Wäre ich noch Katholik, ich würde mich schämen!

Die Kirche St. Peter in Waltrop. Archiv-Foto: Robin Patzwaldt

Kritik an der römisch-katholischen Kirche gibt es schon lange. In meiner Kindheit, in den 1970er-Jahren, lernte ich bereits etliche Eltern von Mitschülern kennen, die sich stark in der örtlichen Kirchengemeinde engagiert haben, dort aber unbedingt an ihrer Meinung nach dringend notwendigen an Reformen mitwirken wollten.

Ich selber wurde auch katholisch erzogen, wenn auch nicht so engagiert wie einige meiner damaligen Klassenkameraden. Da ich aber gemeinsam mit vielen meiner Freunde auf eine katholische Grundschule ging, blieb das auch naturgemäß nicht aus. Dementsprechend habe ich auch noch Kommunion und Firmung quasi ‚automatisch‘ erlebt, bevor mein Interesse für Religion als Teenager dann endgültig und deutlich nachließ.

Trotzdem blieb ich auch danach noch weiterhin über Jahre hinweg in der Organisation, wenn ich auch immer seltener an Gottesdiensten teilnahm. Im Laufe der Zeit wurde auch meine Einstellung zur Kirche immer kritischer. Ich entdeckte immer mehr Einstellungen und Vorschriften, die mir so gar nicht passten. Darauf will ich hier jetzt aber gar nicht weiter eingehen, des es geht mir um etwas Anderes.

Ausgetreten bin ich im Sommer 1996, als das Berufsleben für mich so richtig begann. Kirchensteuer in nicht unerheblichem Umfang zu zahlen, das kam für mich damals nicht infrage. Daher entschied ich mich zur endgültigen und nun auch offiziellen Abkehr von dem ‚Laden‘, mit dem ich mich innerlich ohnehin schon lange nicht mehr identifizierte.

Im Laufe der Jahre, habe ich diese Entscheidung nie bereut. Es gab immer häufiger gute Gründe, die Katholische Kirche abzulehnen, an ihrem Reformwillen zu zweifeln. Allerdings wohl noch nie so viel, wie zuletzt.

Da werden zunächst die Forderungen der Frauen von Maria 2.0, sich zukünftig mehr und in anderen Rollen innerhalb der Kirche engagieren zu dürfen, offensichtlich nur auf die lange Bank geschoben. Dann erschüttern immer wieder diverse Missbrauchsvorwürfe die Organisation, deren Aufklärung nur stückweise zu gelingen scheint.

Zudem weigert sich der Vatikan aus für mich nicht nachvollziehbaren Gründen auch gleichgeschlechtliche Paare segnen zu lassen.

Und jetzt dann auch noch das unbegreifliche Geschehen rund um das Erzbistum Köln, wo offenbar mehr als 200 Beschuldigte in einen neuerlichen, riesigen Missbrauchsskandal mit rund 300 Opfern verstrick sein sollen, wenn man der aktuellen Berichterstattung rund um ein neuerlich beauftragtes Gutachten Glauben schenken kann.

Es ist schlicht und einfach nicht zu glauben, was diese Organisation da seit Jahren schon an Skandalen und Enttäuschungen abliefert!

Seit über 40 Jahren verfolge ich jetzt die Ereignisse rund um die Katholische Kirche. Schon von Anfang an war die Rede von angedachten und notwendigen Reformen, von angestrebten Verbesserungen und einer in Zukunft größeren Offenheit.

Nichts davon wurde nachhaltig realisiert. Das ist die traurige Erkenntnis für mich aus den vergangenen Monaten und Jahren. Mein Glaube daran ist inzwischen vollends erloschen!

Trotz aller Absichtsbekundungen gelingt es den verbliebenen Reformkräften innerhalb der Organisation offenbar nicht die Kirche moderner aufzustellen, näher an der Lebenswirklichkeit der Leute zu kommen. So wird das nichts mehr.

Wäre ich dort noch immer Mitglied, ich würde mich dafür schämen!

 

 

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14 Kommentare

  1. #1 | Mawa sagt am 19. März 2021 um 09:08 Uhr

    ….ausgetreten und dann nachtreten. Schlechter Stil ist das.

