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Wie war das mit den Hausbesetzungen im Ruhrgebiet?

Die AG Kritische Kulturhauptstadt und die Ruhrbarone wollen am 23. Februar in der Goldkante in Bochum über die aktuelle Bewegung für unabhängige Zentren im Ruhrgebiet diskutieren. Und dazu brauchen wir Eure Hilfe.

UZDO, Freiraum oder DU it Yourself – in den beiden vergangenen Jahren gab es verschiedenen Versuche zur Gründung unabhängiger Zentren im Ruhrgebiet. Bislang waren alle erfolglos. Ob in Dortmund, Essen oder Duisburg – egal ob über Verhandlungen oder Besetzungen, bis heute gibt es keines der geforderten Zentren. Das ist und war nicht immer so: Das Autonome Zentrum in Köln ist ein Beispiel für eine erfolgreiche Besetzung. Und auch die Geschichte des Bahnhof Langendreer in Bochum, des AZ in Mülheim und des Union Gewerbehof in Dortmund sind eng mit der Hausbesetzerbewegung verknüpft.

Neben ein- oder zwei  Diskussionsrunden – unter anderem zu der Rolle der Ordnungspolitik als Instrument gegen Besetzungen – wollen wir auch eine kleine Ausstellung über Hausbesetzungen im Ruhrgebiet machen. Und jetzt kommt ihr ins Spiel: Wir suchen Zeitungsausschnitte, Fotos und Flugblätter von möglichst vielen verschiedenen Besetzungen im Revier. Gerne auch über die Besetzungen ganzer Zechensiedlungen, die in den 70er und 80er Jahren dazu geführt haben, dass viele Siedlungen nicht abgerissen sondern erhalten wurden.

Also: Wer uns helfen kann bitte bei  info (at) ruhrbarone . de melden.

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6 Kommentare zu “Wie war das mit den Hausbesetzungen im Ruhrgebiet?

  • #1
    Reinhard Matern

    Die Herangehensweise wirkt auf mich naiv. Die Situationen in den 70ern, 80ern, 90ern … lassen sich kaum miteinander vergleichen. In den 70ern konnten z.B. in Essen Beträge in die Soziokultur gesteckt werden, von denen man heute, in einer Zeit der Schließung von öffentlichen Einrichtungen wegen Überschuldung, nicht einmal mehr zu träumen wagt.
    Ein Beispiel aus den 90ern: In Duisburg stand der Etat des (zu schließenden) Jugendkulturbüros für das neu zu gründende Hundertmeister zur Verfügung. Um in den 90ern in Duisburg etwas erreichen zu können, war der Rat der Stadt mit Konzepten zu überzeugen: Gemeinsam mit dem ehemaligen Chef des Jugendkulturbüros (Jebavy) entwickelte ich damals Nutzungskonzepte für verschiedene Standorte (Feuerwache Hochfeld / Bürgerzentrum Dellplatz), zudem erstellte ich die betriebswirtschaftlichen Kalkulationen (mit Unterstützung der LAG). Jebavy seinerseits entwickelte nach der Genehmigung des Veranstaltungsbereichs am Dellplatz noch den Zusatzstandort Steinsche Gasse für Produktionsräume. Mit einer Besetzung hätten wir nichts erreicht! Den kulturellen Rahmen bot die freie Szene, in der bereits einige Professionalisierungen stattgefunden hatten. Als politischer Ansprechpartner fungierte vor allem die damalige SPD (bzw. eine Gruppe innerhalb dieser Partei). Jebavy verfügte über die Kontakte.
    Ich würde raten, den Ansatz noch einmal zu überdenken.

  • #2
    Thomas

    Reinhard, Du hast recht.

    Das war seinerzeit ein durchaus realpolitisch geprägter Ansatz.

    Du hast aber vergessen zu erwähnen, daß dieser wesentlich strukturiert wurde von den grünen Kommunalpolitikos Detlef Schlechter im Jugendhilfeausschuss und Ilona Schmitz im Kulturausschuss.

  • #3
    nn

    Ich kann aus der Ankündigung nicht entnehmen, dass hier eine bruchlose Kontinuität der Hausbesetzungsbewegung seit den 70er dargestellt wird. Auch stehen Besetzungen nicht im Widerspruch zu anderen Möglichkeiten, sich „freiräume“ zu nehmen und/oder zu bespielen. Es kommt immer drauf an.

    Ob die jetzt aber von Reinhard Marten dargestellte Möglichkeit mit den Vorstellungen der Gestaltung von Räumen aktuell in Dortmund, Duisburg oder Essen in Einklang zu bringen ist, bezweifel ich. Natürlich kann auch ein von der SPD (Partei XY) protegierter Raum sich nett entwickeln. Aber er bleibt aber auch ein von der Lokalpolitik abhängiger Ort. Etwas, womit auch die bestehenden soziokulturellen Zentren durchaus zu kämpfen haben.

    Auch ist es etwas verkürzt, die Schaffung von JZ, AZ, UZ usw. rein als Schaffung von Kulturorten zu begreifen. Hausbesetzungen greifen auch immer die Logik von Besitz und ihren (nicht-)nutzung an. Selbstbestimmung und Selbstverwaltung als Politisierungsprozesse spielen eine Rolle. Und ganz anders sieht es dann nochmal aus, wenn es auch ums wohnen, also auch schlicht um die eigene Existenz geht.

  • #4
    teekay

    Ganz abstrakt koennte man auch eine grafische Aufbereitung ueberlegen-also Zeitraeume von Hausbesetzungen kommunalen Haushalten, Verschuldung, Bevoelkerungsentwicklung, o.ae. gegenueberstellen um zu weiteren Diskussionen anzuregen.

  • #5
    Andreas Hecker

    Nett..was man alles durch Zufall im Internet findet. Ich kann mich noch sehr gut an die Zeit in Duisburg erinnern. Sicherlich war ich mit Detlef damals realpolitisch, da der damaligen Juso-Chef Ralf Jäger schon fast einen den Anspruch einer katholischen Kirche verfolgte – das es ausserhalb der lokalen SPD kein Heil gibt. Das Ende des Eschhauses und die Niederschlagung noch so guter Folgeideen bildeten damals eine lange Kette. Oft ist es aber leider auch an den Ansprüchen aus der Szene gescheitert..

  • #6
    Katharina

    Die Schule in Laar, die letztes Jahr kurz besetzt war,
    ist wegen Sicherheitsmängel geschlossen
    Die Schüler müssen auf andere Schulen verteilt werden.
    Dort war ich noch vor kurzem Wahlhelferin bei der Abwahl von OB Sauerland.

    Und Herr Jäger + seine SPD haben die Bürgerinitiative „Neuanfang für Duisburg“ gespalten. Jäger hat alles an sich gerissen und es werden nur
    SPD-Aspiranten für den Posten OB vorgeschlagen.
    DGB, Verdi und die Linken und die Grünen „dürfen“ bei der Suche helfen.
    Welche Rolle die gespaltene BI hat, ist undurchsichtig.

    So ist das in Duisburg.

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