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WDR-Kritik: „Tom Buhrow ist verkommener als jeder Bank-Chef“

Tom_Buhrow

Tom Buhrow Foto: Raimond Spekking Lizenz: Copyright/CC BY-SA 4.0

Der WDR will seine Kunstsammlung verkaufen und erntet dafür Kritik. Am deutlichsten wird diese wohl von dem emeritierter Wuppertaler Professor für Ästhetik und Kulturvermittlung Bazon Brock formuliert. Sein Interview mit Detektor.FM, einem sowieso empfehlenswerten Internet-Radio aus Leipzig, ist ein Generalangriff auf den WDR und seinen Intendanten Tom Buhrow.  Brock geißelt die Verlogenheit des Senders, rechnet mit dessen Arbeit ab, lässt sich kaum unterbrechen und explodiert fast vor Wut. Jede Formulierung sitzt. Wer aus NRW kommt kennt solche Interviews im Radio nicht, kennt nicht diese Qualität. Detektor.FM zeigt, was Radio sein kann und präsentiert den wohl wichtigsten Beitrag zur Debatte um den Verkauf der WDR-Kunstsammlung. Hört es Euch bitte an – zehn Minuten, die ihr nicht bereuen werdet, auch wenn man wie ich inhaltlich die Kritik am Verkauf der WDR-Kunstammlung nicht teilt. Es ist einfach großes Radio…

Hier geht es weiter zu Detektor.FM: „Ich habe noch nie etwas so Empörendes gehört!“

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13 Kommentare zu “WDR-Kritik: „Tom Buhrow ist verkommener als jeder Bank-Chef“

  • #1
  • #2
    Arnold Voss

    Viel deutsche Professoren kuschen genauso wie die meisten Redakteure des WDR. Wie schön, dass da wenigstens ein emeritierter aus der Reihe springt und Tacheles redet. Bin gespannt wieviele seinesgleichen ihm öffentlich beispringen werden. 🙂

  • #3
    Gerd

    Ho, Ho, Ho! Derart hört man im staatlichen Rundfunk in der Tat nicht. … Auch wenn ich der Meinung bin, dass besagter staatlicher Rundfunk sich die Kunst erst gar nicht hätte kaufen dürfen.

  • #4
    Alreech

    die Verkommenheit von Bankchefs und anderen Geldverleihern ist ja allgemein bekannt, diese Menschen sind schlimmer als Zuhälter, Menschenhändler oder Väter die Frau und Kinder sitzen lassen…
    Jedenfalls ist es gut gleich zu Beginn der Argumentation dem Gegenüber mangelhaftes ethisches Bewußtsein vorzuwerfen, damit kann man gleich für sich eine moralische Überlegenheit reklamieren die gegen Kritik immunisiert.

    Ich halte den öffentlich rechtlichen Rundfunk durchaus für Kritikwürdig, aber moralische Verkommenheit ist eines der wenigen Dinge die man diesem System nicht vorwerfen kann.
    Im Gegenteil, sich im Glanz der eigenen überlegenen Moral zu sonnen bekommen die öffentlich rechtlichen auch hin – immerhin sind es sie die dank Demokratieabgabe verhindern das unsere schöne Republik über Nacht zur Diktatur mutiert.

  • #5
    Albert

    Also, "Jede Formulierung sitzt" finde ich ein bisschen übertrieben, Brock spuckt halt 10 Minuten ziemlich hilflos und empört rum und entspinnt am Ende seine Ästhetik wie ein Irrer.

    Aber danke für den Link, Brock in Rage ist super.

  • #6
    TuxDerPinguin

    Unterhaltsam. Aber ich finde ehrlich gesagt, dass es ne gute Idee ist, dass der ÖR seine Kunstschätze mit hohem Marktwert verkauft. Die sollten ja eh abspecken und bescheidener werden, sich mehr auf ihre Kernthemen konzentrieren und mit den Krimis, den Jauchs und Co aufhören.

