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Warum ist ein sprachliches Engagement relevant? – Eine Anekdote

animal – gemeinfrei

Sprache, auch die deutsche, ist lediglich eine Sammlung von Worten und Regeln, zudem keine abgeschlossene, sondern eine offene. Der Duden präsentiert sich auch als soziales Sammlungswerk, unter Einbezug seiner Geschichte, die im 19. Jahrhundert begann. Die internen Unterscheidungen in hohe und niedrige Formen, in starke und schwache, haben nichts mit Sprache, sondern mit sozialen Rängen zu tun, die auf die Herkunft und Praxis nach sozialen Gruppen unterteilt sind. Diese Ordnung der deutschen Sprache, die jeweils einer Milieu-Ordnung entsprang und weiterhin entspringt, orientiert sich am jeweiligen Gebrauch. Eine Sprachwissenschaft bzw. Sprachphilosophie lässt sich aber auf einer Milieu-Ordnung nicht aufbauen. Bestenfalls wäre eine Germanistik eine Sozialwissenschaft, von staatlicher Seite sogar eine normative.

Ist man jedoch an der Sache interessiert, nicht an der gesellschaftlichen Verwendung, an Sprache, nicht an einer sozialen Arbeit und Erziehung der Gesellschaft, sind ganz andere Unterteilungen erforderlich. Logik könnte z.B. eine Rolle spielen, mithin Fragen nach einer relationalen Struktur. Weil jedoch die deutsche Sprache lediglich eine Sammlung ist, bleibt es den Nutzern und ihrem Engagement überlassen, etwas mit ihr anzufangen, auch gegen die normativen Ansprüche des Staates.
Deshalb haben sich seit dem 19. Jahrhundert verstärkt Fachsprachen ausgebildet. Mit dem gesellschaftlichen Allgemeingut haben diese Formen nicht mehr viel zu tun, sondern mit jeweils fachlichen Erfordernissen. Auch poetische Belange wurden und werden neben dem Duden entwickelt, ob es gefällt oder nicht. Soziale Empfindungen sind, gemessen an einer fachlichen, auch der poetischen Relevanz, völlig nebensächlich. Erst das Aufkeimen sozialer Medien hat zu einem Druck gegenüber Abweichlern, zu einer erwünschten Gleichschaltung beigetragen. Ein praktischer Faschismus beginnt eventuell schon abseits einer zugestandenen Autonomie.

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