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Neue Petition gegen das Kraftwerk ‚Datteln 4‘ zeigt den großen Wandel auf Seiten der Kritiker

Demo vor dem Kraftwerk in Datteln im November 2019. Foto: Robin Patzwaldt

Dass der Kampf gegen das Kraftwerk ‚Datteln 4‘ sich im Laufe der vergangenen rund 15 Jahre extrem verändert hat, das haben wir hier im Blog, wie Stammleser wissen werden, schon mehrfach thematisiert. Eine aktuelle Petition gegen den Kohle-Meiler, die im Kreis Recklinghausen und darüber hinaus derzeit die Runde macht, dokumentiert das in diesen Tagen jetzt noch einmal sehr deutlich.

Bei Campact fordern Aktivisten aktuell:

„Die Klimakrise ist in vielen Regionen der Welt bereits grausame Realität. Statt die notwendigen Sofortmaßnahmen zu ergreifen und aus den fossilen Energien auszusteigen, will der Konzern Uniper im Sommer 2020 ein Steinkohlekraftwerk in Deutschland ans Netz bringen. Die Bundesregierung und die Landesregierung NRW lassen dies mit ihrem Kohlegesetz zu. Die Kohle, die im Schwarzbau Datteln 4 verfeuert werden soll, ist Blutkohle – sie kommt unter anderem aus Abbaugebieten in Nordkolumbien und Sibirien, wo die lokale Bevölkerung Menschenrechtsverletzungen und Zwangsumsiedlungen ausgesetzt ist.

Wir fordern, dass kein weiteres Kohlekraftwerk mehr in Deutschland ans Netz geht. Die Bundes- und die Landesregierung NRW müssen endlich ihrer Verantwortung nachkommen, schnell aus der Kohleverstromung aussteigen und Klimaschutzmaßnahmen, die dem Pariser Klimaabkommen entsprechen, ernsthaft umsetzen.“

Diese Forderungen haben mit der Ausgangslage des Widerstandes gegen das neue Kraftwerk vor gut zehn Jahren inzwischen wahrlich nicht mehr viel zu tun.

Damals wehrten sich Anwohner in erster Linie gegen den konkreten Standort des Neubaus, der ihrer Meinung nach so nicht den damals gültigen Anforderungen an einen solchen entsprach. Ältere im Netz verbliebene Zeitungs-Artikel belegen das bis in die Gegenwart hinein recht eindrücklich.

In Zeiten der aktuellen Klimadebatte ziehen plötzlich Argumente, die noch vor rund sieben Jahren ‚keinen Hund‘ hinter dem sprichwörtlichen Ofen hervorlockten. Als das damals gegründete ‚Aktionsbündnis gegen Datteln 4 seinen Schwerpunkt des Widerstandes vom umstrittenen Standort hin zu allgemeiner Kohlekritik veränderte, schwand das Interesse an dessen Aktivitäten in der Region rapide.

Dass sich die Kritiker von einst in der jetzt frisch aufbrandenden Protestwelle offenkundig nicht so recht wiederzufinden scheinen, das zeigt auch ein Blick auf die Liste der Initiatoren dieser Petition, in der ‚Blutkohle‘ und Klimawandel die bestimmenden Argumente sind:

Denn die erwähnten Petitionsstellerinnen vom hier genannten ‚Buntes Bündnis gegen Datteln 4‘ sind:

Lili Braun (deutsch-finnische Klimaaktivistin bei Fridays For Future),

Dorothée Cüppers (Alle Dörfer Bleiben),

Lisa Göldner (Greenpeace Deutschland),

Kathrin Henneberger (Klimaaktivistin aus Nordrhein-Westfalen),

Vera Kauppinen (Friends of the Earth Finland),

Alexandra Korolewa (Ecodefence Russland),

Luisa Neubauer (Fridays For Future),

Sigrid Lichtenthaeler (Anwohnerin aus Datteln, Mitglied der BI IGMeistersiedlung),

Franziska Pennekamp (Klimaaktivistin aus Datteln),

Carla Reemtsma (Fridays For Future)

Schon bemerkenswert, denn niemand von denen spielte in den Vergangenen Jahren beim Kampf gegen das Kraftwerk in Datteln vor Ort eine nennenswerte Rolle oder fiel durch rege Wortmeldungen zur Sache in der Öffentlichkeit groß auf. Wo waren diese Herrschaften damals, als das Kraftwerk schon genauso kritikwürdig war wie heute? Warum haben sie sich damals nicht schon so deutlich sichtbar engagiert?

Dominiert hatten diesbezüglich seit Jahren in erster Linie die Namen Marieluise und Heinrich Greiwing (betroffenes Landwirte-Ehepaar aus Waltrop), Thomas Krämerkämper (BUND) und/oder Rainer Köster (Sprecher der IG Meistersiedlung in Datteln). Die sind hier jetzt aber allesamt gar nicht (mehr) erwähnt. Nur ein Zufall?

Bei näher Betrachtung erscheint es nicht wirklich erstaunlich, dass sie bei dieser Petition nicht mit genannt werden. Denn wie sagte Marieluise Greiwing bereits im Jahre 2009, kurz nachdem sie mit ihrer Klage gegen E.On in Bezug auf Datteln 4 erfolgreich war, gegenüber der ‚Westfälischen Rundschau‘ so treffend: „Wir haben auch nicht generell etwas gegen ein Kraftwerk einzuwenden, aber wir möchten verhindern, dass uns durch Projekte wie das Kraftwerk oder das geplante Industriegebiet New Park immer weniger Land bleibt. Dieser Hof, dieses Land, das haben wir uns aufgebaut – und unsere Söhne lernen Landwirtschaft.”

Rainer Köster ging es in seinen öffentlichen Statements seit Jahren schon überwiegend um die bedrückende Nähe des 180 Meter hohen Kühlturms zum eigenen Häuschen.

Und der BUND, der das Projekt hausintern seit vielen Jahren u.a, durch Thomas Krämerkemper betreuen ließ? Der fiel zuletzt medial eher durch sein verstärktes Engagement für den Erhalt einer alten Eiche in Castrop-Rauxel und gegen den Bau einer Trasse für die in Planung befindliche B474n von Dortmund-Mengede in Richtung Münsterland auf, als mit weiterem öffentlichem Widerstand gegen das im Bau befindliche Kraftwerk in Datteln. 

Um Blutkohle und Klimaschutz-Aspekte ging es vielen der ursprünglichen Kritikern von einst also nicht wirklich. Diese Begriffe wurden damals zunächst noch gar nicht groß gespielt. Erst im Laufe der Jahre entwickelte sich das.

Diese Themen, die den Widerstand gegen ‚Datteln 4‘ im Jahre 2020 inzwischen beherrschen, beackern jetzt andere Protagonisten in der Öffentlichkeit. Mit dem Kampf gegen ‚Datteln 4‘ von einst hat das Alles offenkundig wenig bis nichts mehr zu tun.

Die Wortführer von einst stehen inzwischen offenkundig nur noch in der zweiten oder gar dritten Reihe des öffentlichen Protests und beobachten die Entwicklung im Vergleich zu früheren Jahren ziemlich still und leise.

Gut möglich erscheint, dass jetzt andere die Arbeit für sie zu Ende bringen, die sie einst mit viel Energie und Entschlossenheit begonnen haben.

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