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Was hat die ECE mit Dortmund vor?

Homepage der Thier-Galerie

Bisher baute der Hamburger Projektentwickler ECE Shoppingcenter und kümmert sich um den Betrieb. Jetzt steht in Dortmund mit dem Haus „Neues Thier Areal“ ein weiteres ECE-Projekt kurz vor der Fertigstellung. Aber diesmal begnügt sich die ECE nicht einfach mit dem Bau von 33.000 Quadratmetern Verkaufsfläche. Das Engagement in Dortmund geht weiter und will viel mehr. Von unserem Gastautor Honke Rambow

Man kann sicherlich vieles gegen das Neue Thier Areal einwenden und hier in diesem Blog ist das auch schon getan worden. Dass überdimensionierte Shoppingcenter in Innenstädten die Entwicklung der umgebenden Verkaufsflächen gefährden, zum Beispiel. Aber auch, dass die historisierende Fassade des Gebäudes in Dortmund architektonisch eine Katastrophe ist und der klotzige Komplex die Sicht auf das architektonisch überaus bedeutende Gesundheitshaus von Will Schwarz, um dessen Restaurierung sich der Bund Deutscher Architekten und die Architekturhistorische Fakultät der Universität Dortmund seit Jahren vergeblich bemühen, verstellt.

Böse Münder bezeichnen die ECE und die ECE-nahe Stiftung „Lebendige Stadt“ als fast mafiöse Vereinigungen, die Stadtverwaltungen bewusst unterwandert, um ihre Ziele durchzusetzen. Man kann diese Verfahrensweise aber durchaus auch als sehr professionellen Lobbyismus bewundern.

Das alles ist bekannt. Neu ist – wie die Ruhr-Nachrichten berichteten – die Forderung der ECE an die Stadt Dortmund nach einem Bettelverbot in der Innenstadt. Und im weiteren nach einer strengeren Reglementierung für die Außenwerbung der Einzelhändler und einer stärkeren Verpflichtung, sich um die Sauberkeit in der Stadt zu kümmern. Fangen wir mit der Außenwerbungsforderung an: Hier ist interessant, dass da auch die ECE nicht unbedingt Feingefühl beweist. Man mag von der Fassade des Limbecker Platzes – auch ein ECE-Haus – in Essen halten, was man will, wirklich schlimm wird sie vor allem dadurch, dass sie von zahlreichen Leuchtreklamen übersät ist, die endgültig jeglichen ästhetischen Anspruch zunichte machen. Ein Unternehmen, das so etwas zulässt, will jetzt gegen unkontrollierte Außenwerbung in einer Fußgängerzone vorgehen? Der Schluss liegt nahe, dass es hier nicht wirklich darum geht, die Stadt hübscher aussehen zu lassen, sondern die Marktchancen der unabhängigen Shoppingcenter-Konkurrenz einzuschränken.

Das Bettelverbot ist eine populistische Forderung, die vermutlich auch schnell auf Befürworter treffen wird. Was die ECE mit ihren Shoppingcentern bereits erfolgreich tut, nämlich öffentlichen Raum zu vernichten und Schritt für Schritt die Stadt den Bürgern wegzunehmen, will sie jetzt auch auf nicht überbauten Raum anwenden. So wie die ECE in ihren Centern Hausrecht genießt und beliebig davon Gebrauch machen kann, würde sie  es wohl auch gerne in der ganzen Innenstadt tun. Die Forderung von ECE-Bereichsleiter Axel Diewald hat aber vermutlich auch noch einen ganz anderen Hintergrund. Ein City-Management, wie er es sich vorstellt, das gegen Bettler, Verkaufsstände, Wildwuchs bei Außenwerbung und ähnliches vorgeht, braucht Personal. Das kostet Geld. Genauso wie eine neue einheitliche Beleuchtung und Möblierung der Innenstadt – auch eine Forderung von Diewald – Geld kostet. Das Geld hat die Stadt nicht. Die einzige Möglichkeit, diese Verschönerung der Innenstadt zu finanzieren, wäre, das Geld über die Mieten in der Fußgängerzone wieder rein zu holen.

