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Gender-Gaga vs. gestrige Gestalten

Bild: Rob Sinclar, CC BY-SA 2.0

Die Frage um die geschlechtergerechte Sprache führt nach wie vor zu erhitzen Debatten. Ich selbst habe nach einem Urteil des Bundesgerichtshof zu dieser Frage an dieser Stelle meine Empörung darüber deutlich gemacht, dass ein Mensch einen anderen gerichtlich zwingen will, bestimmte Wörter zu verwenden. Dabei habe ich mich über die Behauptung erregt, das generische Maskulinum meine eigentlich gar keine Frauen, insbesondere aber habe ich klargestellt, warum ich es grundsätzlich schwierig finde, wenn neue Begriffe einfach erfunden werden und Sprache mit Gewalt verändert werden soll.

Das Thema wird emotional diskutiert, bei den Gegnern der neuen Sprachregelungen, die mit Schaum vorm Mund über „Gender-Gaga“ zetern, wie bei den Befürwortern, die Kritikern sofort Sexismus und Ewiggestrigkeit unterstellen. Ich will daher versuchen, das Thema differenzierter zu betrachten und zu verstehen, welche Argumente wo miteinander kollidieren.

Dabei fällt mir als erstes auf, dass der Zweck der geschlechtergerechten Sprache sehr unterschiedlich begründet wird.

  • Das lauteste und gängigste Argument, dem ich in meinem Beitrag auch vehement widersprochen habe, lautet, das generische Maskulinum existiere in Wirklichkeit gar nicht, die Sprache sei fehlerhaft und, wenn man „Kunde“ sage, sei damit keine Kundin gemeint. Dies widerspricht dem gesunden Menschenverstand, weil ja jeder weiß, dass das Formular (in dem es in dem Urteil ging) auch für Kundinnen gedacht ist. Und wenn man sich die Urteilsbegründung anschaut und mit anderen Sichtweisen vergleicht, wie beispielsweise in diesem unaufgeregt geschriebenen Beitrag auf Verfassungsblog, dann sieht man, dass schon in diesem Punkt erheblich unterschiedliche Interpretationen bestehen.
  • Ein anderer Aspekt, der weniger prominent geäußert wird, ist das Bedürfnis, die Sprache ganz grundsätzlich von ihren patriarchalen Wurzeln zu befreien. Es scheint naheliegend, dass sich das generische Maskulinum durchgesetzt hat, weil die Welt von Männern dominiert war und somit meistens ohnehin nur Männer gemeint waren. Nun könnte man argumentieren, dass sich das eben geändert hat und die Bedeutung mittlerweile auch Frauen umfasst. Aber es ist ein mögliches Motiv zu sagen: Diese gesellschaftliche Entwicklung war so ungerecht, ich möchte, dass die Sprache sich ändert und diese Wurzeln nicht mehr hörbar sind.
  • Der dritte mögliche Zweck ist eine Art erzieherische Maßnahme. Wenn Frauen künftig explizit genannt werden, hat dies höchstwahrscheinlich auch einen Einfluss darauf, in welchem Maße man an sie denkt. Auf diesen Zweck bezieht sich auch der Verfassungsblog, wenn er (der Blog, und sie, die Autorin Carolin Müller-Spitzer) schreibt: „Viel relevanter als die Herkunft eines sprachlichen Konstrukts ist deshalb die Frage, welche Auswirkungen ein sprachliches Konstrukt auf unser sprachliches Handeln und damit auch auf unser Denken hat.“
  • Ein viel einfacheres und vielleicht von allen das überzeugendste Argument ist: Es wäre einfach höflich, die Frauen explizit zu erwähnen. Damit dürfte man auch die alten Herren auf den Linguistik-Lehrstühlen leichter rumkriegen.

