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Werder hat Zukunft

Thomas Hakfe vor dem Stadion von Werder Bremen Foto: Privat

Unser Gastautor Thomas Hafke hat sich Gedanken über Werder Bremen gemacht.
Werder Bremen hat die richtigen Entscheidungen getroffen und Florian Kohfeldt’s Vertrag bestätigt, weder Baumann entlassen noch Bode aus dem Aufsichtsrat geworfen, obwohl die abgelaufene Saison einem Desaster glich. Jetzt ist eine neue Ära eingeleitet. Ich bin gespannt wie sich der Verein in den nächsten Jahren entwickeln wird. Die richtigen Weichen wurden gestellt. Werder hat ein professionelles Team, dass Erfahrung sammeln und aus Fehlern lernen konnte. Florian Kohfeldt hat das bei seiner letzten Pressekonferenz beeindruckend bestätigt, als er seine und die Fehler anderer schonungslos beschrieb. Nun hat er ausreichend Zeit bekommen eine gute Mannschaft zu entwickeln, wenn sein Vertrag bis 2023 gültig bleibt. Mit dieser Entscheidung hat der Verein sich für sportliche und finanzielle Stabilität entschieden und hat auf diese Weise Zukunft gewonnen.

Damit haben sich nicht die durchgesetzt, die glauben Profifußball bestehe aus entlassen und kaufen von Spielern oder Trainern – je nach Tabellenstand oder Saisonziel. Diese Zeiten scheinen nun endgültig vorbei, denn ein Trainer ist im heutigen Fußball nur Teil eines Teams, dass funktionieren muss, um überhaupt in der ersten Liga mitspielen zu können. Wie sich herausgestellt hat, hat es an dieser Stelle in der Vergangenheit bei Werder gehapert, wie beispielsweise die Verletzungsmisere gezeigt hat. Der Verein wird deswegen einen Teammanager einstellen und einige Veränderungen in Teilbereichen des ganzen Teams vornehmen wo es nötig ist. Der Trainer wird damit entlastet und kann sich stärker seinen Aufgaben widmen. Team, das heißt heute eben nicht mehr nur die Mannschaft, sondern auch alle, die für sie verantwortlich sind.

Wenn ich das richtig beurteile ist die Fanszene Werder zum größten Teil gefolgt. Obwohl es hier natürlich Anhänger gibt, die die Zeichen der Zeit nicht erkannt haben und immer noch glauben, dass man irgendeinen erfolgreichen Trainer verpflichtet und alles wäre gut. Wahrscheinlich stellen sie sich diesen als Zampano vor, „der mal so richtig aufräumt damit der Laden wieder läuft“ – bis zum nächsten Mal. Dabei  sind die Medien an dieser Auffassung mitschuldig, die ständig Trainer hoch und runter schreiben. Es ist schon witzig mit anzusehen wie sich dann in Fanchats darüber ernsthaft gestritten wird, welcherTrainer es denn sein solle. Irrelevanter können Diskussionen kaum sein. Witzig auch, dass dabei nie bedacht wird, wie der Verein das alles bezahlen soll. Scheinbar glauben einige im Keller des Weserstadions steht eine Gelddruckmaschine, die man nur ab und zu nur anwerfen muss.

Dies ist eigentlich auch das größte Problem des Vereins. Sie haben die Maschine eben nicht. Denn Bremen ist keine Metropolregion, sondern liegt eher in einem strukturschwachen Gebiet. Das heißt, anders als eben München kann Werder keine Mittel – beispielsweise durch Sponsoring – generieren, um große Spieler und Trainer zu finanzieren. Es sei denn die Millionen fließen aus der Championsleague, die für finanziell schwache Vereine wiederum schwer zu erreichen ist. Da beißt dich dann die Katze in den Schwanz. Dieser strukturelle Nachteil wird sich auch in Zukunft nicht ändern und Werder immer wieder vor schwierige Aufgaben stellen. Dass in Bremen Erstligafußball gespielt wird, ist deshalb das erste Wunder von der Weser. Ein Wunder, dass wir der Geschicklichkeit der Vereinsführung seit 1963 zu verdanken haben.

Die Frage, die sich letztlich stellt, ist auch die nach der Struktur der Bundesliga. Kann überhaupt noch attraktiver Fußball in der Bundesrepublik gespielt werden, wenn sporthistorisch und von den Anhängern her gesehen große Vereine überhaupt keine Chance mehr haben Meister zu werden? Da müssen sich DFL und DFB dringend etwas ausdenken.

Thomas Hafke ist Diplom Sozialwissenschaftler und seit über 32 Jahren in der Jugendarbeit tätig. 30 Jahre davon war er im Fan-Projekt Bremen aktiv, wo er mit Jugendlichen Werderfans (Kutten, Hooligans und Ultras) beschäftigt war. Wobei er zwischenzeitlich beim VfB Oldenburg mit Fußballfans und in Delmenhorst mit Skinheads arbeitete. Hinzu kam die Begleitung der Fans der Deutschen Nationalmannschaft ins Ausland. In Oldenburg hatte er das Glück mit Rudi Assauer zusammenarbeiten zu dürfen. Außerdem hat er in dieser Zeit diverse Lehraufträge an der Universität und Hochschule Bremen und an der Hochschule für öffentliche Verwaltung (Studiengang Polizei) durchgeführt. Heute ist er in der Jugendwohngruppenarbeit tätig, wo er mit Risikojugendlichen betraut ist. Sein Gebiet ist die Jungenarbeit.

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