Das kann der ECE nur recht sein. Denn wie die WAZ berichtete, läuft die Vermietung der Verkaufsflächen im Neuen Thier Areal nicht so flüssig wie gehofft. Grund dafür sind die sehr hohen Kosten, die vor allem auch auf die enormen Nebenkosten im Shoppingcenter zurückgehen. Hier wäre es bestimmt von Vorteil für den kurzfristigen Erfolg des Centers, wenn die Mieten in der Fußgängerzone ebenfalls steigen würden und einige Einzelhändler vielleicht dann doch noch einen Umzug ins Center erwägen würden.

Dass die Nebenkosten im Center so hoch sind, ist auch nicht ganz uninteressant, denn seit mehreren Jahren rühmt sich die ECE, bei ihren Gebäuden hohen Nachhaltigkeits- und Umweltstandards einzuhalten. Nicht zuletzt ist sie ja auch einer der Hauptsponsoren der „Umwelthauptstadt Hamburg“. Hohe Umweltstandards müssten allerdings eigentlich die Nebenkosten senken. Unter ece.de findet sich ein Dokument zur Nachhaltigkeit des Thier Areals. Einsatz von Photovoltaik und  Geothermie stehen hier allerdings nur zur Prüfung an. Die meisten anderen aufgeführten Punkte sind absoluter Standard: Einsatz von LED-Leuchtmitteln, natürliche Be- und Entlüftung, kein Einsatz von Tropenholz und sogar Mülltennung sind hier genannt. Bei einem Shoppingcenter, das enorme Volumen unnötigerweise ganzjährig klimatisieren muss – Einkaufsstraßen ohne Überdachung waren immer schon die bessere Alternative – erwartet man eigentlich etwas mehr Innovation in Sachen Nachhaltigkeit und Energieeffizienz. Aber das würde Kosten für die ECE verursachen und solange sich noch Mieter finden, die die überhöhten Nebenkosten auf sich nehmen, wird sich daran nichts ändern. Oder man muss halt gemeinsam mit der Stadt die Mieten auch im Rest der Geschäftsflächen in die Höhe treiben.

Was die ECE unter einer „Lebendigen Stadt“ versteht, hat sie also hier in Dortmund erstmals klar formuliert: Eine aufgeräumte von allen möglichen Störfaktoren bereinigte Stadt, ohne Bettler, ohne Plakate, ohne herumlungernde Jugendliche, am besten auch ohne Demonstrationen. Nichts soll mehr das schöne neue Shoppingerlebnis stören in dieser Disney-Einkaufswunder-Welt. Mit einer Stadt hat das dann nichts mehr zu tun. Und den Bürgern von Dortmund gehört dieser Raum dann auch nicht mehr, sondern nur dem, der dem ECE-Bereichsleiter auch in den Kram passt.

 

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37 Kommentare zu “Was hat die ECE mit Dortmund vor?

  • #1
    Berry

    1) “Die einzige Möglichkeit, diese Verschönerung der Innenstadt zu finanzieren, wäre, das Geld über die Mieten in der Fußgängerzone wieder rein zu holen.”

    ist der Autor, der Meinung, dass die Stadt Vermieter der Läden hier in der Stadt ist? Das wäre wohl sehr naiv!

    2) Ist bei ECE nachgefragt, ob diese Thesen “Bettelverbot, strengere Reglementierung für die Außenwerbung, stärkere Verpflichtung, sich um die Sauberkeit in der Stadt zu kümmern” stimmen? Oder wird ein Bericht in der RN einfach kommentarlos übernommen und gleichzeitig interpretiert?

    3) eine weitere Vorgehensweise wäre sich beim City Ring zu informieren. Ist das erfolgt?

  • #2
    Mir

    Schade um den Blick auf das Gesundheitsamt. Es hat einen einmaligen 50er Jahre Charme, auch im Innern und die Mosaiken am Böden und Wänden, sehr nett.
    Wieso versucht man “vergeblich” zu restaurieren, will man das Haus abreißen? Ist es überhaupt ein Denkmal, wofür ohnehin kein Geld da ist?

