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Vom Titelanwärter zur Krise in nicht einmal 24 Stunden – Wow, das ging fix beim DFB-Team!

Am Freitag in Hamburg. Foto(s): Daniel Jentsch

Die Schnelllebigkeit im modernen Fußball ist schon extrem. Da tönten einige Medien und sogar direkt beteiligte Nationalspieler vor dem gestrigen Spiel der DFB-Elf gegen die Niederlande schon wieder von möglichen Titelgewinnen in naher Zukunft. Nach der enttäuschenden 2:4-Pleite im Hamburger Volksparkstadion setzt vielerorts direkt wieder das große Krisengejammer ein, wird sogar über eine mögliche Rückkehr von Abwehrchef Mats Hummels in den Kreis der Nationalmannschaft diskutiert. Schon irgendwie irre, das Ganze!

Dass Jogi Löw und das gesamte Betreuerteam des Deutschen Kaders sich nach der völlig verkorksten Fußball-Weltmeisterschaft 2018 mit dem damals angekündigten Neuanfang zunächst schwer tat, das ist bekannt. Auch wir hier im Blog der ‚Ruhrbarone‘ haben lange darüber geklagt und intensiv diskutiert, mehr Veränderungen eingefordert.

Als diese dann endlich irgendwann doch noch kamen, zumindest im Kader, da war es vielen Beobachtern dann auch wieder nicht recht. In den Augen der zahlreichen Kritiker sortierte Löw die falschen Spieler aus, waren ausgerechnet Jerome Boateng, Thomas Müller und Mats Hummels, damals allesamt noch in Diensten des FC Bayern München, die Bauernopfer in einer ihrer Meinung nach schlicht nicht vorhandenen Strategie des Bundestrainers.

Als nun die EM-Qualifikation für das Turnier 2020 mit drei Siegen in Serie recht erfolgreich begann, da wuchsen die Träume bei vielen dann schon wieder vorschnell in den Himmel.

Erst am Freitag tönte beispielsweise ’n-tv.de‘: „Das mit der Qualifikation für die EM dürfte für die deutsche Fußball-Nationalelf ausgemachte Sache sein, egal wie die Partie gegen die Niederländer ausgeht. Und so setzen sie sich beim DFB höhere Ziele und machen demonstrativ auf gute Laune.“

Um dann danach noch einen drauf zu setzen: Nach drei Siegen aus den ersten drei Spielen in der Gruppe C ist der Weg der DFB-Elf zur ersten kontinentalen Meisterschaft mit einem kontinentalen Gastgeberkonglomerat vom 12. Juni bis zum 12. Juli 2020 vorgezeichnet. Ach was: Es scheint zurzeit ausgeschlossen, dass die Deutschen dieses Ziel nicht erreichen, sind doch die beiden Erstplatzierten dieser Gruppe auf jeden Fall dabei.“

Zudem zitierte der Nachrichtenkanal den Spieler Joschua Kimmich mit den Worten: „Klar gibt es andere gefährliche Mannschaften, aber mit unserer Qualität zähle ich uns auch zum Favoritenkreis. Wenn ich unsere Mannschaft anschaue, sehe ich extremes Potenzial.“

Mit der Bescheidenheit, die eine Zier sein soll, ist das ja bekanntlich so eine Sache. Doch mindestens ebenso befremdlich wie die überraschend schnell aufgetauchte Selbstsicherheit rund um das DFB-Team wirkt die allgemeine Katerstimmung, die am heutigen Morgen, nach der erlittenen Heimpleite gegen die Niederländer, durch die Lande wabert.

So weiß ‚Welt.de‘ heute beispielsweise zu berichten: „Deutschland verliert verdient gegen die Niederlande. Besonders die hohe Fehlerquote in der Defensive dürfte Nationaltrainer Joachim Löw Sorgen bereiten.“

Und dann setzen die Kollegen sogar noch einen drauf: „Zur Unreife gehört, dass sich die Innenverteidigung mit Niklas Süle in der Mitte sowie Matthias Ginter und Jonathan Tah an der Seite Stellungs- und Abspielfehler leisten. “Zu viele”, wie Löw befand. Schon holt ihn seine Entscheidung vom Jahresbeginn ein, als er Deutschlands besten Abwehrchef aussortiert hat – Mats Hummels.“

Und auch Pit Gottschalk fragt in seinem täglichen Fußballnewsletter ‚Fever Pit’ch‘ heute provokant und direkt: ‚Schlappe gegen Holland: Muss Hummels zurückkehren?‘

Vom Team, das sich erfolgreich zurück in den Favoritenkreis der im kommenden Sommer anstehenden Europameisterschaft gespielt hat, bis hin zu Selbstzweifeln, die den zu spät begonnenen Umbruch im Kader schon nach einer einzigen Niederlage wieder in Frage stellen, innerhalb von nicht einmal 24 Stunden. Wow, das ging wahrlich fix!

Zudem zeigen diese Zitate eindrucksvoll, wie schwer es für ein Team in diesen unruhigen Zeiten offenkundig ist, einen gesunden Wachstumsprozess durchlaufen zu können, ohne dass bei einem Rückschlag sofort alles und jeder wieder komplett in Frage gestellt wird.

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3 Kommentare zu “Vom Titelanwärter zur Krise in nicht einmal 24 Stunden – Wow, das ging fix beim DFB-Team!

  • #1
    Yilmaz

    Das war eine peinliche Veranstaltung ohne Leidenschaft und Siegeswille. Der krönende Abschluss war das inhaltsleere Interview mit Löw im Anschluss an das Spiel. Immer die gleichen abgedroschen Phrasen und dann die ganzen Versprecher am Anfang. Herr Löw machen Sie bitte Platz für einen Neuanfang, möglichst vor der EM. Ein Team ist in der Lage Höchstleistungen zu bringen, wenn der Boss als Motivationskünstler in der Lage ist zu agieren – siehe Kloppo !

  • #2
  • Pingback: RTL lässt bei Länderspielübertragungen gebotene Distanz zum DFB-Team vermissen | Ruhrbarone

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