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Kohle-Kraftwerk ‘Datteln 4’: Auch 2020 ein Grund für Politikverdrossenheit

Das Kraftwerk ‘Datteln 4’ aus der Luft. Archiv-Foto: Wolfgang Porrmann

Ein in den vergangenen Monaten bedingt durch die Corona-Pandemie auch hier bei uns im Blog etwas vernachlässigtes Thema ist das Kraftwerk ‚Datteln 4‘, das in diesem Sommer in den Regelbetrieb ging, juristisch hinter den Kulissen aber noch immer umkämpft ist.

Ein kurzer Rückblick auf die Ereignisse des Jahres 2020, rund um den umstrittenen Kohle-Meiler im Kreis Recklinghausen zeigt, dass die Profis vom Bauherren E.On/Uniper gegenüber den Amateuren, die den Bau einst über Jahre verzögert hatten, ihn letztendlich aber nicht aufhalten konnten, so langsam die Oberhand zu gewinnen scheinen.

Von den Kritikern von einst war nämlich zuletzt so gut wie nichts mehr zu hören. Na ja, bis gestern Abend zumindest.

Plötzlich tauchte mit Rainer Köster, dem Vertreter der IG Meistersiedlung (den im Kampf gegen das Kraftwerk organisierten Nachbarn des Meilers), nämlich erstmals wieder ein Kritiker des Vorhabens öffentlich in Erscheinung, als er in der WDR Lokalzeit Dortmund zu Gast war.

Köster trat dort nach einem Film in einem längeren Studiointerview in Erscheinung, den der WDR mit einigen erschreckend ‚glattgebügelten‘ Pro-Kraftwerk-Aussagen von Uniper-Mitarbeiter Reinhard Elfert dem Auftritt von Köster vorausgestellt hatte.

Heraus kam in Summe ein Jahres-Update, dass dem Zuschauer eindrücklich zeigte, warum der Kampf gegen das umstrittene Kraftwerk zuletzt so sehr an Schwung verloren hat. Und das sogar einmal völlig abgesehen von den derzeit vorherrschenden Einschränkungen durch die Pandemie.

Kraftwerkskritiker Rainer Köster wirkte Ende 2020 im Vergleich zu früheren öffentlichen Auftritten ausgebrannt und erschöpft. Diverse mögliche Angriffspunkte, die der zuvor eingespielte Film mit Uniper-Mann Elfert, der übrigens ganz offen ersichtlich in Begleitung der verantwortlichen Pressesprecherin zu den Aufnahmen für das WDR-Filmchen erschienen war, für bissige Konter relativ leicht angeboten hätte, ließ Köster ungenutzt.

Kraftwerksmeister Elfert stellte zum Beispiel die Aussage in den Raum, dass er einige Aktionen der Demonstranten gegen das Kraftwerk im ablaufenden Jahr rechtlich nicht in Ordnung fand, was sie zweifelsohne auch nicht waren.

Trotzdem ließ Köster die sich hier geradezu aufdrängende Chance ungenutzt auf den krassen Widerspruch aufmerksam zu machen, dass es ursprünglich ja gerade die Kraftwerksplaner selber waren, die zu Beginn der Planungen auf diversen Ebenen rechtlich bedenklich und zweifelhaft agierten, ja letztendlich auch der ursprüngliche Bebauungsplan gerichtlich spektakulär einkassiert wurde, was das Kraftwerk einst zum vielthematisierten ‚Schwarzbau‘ machte. Und ausgerechnet ein ausgewählter Kraftwerksvertreter mimt jetzt hier den Moralapostel? Nun gut…. 😉

So zahm wie sich Köster im WDR-Studio gab, erscheint der weitere politische Kampf gegen den Betrieb des Kraftwerks bereits verloren. Auch die Aussage Kösters, dass die anhängigen Klagen gegen ‚Datteln 4‘, übrigens dann wohl auch die der Stadt Waltrop, aktuell ruhen würden, war nicht gerade dazu geeignet dem Kampf der IG Meistersiedlung medial neuen Schwung zu verleihen.

Zudem fragt man sich dadurch ja erneut, warum das Thema der anhängigen Klage in Waltrop, immerhin eine Stärkungspaktgemeinde ohne große finanzielle Spielräume, seit Jahren schon keines mehr ist. Befürchtungen, die von Anfang an im Raum standen, dass das Ganze am Ende ein teures aber nutzloses Unterfangen für die Waltroper Bürger werden würde, steht damit wohl weiterhin ungeklärt im Raum.