    Schade auch, dass kurz vor der Eröffnung des Shoppingcenters eine Endzeitstimmung für die City verbreitet wird. Kritik ist berechtigt, aber wo waren denn die Kritiker vor zwei Jahren? Jedenfalls nicht bei den Ruhr Nachrichten. Dort kann man schon lange Anzeigen und Artikel gar nicht mehr unterscheiden. Des öfteren sind beides in einem Inhalt.
    Den Blabla Werbeslogan von ECE wörtlich nehmen, ist aber auch nicht gerade argumentativ.

  • #3
    Berry

    interessant ist auch, sich im Architekturforum zu informieren:
    http://www.deutsches-architektur-forum.de/forum/showthread.php?t=6739

    “Denn wie die WAZ berichtete, läuft die Vermietung der Verkaufsflächen im Neuen Thier Areal nicht so flüssig wie gehofft.”

    Nach meinen Informationen sind die Verkaufsflächen nahezu vollständig vermietet. Daher nochmal die Frage: wurde hier recherchiert? (bei ECE?)

  • #4
    Berry

    Mir, das Gesundheitsamt ist eine Katastrophe. Das gilt aber auch für das Theater. Ich rede hier weniger (eigentlich gar nicht) von der Architektur, sondern von dem äusseren Bild. Unaufgeräumt, dreckig, Spritzen – alles liegt herum.

    Jeder der ein Geschäft führt, weiss wie wichtig es ist ein frischer Eindruck zu vermitteln. Die Stadt macht das nicht, wie es jetzt auch beim U zu sehen ist.

  • #5
    Rambow

    Selbstverständlich nehme ich nicht an, dass die Stadt Vermieter von Geschäftsflächen ist. Andererseits dürfte aber auch klar sein, dass ein City-Management wie es sich die ECE vorstellt, keine städtische Aufgabe ist, sondern privatwirtschaftlich finanziert wird. Sprich: Die Vermieter in der Innenstadt teilen sich die Kosten für einen City-Manager sowie die Kontrolleure der entsprechenden Maßnahmen. Ganz analog zu dem Sicherheits- und Ordnungspersonal in einen ECE-Center.
    Sich hier in diesem Kommentar auf die Recherchen der Kollegen von WAZ und RN zu stützen, halte ich nicht für unstatthaft – zumal beides als Quelle offengelegt wird. Da es vor allem darum geht, diese Einzelinformationen zusammenzuführen und zu interpretieren. Allgemein ist die ECE als klagefreudig gegenüber Journalisten bekannt, so dass davon ausgegangen werden kann, dass Falschinformationen in WAZ oder RN sicherlich gleich beanstandet worden wären und die Artikel mindestens wieder aus dem Netz genommen wären.

    Ich kann mich im übrigen nicht erinnern, jemals eine Spritze im Umfeld des Dortmunder Theaters oder Opernhauses gesehen zu haben. Insgesamt ist mir die Stadt noch nie als besonders dreckig – anders als z.B. Berlin – aufgefallen. Dass die Situation sich im Umfeld von Gesundheitshaus und Theater-Rückseite nun verschlechtern könnte, läge sicher lediglich daran, dass das Neue Thier Areal durch brutal geschlossene Fassaden hier Stadträume zerstört und unwirtliche, schmale Schluchten entstehen. Wer eine lebendiges und lebenswertes Umfeld hier hätte schaffen können, hätte eine offenere Struktur bauen müssen. Dass die ECE daran kein Interesse hat, sieht man am unsensiblen Umgang mit Stadt und Urbanität in Essen, in Dortmund und man muss fürchten: Auch bald in Bochum.

  • #6
    Berry

    Na Rambow, bist gerne eingeladen mit mir einen Rundgang zu machen. Ich mache den Gang 2x täglich mit den Hunden. Morgens um 11:00 und Nachmittags um ca. 17:00 uhr.

    Ausgangspunkt: Westenhellweg 62. Hier habe ich mein Geschäft. Wir können auch einen Besuch ablegen beim City Ring. Dann können wir das andere Thema da besprechen.

    In meinem direkten Umgang ist keiner negativ über die Thier Galerie.

    Am Ostenhellweg? Die müssen sich Gedanken machen. Aber wo liegt das Problem? Es kann die Stadt nur attraktiver machen.