  2. #2 | Philipp sagt am 19. März 2021 um 09:41 Uhr

    @Mawa

    De mortuis nil nisi bene?

  3. #3 | thomas weigle sagt am 19. März 2021 um 14:09 Uhr

    @ Mawa Die kK hat noch viel mehr Tritte als den von Robin verdient.
    @ Philipp Vorsichtig, Totgesagte leben gerne besonders lange und anderswo ist die kK durchaus besser verankert als hierzulande. Leider!!

  4. #4 | Mawa sagt am 19. März 2021 um 14:39 Uhr

    Mir ist da zu viel Negativity Bias. So einfach kann man 2000 Jahre Geschichte nicht abtun. Es hätte auch schlimmer kommen können.

  5. #5 | Berthold Grabe sagt am 19. März 2021 um 18:11 Uhr

    Ohne Frage braucht die katholische Kirche in Deutschland einen kräftigen Tritt in den Allerwertesten.
    Was die Kirchenspitze abliefert ist unter jedem Niveau.
    Was aber nach einem Papst Johannes Paul II nicht überraschen kann, der einen Kardinal Meissner in Köln widerrechtlich durchsetzte und einem Westentaschen Domkapital das sich lammfromm beugte.
    Statt Aufbruch Rückfall in die Vorkonzil Zeiten.
    Das konnte nur diese Folgen haben.
    viele Bischöfe sind nicht kompetent, die Herausforderungen der heutigen Zeit zu bewältigen, aber nicht von ungefair drängen sich Vergleiche mit der aktuellen Politik auf.
    Das Aufarbeitungsdesaster der wie überall sonst auch vertuschten Übergriffe ist besonders groß.
    Also wohl verstanden, es geht nicht darum das die Kirche schlimmer wäre als andere Organisationen mit diesem Problem, sondern schlimmer ist die völlige administrative Unfähigkeit der notwendigen Aufarbeitung gerecht zu werden.
    Wenn ich sehe, wie die Bistümer allerdings ihren Mitgliederschwund finanziell kompensieren wundert mich das eher wenig.
    Anders als der Autor war ich noch bis Anfang der 80ziger Schüler eine progressiven katholischen Schule, die weit liberaler war als die erzkonservative SPD hier im Lande und mit ihr die staatlichen Schulen. Habe also erlebt, was Kirche im besten Sinne zu leisten vermochte.

    Leider ist es schwierig ein falsche Leitung ohne drastische Veränderungen auch für das sinnvolle Angebot auszutauschen.
    Aber es sollte nicht vergessen werden wie bedeutent die katholische Kirche für unser Sozialwesen immer noch ist. Was die so dringend benötigte Revolution so schwierig macht.
    Es scheint so, als sei Änderung nur möglich in dem man das Kinde mit dem Bade ausschüttet.
    Kirchensteuer hin oder her, eine radikale Abschaffung würde schwere soziale und gesellschaftliche Verwerfungen zur Folge haben, die der Staat nicht in der Lage wäre zu kompensieren.
    Ganz abgesehen davon, das wir eine katholische Kirche brauchen, so sie denn funktionieren würde
    Es bleibt die Frage, geht es ähnlich wie in der Politik nur noch durch Zerschlagung und den entsprechenden Kollateralschäden?
    Und gibt es überhaupt Alternativen die die Lücke Kompetent füllen können? Oder ist es hier wie in der Politik das die Offenlegung der Zweitklassigen nur die Drittklassigen auf den Plan ruft?

