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Wie Oberbürgermeister Sierau das Bild Dortmunds verändert

Dortmunds Oberbürgermeister Ullrich Sierau Foto: Itti Lizenz: CC BY-SA 3.0

Uns Journalisten wird gern vorgeworfen, dass wir nur meckern und kritisieren. Durchaus zu Recht. Deshalb hier eine Lobhudelei auf die gute Arbeit von Dortmunds OB Ullrich Sierau.

Dortmund ist spitze. Nicht nur im Fußball. Auch bei Hightech, Smart City. Digitalisierung. Wirtschaftswachstum. Dortmund ist fortschrittlicher und innovativer als München. Und sympathischer sowieso. Ob das alles stimmt? Keine Ahnung. Aber genau das ist das Bild, das Dortmunds Oberbürgermeister Ullrich Sierau seit Wochen und Monaten nach außen verbreitet.

Auch in der Neujahrsansprache 2019 bleibt er diesem Stil treu. Sierau stellt heraus, dass Dortmund für den Phoenix-See einen renommierten Städtebaupreis bekommen hat oder verweist darauf, dass Dortmund im Gegensatz zu anderen Ruhrgebiets-Kommunen beim Haushalt ohne Millionenhilfen vom Land auskommt. Auch diese Botschaft schwingt bei Sierau stets mit. Dortmund ist besser, fortschrittlicher, innovativer und erfolgreicher als alle anderen Ruhrgebietsstädte. Er setzt damit eine klare Abgrenzung zum Ruhrgebiet, die bereits sein Vorgänger Langemeyer verfolgt hat.

Genau für dieses selbstbewusste Auftreten will ich „meinem“ Oberbürgermeister danken. Endlich mal einer im tendenziell devoten Ruhrgebiet, der ordentlich auf die Kacke haut. Über das Gute redet. Über das, was wir nach der harten Zeit des Strukturwandels geschafft haben und nicht das, was noch vor uns liegt. So eine Einstellung braucht es, um Unternehmen und Menschen zu uns zu ziehen.

Noch ein paar Beispiele aus seiner Neujahrsansprache? „Dortmund hat sich international als Technologiestandort einen Namen gemacht“, „Dortmund hat sich zur Städtereisedestination entwickelt“, er spricht von der „lebendiger Festivallandschaft“ und von der wachsenden Zahl von Arbeitsplätzen in der Stadt. Und der niedrigsten Arbeitslosenquote seit den 1980er-Jahren. Ja. Diese Stadt ist erfolgreich, so die durchgehende Botschaft der Ansprache.

In seiner ersten Amtszeit war Sierau eher farblos. Sein umstrittener Vorgänger Gerhard Langemeyer hatte sich einige Denkmäler gesetzt. Den Phoenixsee, das U. Aber Sierau? Was hat der auf der Habenseite? Fragte ich mich damals. Vielleicht tue ich ihm Unrecht, denn er hat (auch die Aufgabe des OB) die Stadtverwaltung zu einem modernen Unternehmen umgebaut. Der Groll des Personalrats auf Sierau zeigt, dass er dabei radikal vorgegangen ist. Vielleicht ist dieser Umbau tatsächlich nur autoritär zu bewältigen.

Doch langsam wird sichtbar wo und wie Sierau wirkt. Ein gutes Beispiel: Er boxt Projekte wie die Warsteiner Music Hall auf Phoenix-West gegen alle Widerstände durch, weil sie wichtig für die Stadt sind. Da klagt ein Anwohner? Egal. Die Halle wird eröffnet. Sierau zeigt damit einen Weg auf wie Politik sein muss, wenn Projekte und Bauvorhaben immer wieder durch Klagen hinausgezögert oder lahmgelegt werden. Einfach mal machen statt abwarten. Davon können sich andere OBs, aber auch Berlin was abgucken.