    Gebäude klotzig? Die Bewohner des Nachbarhauses (ich glaube Nr. 100) freuen sich selbst. Direkt bei den hinten war diese Lücke mit dem Wald an Betonklötzen. Seid 30 Jahren tümmeln da Ratten und sonstiges Ungeziefer.

  • #7
    Berry

    Wo entsteht eine schmale Schlucht? Die Strasse am Gesundheitsamt ist breiter. Die Silberstrasse ist genau so hoch wie vorhin. Mir wäre ein anderes Gebäude lieber gewesen. Mehr kleine Winkel, vll mehr wie eine Altstadt.

    Aber wer zahlt, darf entscheiden.

    Ich freue mich auch über die Parkmöglichkeiten. Absolute Mangelware hier. Meine eigener Parkplatz ist zwar direkt nebenan (Silberstrasse) aber meine Kunden können es nutzen.

    Natürlich freue ich mich auch über mehr als 1000 Arbeitsplätzen.

    Und auf REWE freue ich mich, gemeinsam mit den Leuten aus dem Altersheim. Dafür müsste ich weite Wege gehen. (sonst Basic, Markt und Karstadt)

  • #8
    Berry

    Ach ja, die WAZ Quelle. Die fehlt mir noch.

    Ich bin 100% überzeugt, dass der alte Markt nichts an Kundschaft verliert. Das wird genau so voll bleiben wie immer.

    Wenn ich Geschäftskunden habe (Tänzer, Choreographen, Regiseuren, Dozenten) freue ich mich den die Thier Galerie zeigen zu können. Die 08/15 Inneneinrichtungen von Karstadt oder Kaufhof ist nicht so aufregend. Aber ich erhoffe mir, mit den da etwas ruhiger essen gehen zu können.
    (übrigens Daily wechselt auch in die Thier Galerie. Für die ist es attraktiver und günstiger. Können wir auch mit sprechen, wenn du möchtest)

  • #9
    Stefan Laurin

    @Berry: Kleiner Tip: Man geht mit Geschäftskunden nicht in Pommesbuden – auch wenn sie in Einkaufszentren liegen 🙂

  • #10
    Berry

    Noch mehr Freude?

    Ja!

    Mehrere Geschäftsinhaber putzen sich bereits auf. Zu nennen ist zB Ruhrnachrichten. Sie bauen neu und nutzen die Eröffnung in September selbst. Sie vergrössern sich und vermieten neue Ladenlokale. Ähnliches eefolgt direkt gegenüber das alte Berlethaus. Auch hier wird neues entstehen.

    Die Stadt lebt und verwandelt sich. Immer gut.

    Ich freue mich übrigens auch, dass die alte ‘Berletfassade’ wieder aufgebaut wurde. Enige Kritiker finden zwar, eine derartige Fassade gehöre nicht in Dortmund. Aber warum eigentlich … .

  • #11
    Berry

    Stefan, ich freue mich über das vegetarische Restaurant, dass in die Thier Galerie kommen sollte. Wenn ich hier in die Schule einen Workshop organisiere gibt es eine Pause von 60 minuten. Dann fahre ich nicht ausserhalb der Stadt.

    Die meiste KünstlerInnen die ich kenne, ernähren sich vegetarisch. Erst recht wenn sie, wie ich aus dem Ausland kommen.

