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Schlechte Nachricht geschickt getarnt: Bundestrainer Löw verlängert beim DFB bis 2022

Der WM-Pokal. Foto: Robin Patzwaldt

Im Zuge der Benennung des vorläufigen WM-Kaders des DFB heute im Fußballmuseum in Dortmund, die in der Nichtnominierung des BVB-Kickers Mario Götze und des Bayern-Stürmers Sandro Wagner wohl die größten Überraschungen offenbarte, ging eine Nachricht fast unter, mit der an diesem Tage kaum jemand gerechnet hatte, da sich das Interesse der Fußballnation in erster Linie auf die Kaderdiskussionen konzentrierte:

DFB-Präsident Dr. Reinhard Grindel gab fast beiläufig bekannt, dass die Verträge mit dem Trainerteam um Joachim Löw vorzeitig bis zum Jahre 2022 verlängert wurden.

Eine logische Begründung für diese Entscheidungen, gerade auch zu diesem merkwürdigen Zeitpunkt zu finden, das fällt schwer. Was mag den DFB wohl geritten haben dies trotzdem zu tun?

„Wir haben gar nicht lange gebraucht“, erklärte Grindel heute Mittag überraschend in Dortmund selbstzufrieden wirkend und verkündete mit einem zuversichtlichen Gesichtsauasdruck: „Wir werden Vertrag mit Joachim Löw und dem gesamten Trainerteam bis zum Jahr 2022 verlängern.“

Das machte stutzig, denn ursprünglich war ohnehin bereits eine Zusammenarbeit bis zur Europameisterschaft 2020 vereinbart gewesen, mit der Verlängerung soll nach Auskunft der Beteiligten nun auch die Weltmeisterschaft 2022 in Katar gleich mit in Angriff genommen werden.

Eine solche Entscheidung noch vor der WM in Russland zu treffen, die schon in 30 Tagen beginnen wird, macht eigentlich nur für das angestellte Personal wirklich Sinn, würde eine Trennung bei einem vorzeitigen Scheitern in Russland nun vermutlich deutlich kostspieliger für den Verband.

Im ureigensten Interesse des DFB hätte man mit einer frühzeitigen Verlängerung sicherlich zumindest noch bis nach dem Turnier warten sollen, ja wohl sogar müssen.

Wo liegt hier der Vorteil für den DFB? Der Vertrag wäre ja längst nicht ausgelaufen bei einem erfolgreichen Abschneiden, so dass Löw dem Verband eventuell verlustig gegangen wäre.

Hier wird also völlig unnötig mit viel Geld der Mitglieder und Sponsoren gespielt. Nicht zum ersten Mal übrigens.

Schon recht geschickt gemacht, diese unlogische Entscheidung im Umfeld der Kadernominierungen ‚zu verstecken‘. Nur warum?

Zumal Löw selber heute schon andeutete: „Nach der WM könnte es durchaus einen Umbruch geben.“

Das macht eine Entscheidung über eine langfristige Verlängerung mit dem Trainerteam erst nach der WM 2018 ja noch sinnvoller. Denn wer weiß schon, wie die Stimmung im Lande womöglich ist, wenn das Turnier erst einmal Geschichte ist.

Würde man Löw zum Beispiel wirklich mit einem völligen Neuaufbau betrauen wollen, wenn diesmal für die DFB-Elf in der Vorrunde Schluss sein sollte? Wohl kaum. Jetzt aber hat er einen um zwei Jahre länger gültigen Vertrag mit dem er in Richtung Verbandsspitze wedeln könnte.

Dagegen ist die Nichtnominierung von Mario Götze und Sandro Wagner doch eine vergleichsweise unspektakulär daherkommende Neuigkeit. Zumal Götze seit Jahren weit hinter den Erwartungen geblieben ist und Wagner ein ähnlicher Stürmertyp wie Mario Gomez ist, und die Mitnahme beider wohl wenig schlüssig gewesen wäre.

