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Die Entwicklung rund um die Nationalmannschaft als Mahnung für die Bundesliga

Das Stadion in Dortmund. Foto: Robin Patzwaldt

Die Deutsche Fußball-Nationalmannschaft fremdelt seit Jahren schon mit ihren Fans. Auch hier im Ruhrgebiet. Nicht nur, dass das DFB-Museum in Dortmund langsam aber stetig an Anziehungskraft verliert, offensichtlich inzwischen sogar zum Problem zu werden scheint, auch die jüngste Zuschauerzahl des Länderspiels Deutschland gegen Argentinien (2:2) am Mittwoch war ein weiterer Beleg in diese Richtung, der den Verantwortlichen des Verbandes Grund zum Nachdenken liefern sollte.

Offiziell waren es rund 45.000 Zuschauer am Mittwoch im Westfalenstadion, die dem Unentschieden der Löw-Truppe vor Ort die Ehre ihrer Anwesenheit gaben. Optisch sah es deutlich leerer aus. Ein Stadion, das der BVB in jedem noch so bedeutungslosen Spiel gefüllt bekommt, war an diesem Abend nur zur Hälfte gefüllt. Und das bei einer Neuauflage des WM-Endspiels von 2014.

Klar, es war nur ein Testkick, doch ist die Resonanz auf den Besuch der Argentinier hier bei uns im Ruhrgebiet schon sehr enttäuschend ausgefallen. Zumal zu Spielen des DFB ja auch immer Besucher aus anderen Teilen des Landes unter den Gästen sind.

Am Mittwoch wurde jedoch einmal mehr deutlich, dass sich der DFB schon seit längerem auf einem Irrweg befindet. Das künstliche Image, dass der Verband der ‚Mannschaft‘ zulegt, kommt bei den Fans nicht an.

Künstliche Choreos des Fanclub Nationalmannschaf, denen kein wirkliches Herzblut von Ultras zugrunde liegt, eine neue Tor-Hymne die den Charme eines längst überholten Ohrwurms versprüht, ein Bundestrainer, der seit Jahren den Kompass für das erfolgreiche Führen einer Auswahlmannschaft verloren hat, das Alles zeigt inzwischen deutlich sichtbar Wirkung.

Und der DFB? Trotz gegenteiliger Aussagen nach dem enttäuschenden Abschneiden bei der vergangenen Weltmeisterschaft in Russland 2018, zeigt dieser keine, oder zumindest kaum, entsprechende Lernbereitschaft.

Ein Länderspiel Deutschland gegen Argentinien hätte in Dortmund vor wenigen Jahren noch leicht das Stadion komplett gefüllt. Auch wenn es nur ein Testspiel ohne einige Top-Stars gewesen wäre.

Im Jahre 2019 offenkundig nicht mehr. Eigentlich ist das bei näherer Betrachtung ein gutes Zeichen, denn es zeigt, dass die Leute nicht jede Entwicklung einfach so mitgehen.

Das sollten sich auch die Bundesligamanager einmal hinter die Ohren schreiben. Wenn der DFB offenbar auch nicht in der Lage ist die Situation richtig einzuschätzen, der Liga kann die Entwicklung dort als Mahnung dienen es in Sachen Kunstprodukt und Kommerz und Entfremdung nicht zu übertreiben.

Ähnliche Tendenzen gibt es dort mit dem Erscheinen von Klubs wie RB Leipzig, der TSG Hoffenheim oder dem VfL Wolfsburg ja auch schon.

Noch zeigt sich die Bundesliga insgesamt davon weitestgehend unbeeindruckt, stimmen die Zahlen und der Zuschauerzuspruch. Doch entsprechende Fan-Proteste der Traditionalisten werden auch hier schon lange ignoriert. Noch ohne Folgen. Doch der DFB macht gerade vor, wie es enden kann, wenn ein Team bzw. eine Sportart den Kontakt zur Basis abreißen lässt, stattdessen nur noch den Regeln der Vollvermarktung folgt.