Auch die Tatsache, dass Köster sich im Umfeld von ‚Fridays for Future‘, die im Frühjahr kurzfristig den Kampf gegen das Kraftwerk übernommen zu haben schienen, offenkundig noch immer unwohl fühlt, weil er mit seinen Mitstreitern ja zunächst auch ganz andere Ziele hatte als sich gegen den globalen Klimawandel zu stellen, wurde in dem Gespräch mehr als deutlich. Nicht einmal der Name von deren Ikone Greta Thunberg ging Köster im WDR-Interview am Dienstagabend über die Lippen, der sie stattdessen nur kurz als ‚die Schwedin‘ abhandelte.

Man spürte einfach, dass da zwei völlig unterschiedliche Interessengruppen am Werk sind, deren Ziel, das letztendliche Scheitern von ‚Datteln 4‘, wohl eher zufällig im Kern das Gleiche ist.

So, wie das Thema am Dienstag im WDR behandelt wurde, wurde jedenfalls noch einmal ganz deutlich, dass das Thema im Jahr 2021 in der Öffentlichkeit endgültig vom Tisch sein dürfte.

Die letzte Hoffnung der Kraftwerkskritiker ist vor diesen Hintergründen ein Sieg in den juristischen Verfahren, die derzeit lt. Kösters Aussagen jedoch ruhen. Das Ende der vor Jahren in der Region noch emotional geführten Debatten in der Öffentlichkeit ist ohnehin längst gekommen.

Kaum jemand nimmt in diesen Tagen zum Beispiel überhaupt Notiz davon, dass das ja eigentlich seit Monaten schon im Regelbetrieb befindliche Kraftwerk in den vergangenen Monaten kaum einmal am Netz war.

Was nach all den Jahren der Auseinandersetzungen bleibt ist, zumindest wenn es kein juristisches Wunder in ferner Zukunft mehr gibt, eine Art klassisches Lehrstück.

Dieses zeigt den verbliebenen Beobachtern der Entwicklungen, wie die immense Macht der Konzerne den Kraftwerksbetreibern in diesem Lande helfen kann, auch aus einer sehr ungünstigen Ausgangslage heraus, am Ende aus einer solchen Auseinandersetzung noch siegreich hervorzugehen… Wenn auch mit einem tiefblauen Auge.

Ob die Vorhabenträger E.On bzw. Uniper zumindest etwas daraus gelernt haben? Darauf würde ich Ende 2020 keine Wetten eingehen….

 

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3 Kommentare zu “Kohle-Kraftwerk ‘Datteln 4’: Auch 2020 ein Grund für Politikverdrossenheit

  • #1
    feder

    ….das ja eigentlich seit Monaten schon im Regelbetrieb befindliche Kraftwerk in den vergangenen Monaten kaum einmal am Netz war….

    Regelbetrieb? Die Gegner serKohleverstromung behaupten dochimmer, dass diese Kraftwerke nicht regelbar sind und daher die Stromleitungen verstopfen!

  • #2
    Andreas Walgenbach

    Ha, "die Profis vom Bauherren E.On/Uniper", der ist gut😂
    Das waren doch die Kesselflicker, die den vielgelobten mangelhaften T24-Stahl komplett austauschen mussten. Nun ist Datteln 4 mit dem T12 Stahl nicht mal mehr "modern" und neu nach mehr als 10 Jahren Bauzeit auch schon lange nicht mehr. Wirkungsgrad? Unbekannt! Die unnötige Dreckschleuder wird nun mit geringeren Temperaturen und weniger Druck gefahren, wenn es mal läuft. Wenn es nicht läuft fängt das Kohlelager von allein an zu brennen und verpestet mit Qualm die Umgebung, so heute 15.1.2021geschehen.
    Profis am Werk.

  • #3
    Walter Stach

    -2-
    Andreas,
    das Feuer im Kohlelager scheint medial gar nicht stattgefunden zu haben und wenn doch, -sh. z.B. die Waltroper Zeitung- dann "auf sehr kleiner Flamme". Überrascht das? Nein, denn seit mittlerweile Jahrzehnten gibt es "hier im Revier", u.a. in der sog. Emscher-Lippe-Region- ein Solidaritätspakt von Industrie, Gewerkschaften, Parteien -mit Ausnahme….???- und der örtlichen/regionalen Medien, wenn für Datteln IV zu streiten ist.

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