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Widerstand gegen das Kraftwerk ‚Datteln 4‘? Da war doch mal was….

#FridaysforFuture macht dann mal Pause. Foto: Robin Patzwaldt

Es ist schon extrem, wie sehr sich die Nachrichtenlage in den vergangenen Tagen verändert hat. Es scheint in den Köpfen der Leute nur noch um das Thema Corona-Virus zu gehen. So berechtigt diese Sorgen natürlich sind, die Entwicklung hat auch Folgen für Themen, an denen in diesen Tagen niemand mehr so richtig Interesse zu haben scheint, die bis vor Kurzem aber noch zum Aufreger taugten.

Ein kurzer Blick in den Himmel reicht, um festzustellen, dass dort urplötzlich kaum noch Flugzeuge zu sehen sind. Die Straßen sind viel leerer. Von Staus ist im eigentlich verkehrsgeplagten NRW aktuell auch nicht mehr viel zu sehen.

Alles Dinge, auf die die Umweltbewegung lange hinwirkte, dabei aber aus ihrer Sicht keine nennenswerten Erfolge verbuchen konnte, weil die Leute ihnen in ihrem Alltag nicht in ausreichend großer Zahl zu folgen bereit waren. Plötzlich ist alles anders. Die Immissionen sinken. Aus ganz anderen Gründen. Es herrschen Ausgangsbeschränkungen. Die Natur freut sich. Die Wirtschaft leidet.

Weniger erfreut sein über diese völlige Verschiebung der Prioritäten in diesem Lande dürften auch die Kritiker des Kraftwerks Datteln 4 sein. Hatten sie noch vor wenigen Tagen auf einen sich verstärkenden Widerstand gegen das umstrittene neue Kohlekraftwerk im Kreis Recklinghausen gesetzt, ist das Vorhaben von Uniper Deutschlands vermutlich letztes Steinkohlekraftwerk im Sommer 2020 in Betrieb zu nehmen, plötzlich in breiten Teilen der Bevölkerung wieder einmal gar kein Thema mehr.

Demos von ‚Fridays for Future‘ sind in Zeiten des Corona-Virus schlicht auf Sicht gar nicht durchzuführen, das Interesse der Öffentlichkeit hat in diesen Tagen urplötzlich wieder ganz andere Schwerpunkte als Importkohle oder gar die Frage, ob es denn aktuell wirklich noch sinnvoll ist dieses juristisch umstrittene Kraftwerk am Ende tatsächlich noch in Betrieb gehen zu lassen.

Wurde der Umweltbewegung und den Aktivisten von ‚Ende Gelände‘ noch vor Tagen von vielen Seiten recht gute Chancen eingeräumt das Projekt in Datteln am Ende doch noch zu Fall zu bringen, weil breite Teile der Bevölkerung auch dagegen waren noch ein neues Kohlekraftwerk in Betrieb zu nehmen, dürften die Chancen auf einen Erfolg des Protests nun auf nahezu Null gesunken sein.

Die große Mehrheit der Leute in diesem Land wird sich aktuell viel sehnlicher wünschen, dass möglichst viele Industriebetriebe in Funktion gehen oder bleiben, der Schaden, den das Virus in der Wirtschaft anrichtet, dadurch möglichst gering bleibt.

Über Umweltschutzaspekte wird in den kommenden Monaten, vielleicht sogar Jahren, mit Sicherheit deutlich weniger gesprochen werden, als noch zuletzt.

Für diejenigen, die die Entwicklung rund um Datteln 4 seit Jahren verfolgen, kommt das nicht gänzlich überraschend. Es ist nur eine weitere Wendung in der Angelegenheit, die seit weit mehr als zehn Jahren schon viele interessante Stories geliefert hat. Und die Chancen stehen gut, dass es nicht die letzte Überraschung im Ablauf der leidigen Angelegenheit war….

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6 Kommentare zu “Widerstand gegen das Kraftwerk ‚Datteln 4‘? Da war doch mal was….

  • #1
    Helmut Junge

    Nein, da war nichts. Ein paar hundert Bewegte und viel Medienrummel um sie, weil der Rest der Republik so langweilig war. Jetzt haben die Medien genug Themen und können wählen. Der wirklichen Bedeutung gemäß werden solche Minibewegungen dann nicht mehr wahrgenommen.

  • #2
    Thomas Weigle

    Wenn ich weiß, dass ich spätestens in zwei-drei Jahren neue Niere brauche, dann beschäftigt mich das ungemein. Erleide ich aber morgen einen Herzinfarkt, dann überstrahlt der alles andere, auch die Sorge um die Niere tritt erst mal in Hintergrund. Ist das Herz wieder stabil, ist wieder die Niere dran, oder wie in meinem Fall die Hüftgelenke. Genau so ist es mit dem Klima, etc und dem Virus. Aber das ist natürlich eine schöne Gelegenheit, auf all die unliebsamen Mahner und Protestler einzuteufeln.

    Ich glaube, dass v.a. die Frage auftauchen wird, wieso das Virus so holterdipolter in die ganze Welt kam. Vielleicht wird ja auch eine Folge sein, dass die Globalisierung und der ungehemmte Austausch von Personen und Waren genauso schwer oder noch schwerer in die Kritik kommt als die Klimaveränderung und die pestizide Landwirtschaft. Tote, viele Tote gar, können ganz andere Ergebnisse zur Folge haben, als sich das so manch flotter Rechner im Augenblick vorzustellen vermag. Wie schon an anderer Stelle gesagt: Die Messen sind noch lange nicht gelesen.

  • #3
  • #4
    Thomas Weigle

    Genau das habe ich gesagt, d.h. aber nicht, dass die anderen Probleme nicht wiederkommen, was hier ja schon des öfteren etwas voreilig in den Raum gestellt worden ist und wird.

  • #5
    Helmut Junge

    Alle Probleme, die nicht gelöst wurden, kommen wieder. Aber bei jeder Problemlösung gibt es Helden, die dann auch später gefragt werden, und es gibt Antihelden, die sich als unfähig gezeigt haben, das vorhergehende Problem zu lösen. Die werden später kaum noch gefragt. Und das ist gut so.

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