RTL lässt bei Länderspielübertragungen gebotene Distanz zum DFB-Team vermissen

Am Freitag in Hamburg. Foto: Daniel Jentsch

Es ist vollbracht. Drei Tage nach der unrühmlichen 2:4-Niederlage gegen die Niederlande im Hamburger Volksparkstadion am Freitag siegte die DFB-Auswahl im Rahmen der EM-Qualifikation mit 2:0 in Nordirland. Obgleich auch das Spiel am Montagabend abermals keine sportliche Glanzleistung war, wurde die aufkommende Grundsatzdebatte bezüglich des Neuaufbaus nach der WM 2018 damit (zumindest vorerst) beruhigt. In Erinnerung bleiben wird uns allen der glanzlose Pflichtsieg im Windsor Park von Belfast jedoch vermutlich nicht besonders lange.

Widmen wir uns heute hier an dieser Stelle lieber einmal kurz einer scheinbar beiläufigen Beobachtung, die ich bei den jüngsten Übertragungen der Länderspiele mit Beteiligung der Auswahl Deutschlands gemacht habe, deren Auftreten mich ehrlich gesagt ziemlich irritiert: Wann ist aus der ‚DFB-Elf‘ bzw. der ‚Deutschen Mannschaft‘ bei den Reportern und TV-Experten eigentlich dieses unsägliche ‚wir‘ geworden?

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#EM2016: Durchhalten! – Die Hoffnung auf unterhaltsamen Fußball stirbt ja bekanntlich zuletzt!

Wer kriegt diesmal den Pokal? Quelle: Wikipedia, Foto: Football.ua, Lizenz: CC BY-SA 3.0
Wer kriegt diesmal den Pokal? Quelle: Wikipedia, Foto: Football.ua, Lizenz: CC BY-SA 3.0

So, da haben wir Fußballfreunde nun also endgültig den ‚Salat‘! Nach einer ziemlich öden Gruppenphase richteten sich die Hoffnungen der positiv denkenden Zeitgenossen unter uns zuletzt ja voller Hoffnung auf den Beginn der KO-Spiele.  Ab dem Achtelfinale sollte die Zeit der überwiegend taktisch geprägten, ereignisarmen Spiele, in denen beide Mannschaften in erster Linie nicht verlieren wollen um sich Punkte für den Einzug in die direkten Duelle der letzten 16 zu sichern, bei dieser EM dann ja eigentlich endgültig vorbei sein.

Der gestrige Tag, bei dem bereits drei dieser brisanten Duelle anstanden, belehrte uns dann jedoch eines Besseren. Dieses öde Gekicke geht offenbar einfach so weiter. Plötzlich heißt es als Erklärung dafür jedoch, es hätte sportlich einfach zu viel auf dem Spiel gestanden um hier nun ein wirklich attraktives Fußballspiel zuzulassen. Böse Falle!

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Nach der Generalprobe auf Schalke: Was kann man von diesem DFB-Team bei der EM erwarten?

Vor der Arena in Gelsenkirchen. Foto: Michael Kamps
Vor der Arena in Gelsenkirchen. Foto: Michael Kamps

Vom Ergebnis her war die Generalprobe der DFB-Auswahl, welche sich neuerdings aus Marketinggründen gerne etwas unbescheiden schlicht ‚Die Mannschaft‘ nennt, ein Erfolg. Mit 2:0 siegte man am Abend in Gelsenkirchen gegen Ungarn. Völlig ungefährdet, und ohne Gegentreffer. Liest sich auf dem Papier so eigentlich gut. War es aber bei näherer Betrachtung nicht wirklich.

Das Spiel bot den geneigten Zuschauern insgesamt höchstens einen durchschnittlichen Unterhaltungswert, und beide Treffer hätten aufgrund von eindeutigen Abseitspositionen während ihrer Entstehung gar nicht zählen dürfen. Die Stimmung auf Schalke war für Gelsenkirchener Verhältnisse zudem auch eher schlecht. Typische ‚Länderspielstimmung‘ halt im weiten Rund. Und nach diesem erneut ziemlich uninspirierten Auftritt der ‚Jogi-Auswahl‘ stellt sich einem danach nun mehr denn je die Frage: Was kann man von dieser Elf bei der nächste Woche beginnenden Fußball-EM in Frankreich eigentlich erwarten?