Verfassungsblog vs. Bundesgerichtshof

Um den Streit besser zu verstehen, lohnt es sich, das Urteil des Bundesgerichtshofes und die Gegenargumentation im Verfassungsblog genauer anzuschauen. In der Entscheidung heißt es: „Der Bedeutungsgehalt grammatisch männlicher Personenbezeichnungen kann nach dem allgemein üblichen Sprachgebrauch und Sprachverständnis Personen umfassen, deren natürliches Geschlecht nicht männlich ist (‚generisches Maskulinum‘). Ein solcher Sprachgebrauch bringt keine Geringschätzung gegenüber Personen zum Ausdruck, deren natürliches Geschlecht nicht männlich ist“ und „Maßgeblich für die Deutung einer Äußerung ist weder die subjektive Absicht des sich Äußernden noch das subjektive Verständnis der von der Äußerung Betroffenen, sondern der Sinn, den sie nach dem Verständnis eines unvoreingenommenen und verständigen Durchschnittsrezipienten hat.“

Der Verfassungsblog stellt die Gegenfrage: „Aber wissen wir denn etwas darüber, wie das Verständnis eines ‚Durchschnittsrezipienten‘ ist?“ Dies könne nur empirisch festgestellt werden. Es werden dann experimentelle Studien vorgestellt, die zu interessanten, aber auf den zweiten Blick eigentlich nicht verblüffenden Ergebnissen kommen. So wird etwa folgendes Experiment beschrieben: Probanden werden nach berühmten Musikern oder Schriftstellern befragt. Die Frage wird einmal im generischen Maskulinum gestellt und einmal wird explizit nach „Musikerinnen und Musikern“ gefragt. Im ersten Fall werden mehr Männer genannt als im zweiten. Es bleibt also nicht ohne Auswirkungen, ob man das generische Maskulinum verwendet oder beide Geschlechter nennt.

Ein zweites Experiment fragt Mädchen danach, welche Berufe zu ergreifen sie sich vorstellen können. Sie nennen häufiger typische „Männerberufe“, wenn man ihnen diese auch in der weiblichen Form anbietet. Fragt man also: „Könntest du dir vorstellen, Polizist zu werden?“ wird dies seltener bestätigt als wenn die Frage lautet „Könntest du dir vorstellen, Polizistin zu werden?“

Dies beweist oder soll beweisen, dass das generische Maskulinum nicht automatisch und in gleicher Weise Männer und Frauen umfasst. Ich will diese Befunde nicht lächerlich machen oder geringschätzen, sie sind bedeutsam. Aber dennoch muss man sich die Fragestellung genau anschauen, die damit geklärt wird.

Offensichtlich denken Menschen, wenn sie nur das generische Maskulinum hören, häufiger an männliche Musiker. Das spiegelt wider, dass in unserer Gesellschaft männliche Musiker überrepräsentiert sind und Frauen weniger Chancen haben. Dies sieht man ja beispielsweise auch auf den Line-Ups von Festivals, wo männlich besetzte Bands in grotesker Weise dominieren. Oder auf dem Spielplan des Symphonieorchesters. Wenn man jetzt nach Musikerinnen und Musikern fragt, werden mehr Frauen genannt. Und das ist ja auch kein Wunder, wenn man explizit dazu auffordert, auch Frauen zu nennen. Ähnlich ist es bei den Mädchen, die durch die weibliche Form dazu ermutigt werden, dies als Option zu sehen.

Diese Erkenntnisse machen deutlich, dass es vielleicht eine gute Sache wäre, öfter daran zu erinnern, dass es auch Frauen gibt. Denn offenkundig denken wir alle immer noch bevorzugt an Männer.

Die Frage ist, ob sich daraus schließen lässt, dass das generische Maskulinum „nicht funktioniert“. Und dazu muss man erstmal fragen, was mit „funktionieren“ gemeint ist. Das scheint nämlich ein Grund für die erbitterten Streitigkeiten zu sein.

Was der Bundesgerichtshof darunter versteht ist: Kann man diese grammatische Form verwenden, um allgemein verständlich etwas auszudrücken? Dies bejaht das Gericht und zwar zu Recht. Es erscheint absurd, dies überhaupt mit empirischen Methoden überprüfen zu wollen, so sehr ich für Wissenschaftlichkeit und Objektivität bin. Wenn es anders wäre, würde eine Frau bei Erhalt des Formulars schließlich denken: „Nanu, die haben mir das falsche Formular geschickt!“ und nicht: „Schade, die verwenden keine geschlechtergerechte Sprache.“ Ein Mensch, der im Kaufhaus dringend aufs Klo muss, wird keine Sekunde zögern, dem Schild „Kundentoilette“ zu folgen, egal, welches Geschlecht er oder sie hat. Insofern ist diese Formulierung offenkundig allgemeinverständlich und funktioniert.