  • #12
    teekay

    Jetzt haben Sie, Berry, sicherlich Glueck, dass ihr Beschaeftigungsfeld eher von der Thier-Galerie profitieren duerfte. Auslaendische vegetarische KuenstlerInnen erscheinen mir allerdings nicht die Hauptzielgruppe von ECE generell zu sein ;). Die zentrale These die im Raum steht ist ‘Ein innerstaedtisches Einkaufszentrum sorgt fuer eine attraktivere Innenstadt die sich letztlich positiv auf den Umsatz der nicht-EZ-Laeden im Umkreis auswirkt’. Dazu habe ich kein empirisches Materiel-die Erfahrungen aus Oberhausen und Duisburg (wo im Casino/Mercator-Halle-Neubau schon die ersten Restaurants schliessen) lassen mich aber zweifeln-vorallem wie gross die ‘Sogwirkung’ ist. Die Apotheke oder der Tabakladen gleich beim EZ koennen profitieren, aber was ist 400m weiter?! Der Sonnenwall in Duisburg ist tot/kurz vor dem Kollaps. Und was ist mit den Stadtteilen die ja oft auch noch Fussgaengerzonen haben? Duisburg-Hamborn oder Marxloh habe ja einiges an Attraktivitaet eingebuesst (mal ganz diplomatisch gesprochen…). Wird der Konsum-Kuchen groesser durch ein EZ oder werden bestehende Einkommen umverteilt? Die Webseite verspricht ein Einzugsbegiet von 2,5Mio Menschen. Das finde ich sehr ambitioniert, gerade wenn es um Ketten wie H&M, Starbucks, Kaufhof geht. Wo gibt es die denn NICHT?! Es werden 800 Voll- und Teilzeit Arbeitsplaetze versprochen. Mag sein, aber mal schauen, was davon 400 Euro Jobs sind, oder Niedriglohn-Jobs, wo der Wachmann am Ende 3,5 die Stunden bekommt. Werden die neu geschaffen oder wandert der Job von der Peripherie ins Zentrum ab? Werden lokale Bewerber bevorzugt? Und, toll, Parkplaetze. Natuerlich sind die bequem-und natuerlich genau das Gegenteil von nachhaltiger Stadtplanung. Doof mit dem Auto bis vor die Tuer fahren. Bloss kein OEPNV oder Fahrrad. Jaja, geht nicht, ist zu stressig blabla. Aber vielleicht gibt es ja Studien die den Nutzen belegen koennen-es widerspricht nur dem kritischen intuitiven Verstaendnis, dass EZs Innenstaedte ‘beleben’ koennen.

  • #13
    dr_Opir

    Man mag von diesem Shoppingcenter halten, was man will. Richtig aufregen tut mich die hier zum wiederholten Male formulierte Klage, es würde den Bürgern ihren öffentlichen Raum wegnehmen bzw. diesen “unattraktiv” machen. Möchten die Damen und Herren ruhrbarone gerne auf der Straße leben, oder was? Öffentliche Räume gibt es zuhauf in Dortmund, die Frage ist nur, was man davon hat, wenn man z.B. keine Wohnung hat oder auch nur kein Geld, um an den öffentlichen Angeboten teilzunehmen oder sich halt mal was zu kaufen in so einer Einkaufsstraße. Dass sowas zu Bettelei führt und Bettelei den Kapitalisten ein Dorn im Auge ist, ist doch wohl selbstverständlich, das Klagen darüber überflüssig und zynisch. Zu klagen wäre darüber, dass es überhaupt Armut gibt – um dann, im nächsten Schritt, eine politökonomisch fundierte Kritik des Kapitalismus’ zu leisten und diesem das Handwerk zu legen.

  • #14
  • #15
    Berry

    97 % vermietet laut ‘der Westen’
    http://www.derwesten.de/staedte/dortmund/Parken-fuer-1-Euro-in-der-Thier-Galerie-am-Dortmunder-Westenhellweg-id4844242.html

    ist das ‘schleppend’?

    Ist das gut recherchiert oder eher schlampig?

  • #16
    Berry

    Und hier die Frequenz: ca 65.000 Passanten täglich
    http://www.derwesten.de/staedte/dortmund/Stadt-prueft-Auswirkungen-der-Thier-Galerie-id4840398.html

    Sollte da 10% runter gehen…na und? Der Westenhellweg is zu 95% voll mit H&M und co. Ich glaube, die können alle auf dieses Pseudo Mitgefühl verzichten. ;-D

  • #17
    Berry

    Teekay, es sollte auch Geschäft mit Lakritz aus Holland geben. Haupt- und Nebensachen unterscheiden muss man können.

  • #18
    Stefan Laurin

    @Berry: Total egal. Nur wenn diese zehn Prozent sich in zehn Prozent weniger Umsatz niederschlagen kann dass das Ende eines Unternehmens bedeuten. Denn dann kann der Gewinn weg sein. Und warten wir mal zwei-drei Jahre ab. Dann ist die Dortmunder Innenstadt hinüber. Aber was solls: Dortmund ist gelaufen. Es geht darum, dass weitere Innenstädte nicht das gleiche Schicksal teilen werden, das Dortmund vor sich hat.