Nordstadt: Bornstraße Blickrichtung Dortmund Innenstadt Foto: Lucas Kaufmann Lizenz: CC BY-SA 4.0

Oder die Nordstadt. Merkt dort einer, dass Sierau einen gnadenloses Umbau durchzieht? Ganz geschickt. Eher leise. Er unterstützt Renovierungen, lässt verwahrloste Schmuddelhäuser kaufen, weist Neubaugebiete an der Westfalenhütte aus, erklärt den Borsigplatz zum Juwel statt zum Problemfall. Sierau weiß, dass eine moderne Großstadt wie Dortmund mehr als das Kreuzviertel braucht, um attraktiv für Arbeitnehmer zu sein. Die schöne Dichte wunderbarer Altbauten prädestiniert die Nordstadt dafür. Nur dafür muss halt ein Teil der jetzt dort wohnenden Menschen weg. Das kann man als Politiker nicht laut sagen, aber man kann eine Menge dafür tun, dass die Mieten steigen und dadurch Menschen verdrängt werden. Genau das passiert gerade im Norden, ohne dass es jemand bemerkt.

In welcher Partei ist Sierau eigentlich? Seit seine SPD in den Abwärtsstrudel geraten ist, setzt er sich still und leise ab. Interviews zum Zustand der Partei gibt er nicht. Nur nicht mit Verlierern in Verbindung gebracht werden. Sierau positioniert sich immer stärker als überparteilicher OB aller Dortmunder. Haut in Pressekonferenzen genauso auf die Sozen in Berlin wie auf die schwarz-gelbe Landesregierung in Düsseldorf, wenn ihm was quer geht. Und er lobt sogar die CDU-FDP-Koalition, wenn die etwas beschlossen hat, was gut für die Stadt ist. Ganz neue sehr erholsame Töne in der ehemaligen SPD-Stadt Dortmund.

Rathaus Dortmund

Noch ein letzter Punkt: Sierau ist im Dortmunder Rat vielleicht der einzige, der AfD und der Rechten durchaus ruppig ihre Grenzen aufzeigt. Während SPD und CDU Brück und seinen Konsorten eine Vorlage nach der anderen geben, haut er ihnen auf die Finger. Scharfzüngig und lautstark. Und zur Not auch, indem er Brück nach drei Ordnungsrufen des Saales verweist. So geschehen bei der letzten Ratssitzung. Wie souverän er ist, zeigt sich, wenn er wie vor einigen Wochen mal nicht bei einer Ratssitzung anwesend ist. Seine ehrenamtlichen Stellvertreter haben wesentlich mehr Mühe mit den Rechten als der polternde Oberbürgermeister.

Bei Sierau ist es so ein bisschen wie bei US-Präsidenten, die meistens auch erst in der zweiten Amtszeit Akzente setzen. Wenn sie wissen, dass sie nicht wiedergewählt werden müssen. Oder will Sierau vielleicht doch nochmal antreten? Für die Stadt wäre das eine gute Nachricht!

Und jetzt habe ich mal nicht gemeckert, sondern gelobt. Ich weiß, was mich deshalb hier in den Kommentaren erwartet. Macht nix. Haut drauf! Ich habe ein mindestens genauso dickes Fell wie Sierau.

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19 Kommentare zu “Wie Oberbürgermeister Sierau das Bild Dortmunds verändert

  • #1
    Klaus Lohmann

    Ohne jetzt tiefer auf den Schmuseartikel einzugehen – das mit der "Warsteiner" Music Hall verzeiht ihm kaum ein Dortmunder, weil Kohle satt im Stadtsäckel und bei den städtischen Töchtern da ist, um der Halle einen passenden Namen und ein Sponsoring abseits jeglicher Sauerländer Pilsplörre zu geben;-)

  • #2
    James Huntelman

    Das Warteiner Sponsoring hat nicht der Bürgermeister eingetütet, sondern die Betreiber der Halle, die aus dem Umfeld der Fantastischen Vier bestehen – und sicher nicht viel Ahnung haben, wie der hiesige Biermarkt funktioniert. Aber der Dortmunder OB hat das Obdachlosen-Knöllchen zu verantworten – das ist wirklich ein herausragendes Negativ-Beispiel seiner Amtszeit, die mit viel positiven Impulsen aufwartet.

