Gleichberechtigung von Frau und Mann möglich wäre, ohne dass man an der Sprache etwas ändert. Natürlich ist die Sprache in Bewegung und die Sprache der (hoffentlich gleichberechtigten) Zukunft wird anders sein als heute. Die veränderten Stellungen der Geschlechter werden auch ihren Einfluss darauf haben. Aber eben nicht umgekehrt.
Ob ein Wort diskriminierend ist, hängt vom Kontext ab, nicht vom Wort. Ein Schwachsinniger war ursprünglich ein intelligenzgeminderter Mensch – heute ist das nichts als eine Beleidigung. Aber im Gesetzestext zur Schuldunfähigkeit ist Schwachsinn noch immer eines der Eingangskriterien. Die Erschaffer des Textes haben damals keine Beleidigung gewählt, sondern einen Ausdruck, der sachlich klang. Man müsste das Gesetz wohl neu formulieren. Aber wie oft? Ein respektvollerer Ausdruck war später „minderbemittelt“. Auch das ist mittlerweile eine Beleidigung. Wie lange wird es dauern, bis „intelligenzgemindert“ als gängiges Schimpfwort in den Sprachgebrauch Einzug hält?
Obdachlose soll man besser Wohnungslose nennen, schließlich haben sie möglicherweise ein Obdach, aber keine Wohnung. Wohnungslose soll man lieber Wohnungssuchende nennen, sonst unterstellt man ihnen, sie würden gar keine Bleibe wünschen. Die Weglauftendenz bei Dementen soll man jetzt „Hinlauftendenz“ nennen, um der Tatsache Respekt zu zollen, dass sie vielleicht nicht abhauen, sondern irgendein Ziel haben. Mein liebstes Beispiel ist die Integration. Lange ein geschätztes Ziel humanistisch Denkender, ist sie zu einem Kontrollwerkzeug der Rechten geworden. Sie sprechen von „Integrationsverweigerern“ und „Integrationspflicht“. Eigentlich ist es die Aufgabe einer Gemeinschaft, jemanden zu integrieren. Von links nennt man das jetzt daher Inklusion. Wann spricht Seehofer von „Inklusionsverweigerern“?

Redet normal

Ich bin überzeugt, dass wir eine ehrliche, eine wahre Sprache brauchen. Ehrlich und wahr ist eine Sprache dann, wenn sie klar und verständlich ist, wenn sie dem natürlichen Sprachgefühl Rechnung trägt, wenn sie gewachsen ist und lange genug Zeit hatte, eine allgemein verständliche Bedeutung zu erlangen. Unehrlich ist eine Sprache die verschleiert, die blendet und schönt.

Kürzlich las ich, wie Hitler den Massenmord an kranken und behinderten Menschen, maßgeblich Kindern, angeordnet hat:
<»Reichsleiter Bouhler und Dr. med. Brandt sind unter Verantwortung beauftragt, die Befugnisse namentlich zu bestimmender Ärzte so zu erweitern, daß nach menschlichem Ermessen unheilbar Kranken bei kritischster Beurteilung ihres Krankheitszustandes der Gnadentod gewährt werden kann.«

Diese Mischung aus Bürokratendeutsch (unter Verantwortung beauftragt, Befugnisse erweitern, kritischste Beurteilung) und vorgegaukelter Menschlichkeit (menschliches Ermessen, unheilbar Kranke, Gnadentod) macht mir jedesmal eine Gänsehaut. Das klingt so unausweichlich, so unantastbar. Durch die Passivkonstruktion („sind beauftragt“) wird verschleiert, wer da beauftragt: Hitler, der mit seiner Unterschrift Morde befiehlt. Durch Worte wie „menschliches Ermessen“ und „kritischste Beurteilung“ wird vorgetäuscht, es gäbe keine Wahl, als würde man noch versuchen, Tode zu vermeiden!

Quelle: Wikipedia

Rundum-sorglos-Paketzusteller auf der Handlungsebene

Das ist ein extremes Beispiel, aber es soll illustrieren, was ich mit unehrlicher Sprache meine. Es gibt tagtäglich kleine, weniger dramatische Expemplare dieser Sprache. Vor allem in der Werbung und in der Politik. Nichtbleibeperspektive. Wohlfühlwochen. Verwöhnaroma. Sicherung der Außengrenzen. Studierende.
Studierende? Ja. Diese Konstruktionen sollen helfen, die Benennung des Geschlechts zu vermeiden. Diejenigen, die eine künstlich angeordnete Veränderung der Sprache fordern, stehen vor einem Dilemma: Die konkretistische Aufzählung aller möglichen Betroffenen ist unhandlich. Also bemüht man sprachliche Tricks. Der Plural Studierende lässt kein Geschlecht erkennen, daher ist es ein vermeintlicher Ausweg. Leichtfertig wird daher das normale Wort – Student – über Bord geworfen. Studierende verschleiert, denn eigentlich sind es immer noch entweder männliche oder weibliche Studenten, die da gemeint sind. Und die ganze Konstruktion bricht zusammen, wenn der Zusammenhang einen Singular erfordert. „Es darf immer nur ein Studierender gleichzeitig eintreten.“
Es gibt Leute, die sagen Dinge wie: „Hier muss zeitnah verstärkt auf die Handlungsebene gewechselt werden.“ Ein Nicht-Satz voller unehrlicher Sprache, der verschleiert, was getan werden soll und wann und von wem. Niemals möchte ich zu diesen Leuten gehören. Niemals möchte ich, dass mir von Amts wegen vorgeschrieben wird, welche Wörter die richtigen sind. Wenn ich Kunden sage, meine ich alle Kunden. Sonst sage ich‘s schon anders, keine Sorge.