  6. #6 | thomas weigle sagt am 19. März 2021 um 18:19 Uhr

    @ Mawa Alte Männer in bunten Kleidern, die keinen Sex haben dürfen-doppelkicher- schreiben anderen vor, wie sie ihr Sexleben zu gestalten haben. Das ist doch absurd, da helfen auch keine 1700 Jahre Kirchengeschichte. Im Gegenteil, was die für ein Unheil angerichtet haben auf allen möglichen Gebieten.
    Nehmen wir den kirchlichen Antisemitismus. Derdaoben hat angeblich seinen Sohn geopfert und jüdische Priester hat er als sein Werkzeug auserkoren. Die Folge war, dass die Juden bis heute von Gläubigen als Jesusmörder beschimpft und verfolgt werden. Die Tatsache, dass der Tod Jesu eigentlich ein zentrale Bestandteil der christlichen Lehre ist, konnte die kK in den 1700 Jahren seit Konstantin ihren Gläubigen nicht ausreichend vermitteln. Wahrscheinlich wollte sie das auch nicht, denn die Juden waren zu allen Zeiten als Sündenböcke für alles Mögliche immer passend zur Hand.
    Weitgehend unbekannt ist auch der 6. und letzte Kreuzzug gegen die Katharer im Süden Frankreichs. Diese christliche Sekte, die die Prasserei der Kirchenfürsten anprangerte und dem Armutsgebot Jesu folgte, wurde blutig ausgelöscht.
    Was, bitteschön, hätte in den 1700 Jahren Kirchengeschichte für die zahllosen Opfer der kK noch schlimmer kommen können?
    Ihr letzter Satz ist eine Bankrotterklärung in Sachen kK.

  7. #7 | Philipp sagt am 19. März 2021 um 18:40 Uhr

    Ich glaube einfach, dass für die katholische Kirche in Deutschland das Gleiche wie für weite Teile des Ruhrgebietes gilt: der Zeitpunkt der Modernisierung hat sich längst geschlossen.

    Keine Institution kann ohne Nachwuchs überleben und wer sich die Zahlen aus dem Bistum Essen anschaut mit jährlich 0 oder 1 Priesterweihe…

    Die Kirche spielt im Leben der unter 40 Jährigen einfach keine Rolle mehr.

  8. #8 | Mawa sagt am 19. März 2021 um 20:40 Uhr

    @thomas weigle
    Schlimmer geht immer, z.B. mit einer anderen Religion – und das nicht Gestern sondern aktuell heute. Aber da halten "Mutige" wie Sie immer ganz rücksichtsvoll die Klappe.

  9. #9 | thomas weigle sagt am 19. März 2021 um 21:21 Uhr

    @ Mawa Wenn die Argumente fehlen…. Ich bin hier schon im "rechten Sumpf" verortet worden, weil ich auch an der muslimischen Lehre wenig Erbauliches finde und das auch immer wieder hier geschrieben habe. Nur sollte sich eine Kirche, die den Anspruch erhebt, die allein seligmachende zu sein, sich nicht an einer offenbar noch schlimmeren Lehre orientieren, diese als Entschuldigung für die eigenen zahlreichen Sauereien ins Feld führen, als Argument, dass diese andere Lehre noch übler handelt.
    Nee, mein Lieber, vom moralischen Standpunkt her,hat die kK fertig. Die von @Philipp erwähnten Nachwuchsprobleme zeigen dies ebenfalls überdeutlich. Hinzu kommt, dass nicht nur die Gläubigen mit Füßen abstimmen, auch Priester hauen in den Sack.
    Im übrigen ist die kK hier eher selten Thema, der Islam ist öfter Thema, v.a. die unschöne Verbindung von linkem und muslimischen Antisemitismus und deren Israelhass. Da finden sie mich ganz bestimmt nicht auf deren Seite.

  10. #10 | Fred Heine sagt am 21. März 2021 um 11:34 Uhr

    Interessant ist doch: die größten Kritiker der Kirche sind die, denen ihre Grundsätze und Werte wurscht sind. Wie schön – und fortschrittlich – könnte die katholische Kirche doch sein, wenn sie endlich aufhören würde, katholisch zu sein!
    Mit ihrer Forderung, die katholische Kirche solle doch so wie die protestantische sein (Frauenordination, kein Zölibat), übersehen die Kritiker der Kirche aber folgendes:

    Erstens ist die katholische Kirche eine Weltkirche. Weniger als fünf Prozent ihrer Mitglieder haben einen deutschen Pass. Fragen wie die Frauenordination oder der Zölibat spielen bei den anderen mehr als 95% der Mitglieder nicht nur eine untergeordnete Rolle. Viele dieser Mitglieder haben eine sogar diametral entgegengesetzte Haltung wie viele deutsche Katholiken. Vieles, was sich hier als "Reformforderung" liest, ist beim näheren Nachfragen oft nicht viel mehr als versteckte westliche Arroganz und kolonialistisches Denken ("Wenn die dummen Neger in Afrika nicht wissen, was katholisch bedeutet, müssen wir es ihnen sagen!"). Beides braucht niemand.