  • #3
    Andreas W.

    Naja, an dem Namen kann die Stadt ja nichts ändern, das ist Sache vom Eigentümer. Wenn auch natürlich ein kapitaler Fehler. 😉

    Ansonsten schöner Artikel abseits der ständigen Meckerei (Das machen nicht nur Journalisten, das ist ein Gesellschaftsproblem der Neuzeit).
    Die Stadtspitze hat in den letzten Jahren tatsächlich sehr viel dafür getan, dass es mit Dortmund wirtschaftlich bergauf geht, auch wenn nicht alles funktionieren kann und ja auch wenn es noch viel Arbeitslosigkeit, Kriminalität und Sozialprobleme gibt. Man kann trotzdem sehr zufrieden sein.

  • #4
    Klaus Lohmann

    @James: Wenn, wie im Artikel angespielt, Sierau so viel an Identifikationsstiftung mit Dortmund liegt, hätte es schon bei Erwerb der Halle durch die Agentur Four Artists eine Intervention in Form eines städtischen Sponsorings durch eine der gutbetuchten Töchter geben können. Und auch die mittlerweile dort ebenso beheimatete Bergmann-Brauerei hätte gut "einen reintun" können, hat sich aber nicht gerührt. Und zu allerletzt ist auch eine Namensgebung *ohne* Markennamen möglich – siehe die Continentale als Hauptsponsor der Westfalenhalle (nur um das absolute Negativ-Schlimmbeispiel "Signal Iduna Park" mal zu vermeiden;-))

  • #5
    Dietmar Müller

    "Nur dafür muss halt ein Teil der jetzt dort wohnenden Menschen weg. Das kann man als Politiker nicht laut sagen, aber man kann eine Menge dafür tun, dass die Mieten steigen und dadurch Menschen verdrängt werden. Genau das passiert gerade im Norden, ohne dass es jemand bemerkt."
    Das als "gut gemacht" hinzustellen kann doch nur satirisch gemeint sein!
    Der ganze Artikel klingt nach Satire und als solche, ist er gut!

  • #6
    Arnold Voss

    Die Ära Sierau war für Dortmund alles in allem eine gute Ära. Für das Ruhrgebiet als Ganzes war sie eher schädlich, was Ulrich Sierau aber nie gejuckt hat. Im Gegenteil, er hat das restliche Ruhrgebiet für Dortmund eher als Balast empfunden und entsprechend gehandelt. Dier Ergebnisse dieses Handelns können sich zweifellos sehen lassen, ja bestätigen anscheinend diesen Weg. Deswegen wird ihn auch sein Nachfolger weitergehen. Ob er allerdings auch die entsprechend überzeugende Persönlichkeit dafür darstellt, wird sich noch zeigen.

  • #7
    Stefan Laurin

    @Arnold: Mit der Wahl von Heinz-Dieter Klink und Karola Geiß-Netthöfel an die Spitze des RVRs haben SPD und Grüne das Ruhrgebiet mehr geschwächt als es jeder Dortmunder OB je vermocht hätte. Sie haben das Momentum verpasst und Thema Ruhrgebiet damit beendet.

  • #8
    Arnold Voss

    @ Stefan Laurin

    Ulrich Sierau war die Wahl dieser beiden Personen sehr genehm. Er hätte die Möglichkeit gehabt, sie in beiden Fällen zu verhindern.

  • #9
    Stefan Laurin

    @Arnold Voss: Und das hat er nicht getan – und die anderen Grünen und Sozis auch nicht. Jetzt kann man nur jeder Stadt empfehlen, ihren eigenen Weg zu gehen – und der kann ja auch mal in der Zusammenarbeit mit dem Nachbarn liegen.

  • #10
    Ke

    In Dortmund erlebe ich in den letzten Jahren eher Stagnation.
    Die Strategue "Weniger Arbeitslose dank vieler grosser Lagerhallen " produziert das nächste Strukturproblem in wenigen Jahren.
    Aus der Nordstadt wurde nichts gemacht. Es bleibt zu hoffen, dass das Hafengebiet neue Impulse erzeugt.

