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#WM2018: Gibt es am Ende vielleicht einfach keinen besseren Bundestrainer als Joachim Löw?

Bundestrainer Joachim Löw im Einsatz. Quelle: Wikipedia, Foto: Danilo Borges/copa2014.gov.br, Lizenz: CC BY 3.0

Auch einige Tage nach dem bitteren Vorrunden-Aus der DFB-Auswahl bei der Weltmeisterschaft im Russland schütteln viele Fans und Beobachter in Fußballdeutschland noch ungläubig den Kopf. Und auch die Zukunft von Bundestrainer Joachim ‚Jogi‘ Löw ist noch immer nicht geklärt.

Je mehr Zeit jetzt in diesem Zustand der Betäubung vergeht, je wahrscheinlicher erscheint in diesen Stunden ein Verbleib des bisherigen Übungsleiters, der seinen Vertrag mit dem Verband ja ohnehin erst kurz vor dem Turnier (völlig unnötig) verlängert hatte.

Der DFB hat intern einem ‚Weiter so‘ offensichtlich schon ‚grünes Licht‘ gegeben. Die Führungsriege rund um Boss Reinhard Grindel sieht jedenfalls keinen Grund die Zusammenarbeit mit Löw im Herbst nicht fortzusetzen. Trotz des historisch schlechten Abschneidens der Mannschaft in Russland.

Viele Fehler werden in diesen Tagen kritisiert. Falsche Kader-Zusammenstellung, schlechte Taktik, arrogantes Auftreten, unmotivierte Spieler. Kaum etwas, das nicht zerflückt wird in diesen Stunden. Eigentlich ein untrügliches Zeichen für eine Trennung.

Die große Mehrheit der Fans spricht sich folglich auch für einen Löw-Abschied aus. In diversen Online-Umfragen sind es rund 2/3 der Teilnehmer. Der DFB vertritt hier offenbar eine Minderheitenmeinung.

Ein denkbarer Grund hierfür könnte sein, dass kein wirklich geeigneter Kandidat zur Verfügung steht. Jürgen Klopp, Matthias Sammer, Jupp Heynckes? Viele Namen werden öffentlich gespielt. Keiner aus der ersten Reihe erscheint jedoch wirklich realistisch.

Erstklassige Trainer werden im Regelfall ohnehin den Vereinsfußball vorziehen, wo sie jede Woche im Tagesgeschäft gefordert sind. Nicht ohne Grund sind Nationaltrainer ja seit eh und je häufig eher Trainer, die entweder im Klubfußball keine großen Ambitionen mehr hegen, oder aber den Durchbruch in der Spitze eh nicht geschafft haben.

Auch Löw, das wird heute immer gerne vergessen, war als Vereinstrainer wahrlich keine große Nummer. Die von ihm betreuten Vereine wurden im Laufe der Jahre immer kleiner. Als der DFB ihn rief war er gerade arbeitslos.

Ähnlich ist übrigens die Historie seiner aktuellen Assistenten Thomas Schneider und Marcus Sorg, die zuvor auf Vereinsebene weitestgehend deutlich scheiterten, für die deutsche Auswahlmannschaft aber trotzdem als gut genug erachtet wurden.

Schwierig also, jetzt einen neuen Top-Trainer für den Job zu finden, der es mit hoher Wahrscheinlichkeit zukünftig besser macht. Je mehr Tage aktuell noch ins Land ziehen, je wahrscheinlicher erscheint somit tatsächlich der Verbleib von Löw. Trotz aller Verfehlungen in den letzten Monaten.

Sollte Löw jedoch von sich aus hinschmeißen, dann hätte der DFB auch ein großes Problem. Eine echte Zwickmühle also, in der sich der Verband des Titelverteidigers da rund um die WM 2018 gebracht hat. Am Ende kein Ruhmesblatt für alle Beteiligten!

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13 Kommentare zu “#WM2018: Gibt es am Ende vielleicht einfach keinen besseren Bundestrainer als Joachim Löw?

  • #1
    Klaus Lohmann

    Anders gefragt: braucht so eine zusammengewürfelte Egomanen-Truppe überhaupt einen Bundes*trainer* und wofür?

    Der letzte Spieler, der mit dem Adler auf der Brust komplett anders (also wesentlich besser) als in seinem Vereinsdasein gespielt hatte, war Podolski. Diese Generation ist vorüber. Und wir sehen grad anhand von Portugal und Argentinien (und evt. noch weiteren Teams im Verlauf des Achtelfinales), dass WM-/EM-Turniere Glücksspiele, zumindest unplanbare Kurzfrist-Ereignisse sind.

  • #2
    Klaus Lohmann

    Und wie ich es in #1 geahnt hatte, sind die Ballbesitz-Kaiser Spanien nun die Nächsten, die an ihrem überholten Fußball scheitern.

  • #3
    Walter Stach

    Robin,
    da mir der DFB in Gänze, da mir Löw und Bierhoff im besonderen relativ egal sind, bewegt mich die Frage, ob Löw Bundestrainer bleibt, nicht besonders . Gespannt bin ich trotzdem, wie der DFB und wie Löw entscheiden werden.
    Wird hier nach bundes-politischem Vorbild entschieden werden, nämlich " Weiter so"?