    Und zweitens: wenn man sich wünscht, die katholische Kirche möge protestantischer werden, dann schaue man sich vorher bitte die protestantischen Kirchen in Deutschland an. Die meisten Probleme der katholischen Kirche (ich sage nur Kirchenferne, schwindende Bindungskraft) haben die Protestanten genauso – und oft noch stärker! In unserer (katholischen) Kirche sind an einem schlecht besuchten Sonntag 50 Gottesdienstbesucher. Bei den Evangelischen sind es 10 – wenn er gut besucht ist. Und: unsere beiden Gemeinden sind annähernd gleich groß!

    Und wem die Missbrauchsskandale so an die Nieren gehen, dass er aus der Kirche austritt, der möge nachschauen, ob nicht auch ein Mitgliedskärtchen des örtlichen Sportvereins in seiner Brieftasche ist. Denn alles, was man der katholischen Kirche vorwirft, kann man auch den Sportvereinen vorwerfen. Nur ist es halt so: wenn bei der Spvgg Hintereulenmoosdorf viele Jahre vertuscht wurde, dass der Trainer seinen Schützlingen ein bisschen zu intensiv den Popo getätschelt hat, dann war das halt die Spvgg Hintereulenmoosdorf. Wenn das in der katholischen Kirche Hintereulenmoosdorf passiert ist, dann war es die katholische Kirche.

  11. #11 | Fred Heine sagt am 21. März 2021 um 11:43 Uhr

    @ thomas weigle: "Was, bitteschön, hätte in den 1700 Jahren Kirchengeschichte für die zahllosen Opfer der kK noch schlimmer kommen können?"

    Nun, die größten Menschenmörder der Geschichte (in absoluten Zahlen: Mao und Stalin, in relativen Zahlen: Pol Pot) hatten weder etwas mit der Kirche noch mit Gott oder einem Leben nach dem Tod zu tun. Es gibt also durchaus Alternativen, wie man auch ohne RKK den Menschen das Leben zur Hölle machen kann. Vielleicht ist ja den Menschen durch die RKK auch eine Menge erspart geblieben. Zumal viele "Verbrechen" der Kirche gar keine der Kirche waren. Der Dreißigjährige Krieg – bei dem oft Katholiken und Protestanten gemeinsam gegen andere Protestanten oder Katholiken kämpften – war genauso wenig ein Konfessionskrieg wie es die Auseinandersetzungen in Nordirland waren.

  12. #12 | Philipp sagt am 21. März 2021 um 12:11 Uhr

    Fred Heine schreibt "wenn bei der Spvgg Hintereulenmoosdorf viele Jahre vertuscht wurde, dass der Trainer seinen Schützlingen ein bisschen zu intensiv den Popo getätschelt hat, dann war das halt die Spvgg Hintereulenmoosdorf"

    'Anderswo passieren auch schlechte Dinge, das muss man in Relation sehen' ist natürlich ein Wahnsinnsargument um für die römisch-katholische Kirche zu werben. Und "intensiv den Popo getätschelt" als Umschreibung für sexuellen Missbrauch ist wirklich völlig daneben.

  13. #13 | Philipp sagt am 21. März 2021 um 13:35 Uhr

    Ich will dazu sagen, dass ich niemandem seinen Glauben madig machen will. Tradition, Identität und Gemeinschaft sind wichtig.

  14. #14 | thomas weigle sagt am 21. März 2021 um 15:49 Uhr

    @ Fred Heine Nix hätte für sie schlimmer kommen können, denn sie sind ja durch Maßnahmen der kK gestorben, oftmals auch noch quälend langsam. Wenn sie allerdings die kK mit den roten Massenmördern und deren Ideologie vergleichen, in Beziehung setzen, ist das in Ordnung, denn vollständiger kann eine Kapitulation nicht sein. Da gewinnt das Wort "allein seligmachend" eine ganz neue Bedeutung.
    Wenn sich bspw. viele Afrikaner an die Nichtverhütungsvorschriften der alten römischen Männer halten und ihre Kinder dann des Hungers oder an Aids sterben, dann ist das absolut deren Sache. Werbung für die kK ist das auf Dauer aber nicht, jedenfalls nicht hierzulande.

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