    Insgesamt ist Dortmund im Ruhrgebiet sicherlich im vorderen Bereich, aber das Niveau ist auch nicht besonders hoch, und die Menschen haben trotz Arbeit zu oft zu wenig Geld.

  • #11
    walter stach

    Do und das Ruhrgebiet……
    Für die "politisch Mächtigen" in DO war der KVR und ist der RVR ein "notwendiges Übel , keineswegs von existentieller Bedeutung- notwendig nur deshalb, weil "man" es im DO-Interesse für eine gute politische Strategie gehalten hat und weiterhin hält, Solidarität im Revier zu demonstrieren -nicht zu praktizieren!-.

    Das hat weder ursächlich mit Sierau zu tun noch hat Sierau diese DO-Position im Revier (gegenüber den übrigen Revier-Kommunen und. gegenüber dem RVR) extensiver vertreten als seine Vorgänger -im OB-Amt bzw. als OStdD-
    Folglich lag es stets (!!) im Interesse der Stadt DO, , daß weder die politische noch die administrative Führung des KVR/des RVR von Persönlichkeiten besetzt wurde, bei denen die Gefahr hätte bestehen können, sie würden aus dem notwendigen Übel mehr machen können: "Mehr machen" durch den RVR mit der Folge eines "weniger Machenkönnens" seitens der Stadt DO.

    Also dieserhalb weist die Ära Sierau keinerlei Besonderheiten auf.

    Ich kann mich nicht in allen relevanten Details hinreichend begründet zur "positive Entwicklung" der Stadt DO in der Ära Sierau äußern, habe aber als Bürger der benachbarten Stadt Waltrop -nördliche DO-Vorstadt (!!)- u.a. registriert, daß die Zahl der Arbeitnehmer, die täglich von Waltrop nach DO auspendeln, sich von Jahr zu Jahr erhöht, u.a. mit der Folge, daß die Arbeitslosenqoute in Waltrop bei nur rd. 5, 5 % liegt -"dank" der diesbezüglichen positiven Entwicklung in DO.

    (Nach dem Motto " Do zu erst und das -auch verbal- ohne Rücksicht auf nachbarschaftlichen Interessen" hat sich vor kurzem Sierau gegenüber der Stadt Waltrop positioniert im Zusammenhang mit dem Ziel der Stadt Waltrop, an der Stadtgrenze zu DO-Mengede ein Gewerbegebiet auszuweisen, und zwar nicht für irgend welche fiktiven Investoren, sondern ganz konkret, um dort für die Waltroper Fahrzeugbau-Firma Langendorf eine für deren anstehende Betrirebsausweitung/Betriebsumsiedlung dringend benötigte Fläche zur Verfügung stellen zu können.)

    Aufgrund der eingangs erwähnten "traditionell" ablehnenden Haltung der Stadt DO gegen einen "engeren Verbund" bzw. gegen "einen mächtigen Verbund" der Revierkommunen (Metropolstadt Ruhrgebiet? Metropolregion Ruhrgebiet) einhergehend mit einer unter Sierau mehr denn je demonstrierten Überheblichkeit gegenüber den "kleinen und den größeren Nachbarn" , ist mir bewußt, dass meine seitjeher vertretrene Auffassung über die Notwendigkeit einer Metropolstadt Ruhrgebiet -ähnlich verfaßt wie die Großregion Region London– derzeit eine Vision ist oder gar Utopie genannt werden muß.

    Deshalb liegt es nahe, die Zukunft aller Ruhrgebietsstädte nach dem DO-Motto (hier nach dem Sierau-Prinzip) anzugehen: "Jeder für sich" und "jeder gegen jeden" oder anders formuliert:
    " Konkurrenz belebt das Geschäft" und als Handlungsmaxime gilt das Prinzip eines weitestgehend gehend freien und schrankenlose Wettbewerb zwischen den Städten im Revier.
    Wenn DO -jetzt und her mit Sierau-, erfolgreich (!)-so verfährt, müssen die anderen Städten sich dann nicht wesentlich radikaler als bisher ähnlich verhalten und muß dann nicht von jedermann der RVR als das verstanden werden, was er aus DO-Sicht ist: "Bestenfalls ein notwendiges Übel"?
    Und am Ende eines solchen Wettbwerbs wird "man" dann sehen, wer oder was dann im Revier "übrig" bleiben wird.