  • #4
    Robin Patzwaldt Beitragsautor

    Ist echt ein merkwürdiges Turnier bisher. Was das wohl für eine Finale gibt? 😉 Ist ja kaum noch ein Favorit mit dabei… 🙂

  • #5
    Klaus Lohmann

    Robin, mein Tipp wäre auf jeden Fall einer aus der Premier League (also Belgien oder England), die man ja schon zu den Favoriten zählen kann. Wobei Belgien rein vom Spielerpotential her (Lukaku, Hazard, De Breuyne, Fellani, Dembele, Batshuayi usw. usw.) die Tommies lang abhängt, aber mit den 1-7-Losern von 2014 den schwereren Brocken vorm Finale wegräumen müsste.

  • #6
    Robin Patzwaldt Beitragsautor

    Belgien hat mir bisher auch mit am besten gefallen, Klaus. Viele in meinem Umfeld tippen gerade auf England. Aber die waren ja eigentlich zuletzt immer schon selbsternannte Favoriten, scheiterten dann aber häufig vorzeitig. Bin echt gespannt, wer da am Ende übrig bleibt.

  • #7
    Walter Stach

    Robin,
    "merkwürdig" fand ich das Turnier bisher nicht.
    Dass die DFB-Auswahl die Vorrunde nicht überstanden hat, fand ich weder überraschend noch merkwürdig.
    Dass Argentinien in einem hochklassigen Spiel gegen Frankreich ausgeschieden ist, fand ich ebenfalls weder überraschend noch merkwürdig .Das gilt auch für das Ausscheiden von Portugal in einem ebenfalls hochklassigen Spiel gegen Uruguay.
    Überrascht hat mich das heutige Ausscheiden der spanischen Mannschaft, aber insofern keine Merkwürdigkeit, da es gegen den Gastgeber ging.

    Ansonsten…….
    Jetzt geht es doch erst richtig los mit der WM .
    Und bisher gab es aus meiner Sicht in den Viertelfinalspielen durchaus "weltmeisterschaftswürdige" Begegnungen.

    " Meine" Kandidaten für das Endspiel?
    Belgien, Kroatien, Uruguay, Brasilien und als Titel-Favorit Frankreich.
    England? Ich habe leider noch kein WM-Spiel der Engländer in Russland gesehen und mir insofern noch kein Bild von der momentanen Verfassung der Mannschaft machen können.

    Bisher, so mein momentaner Eindruck, eine sportlich rundherum gelungene WM mit z.Teil hochklassigem Fußball -weiter so, hoffe ich jedenfalls. Einen "Wunsch-Weltmeister" habe ich nicht.

    PS
    Im Augenblick wackelt Kroatien im Spiel gegen die Dänen, die ja stets bei sog. großen Turnieren für positive Überraschungen gut sind.

  • #8
    discipulussenecae

    Ich meine mich daran zu erinnern, daß es einstmals Trainer gab, die im Vertrag stehen hatten, daß ihr Salär immer höher sei, als der des best bezahlten Spielers. Nun gut. Diese Zeiten sind schon lange vorbei. Aber wenn der DFB einen erfolgshungrigen Jürgen Klopp loskaufen und ihn gut bezahlen wütde, dann hätte der deutsche Fußball in der Zukunft eine Chance! Abseits vom DFB-Beamtenapparat.

  • #9
    Walter Stach

    Christin Streich -Bundestrainer- ?

    Ich habe diese Idee irgend wo aufgeschnappt.

    Ich halte sie für bedenkenswert, wenn die "Führung des DFB "tatsächlich fähig und willens zu einer radialen Neuausrichtung in Sachen "Verantwortung für die DFB-Auswahl" sein sollte, was ich jedoch bezweifle.

    Klopp, Tuchel….
    Ich kann mir nicht vorstellen, daß sie willens sein könnten, sich für den Job des Bundestrainers zu interessieren -Inhalte ihrer jetzigen Arbeit bei internationalen Spitzenclubs; Gehalt?

  • #10
  • #11
    Helmut Junge

    hatte schon jemals ein erfolgreicher Ligatrainer Interesse daran die Nationalmannschaft zu trainieren?
    Falls Löw ersetzt wird, kommt für ihn vermutlich jemand, der so wenig bekannt ist, wie es Löw selber war. Wenn aber Löw bleibt, muß er einen totalen Neustart beginnen. Neue Spieler ausprobieren, Spieler mit Biß einfügen, denn daran mangelt es im beachtlichen Maße. Und wenn er das macht, wird seine Bilanz erst einmal weiter sinken. Aber ein Nachfolger hätte dann einen leichteren Start. Trotzdem wird es Zeit kosten, bis eine Mannschaft steht, die so voller Spielfreude spielt, wie ich es zur Zeit bei allen anderen Mannschaften im WM-Turnier sehe.

  • #12
    Walter Stach

    Robin,
    "das mit Streich war nur…"
    Ich bleibe bei meiner Meinung -sh.-9-

    Aber…
    auch bezogen auf Streich wird Helmut -11- mit dem richtig liegen, was er in Frageform feststellt.

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