Die empirische Überprüfung ergibt nur dann Sinn, wenn man „funktionieren“ so versteht, dass das generische Maskulinum automatisch ein mentales Bild von Frauen und Männern in gleicher Häufigkeit aufkommen lassen soll. Das kann man ebenfalls als legitime Fragestellung sehen, aber es ist eine ganz andere Herangehensweise. In einem Falle fragt man, ob eine Formulierung verständlich ist, im anderen, welche Assoziationen sie weckt.

Wenn man testen würde, was Menschen nennen, wenn man sie nach „Autos“ fragt und würde feststellen, dass sie mehr SUVs nennen, als bei der Frage nach „Groß- und Kleinwagen“, dann würde das eben auch nicht beweisen, dass die Formulierung „Autos“ nicht funktioniert. Sie weckt aber möglicherweise nicht Assoziationen zu großen und kleinen Autos gleichermaßen.

Zweck vs. Mittel

Ich sage nicht, dass es nicht legitim wäre, zu fordern, dass man die Frauen explizit benennt, um die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, dass ein Rezipient auch an Frauen denkt. Das wäre dann eine Fördermaßnahme, ein erzieherischer Akt, eine höfliche Erinnerung, wie auch immer man es nennen will. Aber die Behauptung, das generische Maskulinum „funktioniere nicht“ ist irreführend (und zwar, wie man in Diskussionen erfahren kann, durchaus bewusst irreführend).

Und in Bezug auf den genannten Prozess ist diese Unterscheidung relevant, denn man könnte es tatsächlich als eine rechtswidrige Benachteiligung sehen, wenn jemand auf einem Formular explizit nicht erwähnt wird (meinetwegen wenn dort Arbeitnehmer steht, obwohl es auch Erwerbslose betrifft). Einen Rechtsanspruch auf eine Sprache, die man aus welchen Gründen auch immer begrüßenswert fände oder die man höflicher fände, kann es aber nicht geben. Und jenseits sprachlicher und juristischer Spitzfindigkeiten muss man auch fragen dürfen, wie jemand auf die Idee kommt, sich von einem Formular überhaupt irgendwie persönlich angesprochen zu fühlen. Formulare und bürokratische Sprache sind immer schrecklich, sie sind technische Gebilde, bei denen keiner an Musikerinnen denkt oder sich willkommen fühlt. Als Schlachtfeld für Kämpfe, die zu mehr menschlichem Verständnis führen sollen, erscheinen sie denkbar ungeeignet. Sowie Schlachten ingesamt nicht gerade geeignet für Verständnisbildung sind.

Und hier zeigt sich weiterer Aspekt, der zu der Hitzigkeit der Debatte beiträgt. Wie erwähnt ist die Sprache etwas sehr Persönliches und Menschen reagieren empfindlich, wenn man daran herumkrittelt oder gar Vorschriften macht. Natürlich darf und soll man Sprache öffentlich reflektieren und kritisieren. Die Sprache ist im Fluss und ein politisch aktiver Mensch wird versuchen, die Fließrichtung zu beeinflussen. Aber wenn dies auf dem Wege von Einschüchterungen oder Verordnungen erfolgt oder gar gerichtlich erstritten werden soll, dann bedeutet dies eine Bevormundung wie sie intimer eigentlich kaum sein kann, denn die Sprache formt die Gedanken. Dieser Weg ist nicht aufklärerisch, sondern autoritär.