    PS
    Stefan Laurin,
    da Deine -nicht nur hier- einschlägige Kritik sich ausschließlich auf SPD und Grüne bezieht:

    Ich habe bisher nie (!!) wahrgenommen, daß es für die Revier-CDU und für die Landes-CDU über "Sonntagsreden" und über " Kosmetisches " hinaus ein eminent wichtiges und ein ganz konkretes vorrangiges Ziel sein könnte, zu Lasten der Revier-Städte, also auch zu Lasten der Stadt DO, gewichtige kommunale Zuständigkeiten im Revier auf eine gemeinsame , auf eine zentrale Instanz im Revier zu übertragen. Das könnte dann ein insofern zu Lasten der Kommunen "optimierter RVR" sein. Das könnte -sh. Vision/Utopie- die "Metropolstadt" Ruhrgebiet sein.
    Lammers war und ist in der CDU dieserhalb so wie Zöpel in der SPD nach wie vor ein "einsamer Rufer" in einer insofern rot-schwarzen Wüste Ruhrgebiet. Nicht sie, sondern die "Sieraus" in der SPD und in der Revier-CDU geben "die Richtung vor" : "Jeder für sich und jeder gegen jeden .

    .

  • #12
    Norbert

    Ein OB, der jede öffentliche Rede mit einer Referenz an lange vergangene Zeiten beendet, der jede Veränderung im Bereich Verkehr hin zu ein bisschen besseren Bedingungen für Rad- und Fußverkehr behindert, steht für mich nicht für Zukunft. Er ist ziemlich farblos. Wofür steht er?

    Bei der Nordstadt kann man nur auf Aladin El-Mafaalani verweisen, dessen These ist, dass die Nordstadt an ihrem Erfolg leidet, weil die Bildungsaufstiege zu Wegzügen führten.

  • #13
    Michael Westerhoff Beitragsautor

    Hallo Herr Stach,

    super Analyse, die ich so nur unterschreiben kann. Ergänzend zu DO und Ruhrgebiet: Dortmund ist halt immer dann Ruhrgebiet, wenn es Geld gibt. Bei der Kulturhauptstadt 2010 fand ich das sehr bezeichnend. Da war man kurz Ruhrgebiet, aber spätestens am 1.1.2011 nicht mehr.

  • #14
    Jiri

    In Do gibt es keine interessante Schwulenszene mehr, da kann auch ein blonder Bürgermeister, der übrigens die Sexsteuer im Ruhrgebiet als einer der ersten durchgesetzt hat, nichts ändern. Auch so ist Dortmund langweilig wie München-Schwabing.

  • #15
    walter stach

    Norbert Lammert, nicht "Lammers" -sh.-11-abschließend.

    Michael Westerhoff -13-,
    danke für Ihre anerkennenden Worte.

    Eine kurze Ergänzung zu meiner Analyse:
    ich habe versucht, einen Zustand zu beschreiben, so wie ich ihn seit rd. 65 Jahre bis auf den heutigen Tag mit Blick auf die DO-Position in Sachen " Zusammenarbeit im Revier" wahrnehme -Sieraus Tun/Unterlassen eingeschlossen.

    Das ist nicht gleichzusetzen mit Zustimmung meinerseits zu diesem Verhalten der SPD-DO , konkret gegenüber dem Tun oder Lassen von Sierau, wenn es um das Thema " optimierte Zusammenarbeit im Revier " geht, z.B. über einen reformierten KVR oder gar in einer Metropolstadt Ruhrgebiet nach Londoner-Vorbild. Dass ich mir -als Nicht-Dortmunder- diesbezüglich eine andere politische Zielsetzung und eine dementsprechende andere politische Strategie wünsche (!), könnte Anlass sein, dieserhalb einen kritischen Diskurs mit "den Dortmunder" anzuzetteln.