    Gutes Video: http://www.leer-braucht-leer.de/video/136872246380627

  • Pingback: Links anne Ruhr (14.07.2011) – heute mal als “late edition” » Pottblog

  • #20
    Berry

    Ihr vermittelt immer den Eindruck, die Dortmunder Innenstadt wäre voll mit Tante Emma Lädchen. Das ist nicht so.

    Die Tante Emma Lädchen, die es noch gibt, haben zu kämpfen mit dem Internet. Die Dortmunder Innenstadt besteht aus Ketten. Und die brauchen keine Pseudo Anteilnahme (ich fange an, mich zu wiederholen)

  • #21
    Stefan Laurin

    @Berry: Natürlich hat Dortmund einen hohen Filialisierungsgrad. Aber noch findet auch dr Einkauf an Orten statt, die für alle zugänglich sind. Noch ist das eine normale Stadt mit allen Problemen und allen guten Seiten. Bald dominiert ein überdachtes Center ist das viele gar nicht mehr hineinkommen – zum Beispiel Verkäufer des Straßenmagazins BoDo – und der Rest der Stadt wird vergammeln.

  • #22
    Arnold Voss

    @ Berry

    Wer auf den Schultern eines Riesen sitzen darf hat eine Menge Spaß, wer von ihm zertreten wird weitaus weniger.

    http://www.ruhrbarone.de/der-staubsaugereffekt-oder-warum-shopping-malls-so-erfolgreich-sind/

  • #23
    Berry

    Stefan, du kannst mir gerne alle Links von ‘euch’ zu diesem Thema zukommen lassen. Lieber hätte ich den Link von dem Artikel aus dem Westen bekommen, wo dieser Artikel hier oben auf aufgebaut wurde.

    Mit dem Riesen meint ihr euch selber, ne?

  • #24
  • #25
    Stefan Laurin

    @Berry: Nein, der Riese meint ein Einkaufszentrum. Bescheidenheit ist sicher nicht unsere hervorstechendste Eigenschaft, aber komplett irre sind wir auch nicht 🙂 Und mein holländisch ist nicht besonders gut – kannst Du “hoor en wederhoor” bitte übersetzen?

  • #26
  • #27
    Arnold Voss

    @ Berry

    Ein Einkaufszentrum ist ab einer bestimmten Größenordnung immer ein überragender Attraktor (Riese). Wer in seiner unmittelbaren Nähe angesiedelt ist kann davon natürlich profitieren, erst recht wenn er etwas anbietet, was im EKZ selber nicht zu bekommen ist (Zwerg auf der Schulter des Riesen).

    Wer jedoch im weiteren Umfeld, und damit im Kaufkraftabsaugegebiet eines solchen Zentrums liegt, ist einem gnadenlosen Verdrängungswettbewerb ausgeliefert. Erst recht wenn die Gesamtkaufkraft nicht steigt. Aber so ist Marktwirtschaft nun mal.

    Aber natürlich haben sie mich gleich von Anfang an richtig verstanden, nicht wahr. 😉

  • #28
    Dirk Haas

    Vor hundert Jahren, als Hermann „Hertie“ Tietz, Salman Schocken oder Georg Wertheim ihre großen Warenhäuser errichteten, gab es die gleiche Debatte schon einmal. Die Kaufhäuser wurden jedoch schnell zu Insignien des Großstädtischen; sie haben die Innenstädte verändert, nicht gekillt.
    http://einestages.spiegel.de/static/topicalbumbackground/4281/kathedralen_des_kaufrauschs.html

    Nun muss man sicherlich zugestehen, dass die heutigen ECE-„Galerien“ weit entfernt sind von den stadtästhetischen Qualitäten, wie sie seinerzeit gang und gäbe waren. Allerdings besitzen sie die schöne Eigenschaft, alle jene Markenshops und Filialen zu konzentrieren und einzuhausen, die ansonsten die Innenstädte zu langweiligen shopping strips der immergleichen Läden und Signets machen. Bislang wird das noch – wie hier – als Niedergang empfunden. Womöglich ist es aber nur die kreative Zerstörung einer stadtentwicklerischen Sackgasse, die seit Jahrzehnten Innenstädte als von Fachgeschäften flankierte Fußgängerzonen begreift.