Warum Fußballdeutschland aber heute überwiegend über diese beiden Spieler spricht, die gar nicht erst mit ins Trainingslager des Teams mitkommen dürfen, jedoch nicht darüber, dass ihm ein Bundestrainer völlig ohne Not zwei weitere (teure) Jahre vor die Nase gesetzt wurde, das erschließt sich bei näherer Überlegung überhaupt nicht.

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4 Kommentare zu “Schlechte Nachricht geschickt getarnt: Bundestrainer Löw verlängert beim DFB bis 2022

  • #1
    Tobias

    Es gibt ehrlich Leute für die die Nichtnominierung (btw, mal die Rechtschreibprüfung über die Einleitung schauen lassen :P) Götzes ne Überraschung ist? Ich mein, Löw nominiert wirklich nicht nach dem Leistungsprinzip, aber auf seiner Position gibt es einfach zu viele die besser sind. Das der DFB mit Löw verlängert hat, ist wirklich …unverständlich. Ich teile die Kritik. Jetzt hilft leider eh nur noch abwarten, der Drops ist gelutscht.

  • #2
    Walter Stach

    Robin,
    für mich war es unvorstellbar, seitens des DFB mit Löw nicht zu verlängern. Es geht um den Trainer des Weltmeisters von 2014 . Und wenn der weiter machen will, führte kein Weg an ihm vorbei!
    Dass das jetzt passiert, bedeutet für mich, daß bewußt vom DFB jetzt gesetzte Zeichnen, daß er, der DFB, auf jeden Fall an Löw "festhalten" will, egal, wie die DFB-Auswahl bei der bevorstehenden WM in Russland abschneiden wird. "Ein Zeichen des Vertrauens", so lauter bekanntlich die Phrase, die gerne aus solchem Anlass verwandt wird.
    Insofern weder eine Überraschung in der Sache noch bezüglich des Zeitpunktes. Möglicherweise sogar bewußt seitens des DFB und seitens des Bundestrainers "so nebenbei" mitgeteilt, um damit deutlich zu machen, daß Selbstverständliches keines besonderen medialen Spektakels bedarf.

    Ich hatte stets und ich habe auch heute noch grundsätzlich eine ehe kritische Meinung über Löw -über seine Person, über seine Trainer-Qualitäten-,
    Nur ist das, auch wenn einige Fans diese Meinung teilen sollten, für die breite Öffentlichkeit im allgemeinen und für die allermeisten Fußball-Fans im besonderen belanglos angesichts des mit Löw als Trainer gewonnen WM-Titels 2014-

  • #3
    Jupp Schmitz

    Robin, ich war tatsächlich einen Augenblick geneigt, deinen Artikel gegen den von vor vier Jahren zu vergleichen. .. 😉

    Für mich bleibt übrigens die einzige Überraschung, dass Stimmungskanone und Stammspieler Lukas Podolski nicht nominiert wurde.

  • #4
    Helmut Junge

    Die letzten Spiele der Nationalmannschaft waren nicht überzeugend. Aber das spielt für mich keine große Rolle bei der Abwägung ob diese Mannschaft bei der diesjährigen WM gute Chancen hat, den Titel zu verteidigen.
    Aber die Ereigisse der letzten zwei Wochen, rund um die Auswahl von Löw, hinterläßt bei mir ein ungutes Gefühl, obwohl ich den Trainer immer noch als Fußballgenie sehe. Eine schwierige Aufgabe des Trainers ist es nämlich die Stimmung in der Mannschaft auf hohem Niveau zu bringen und dort oben zu halten. Da aber zeichnen sich Entwicklungen ab, die eigentlich nur Negativ wirken können.
    Während ich vor 4 Jahren noch felsenfest davon überzeugt war, daß die Mannschaft unter Löw mindestens in Halbfinale kommen würde, bin ich das diesmal nicht. Und die letzten Spiele zählen dann plötzlich doch wieder. Die waren nicht gut und bei der Mannschaftsstimmung gibt es plötzlich Fragezeichen. Beides zusammen bewirkt, daß ich meine Erwartungen herabstufe.

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