    Und in einem solchen kritischen Diskurs würde ich mich -wie in jedem anderen auch- in die Position des Gegenüber zu versetzen versuchen und mich zu fragen habe, wie würde ich an seiner Stelle denken. Also: Wenn ich OB in DO wäre (oder SPD-Fratktions -Parteivorsitzende, dann……?
    Wahrscheinlich würde ich mich ähnlich kritisch-distanziert gegenüber KVR/RVR und erstrecht ablehnend gegen alle Ideen in Sachen "Metropolstadt Ruhrgebiet" positionieren wie es die SPD – DO -so auch Sierau- seit "altersher" bis auf den heutigen Tag praktizieren. Denn ich hätte mich dabei ua. zu fragen:"Welche Vorteile hätte DO, wenn…….? Sind wir in DO nicht "besser dran" ohne den " Klotz RVR/KVR am Bein zu haben "? Wo lassen sich welche Vorteile für die Stadt ausmachen, wenn es über den RVR hinaus eine Metropolstadt Ruhrgebiet geben würde? Es spricht Vieles dafür -abgesehen von den von Ihnen erwähnten Vorteilen, wenn es um die "Abschöpfung" von EU-; Bundes-Ladensfördermittel für "regionale Gemeinschaftsprojekte" geht, daß "wir Dortmunder" allein besser zurechtkommen als in einer -noch engerer -Kooperation mit all den "kranken, mit all den den extrem belasteten und beladenen kommunalen Nachbarn im Revier. mit oder ohne RVR.

    Mir scheint, daß ich in einem solchen Diskurs doch einige Probleme hätte, die Dortmunder davon zu überzeugen, daß ein optimierter RVR oder gar eine Metropolstadt bzw. , eine Stadt -Region on Ruhrgebiet -unter Beibehaltung des Stadt-Status für DO- ( so wie von mir gewünscht) für DO mehr Vor- als Nachteile bringen würde. Es wäre mir allerdings jeder Mühe wert, die Dortmunder argumentativ davon überzeugen zu wollen, daß mittel- und langfristig im Konkurrenzkampf der Metropolregionen der Welt für Dortmunder allein keine Chancengleichheit geben wird. Daran schließe ich -selbstkritisch- die Frage an, ob "man" diesen Konkurrenzkampf überhaupt suchen sollte oder ob sich nicht für DO -und andere vergleichbare Großstädte- in der sog. globalisierten Welt Nischen finden lassen, in denen sich Städte wie Dortmund einrichten und in denen Menschen weiterhin in relativem Wohlstand, in relativer Zufriedenheit leben könnten -in begrenzter Kooperation mit den Nachbarn.

    Michael Westerhoff,
    ich habe mich lediglich zu Wort gemeldet, weil im Kommentar und in einigen Beiträgen auch das Verhalten/das Verhältnis Sierau/RVR (Kooperation im Revier) angesprochen worden ist und diese Thematik mich deshalb interessiert, weil ich mich seit X-Jahren für eine "Metropol-Stadt/Stadtregion Ruhrgebiet " engagiere .Ich h habe mich zudem zu Worte gemeldet, weil ich durchaus die diesbezüglich gegenteiligen Positionierung der Stadt Dortmund -hier repräsentiert durch Sierau- nachvollziehen und keineswegs für abwegig oder gar für verwerflich halte.

    Auf einem anderen Blatt steht, a.) ob sich das Bild der Stadt Dortmund in der Sierau-Ära zum Positiven verändert hat (ich meine ja) und b.) ob diese Veränderung primär oder gar ausschließlich dem Wirken des OB Sierau zu verdanken ist. Letzteres kann ich nicht beurteilen.

    Ein gutes neues Jahr 2o19
    -mit guten oder weniger guten Hoffnungen für Dortmund, für das Ruhrgebiet, für die Menschen die hier leben? Jedenfalls mit den besten Wünschen für ein auch insofern gutes Jahr 2o19.