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3 Kommentare zu “Die Entwicklung rund um die Nationalmannschaft als Mahnung für die Bundesliga

  • #1
    el_emka

    Ich glaube, hier könnte auch ein Denkfehler zu Grunde liegen. Die Prämisse, dass das ultimative Ziel ein ausverkauftes, vor Stimmung berstendes Stadion ist, dürfte wahrscheinlich falsch sein. Die Prämisse ist maximaler Gewinn (natürlich im Rahmen der Gemeinnützigkeit *heiligenscheinanknips*). Ein halb mit Eventzuschauern gefülltes Stadion, von denen ein signifikanter Anteil vielleicht noch ein Trikot oder anderen überteuerten Tand einkauft, wird wahrscheinlich gewinnbringender sein, als die doppelte Menge Die-Hard-Fans, die zuletzt in den Achtzigern einen Schal im Fanshop gekauft haben, weil Ihnen die Kommerzialisierung danach zu heftig wurde. Der Getränke- und Stadionwurstumsatz wird da zwar höher sein, aber davon hat der DFB wahrscheinlich nicht so viel.

    Ich denke, man wird sich daran gewöhnen müssen, dass dies genau so und nicht anders gewollt ist. Das große Vorbild dürften hier die großen US-Sportligen sein, bei denen die meisten Zuschauer vielleicht ein oder zwei Mal pro Saison im Stadion vorbeigucken und dann aber gleich hunderte und aberhunderte Dollars dafür ausgeben. Wem das zuviel ist, darf sich damit abfinden, langfristig marginalisiert zu werden. Die Hybris, die diverse Ultra-Gruppen in Deutschland so zeigen, wenn es darum geht, dass sie die Regeln im Stadion festlegen, spielt den Verantwortlichen durchaus in die Karten. Sie liefern damit die nötige Munition, irgendwann zu sagen: Das war zu viel, ihr dürft bitte gehen. "Eure" Tribüne wird jetzt zu einem größeren Fanshop umgebaut. Stichwort: Nützliche Idioten.

  • #2
    thommy

    Wenn man 160.00 Euro für zwei noch ermäßigte Karten bezahlt hat und der Bundestrainer zwei Tage vor dem Spiel sagt, dass das Ergebnis nicht so wichtig sei, kommt man sich noch mehr verarscht vor als man sich im Vorfeld bei Durchsucht, wer alles so such bei den Argentinieren fehlen wird,vorkommt.

    .Allerdings trotz allem-es war wirklich ein gutes Spiel mit einigen Aktienen zum Zunge schnalzen ( vor allem Havertz), einigen Tunneln gegen Süle und einem Ter Stegen, der einen miserablen Pass nach dem andere von hinten heraus produziert hat und so immer wieder die Argentinier in Ballbesitz brachte. Insgesamt vom spielerischen gut anzuschauen, was beide Manbschaften boten, aber natürlich fehlte der Wettkampfcharakter, denn: Ergebnis war ja, so Löw, egal.

    PS: " Bitte erheben Sie sich zum Abspielen der Nationalhymnen" kann man sich eigentlich such sparen. Ich persönlich will ein gutes Spiel und kein nstionalistisches Gedönse sehen oder dazu aufgefordert werden, mich vor einer Nationalhymnen spielenden Bundeswehrblaskapelle zu ergeben.

  • #3
    Thomas Klauser

    Bierhoffs politischer Auftrag ist nun einmal, die fußballschauende Masse vom Gefühl Mitglied einer Nation zu sein abzubringen. Klare Indizien sprechen genau dafür. Bloß keine "Deutsche Nationalmannschaft" mehr, stattdessen die identitätslose "Die Mannschaft". Bloß kein Schwarz-Rot-Gold mehr, stattdessen Grautöne auf dem Trikot und eine nichtsagende Torhymne. Dass die Politik und ihre willfährigen Vollstrecker uns den Gedanken Teil einer Nation zu sein austreiben soll, sieht man zudem am Logo der Nationleague: Künstliche, nichtexistierende Flaggen statt realexistierender Nationalflaggen. Bierhoff & Co. erfüllen ihren Auftrag, und bald wird es soweit sein, dass Zuschauer ihre Nationalhymne als nationalististisches Gedöns und Landesflaggen als rechtspopulistisches Utensil betrachten werden. Brainwashing at it’s best.

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