  • #7
    Arnold Voss

    Man muss eine Meinung nicht teilen, um sie zu veröffentlichen. Das erste was Tom Buhrow jetzt tun sollte, ist die Veröffentlichung dieses Interviews bei seinem WDR. Dazu die Einladung zu einer Diskussion, an der er selbst teilnimmt. Wieso kann ich mir aber beim besten Willen nicht vorstellen, dass das auch wirklich geschieht? Weil Brock trotz teilweise unangemessenem Furors mit der grundsätzlichen Einschätzung von Buhrow recht hat?

  • #8
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @TuxDerPinguin: Ich seh auch kein Problem darin, die Werke zu verkaufen. Aber Spaß macht es, das Interview zu hören 🙂

  • #9
    Uwe Schulz

    Problemlos ließe sich einer finden, der das Eigentum des WDR an solcher Kunst ähnlich haltlos geißeln würde. Ein Unternehmen dieser Größe und seine Akteure lassen sich mühelos als Popanze karikieren, an denen Partikularbegabte dann ihre Mütchen kühlen. Wem, außer der allfälligen Unterhaltungsgier, ist solche Rhetorik zuträglich? Als Mitarbeiter des WDR erlebte ich noch nie den behaupteten Dirigismus, vermehrt aber eine Kritikkultur im Publikum, die sich stilistisch auf dem hier zu hörenden Level (also unter N.N.) bewegt. Mit graut nicht vor Buhrows Leitungskultur, wohl aber vor solcher Pseudodiskussionskultur, die hier auch noch gefeiert wird.
    Kann ich auch liefern: "Alles Schlampen, außer Mutti!" Witzig, ne? Passt auf Banken, Kulturschaffende, Kardinäle, den lauten Nachbarn, Griechen, Sachsen, den NDR … Applaus bitte! Wo bitte geht’s zur Sachdebatte?

  • #10
    Alreech

    der Verkauf der Kunstwerke ist o.k, aber wie ist der ursprüngliche Erwerb der Kunstwerke durch den WDR zu bewerten ?
    Wie paßt diese Kunstsammlung mit den Auftrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks zusammen ? Haben sich Buhrows Vorgänger eventuell sogar der Untreue schuldig gemacht, als sie Gelder die für die Finanzierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks bestimmt gewesen sind für Kunstwerke ausgegeben haben ?

  • #11
    DL2MCD

    Naja. Man kann an Intendanten vieles bemeckern, aber Grundsätze wie "Unsere Mitarbeiter sollen keine Familienbilder im Zimmer haben, sondern Kunst" oder "Einnahmen aus der Rundfunkwerbung sind in Kunst zu investieren" sind in der heutigen Zeit schon etwas zu hinterfragen, so gut sie mal gemeint gewesen sein mögen. Das war vielleicht mal sinnvoll. Aber heute führt es nur dazu, daß Kunst weggesperrt ist und nicht besichtigt werden kann.

    Wenn ich die Wahl habe, ob der Kölner Sender meinen Paypal-Account und damit die Verfügung über mein Bankkonto übernimmt und plündert oder einst günstig gesammelte Kunst verkauft, um seine Finanzen zu regeln, bin ich ganz egoistisch und bevorzuge die zweite Variante.

    Der Rant des Prof. ist allerdings tatsächlich hörenswert. Zumal Fritz Pleitgen ja immer so gegen die DDR schimpfte, aber geistig auf demselben Level agierte… 🙁

    http://www.heise.de/tp/artikel/9/9814/1.html

    Zu Buhrow finde ich es allerdings etwas übertrieben, so zu stänkern. Auch wenn er Eva-Maria Michel lobt. Aber er ist m.E. noch nicht lang genug Intendant, daß man so eine klare Meinung haben kann.