  • #16
    Thommy

    Die Mieten in der Dortmunder Nordstadt steigen nicht wegen einer angeblichen, vom Autor herbeigeredeten und von manchen herbeigesehnten oder erträumten , Gentrifiziering, sondern wegen der katastrophalen Situation auf dem Wohnungsmarkt resp. der Wohnungsnot.

    Der Kauf der sog Problemimmobilien durch die Stadt bzw durch einzelne Dortmund verbundene und geförderte Wohnungsunternehmer/-unternehmen hat ebenfalls nichts mit Gentrifiziering , sondern mit ordnungsbehördlichen Notwendigkeiten zu tun. Die Eigentümer ließen die vorwiegend an Roma aus Bulgarien zu horrenden Preisen vermieteten Wohnhöuser verrotten und zahlten keine Gebühren, so dass es in vielen Wohnungen keinen Strom gab und der Müll nicht entsorgt wurde. Das waren katastrophale für viele unvorstellbare Zustände, in denen die Familien in der Regel mit vielen Kindern lebten.

    Ansonsten- heute wie vor dreißig,zwanzig und zehn Jahren gab es in der Nordstadt coole Szenekneipen und heute wie damals war es auch unter Studierenden als Alternative zum Kreutzviertel hip, in der Nordstadt zu wohnen . Dass sich hierdurch etwas nachhaltig an der Gesamtsituation in der Nordstadt geöndert hat btw. ändern wird, darf verzweifelt bezweifelt werden.

    Und- wenn man über Dortmund spricht, muss man auch die Vororte mit einbeziehen. Bis auf den etwas reicheren Dortmunder Süden sieht es hier in Nord, Ost und West zuweilen arg trostlos aus und auch die Innenstadt ist nicht gerade e in städtebauliches Juwel, was natürlich auch den Folgen des 2 WK geschuldet ist, als größere Teile Dortmunds in Trümmern lagen.

    Also, auf den Punkt gebracht- es gab positive Entwicklungen, z.T. selbst initiiert, zum Teil aus Gründen, die Dortmund nicht bis wenig vertreten hat ( Atbeitsmarkt). aber Dortmund ist insgesamt weit davon entfernt, so schön und toll zu sein wie es die Stadtspitze gerne schönförberisch darstellt- dies tut sie allerdings professionell und in der Tat recht geschickt.

  • #17
    Robert Müser

    Ein Satire-Beitrag sollte als Satire gekennzeichnet werden.

    Ich kann nun seit Jahren nicht erkennen, dass der aktuelle OB der Stadt Dortmund größere Anschübe für die Stadt gegeben hätte. Viele der heutigen sog. "Leuchttürme" im Stadtgebiet sind in den Zeiten vor dem heutigen OB auf den Weg gebracht worden.

    Bei näherer Betrachtung fällt ins Auge, dass die Dortmunder Innenstadt in bestimmten Teilen seit der Eröffnung der Thiergalerie in eine Stagnation verfallen ist. Solche Entwicklungen gibt es auch in anderen Teilen des Ruhrgebietes wie z.B. Essen oder Recklinghausen, aber in Dortmund sind für meine Begriffe die Folgen solcher Zentren stärker zu spüren. So hat die Fußgängerfrequenz zwischen der Kampstraße und dem Ostenhellweg deutlich abgenommen. Auch wirken Teile rund um die Reinoldikirche zu bestimmten Zeiten inzwischen verwaist. Die Folgen im Geschäftsbesatz sind offensichtlich, zumal der Einzelhandel zusätzlich stark mit den Folgen der Amazons und Co. zu kämpfen hat.