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Nachruf auf Gary Moore

Bild: Nymf (talk) – via Wikipedia

Gary Moore ist tot. Gestern starb er im Alter von 58 Jahren an der Costa del Sol. Gary Moore – das kann als sicher gelten – erlag keinem „Rock-’n‘-Roll-Tod“. Noch ist die Todesursache unbekannt; er soll überraschend im Schlaf gestorben sein. Hoffen wir, dass es so war: nicht die schlechteste Art zu sterben; allerdings: 58 Jahre – das ist entschieden zu früh.

In den meisten Nachrufen wird Gary Moore den i.d.R. fachunkundigen Lesern als „Ex-Gitarrist der irischen Rockband Thin Lizzy“ vorgestellt. Dies ist zwar richtig, wird aber seiner Biografie nicht gerecht. Schließlich spielte Moore nur etwa fünf Jahre lang für Thin Lizzy. Gewiss spielte die Band von Phil Lynott eine ganz besondere Rolle in Gary Moore´s Werdegang; denn schon 1969, also im Alter von erst 16 Jahren, hatte er sich Lynotts Gruppe angeschlossen. 

In Erinnerung bleiben wird er jedoch vor allem mit seiner Solokarriere, die Gary Moore als einen „Wanderer zwischen den Welten“ erscheinen lässt. Einmal als Hardrocker – bis 1989. Ab 1990 hat er sich dann vornehmlich seiner „zweiten großen Liebe“, dem Blues gewidmet. In dieser Zeit hat er diesen „Wechsel“ selbst damit begründet, dass er es albern fände, wenn alte Säcke auf der Bühne den pubertierenden Halbstarken geben. 

Und tatsächlich spricht auch einiges für diese „Zwei-Welten-Theorie“. Ich selbst war einigermaßen enttäuscht, als Gary Moore 1990, also unmittelbar nach seinem „Wechsel“ in der Westfalenhalle ausschließlich Blues spielte und nicht ein einziges der vielen Hardrockstücke intonierte. Immerhin nahm er zwischen 1973 und 1989 zehn Hardrock-Alben auf. Aber die Tournee hieß nun einmal „Still got the Blues“, Moore hatte sie auch deutlich so beworben, insofern war das schon okay. 

Außerdem war das Eintrittsgeld gut angelegt. Ich erinnere mich noch heute an das Konzert, daran, wie Gary Moore seine Gitarre(n) die ganze Zeit traurig aufheulen ließ. Und natürlich: „Still got the Blues“ – echte Blueser mögen das Lied kitschig finden, der Urheberrechtsstreit mag immer noch nicht geklärt sein; doch es gehört schon etwas dazu, sich diesem Stück gegenüber emotional verschließen zu können. Umgekehrt ist es schwieriger: wer Hardrock nicht mag, weil ihm der Sound zu hart ist, wird auch von Gary Moore nicht umgestimmt worden sein. 

Und doch ist die ganze Trennung künstlich, diese „Zwei-Welten-Theorie“ trägt nicht, nicht bei Gary Moore. Er war beides in einem: Bluesrocker, Rockblueser oder weiß ich was. Zum einen, weil Moore immer wieder zum Hardrock „zurückgefunden“ und sogar geplant hatte, sich wieder schwerpunktmäßig diesem Genre zu widmen. Daraus wird nun nichts mehr. Zum anderen, weil auch Moores Hardrockstücke nichts Anderes waren als tieftrauriger Blues. Freilich, wie der Name schon sagt, härter vorgetragen; wer das nicht mag, höre sich die Rockballade „Empty Rooms“ an. Spätestens dann dürfte klar werden, was ich meine. 

Gary Moore war ein Kind Nordirlands, geboren und aufgewachsen in Belfast. Moores Verletzlichkeit und Melancholie ist ohne den jahrzehntelangen Krieg in seiner Heimat nicht zu verstehen. Die beiden bekanntesten Alben aus seiner „Hardrockzeit“, „After the War“ und “Wild Frontiers”, legen darüber Zeugnis ab. Ich weiß nicht, woran Gary gestorben ist. Woran auch immer, warum auch immer, klar ist: Krieg tötet auch noch Jahre und Jahrzehnte später. 

"After the War" - Plattencover

So many came before you,
The prisoners of fate.
A history of bloodshed,
A legacy of hate.
But where will you be standing
When the battles have been won?
Inside your lonely fortress
The battle’s just begun.

After the war
Who will you be fighting for?
After the war is over.
After the fire
Is burning to its dying embers.
After the war. 

“After the War” – Gary Moore. 1. Strophe und Refrain