Es naheliegend, dass sprachliche Veränderungen bei der Gleichberechtigung der Geschlechter hilfreich sein können. Wenn man besonnen vorgeht, kann man fragen, an welchen Stellen man sich diese Veränderungen besonders wünschen würde, wo sie am ehesten Auswirkungen haben würden. Man kann weiter fragen, welche negativen Auswirkungen sie haben. Ist es wirklich bedeutungslos, wenn sich jemand dadurch in seinem Sprachgefühl beleidigt fühlt? Natürlich ist es einfach, sich über keifende alte Männer in staubigen Bibliotheken voller Duden-Originalausgaben lustig zu machen. Zumal diese ihrerseits polemisieren. Helmut Glück vom Verein Deutsche Sprache etwa schließt aus der Forderung, Bürger*innen zu schreiben, dass man Mannheim auch in Mann*Frauheim umbenennen müsste. Das ist so ähnlich, als würde man jemandem, der für bessere Händedesinfektion im Krankenhaus wirbt, vorhalten, dann müsse er ja auch für mehr Fußdesinfektion sein.

Gaga vs. Greise

Beide Seiten in diesem Streit verhalten sich unehrlich. Es ist unehrlich zu behaupten, es gebe eigentlich kein generisches Maskulinum, sich dann heimlich über die hysterische Empörung der Gegenseite zu freuen und ruhig zu erklären, dass man doch nichts anderes wolle, als höflich behandelt zu werden. Man will schon mehr als das. Man will mindestens umerziehen und vielleicht auch etwas Verhasstes zerstören. Aber die Ewiggestrigen sind freilich ihrerseits unehrlich, indem sie sich nur auf die Widersprüche stürzen, indem sie einen erstmal mit Aristophanes schwindelig reden und Auswirkungen herbeifantasieren, die niemand gefordert hat.

Dennoch: Es ist nicht bedeutungslos, wenn sich jemand in seinem Sprachgefühl gekränkt fühlt. Oder wenn ein Text nicht flüssig lesbar ist. Die Linke will jetzt in Online-Texten auf Gender-Sternchen verzichten, weil es für Menschen mit Behinderungen zu schwer zu lesen ist. Das ist kein Anlass für Spott, es zeigt vielmehr, dass es viele berechtigte Interessen gibt und eine Ablehnung des Genderns nicht gleichbedeutend mit einer Ablehnung des Fortschritts ist.

Es ist nicht bedeutungslos, wenn sich jemand nicht angesprochen fühlt oder eine Formulierung unhöflich findet. Aber Die Wahl der Mittel ist ebenfalls nicht bedeutungslos. Man darf, ohne deswegen Fan des Patriarchats zu sein, misstrauisch werden, wenn Sprache über Verordnungen oder Gerichte oder auch nur starken gesellschaftlichen Druck verändert werden soll. Die Befürworter dieser Waffengattung sollen sich vorstellen, die AfD käme in die Postion, diese Mittel anzuwenden.

Wenn wir abrüsten und differenzieren, können wir uns genauer anschauen, wo Sprachwandel schon stattgefunden hat, wo Spielräume sind, welche berechtigten Interessen man berücksichtigen will.

Man könnte unterscheiden, zwischen persönlicher Ansprache, in Briefen, Reden, Gesprächen, zwischen bürokratischer Nutzsprache, die nur korrekt und funktional sein muss, zwischen missverständlichen und weniger missverständlichen Verwendungen. Aber all das ist schwer, wenn eine Schlacht stattfindet.

Als Autor ist es mein berechtigtes Interesse, Sprache frei verwenden zu können. Es ist mein Interesse – besonders in Geschichten – in einer Sprache zu schreiben, die flüssig lesbar ist, die natürlich klingt, die Stimmungen erzeugt, mit der ich Tempo und Rhythmus vermitteln kann. Dafür brauche ich Wörter, die sich selbst möglichst unsichtbar machen, die sich direkt in Bilder umsetzen. Eine einfache Regel ist, dass kurze Wörter fast immer natürlicher sind als lange. „Hut“ ist ein wirkungsvolleres Wort als „Kopfbedeckung“. „Schrei“ ist stärker als „Lautäußerung“. „Student“ ist ein besseres Wort als „Studierender“.