  • #29
    Stefan Laurin

    @Dirk: Über das Argument habe ich auch lange nachgedacht. Und Dir Fußgängerzonen sind zur Gänze auch nichts schützenswertes – spätestens wenn wir neue Mobilitätsformen haben werden sie zu Störfaktoren (E-Mobilty). Aber man kann die Einkaufszentren schlecht mit den Kaufhäusern vergleichen. Die Kaufhäuser waren die ideale Warenpräsentation für industriell gefertigte Massenware. Der Schneider kam mit einem kleinem Raum aus, denn er fertige die Hosen einzeln und maßgeschneidert. Wer 30 verschiedene Hosen und 20 verschiedenen Größen anbietet braucht schlicht mehr Platz. Die Warenhäuser waren also eine logische Konsequenz der Industrialisierung – die traditionellen Einzelhandels- und Handwerskstrukturen waren nicht in der Lage darauf zu reagieren. Später brachen die Kaufhäuser weg, es kamen die spezialisierten Ketten. Ein noch größeres Angebot als im Kaufhaus und das für eine spezielle Zielgruppe. (Fast jedes H&M ist größer als die traditionelle “Junge Mode” Ecke in einem Kaufhaus.) Auch hier folgte der Handel der Produktion. Die EKZs sind etwas anderes. Sie sind vor allem getrieben durch die Investitionswünsche von Großanlegern (Zum Beispiel unseren Lebens- Riester- und Rürup-Versicherungen) die nach einer sicheren Anlagemöglichkeit suchen. Und sie haben ihren Grund in der Blödheit vieler Immobilienbesitzer, die nicht verstehen, dass man auch in innerstädtische Immobilien investieren muss, um dem Handel die Flächen zu bieten die er will. Um die geht es mir auch nicht. Mir doch egal, wenn irgendein Immobilienerbe bald weniger Geld hat, weil ECE oder mfi in seiner Nachbarschaft bauen – schade nur, dass dabei nicht nur die Fußgängerzone sondern die Innenstadt als öffentlicher Raum auf der Strecke bleiben.

  • #30
    Berry

    Dirk hat absolut recht.
    Die innenstadt sollte es es chance sehen. Und genau das wird passieren, wenn sie in die Hände spuckt.

    Vor 25 Jahre gab es ein Geschäft ‘Power Records’ in der Stadtmitte. Mit einem genialen Verkäufer ‘Ulli’. Viel Ahnung von Musik und er hatte immer Vorschläge, welche Musik gut für mich war.

    Dann kam Saturn. Mehr Auswahl, aber eine beschissene Informationspolitik. saturn schluckte Power. (ich bin den ‘Ulli’ noch lange Zeit bis Essen gefolgt)

    Vor kurzem gab es eine Kamera für 4.000,– Euro bei Saturn. Die wollte ich mr kaufen. Im Internet kostete diese Kamera 2.7000,- Euro. Auf Nachfrage war Saturn bereit 400,– Euro nachlass zu geben.

    Aber sauer das sie waren! Sie haben sich über die Intergeschäfte aufgeregt. Kkein Service, keine Verkaufsflächen usw.

    Fazit: Saturn schluckte ‘Tante Emma’ und jetzt gibt es den Gegenangriff von ‘Tante Emma’ über das Internet.

    Karstadt Einrichtngshaus hat bereits geschlossen. Möglicherweise wird es mehr Riesen geben, die aufhören. Dadurch werden die Ladenmieten senken. Eine Chance für die Inhabergeführte Branche.

  • #31
    Dirk Haas

    @Stefan, nur zu einem Aspekt: Shopping Malls gibt es im Ruhrgebiet seit den 1970er Jahren; das von Dir angeführte, Anlagemöglichkeiten suchende Kapital der Versicherungen und Pensionsfonds spielte seinerzeit keine wesentliche Rolle (richtig ist, dass es jetzt die Entwicklung massiv befeuert).