    Schlimmer ist, daß immer noch Fritz Pleitgen aktiv ist:

    https://schreibenfuergeld.wordpress.com/2015/04/09/supernerds-oder-bock-gartner/

  • #12
    abraxasrgb

    @ #11 Arnold … Hast Du schon einmal Brock bei einer Podiumsdiskussion erlebt? Der fegt auch andere Redner von der Bühnel, die dann beleidigt und wutschnaubend – inhaltlich desavouiert – davon rennen. Wenn Buhrow kein intellektueller Masochist ist oder ein Denker vom Format Brocks (was ich für höchst unwahrscheinlich halte) dann sollte er diese Konfrontation meiden.
    Ich mag den Furor und die denkerische Passion Brocks sehr! Er ist eines der wenigen denkerischen Unikate und ein spannender Grenzgänger zwischen WIssenschaft und Kunst. Ein Intellektueller in der Tradition Emile Zolas (J´accuse).
    Wie er auf der Bigotterie des "Rotfunks" herumreitet, hat mich stellenweise laut lachen lassen.
    He made my day!

  • #13
    Kommentar

    Nun, in dieser Diskussion muss erstmal hintefragt werden, wie denn die Anschaffung dieser Kunstwerke von öffentlich-rechtlichen Anstalten, deren Ursprungsauftrag die Versorgung der Bevölkerung mit einem hochwertigem und thematisch breitem Fernsehen und Rundfunk besteht, aus unfreiwilligen Zwangsabgaben finanziert, überhaupt jemals zu rechtfertigen war.

    Neben wenigen immer noch hochwertigen Sendungen die einstweilen in der Minderzahl sind, besteht das Programm des WDR ebenso wie dessen Schwesteranstalten nur noch aus Inhalten die ebenfalls nicht mehr zu rechtfertigen sind.

    Vielmehr baut der WDR seit etlichen Jahren die Nachrichtensendungen ab, die verbliebenen Nachrichtensendungen haben keine nennenswere journalistische Qualität mehr, die Themenauswahl nicht abhängig von Nachrichtewert, dem Auftrag der unabhängigen politischen Meinungsbildung, sondern von den persönlichen Animositäten und Vorlieben der sendungsverantwortlichen diensthabenden Redakteure. Der WDR hält einen immensen Fuhrpark an Übertragungstechnik vor, bei dem die Entscheidungen wann und für welche vollkommen belanglosen Themen dieser zum Einsatz kommt nicht mehr nachvollziehbar erscheint. Unmengen an Zwangsbeiträgen werden in Umrüstungen von Studios gesteckt, deren Ausbaustand bereits zu Beginn der Planungen technisch hoffnungslos veraltet ist.

    Bei Ankäufen von freiem Nachrichtenmaterial werden die Produktionsfirmen unter Druck gesetzt, gegeneinander ausgespielt, immer das billigste Material welches oftmals auch das schlechtere ist angekauft, Nutzungsrechte aus den Produktionsfirmen herausgepresst mit Verträgen die man (zumindestens moralisch) bestenfalls als sittenwidrig und verwerflich betrachten sollte, Rechte für die Veröffentlichung im Internet nicht erworben um den Preis zu drücken. Bei Ankauf für die Aktuelle Stunde wird das Material ohne zusätzliche Honorarzahlungen auch in den jeweiligen Lokalzeiten gesendet. Etwas polemisch ausgedrückt: Am Monatsanfang kommt die Aussage das Budget für Ankäufe ist schon ausgeschöpft.

    Hoch bezahlte Mitarbeiter des WDR sind sich nicht zu schade bei Presseagenturen und Fotografen anzurufen und um die Zusendung von Fotomaterial zu bitten – honorarfrei (sic!) und zeigen sich voller Unverständnis darüber, dass einem selbständigen Journalisten als Bezahlung die Einblendung des Namens (Anm. d. Autors: Auf die Benennung des Urhebers hat dieser sowieso einen gesetzlichen Anspruch) nicht ausreicht (sic!).

    Angesichts solcher Fragen darf die Diskussion darüber, ob eine öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt sich von wertvollen Kunstgegenständen trennen darf oder sollte in einem anderen Licht geführt werden.

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