Dieser Artikel ist auch verfügbar als Audio-Artikel – siehe weiter unten oder in unserem Podcast.

RuhrBarone-Logo

18 Kommentare zu “Verwöhnaroma für Studierende mit Hinlauftendenz

  • #1
    Hubert Minz

    Ich weiß, keiner will sich ändern. Aber Antje Schrupp bringt das Problem auf den Punkt:

    https://antjeschrupp.com/2018/03/14/sprache-es-geht-nicht-um-das-mitgemeintsein-von-frauen/

    tl;dr
    Eigentlich bräuchte wir eine männliche From von Kunde, dann könnte Kunde auch wirklich generisch verwendet werden. Aktuell ist das Problem für mich als Mann ja all zu oft, nicht zu wissen, ob ich als Mann oder Mensch gemeint bin.

  • #2
    Helmut Junge

    Die englishsprachigen sind fein raus und müssen sich mit solchen Fragen nicht die Zeit vertreiben.
    Als mein Freund Don, der der Liebe wegen nach Deutschland gezogen ist und hier erst Deutsch gelernt hat, zu mir sagte, daß ihm die Entlassungswelle seiner Firma nicht so sehr wehtue, wie anderen Kollegen, weil "die Haus" bezahlt wäre, und seine Frau gut verdiene, habe ich ich bemerkt, wie sinnlos unsere grammatischen Artikel eigentlich sind. Es gibt keine Logik, die ein Ausländer verstehen lernen könnte. Die Straße, das Haus, der Idiot, die Maus und das Universum, der Hammer und der Teig, der Brei, der Dolch, aber das Schwert, die Sense, und völlig unlogisch der Behälter, der Krug, die Tiefe, die Höhe, die Guillotine,
    Nein, die Umwandlung von Wörtern verändert kein Bewußtsein, wie denn?

  • #3
    discipulussenecae

    Der Hinweis auf 1984 trifft den Nagel auf den Kopf! Diese akademischen Diskussionen sind eine intellektuelle Infiltration durch Sprechvorschriften und Sprachvorgaben.

    Wenn die damalige Rechtschreib(de)form ihrem phonetischen Ansatz konsequent gefolgt wäre, müßte das unpersönliche Pronomen "man" jetzt mit zwei N, also "mann" geschrieben werden – ein Aufschrei aller Feministen jedweder selbst gewählter geschlechtlicher Zuordnung wäre sicher gewesen.

    Zudem gilt nach wie vor: Frauen sind die besseren Autofahrerinnen.

    Und in radikal-feministischen Kreisen der späten 70er war frau nicht Mitglied, sondern Mitklit … Und das ist kein Witz!
    http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-92536984.html

    Die Liste an Absurditäten und schlecht gemeintem Schwachsinn ließe sich fast beliebig lang fortsetzen. Aber ich liebe das Essen zu sehr, als daß ich kotzen möchte …

  • #4
    thomas weigle

    Ich sehe das Problem bei dem Geldinstitut und den Juristinnen. Kunde/Kundin, wo zum Teufel ist das Problem? Albern und dämlich die Herren in der Entscheidungsetage.

  • #5
    VB

    Und die eine Frage bleibt: Was tut man mit der wissenschaftlichen Erkenntnis, das Frauen sich leider (unbewusst und bewusst) nicht mit gemeint und angesprochen fühlen?????
    Sich eine "ehrliche Sprache" zu wünschen wird wenig nutzen solange Sprache nicht auch ehrlich genutzt wird.

  • #6
    ke

    Ich hatte kurzzeitig auch den Ausdruck Studierende verwendet, bis ich mich wieder umerzogen hatte. Ich wollte einfach nicht, dass mir insbesondere Behörden eine neue Sprache aufzwingen.

    Wer schon an Formularen gearbeitet hat, wird auch wissen, welche Mühen es macht, auf wenig Platz möglichst viele Informationen unterzubringen. Dann die unlesbaren *, _ etc. Versionen.

    Was soll das? Haben die Leute nichts besseres zu tun als in diesen Pseudo-Debatten zu glänzen, sich damit zu beschftigen.
    BTW: Was machen wir eigentlich mit den vielen anderen Geschlechtsarten neben w und m?

