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RTL lässt bei Länderspielübertragungen gebotene Distanz zum DFB-Team vermissen

Am Freitag in Hamburg. Foto: Daniel Jentsch

Es ist vollbracht. Drei Tage nach der unrühmlichen 2:4-Niederlage gegen die Niederlande im Hamburger Volksparkstadion am Freitag siegte die DFB-Auswahl im Rahmen der EM-Qualifikation mit 2:0 in Nordirland. Obgleich auch das Spiel am Montagabend abermals keine sportliche Glanzleistung war, wurde die aufkommende Grundsatzdebatte bezüglich des Neuaufbaus nach der WM 2018 damit (zumindest vorerst) beruhigt. In Erinnerung bleiben wird uns allen der glanzlose Pflichtsieg im Windsor Park von Belfast jedoch vermutlich nicht besonders lange.

Widmen wir uns heute hier an dieser Stelle lieber einmal kurz einer scheinbar beiläufigen Beobachtung, die ich bei den jüngsten Übertragungen der Länderspiele mit Beteiligung der Auswahl Deutschlands gemacht habe, deren Auftreten mich ehrlich gesagt ziemlich irritiert: Wann ist aus der ‚DFB-Elf‘ bzw. der ‚Deutschen Mannschaft‘ bei den Reportern und TV-Experten eigentlich dieses unsägliche ‚wir‘ geworden?

Kommentatoren, Reporter und auch TV-Experten legen bekanntlich vielfach einen sehr unterschiedlichen Stil an den Tag. Manche sind bei den Leuten im Lande dementsprechend beliebter als andere. Das liegt in der Natur der Dinge.

Die diversen Herangehensweisen der Protagonisten kommen beim Publikum eben unterschiedlich gut an. Der eine ist lockerer oder kompetenter als der andere. Das führt zu kontroversen Debatten unter den Zuschauern bzw. Zuhörern. Auch hier im Blog haben wir solche Themen in der Vergangenheit schon häufiger leidenschaftlich diskutiert.

Allen professionellen Reportern gemeinsam war bisher jedoch eigentlich immer, dass sie sich nicht mit einem der Teams auf dem Platz gemein gemacht haben. Es waren stets die beiden beteiligten Mannschaften, die beobachtet, deren Darbietungen kritisch kommentiert wurden.

Rund um die jüngsten Übertragungen der Spiele der DFB-Auswahl auf RTL fiel mir jedoch immer wieder unangenehm auf, dass da seitens der beteiligten Reporter plötzlich von ‚wir‘ die Rede war, wenn es um die ‚Deutsche Auswahl‘ ging.

Das war mir in dieser Ausprägung relativ neu, auch wenn ich nicht beschwören könnte, dass es das nicht vereinzelt schon länger gibt. Aufgefallen ist es mir in dieser Anhäufung allerdings zuvor noch nicht wirklich.

Wenn Steffen Freund, Jürgen Klinsmann, Laura Wontorra & Co. in ihren Übertragungen der Länderspiele auf RTL nun jedoch fast durchgängig von ‚wir‘ reden, dann lässt das die notwendige Distanz zu den Darbietungen der Kicker auf dem Rasen aus meiner Sicht völlig vermissen.

Davon ab ist es ja schon bei Fans auf den Tribünen oder den TV-Geräten immer relativ lächerlich, wenn sie im Zusammenhang mit ihrer bevorzugten Mannschaft gerne von ‚wir‘ reden, sich eindeutig zum Teil des Ganzen zu machen versuchen. Bei professionellen Reportern una Analysten ist das jedoch schlicht ein Unding.

Nicht umsonst entschuldigte sich kürzlich Ex-Bayern München-Spieler Arjen Robben im TV-Talk ‚Sky 90‘ sofort, als ihm kurz aus Gewohnheit ein ‚wir‘ im Zusammenhang mit seiner ehemaligen Mannschaft über die Lippen rutschte. Dabei war er bis vor wenigen Wochen ja tatsächlich noch ein echter Bestandteil dieser Mannschaft. Aber selbst ihm war der kleine Fauxpas sofort aufgefallen, so dass er sich dafür entschuldigte.

Bei den RTL-Übertragungen entschuldigte sich hingegen niemand für dieses Verhalten. Im Gegenteil. Als Zuschauer hatte man direkt den Eindruck, die Übertragenden gefielen sich in dieser Rolle.

Kann sich hier von unseren Lesern jemand daran erinnern, dass Kommentatoren und Experten in früheren Zeiten von ‚wir‘ gesprochen haben, wenn es um Länderspiele ging? Mir wäre das so jedenfalls nicht in Erinnerung.

Wie dem auch sei, als Zuschauer der nicht permanent in einer Deutschland-Bettwäsche schläft, würde man sich in jedem Falle wünschen, dass sich die RTL-Mitarbeiter zukünftig bei Länderspielen mit DFB-Beteiligung wieder mit etwas mehr verbaler Distanz zur Löw-Truppe an die Arbeit machen würden.

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3 Kommentare zu “RTL lässt bei Länderspielübertragungen gebotene Distanz zum DFB-Team vermissen

  • #1
  • #2
    discipulussenecae

    Mich hat das kumpelhafte "wir" nicht gestört; schließlich kommentieren, seitdem ich Länderspiele am TV verfolge, alle Reporter auf der Seite der deutschen Nationalmannschaft und damit wohl auch im Sinne der allermeisten Bundesbürger, die sich das Spiel ansehen.

    Viel mehr stört und nervt es mich, daß seit Jahren von Fußballern und TV-Reportern das schöne und bewährte Generalpronomen "man" durch ein ebenso flapsiges wie anbiederndes "Du" ersetzt worden ist. Eine Unart, die – so meine ich – von Franz Beckenbauer in die deutsche Sprache eingeführt wurde.

  • #3
    Erik

    Ich freue mich, dass die deutsche Mannschaft von den Reportern und Kommentatoren mit „wir“ bezeichnet wird. Ich hupe bei einem Sieg der deutschen Mannschaft. Es handelt sich um Nationalstolz. Ich stehe dazu.

    Sonst bräuchten wir keine Länderspiele mehr, wenn Bürger und Reporter dieser Länder sich nicht mit ihren Teams identifizieren dürften. Dann benennen wir die Mannschaften doch einfach nach Farben, Früchten oder Tieren. Und die Reporter berichten dann, dass die „ Äpfel“ eine bessere Abwehr als die „Birnen“ haben.

    Alles im Namen einer völlig falsch verstandenen Gleichmacherei. Der Tag, an dem kein Mensch mehr Fußball ansieht.

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