    Die vielen Ambivalenzen und Widersprüchlichkeiten, die mit dem Thema verbunden sind, bringt gerade die Biografie Victor Gruens, des „Erfinders“ und später so leidenschaftlichen wie erfolglosen Gegners der Shopping Mall, sehr gut zum Ausdruck. Wer ein wenig Zeit und Interesse hat, mag sich die 50-minütige Doku („Der Gruen Effekt: Victor Gruen und die Shopping Mall“) anschauen:

  • #32
    dr_Opir

    @Stefan Laurin: Wenn Sie mit Gähnen fertig sind, können Sie ja mal damit anfangen zu erklären, weshalb von Armut und Obdachlosigkeit betroffene Menschen “attraktive Innenstädte” brauchen, die ihnen “gehören”*. VIEL SPASS dabei.

    *: Das ist ja sowieso die Härte. Wir haben ein Wirtschaftssystem, das auf Privateigentum basiert und daher ständig Leute systematisch vom produzierten Reichtum ausschließt. Und diesen Leuten wollen Sie “helfen”, indem Sie gegen ein neues Einkaufszentrum protestieren, gegen eine logische Folge dieses Wirtschaftssystems, gegen das Sie aber TROTZDEM nichts einzuwenden haben! Es ist so lächerlich, absurd, irre, dass man schreien könnte: Alltag im Kapitalismus.

  • #33
    Stefan Laurin

    @dr_opir: Zum Beispiel um Straßenzeitungen zu verkaufen. Aber ich finde es auch gut, wenn in einer Innenstadt die verschiedenen Gruppen zusammenkommen und nicht Teile der Bevölkerung grundsätzlich ausgeschlossen sind. Dann: In Einkaufszentren gibt es keine Demonstrationen, keine Stände von Gruppen – die Stadt ist auch ein Kommunikationsraum. Den zu bewahren ist mir wichtig. Zur Armut: Es gibt kein erfolgreicheres Mittel zu Bekämpfung von Armut als Kapitalismus und Demokratie. Die wohlhabendsten Gesellschaften der Welt sind kapitalistische Demokratien. Und selbst die Armen verfügen hier über ein Maß an Wohlstand (Krankenversorgung, Bildung, Wohnraum) das weit über dem Lebensstandard der meisten Menschen liegt. Obdachlosigkeit hat viele Gründe – die Mieten nicht mehr zahlen zu können ist in den seltensten Fällen der Grund dafür, die Wohnung zu verlieren. Deswegen brauchen Obdachlose auch vielfältige Hilfsangebote um aus ihre schwierigen Lebenssituationen zu bewältigen. Sozialismus zähle ich mal nicht dazu…

  • #34
  • #35
    Arnold Voß

    @ Dirk Haas

    Als die klassischen Kaufhäuser aufkamen geschah das im Rahmen eines unglaublichen und langen Wachstumsschubs der kleine Städte zu großen und große zu Metropolen machte. Die Mall-Welle die seit einiger Zeit über Europa schwappt trifft mehrheitlich auf Städte und Regionen ihn denen genau das Gegenteil der Fall ist.

    Es gibt in Wachstumphasen die Art der Innovation die der berühmte Ökonom Schumpeter mal sehr treffend als produktive Zerstörung bezeichnet hat. In Schrumpfungsphasen sind Innovation natürlich erst recht notwendig. Sie können dann allerdings ihre zerstörerische Seite weitaus mehr und schneller entfalten, so dass ihre produktive im Ernstfall ganz entfällt.

  • #36
    Dirk Haas

    Arnold, schau Dir an, wo z.B. ECE seine Center baut und betreibt, und Du wirst Deine Vermutung revidieren. Es ist keine Frage von Wachsen oder Schrumpfen, die Mall in Dubai fällt nur anders aus als die Mall in Dortmund.

  • #37
    Arnold Voß

    Sorry Dirk, aber Dubai liegt eindeutig nicht in Europa und befindet sich in in einer schon länger anhaltenden Wachstumssituation.

    Ich wollte doch nicht sagen, dass Malls in Wachstumsituationen nicht funktionieren. Ganz im Gegenteil. In solchen Situation richten sie auch kaum städtischen Umfeldschaden an. Sie können sogar das Gegenteil bewirken. Bei Städten die sich auf dem absteigend Ast befinden beschleunigen sich in der Regel den Niedergang und profitieren gleichzeitig davon.

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