Als jemand, für den die Sprache ein Werkstoff ist, kann es mir nicht egal sein, wenn sie forcierter Veränderung ausgesetzt ist. Veränderung an sich ist in Ordnung, selbstverständlich sage ich nicht „Fräulein“ oder „Parapluie“ oder „Lichtspieltheater“. Welche Wörter natürlich klingen, ändert sich im Laufe der Zeit. Aber es braucht dafür eben auch Zeit. Und forcierte Veränderung bedeutet, dass mittels öffentlicher Ächtung, mittels Verordnungen und – bisher erfolglos – sogar gerichtlich eine Sprache durchgesetzt wird, die noch nicht natürlich klingt.

Das Ärgerliche daran ist, dass durch die beschriebene Polarisierung die Zugehörigkeit zu einer gesellschaftlichen Gruppe vorgetäuscht wird. Denn natürlich kann man weiterhin die alte Sprache verwenden. Aber man wirkt dann wie die gestrigen Gestalten. Durch die unfairen Mittel auf beiden Seiten ist ein Graben entstanden, der einen fast schon zwingt, sich zu entscheiden.

Vielleicht ist das im Sinne der Kombattanten. Aber dann ist das eben doch ein Kulturkampf, der mit allen Bandagen geführt wird. Dann geht es eben nicht nur um Höflichkeit auf der einen Seite, nur um Linguistik auf der anderen Seite. Das Schlachtfeld, auf dem dieser Kampf ausgetragen wird, ist die Sprache. Und um die tut es mir leid.

 

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11 Kommentare zu “Gender-Gaga vs. gestrige Gestalten

  • #1
    Helmut Junge

    Gibt es im englischsprachigem Sprachraum mehr Frauen in "männlichen" Berufen als in Deutschland?
    Wenn es da nicht so ist, erweist sich die gesamte Diskussion als Fantasiewunschtraum der per Gesetz angeordnet werden soll.

  • #2
    Berthold Grabe

    Hier werden viele sachliche Argumente vorgebracht, ich persönlich sehe als entscheidend an, dass das generische Maskulinum mit zunehmender Emanzipation ohnehin seine geschlechtsspezifische Bedeutung verliert.
    Es ist weit sinnvoller diesen Prozess zu beschleunigen und somit die Trennung zwischen den Geschlechtern verbal zu nivellieren, als die Unterschiede zu betonen, die eben auch Zuweisungen von Vorurteilen leichter machen.
    Persönliches Empfinden ist zu dem kein Kriterium einer Diskriminierung, wäre es so kann letztlich alles ohne Ausnahme eine Diskriminierung sein.
    Hier geht es darum die Langwierigkeit einer Problemlösung zu umgehen und es schlicht weg zu definieren. Aber keine Lösung zu präsentieren.
    Was deutlich macht, das es nicht unwesentlich um persönliche Eitelkeit und Geltungssucht geht, nicht aber darum ein gesellschaftliches Problem zu lösen.
    Es ist eine Scheindebatte die eine Profilierung über Plazebos erlaubt.

  • #3
    Bennet Jäger

    Gender macht die deutsche Sprache kaputt und wird sogar von den meisten Frauen und Inter-Gender-Personen, mit denen ich gesprochen habe, abgelehnt. Es sollte verhindert werden, dass die Deutsche Sprache vor die Hunde geht.

  • #4
    Nina

    Super Text, vernünftig, sachlich und nachvollziehbar.
    @Bennet Jäger: Ganz so ängstlich würde ich die Sache nicht sehen. Sprache ist dynamisch und verändert sich stetig, ob wir wollen oder nicht. Dynamik gehört dazu und manche Veränderungen machen sich erst Jahrzehnte später bemerkbar und manches fällt uns gar nicht auf. Es gibt jedoch keinen Anlass, sich um den Erhalt unserer Sprache zu fürchten. 🙂

  • #5
    Sonja

    "Aber wenn dies […] gar gerichtlich erstritten werden soll, dann bedeutet dies eine Bevormundung wie sie intimer eigentlich kaum sein kann, denn die Sprache formt die Gedanken. Dieser Weg ist nicht aufklärerisch, sondern autoritär."