    Auch erscheint mir die Entwicklung in der Dortmunder Nordstadt in den letzten Jahren durch die Armutszuwanderung eher verschlimmert zu haben. Ein Teil meiner Verwandtschaft wohnt dort seit Jahrzehnten. So lange wie ich die dortige Verwandschaft besuche kenne ich die Gegend dort und empfinde persönlich die Entwicklung dort über die Jahre hinweg als schmerzlich. Programme wie das Nordstadtprogramm haben zwar eine städtebauliche Verbesserung angeschoben, aber Folgeprogramme sind irgendwann ausgelaufen bzw. wurden nicht neu aufgelegt. Auch möchte ich bezweifeln ob man das Kippen der Bevölkerungsstruktur durch solche Programme aufhalten bzw. verhindern kann.

    Auch die Stadtteile außerhalb der Innenstadt insbesondere entlang der Hellwegachse zeigen in Teilbereichen enorme Leerstände bzw. Ansätze der Verwahrlosung. Die städtische Politik treibt ihre Leuchtturmprojekte wie den Phoenix-Tümpel bzw. die Hohenbuschei voran, vergisst aber scheinbar den Rest der Stadt. Auch die bevorstehende Konversion der Unionfläche lässt da nichts Gutes erwarten.

    Ungelöst bleiben für mich auch die Verkehrsprobleme im innerstädtischen Bereich. So hat man zwar über den Zeitraum von über 20 Jahren die städtische Straßenbahn nach und nach in den Keller verfrachtet, aber am gesamten Streckennetz nichts geändert bzw. logische Verlängerungen des Streckennetzes in diverse Stadtteile erfolgreich verhindert bzw. nicht vorangetrieben. Auch die ergänzende S-Bahn im Stadtgebiet glänzt zwar durch seit Jahren angekündigte neue Haltepunkte, deren Realisierung soweit in die Zukunft geschoben werden, dass vermutlich kaum jemand deren Eröffnung tatsächlich erleben wird. Nun gehört der Bau und der Betrieb der S-Bahn samt ihrer Infrastruktur nicht zu den Aufgaben der Stadt Dortmund, aber mit einem entsprechenden Druck (bzw. beharrliches Bearbeiten auf Land und Bund) wäre da etwas passiert, wie z.B. der Blick in andere Städte zeigt. Der ehemalige MdB Hans Urbaniak (SPD) hat in seiner Zeit als Bundestagsabgeordneter von 1972-2002 sich aktiv für den Ausbau der S-Bahn in Dortmund eingesetzt, dieses Lobbying durch die heutigen Abgeordneten in Land und Buch kann ich aktuell nicht mehr feststellen.

    Nun wird immer behauptet die Stadt hätte kein eigenen Geldmittel für Infrastrukturmaßnahmen, nur sollte man dann kritisch hinterfragen, warum irrsinnige Geldmittel in den Betrieb des Prestigeobjektes Flughafen Dortmund gesteckt werden können?

    Beim Ausbau des Radverkehrs herrscht auch Stillstand, selbst das Projekt Radschnellweg Ruhr wird nicht so voran getrieben, wie man es könnte. Dafür wären ggf. Einschränkungen im Autoverkehr notwendig, die sich aber die aktuelle Stadtspitze selbst in Nebenstraßen traut.

    In weiten Teilen des Stadtgebietes kann man teilweise Auswirkungen des Autoverkehrs beobachten, die weder in der einen wie der anderen Richtung gelöst werden – es herrscht da Stillstand im wahrsten Sinne.

    Ein Teil dieses Stillstandes im Straßenraum ist die Folge der Ansiedlung großer Logistikdienstleister auf ehemaligen Stahlwerkflächen bzw. der weiteren Versiegelung des Freiraumes. Nominal sind dort zwar Arbeitsplätze geschaffen worden, aber sind eher Beschäftigungsverhältnisse im unteren Lohnbereich.

    Wenn man als Stadtspitze die eigenen Augen und Ohren vor der Entwicklung in der Stadt verschließt und in seiner eigenen Wahrnehmungsblase lebt, so hat die Stadt Dortmund sicherlich eine gute Entwicklung hingelegt, nur mit der Realität muss dies nur bedingt etwas zu tun haben.

  • #18
    DEWFan

    Für mich stellt sich die Frage an die vielen Kommentatoren: was ist in Dortmund besser, als in anderen Revierstädten, und was ist schlechter?

  • #19

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