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Joachim Löw beweist erneut, dass eigentlich er im vergangenen Sommer hätte gehen müssen!

Ex-BVB-Kapitän Mats Hummels. Archiv-Foto: Robin Patzwaldt

Der BVB quält sich am 25. Spieltag der Fußball-Bundesliga zu einem mühsamen 3:1-Arbeissieg über den abstiegsbedrohten VfB Stuttgart, die Schalker stemmen sich beim 2:4 in Bremen tapfer aber letztendlich vergeblich gegen ihre 14. Saisonniederlage, können den bedrohlichen Negativtrend nicht stoppen.

Und trotzdem ist der Aufreger der Woche in der Fußballlandschaft hierzulande ganz eindeutig ein anderer: Bundestrainer Joachim Löw sortiert die drei Bayern-Spieler Jérôme Boateng, Mats Hummels und Thomas Müller dauerhaft aus der Nationalmannschaft aus, wird sie zukünftig allesamt nicht mehr im DFB-Team berücksichtigen.

Damit streicht Löw nicht nur drei namhafte Fußballweltmeister von 2014 aus seinem elitären Kreis, er verzichtet damit zukünftig auch freiwillig auf die Erfahrung von insgesamt 246 Länderspielen. Eine Entscheidung, die im Laufe der letzten Tage bundesweit zu heftigen Diskussionen führte.

Nach den desaströsen Darbietungen bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2018 in Russland, als die DFB-Elf bereits in der Vorrunde scheiterte, wurde vielfach ein Neuanfang gefordert. Nachdem der Bundestrainer selber dabei überraschend schnell aus der Diskussion war, der DFB ihm noch vor der angekündigten Aufarbeitung quasi einen Freifahrtschein ausstellte, wurden zumindest einschneidende Kaderveränderungen erwartet.

Als diese bei den ersten Länderspielen im Herbst jedoch ebenfalls ausblieben, mit Sami Khedira lediglich eine Art ‚Bauernopfer‘ erbracht wurde, war das Entsetzen bei vielen Beobachtern groß.

Das sollte also der große Neunfang gewesen sein? Vielen ging der DFB unter der Regie von Löw so zu sehr nach dem alten Motto aller Aussitzer ‚Augen zu und durch‘ zu Werke.

Nach jetzt rund dreimonatiger Länderspielpause verkündete der Bundestrainer in dieser Woche völlig überraschend das Ende der Nationalmannschaftskarrieren von Hummels, Boateng und Müller, bekanntlich allesamt in Diensten des FC Bayern und langjährige Stammkräfte im DFB-Team. Das war dann in dieser Form schon ein Hammer!

Das Echo war entsprechend riesig. Nicht nur medial, auch die Betroffenen zeigten offen ihr großes Entsetzen und völliges Unverständnis. Und das zurecht. Der Zeitpunkt und die Art und Weise der Bekanntmachung waren schlicht unwürdig für so verdiente Spieler.

Insbesondere der Zeitpunkt der Entscheidung, so kurz vor den entscheidenden Wochen in der Bundesliga, wirkt mehr als ungeschickt. Einmal mehr zeigte Löw damit, dass ihm die verantwortungsvolle Aufgabe beim DFB nach dem WM-Erfolg von 2014 mehr und mehr zu entgleiten scheint. In Sachen Menschenführung und Kaderplanung ist hier längst kein nachvollziehbares Konzept mehr zu erkennen.

Diesen personellen Schnitt hätte Löw, wenn er ihn den für angebracht hält, zudem im vergangenen Sommer vollziehen müssen, und dann auch nach Rücksprache mit den Betroffenen. Wenn der Bundestrainer ihnen erklärt hätte, dass er zukünftig dauerhaft nicht mehr mit ihnen plant, was natürlich grundsätzlich sein gutes Recht ist, dann hätten die Betroffenen von sich aus den Rücktritt erklären können und so bestmöglich ihr Gesicht gewahrt, hätten einen würdevollen Abschied bekommen können.

Stattdessen hat Löw so völlig ohne Not einen großen Imageschaden verursacht. Für die drei Spieler, aber auch für sich selber und die gesamte Nationalmannschaft.

Bei aller berechtigten Kritik an der Vorgehensweise und am Zeitpunkt bleibt die Entscheidung allerdings grundsätzlich nachvollziehbar. Über die drei Namen und den Zeitpunkt mag man trefflich streiten, doch war ein Neuanfang im DFB-Team längst überfällig.

Will Deutschland bei den nächsten Turnieren wieder mit einer jungen und hungrigen Mannschaft an den Start gehen, dann brauch der neue Kader Zeit zum Einspielen und zur Reife. Die konnte es mit einer dermaßen großen Anzahl von älteren Spielern, die ihren Leistungszenit überschritten haben nicht geben. Es mussten also Veränderungen her.

Löws neuerliche Ungeschicklichkeit dabei, erinnert sei in diesem Zusammenhang noch einmal um das Drama der Özil/Gündogan-Affäre,  ist allerdings erschreckend. Vielleicht wäre es am Ende doch günstiger für alle Beteiligten gewesen, wenn der DFB im vergangenen Sommer zunächst einmal den für den sportlichen Niedergang hauptverantwortlichen Bundestrainer ausgetauscht hätte…

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5 Kommentare zu “Joachim Löw beweist erneut, dass eigentlich er im vergangenen Sommer hätte gehen müssen!

  • #1
    Helmut Junge

    Jérôme Boateng und Thomas Müller haben auch aus meiner Sicht im Nationalteam nicht an die Leistung früherer Zeiten anknüpfen können. Ich ahtte mich schon länger gefragt, warum Löw die nicht ersetzt. Bei Mats Hummels hatte ich das nicht so gedacht. Vielleicht macht Löw ja einen Rundumtausch.
    So weitermachen wie bisher, ist ja auch nicht richtig. Dafür hätte er so oder so Kritik einstecken müssen. Also macht er was, aber das ist auch nicht richtig. Natürlich nicht.

  • #2
    Alf

    Joachim Löw hat sie beste Mannschaft aufzustellen, ob mit oder ohne Thomas Müller, Mats Hummels und Jérôme Boateng. Doch die Art und Weise der Ausbootung, ohne Abschiedsspiel ist nicht gerechtfertigt.

  • #3
    Klaus Lohmann

    Wozu überhaupt noch Trainer, wenn Spieler mitsamt ihren Fans und Sponsoren über ihren Verbleib selbst entscheiden wollen? Ich darf ruhig nochmal das Beispiel von Arnd Zeigler aus seiner gestrigen Sendung zitieren: Pierre Littbarskis Abgang aus der Nationalelf war jahrelang keinem so richtig aufgefallen, weil die DFB-Offiziellen seinen Rausschmiss nie zugaben und ihn einfach kommentarlos nicht mehr spielen ließen – kann man ja in Frankfurt wieder einführen, diese ehemalige "Kommunikationsspielart".

    Jogi: alles richtig gemacht! Kurzer, kalter Schlach und kein ewiges Kaugummi-Genöhle von Zellen-Uli und Rolex-Kalle mehr – so muss das;-)

  • #4
    Helmut Junge

    @Klaus Lohmann, klingt logisch, wahrscheinlich, weil ich selber ähnlich denke. Die Spieler überschätzen ihren persönlichen Beitrag doch sehr und @Alf au smeiner Sicht auch.
    Klaus Lohmann, wir liegen in diesem Fall geistig dicht beieinander.

  • Pingback: Der DFB wandelt weiterhin auf einem dramatischen Irrweg! | Ruhrbarone

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