    Wow! Als wäre es in einer Demokratie nicht sogar ausdrücklich vorgesehen, dass man juristische Unklarheiten von Gerichten klären lässt, wird der Rechtsweg hier als antidemokratischer Vorgang verunglimpft. Ich bin ein bisschen erschüttert. Auch wenn es um etwas geht, was dem Autor dieses Artikels persönlich nicht in den Kram passt, so ist das immer noch ein legitmes Mittel der Wahl für diejenigen, die hier anderer Meinung sind.

    Der Anspruch, man dürfe gar nicht erst versuchen, Gerichte zu bemühen, klingt mir – aus rechtsstaatlicher Sicht – um einiges autoritärer als ein Gang vor Gericht.

  • #6
    Robert von Cube Beitragsautor

    @5: Ein interessanter Einwand, der allerdings unterstellt, ich würde den Rechtsweg grundsätzlich ablehnen, was natürlich nicht der Fall ist. Aber die Tendenz, Angelegenheiten über Gesetze oder Gerichte zu regeln, die eigentlich Gegenstand zivilgesellschaftlicher oder kultureller Auseinandersetzung sein sollten, diese Tendenz halte ich tatsächlich nicht für gut. Die Schlussfolgerung, man "dürfe" gar nicht erst versuchen, Gerichte zu bemühen, zeigt im Übrigen genau diese Haltung, nach der etwas, dass man kritisiert, automatisch auch verboten sein müsste.

  • #7
    Ke

    Gerichte werden zu oft bemüht bewusste Unklarheiten in Gesetzen etc zu klären.
    Dabei geht es zu oft um gesellschaftliche Normen, die vom demokratisch legitimierten Gesetzgeber zu regeln sind und eben nicht von wenigen Richtern.

  • #8
    ke

    Dass Gender-Toiletten blöd sind merkt Mann dann, wenn ein Bus Rentner und Rentnerinnen ankommt und man in der gemeinsamen Schlange stehen muss, statt eben das Urinal zu benutzen.,

  • #9
    Sonja

    @6: Mit Verlaub. Sie nennen den Versuch, diese Sache gerichtlich zu erstreiten wortwörtlich "Bevormundung" und "autoritär". Wie soll ich da bitte NICHT davon ausgehen, dass Sie den Rechtsweg hier ablehnen? Eine Demokratie ist aber eben nicht so geregelt, dass vor Gericht nur die Dinge verhandelt werden, die Sie für sinnvoll halten. Und völlig unabhängig davon, wie man selbst zur gendergerechten Sprache steht, ist es juristisch doch nicht unwesentlich, dass im Grundgesetz auch die Gleichberechtigung von Mann und Frau verankert ist (im Gegensatz übrigens zu dem Recht, schöner lesbare Texte schreiben zu können). Natürlich gibt es zu diesem Grundrecht unterschiedliche Auffassungen, und deshalb ist es selbstverständlich auch legitim, die Rechtslage von dazu ausgebildeten und eingesetzten Fachleuten (Richtern) prüfen zu lassen.

    Mit "zivilgesellschaftlicher oder kultureller Auseinandersetzung" hat das doch überhaupt gar nichts zu tun, die kann doch trotzdem stattfinden? Oder habe ich ein Gerichtsurteil verpasst, das gesellschaftliche Debatten zu diesem Thema untersagt?

