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Warum ich nicht mehr ohne Facebook, Instagram und WhatsApp leben möchte

WhatsApp-Chat am Handy. Quelle: Wikipedia, Foto: Santeri Viinamäki, Lizenz: CC BY-SA 4.0

Vor einer Woche stand Millionen von Menschen in diesem Lande urplötzlich ein sehr ungewöhnlicher Abend bevor. Facebook, Instagram und WhatsApp versagten über sechs Stunden lang gleichzeitig den Dienst und machten den Nutzern durch ihren Ausfall eindrucksvoll klar, wie sehr man sich an ihre Verfügbarkeit im Jahre 2021 inzwischen gewöhnt hat.

Schier unzählige Menschen wussten mit sich und ihrer Freizeit plötzlich fast nichts mehr anzufangen. Auch ich bemerkte am vergangenen Montag schnell, wie häufig ich inzwischen auf einen dieser Dienste zurückgreife, auch wenn man sich im Alltag dessen fast gar nicht mehr bewusst wird.

Jetzt, wo auf einmal über Stunden nichts mehr ging, waren die ‚Entzugserscheinungen‘ heftig. Auch bei mir. Am nächsten Morgen, als die drei sozialen Netzwerke, die alle zum Facebook-Konzern gehören, wieder verfügbar waren, setzte eine Diskussion über deren Marktmacht ein, die es zuvor in dieser Größenordnung noch nicht gegeben hatte.

Es wurden Argumente hervorgebracht, die auch ich nachvollziehen kann. Es kann nicht gut sein, wenn ein Konzern zu viele Daten von einem hat, wenn er damit Dinge tun darf, die ich nicht wirklich kontrollieren oder beeinflussen kann. Es ist bedenklich, wenn sich die Menschheit in eine solche Abhängigkeit von einem privaten Unternehmen begibt. Für Kinder kann es nicht gut sein, wenn sie sich ohne Facebook, WhatsApp und Instagram fast schon gar nicht mehr auszutauschen wissen, ihre Kontakte fast ausnahmslos über das Internet gepflegt werden usw.. Alle diese Bedenken kann ich teilen. Doch eine Verteufelung von Facebook & Co. kann ich auf der anderen Seite auch nicht gutheißen. Ich bin mir sicher, dass es auf eine maßvolle Regulierung der Konzernmacht und einen sinnvollen Umgang mit den kritisierten Diensten von uns Nutzern ankommt.

Denn auch wenn ich all diese Bedrohungen und Nachteile durchaus sehe, überwiegt für mich persönlich doch noch immer der große Nutzen und der immense Spaß, den ich persönlich diesen sozialen Netzwerken zu verdanken hatte und habe.

Ich bin mir sicher, dass man die Auswirkungen, die diese Netzwerke auf uns haben, auch zu einem guten Teil recht leicht kontrollieren kann. Immer wieder hört man sogar öffentliche Klagen von Prominenten, auch durch von mir persönlich durchaus geschätzten Journalisten, die den rauen Umgangston und den unzivilisierten Umgang auf Facebook & Co. der User untereinander und mit der eigenen Person bitter beklagen. Genannt seien hier als kleine Beispiele, die mir zuletzt aufgefallen sind, kurz der Fußballkommentator Frank Buschmann und der Bremer Stadionsprecher und TV-Moderator Arnd Zeigler. Beide beklagten in der jüngeren Vergangenheit wiederholt den aus ihrer Sicht unwürdigen Umgang einiger Follower mit ihrer Person und schrieben damit Schlagzeilen.

Meiner Beobachtung nach befeuerten aber beide dadurch mehr oder weniger freiwillig nur den Pöbel, den sie eigentlich gerne zum Schweigen gebracht hätten, indem sie sich öffentlich über diesen beklagten oder gar im Gegenzug selber nicht gerade sanft mit ihren Kritikern umgingen. Logisch, dass die Sache dann rasch aus dem Ruder zu laufen droht und einem den Spaß völlig  vermiesen kann.

Ich selber habe in den vergangenen gut zehn Jahren in diesem Bereich zu 99 Prozent positive Erfahrungen gemacht, durfte viele tolle Menschen kennenlernen und habe dadurch etliche neue Freundschaften schließen dürfen. Bei Facebook musste ich im Laufe der Zeit von mehreren hundert frischen Kontakten bislang im Nachgang gerade einmal drei ‚nervende‘ User ‚blockieren‘ bzw. ‚entfreunden‘. Das ist eine Quote, die im realen Leben vermutlich sogar deutlich höher liegen dürfte. 😉

Natürlich habe auch ich mich wiederholt über einzelne Reaktionen von anderen Zeitgenossen in den sozialen Netzwerken geärgert. Nicht immer sorgen Facebook, WhatsApp oder Instagram bei ihrer Nutzung für das reine Vergnügen. Und doch bin ich dem Konzern, der dahinter steht, grundsätzlich für die vielen schönen Stunden mehr dankbar, als das ich etwas zu meckern hätte.

Es ist für mich selbstverständlich, dass es die Marktmacht von Facebook von Expertenseite kritisch zu beäugen, ggf. auch einzuschränken gilt, wenn die Konzentration der Daten, die Abhängigkeit von einem Anbieter zu groß zu werden droht. Auszudiskutieren wann das soweit war oder ist, dürfte eine komplizierte Debatte werden, deren Beurteilung ich mir als Laie nicht zutraue. Das sollen Datenschützer und IT-Experten beraten.

Fest steht für mich aber, dass ich die sozialen Netzwerke, trotz aller berechtigten Kritik und Schwächen nicht mehr missen möchte in meinem Leben. Der tägliche Umgang mit diesen Diensten ist auf Dauer eine beachtliche Herausforderung, die insbesondere für Minderjährige schwer zu meistern ist. Da gilt es seitens der Eltern und der Schule unterstützend begleitend dabei zu seien, den Umgang mit modernen Medien zu lehren und zu vermitteln, für die durchaus beachtlichen Gefahren im Netz zu sensibilisieren. Eine generelle Verteufelung von Facebook & Co. ist aber ebenso falsch wie ungerecht!

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Ein Kommentar zu “Warum ich nicht mehr ohne Facebook, Instagram und WhatsApp leben möchte

  • #1
    Thomas

    Aber muss es denn WhatsApp sein? Nicht jede/r möchte auf Schritt und Tritt von Internetfirmen verfolgt werden. WhatsApp tut dies jedoch. Es spioniert Telefone nach Daten über den Besitzer/die Besitzerin eines Smartphones sowie über dessen/deren Kontakte aus. Dies zuzulassen ist unanständig und – sofern auf dem Telefon Infos über Personen aus nicht-privaten Zusammenhängen wie Arbeit oder Verein gespeichert sind, auch illegal.

    Viele Gruppne (Freundeskreise, Vereine etc.) richten häufig ohne über Alternativen zu sprechen WhatsApp-Gruppen ein. Wer die mit WhatsApp verbundene Überwachung nicht will, ist außen vor. Wäre es also nicht viel besser, einen der vielen die Privatsphäre respektierenden Messenger zu nutzen, allen voran Threema und Signal?

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