  • #7
  • #8
  • #9
  • #10
    Arnold Voss

    Der Lernende/Lehrende ist der, der gerade lernt/lehrt. Ein Student der gerade lernt, ist auch dann ein Student, wenn er nicht gerade lernt. Das damit auch die weiblichen Studenten gemeint sind, liegt auf der Hand und bedarf keiner weiteren Begrifflichkeit. Wenn ich allerdings vor einer geschlechtlich gemischten Gruppe stehe, gebietet es die Höflichkeit sowohl die weiblichen als auch die männlichen Studenten gesondert anzureden: Liebe Studentinnen, liebe Studenten…

  • #11
    thomas weigle

    @Arnold Voss Dunkel erinnere ich mich, dass das früher so allgemein üblich war, wie Du schreibst. Ist verdammt lange her.

  • #12
    Wolfram Obermanns

    Arnold spricht einen nicht unwichtigen Punkt an:
    Gendersprech dient als Höflichkeitsersatz, aber auch als Höflichkeitssimulation.

    Ich vermute ein Teil der Anhänger dieses Neusprechs, kämpfen im Alltag mit Erziehungsdefiziten und erhoffen sich einen erleichterten Zugang zu Millieus mit Eigenanspruch. Gendersprech verhielte sich gewissermaßen zur Höflichkeit wie die vereinfachte Ausgangsschrift zur Schönschrift.
    Da Gendersprech aber doch eine reduzierte Sprache ist, bleibt es bei der Simulation von Höflichkeit. Meiner Ansicht nach geschieht dies durchaus auch gewollt, man bleibt bewußt unhöflich.

    Gerade im letzteren Gebrauch, wirkt Gendersprech auch als exkludierende Hofsprache, die definiert, wer dazugehört und wer nicht. Die Rigidität des Anspruchs erlaubt die erwünschte Überkompensation von Kompetenzdefiziten in anderen Sachgebieten.
    Kurz gesagt, mit Gendersprech kann man, auch wenn man ein bisschen sehr doof ist, auf eine gut bezahlte Stelle hoffen.

  • #13
    Helmut Junge

    "mit Gendersprech kann man, auch wenn man ein bisschen sehr doof ist, auf eine gut bezahlte Stelle hoffen."
    aber nicht draußen in der Industrie, sondern nur in Öffentlichen Dienst, wo sich diese Aspiranten in akademischen, gutbezahlten Stellen ansammeln, wo man keinerlei Ahnung vom Aufgabengebiet benötigt, weil die Arbeit von Nichtakademikern in schlechter bezahlten Jobs gemacht wird.

  • #14
    Arnold Voss

    @ Thomas # 10

    Auf dem Gebiet bin ich halt "old school" und habe auch nicht vor, das zu ändern. 🙂

  • #15
    Helmut Junge

    Arnold, du als Tangotänzer müßtest es eigentlich wissen. Ich frage mich ob es überhaupt gegenderten Tango geben kann, oder ob wir eigentlich auf Tango verzichten sollten, weil das Rollenverhältnis der Geschlechter beim Tango nicht variabel genug ist, um dem neuen modernen Bild der Frau gerecht zu weerden.

  • #16
    Wolfram Obermanns

    @ Helmut Junge
    Selbst im Öffentlichen Dienst kann man damit nicht wirklich reüssieren. Soviele Stellen für Genderquatsch gibt es selbst da nicht (Ausnahme vielleicht der eine oder andere Berliner Bezirk). Deswegen schrieb ich auch von "hoffen". Aber wenig wird erbitterter verteidigt als Hoffnungen, die sich als Illusionen erweisen.

  • #17
    Arnold Voss

    @ Helmut # 15
    Helmut, beim Tango geht es um Führen und Folgen, d.h. um zwei aufeinander abgestimmte und sich ergänzende Rollen, die je grundsätzlich von jedem Geschlecht eingenommen und auch gewechselt werden können. In der weltweiten Tanzpraxis sind die große Mehrzahl der Führenden allerdings Männer und die große Mehrzahl der Folgenden Frauen. Im Angelsächsischen gibt es für die beiden Rollen sowieso keine gesonderten geschlechtlichen Bezeichnung. Es gibt nur leader und follower.

    Im großen weltumspannenden klassischen Liedgut des Tango Argentino geht es aus der Zeit ihrer Entstehung heraus ausschließlich um das erotisch-tänzerischen Spiel zwischen Mann und Frau. Um den Tanguero und die Tanguera. Heute tanzen aber auch schwule und lesbische Paare hingebungsvoll nach den gleichen Melodien und Texten, und ich persönlich kenne Niemanden aus diesem Teil der Tango Gemeinde, der sich bislang an der hetero Lyrik gestört hätte. Das erotische Spiel zwischen Leader und Follower ist grundsätzlich ja auch das gleiche, und für die, die darauf sowieso keinen Wert legen, ist das alles eh egal.

  • #18
    Helmut Junge

    Arnold, interessant. Ich hab es mir in meiner voreingenommenen Art anders vorgestellt. Aber ich weiß nur zu wenig. Danke für die Erklärung.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.