  • #10
    Jonathan

    Das Beispiel „Auto“ ist doch völlig verkehrt, es liegt ja immerhin beim Maskulinum im deutschen eine tatsächliche Mehrdeutigkeit vor und nicht bloß wie beim Wort „Auto“ eine univoke Gattungsbezeichnung, die sich eben auf verschiedenes beziehen kann. Es gibt immer wieder Situationen, in denen das generische Maskulinum nicht funktioniert, indem eine unbeabsichtigte Zweideutigkeit auftritt, es miss- oder nicht verstanden wird. Minimalbeispiel: „Preis für den besten Schauspieler“ – wer davon spricht, setzt eventuell ein bestimmtes Vorwissen voraus, etwa darüber, das ein bestimmter Preis nach Geschlechtern getrennt vergeben wird, oder gerade nicht, ich, der ich mich im Filmpreisgeschäft nicht auskenne, werde es eventuell missverstehen. Dergleichen passiert sehr oft, wenn etwa im Verlauf von Texten irgendwo mal deutlich wird, dass es sich bei irgendeiner Gruppe um eine reine Männergruppe handelt, oder es aufgrund irgendwelcher Umstände nur sehr wahrscheinlich erscheint, und dann steht da wiederum irgendein Maskulinum und man ist sich nicht ganz sicher, ob es sich auf dasselbe bezieht … Das kann bei „Auto“ nicht passieren, es ist nicht möglich, dass jemand „Auto“ sagt, aber nur „SUV“ meint und ich ihn missverstehe, weil ich auch an Limousinen denke. Ein besserer Vergleich wären Gattungsbezeichnungen, die von einem bestimmten Prototyp ausgehen, zum Beispiel „Katze“, da kann sowohl nur die Hauskatze gemeint sein, je nach Kontext können aber auch Groß- und Wildkatzen etc. „mitgemeint“ sein. Ist meistens kein Problem (schon gar kein gesellschaftliches, anders als bei der Sache mit dem Maskulinum), aber dogmatisch sagen, dass es ja schon funktioniert und man sich keine Gedanken darüber machen muss (etwa in einem literarischen Text, indem die Beziehungen zwischen Hauskatzen und anderen Katzen und Katzenartigen eine zentrale Rolle spielt), ist auch falsch.

  • #11
    Ferdinand Hohenstein

    Einerseits ist es tatsächlich blöde, dass die deutsche Sprache in vielen Dingen eine männliche und eine weibliche Form überhaupt entwickelt hat, statt wie bei Sachen nur eine Form zu kennen. Nun aber herzugehen und Leser*innen zu schreiben ist noch bekloppter. Da warten dann schon die nächsten 58 Gruppen von androgyn bis Zwitter, die sich diskriminiert sprachlich fühlen (sollen), wenn man dem Sprachgenderisierungsverwirrungswahn einmal nachgegeben hat. Und wisst ihr was, DIE haben dann wirklich recht sich über Diskriminierung zu beschweren.

    Es gibt doch jetzt schon immer mehr, die sich in Stellenanzeigen über den Zusatz (m/w/d) beklagen, weil sie sich durch "d" nicht ausreichend berücksichtigt und dadurch diskriminiert fühlen und anführen, das "d" stehe für Diskriminierte.

    Wie sollen wir dann in Zukunft uns noch sprachlich verständigen, wen wir über Menschen reden?

    "Morgen ist für alle Mitarbeiter – äh, wie heißt das jetzt? – androgyn*androgyner Mensch*bigender*Butch*Cross-Gender*Drag*Femme*Frau zu Mann (FzM)*gender variabel*genderqueer*geschlechtslos*Hermaphrodit*Inter**Inter*Frau*Inter*Mann*Inter*männlich*Inter*Mensch*Inter*weiblich*intergender*intergeschlechtlich*intersexuell (auch inter*)*Mann zu Frau (MzF)*männlich*männlich-transsexuell*nicht-binär*Pangender*Pangeschlecht*trans*trans**Trans*Frau*Trans*Mann*trans*männlich*Trans*Mensch*trans*weiblich*transfeminin*Transfrau*Transgender*Transgender Frau*Transgender Mann*transgender männlich*Transgender Mensch*transgender weiblich*Transmann*transmännlich*transmaskulin*Transmensch*transsexuell*transsexuelle Frau*transsexuelle Person*transsexueller Mann*Transvestit*transweiblich*Two Spirit drittes Geschlecht*Viertes Geschlecht*weder noch*weiblich*weiblich-transsexuell*weitere*XY-Frau*zweigeschlechtlich*Zwitter*zukünftige Geschlechtsneuerfindung ein Brückentag."

    Ich glaube, da haben wir ganz andere und viel wichtigere soziale und umweltbezogene Probleme zu beseitigen, ohne dass zukünftig Menschen prekär abgehängt werden und wir demnächst inklusive Abschaffung jeden Individualverkehrs wieder zu Fuß über den dann sich in postapokalyptischen Zustand befindlichen Planeten latschen.

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