Woltemade für 80 Millionen – die letzte Fußball-Romantik wird weggekauft

Foto: Robin Patzwaldt

Es gibt Geschichten, die einem endgültig den Glauben an den Fußball nehmen. Nick Woltemades Wechsel von Stuttgart nach Newcastle gehört genau in diese Kategorie. Über 80 Millionen Euro Ablöse – das ist nicht nur ein Transfer, das ist ein Schlag mit dem Holzhammer gegen jede Restillusion von Fairness und Tradition.

VfB trotzt den Bayern – und verliert trotzdem

Noch vor wenigen Wochen durfte man sich als Traditionalist die Hände reiben: Stuttgart zeigte Rückgrat und wies die Annäherungsversuche des FC Bayern selbstbewusst zurück. Kein Automatismus, keine willfährige Kapitulation vor dem Branchenriesen – endlich mal ein Klub, der nicht gleich ins Münchner Beuteschema kippt. Man konnte fast glauben, es gäbe sie noch, diese kleine Bastion gegen die Monotonie der Bundesliga. Doch das kurze Glücksgefühl verpuffte schneller, als es aufgeflammt war.

Geld schlägt Moral – immer

Denn wenn nicht Bayern, dann eben Newcastle. Der Klub, aufgepumpt mit saudischen Ölmilliarden, schnappt nun zu. Für die „Magpies“ ist die Summe ein Trinkgeld, für den VfB dagegen ein Angebot, das man aus nüchterner Vernunft nicht ablehnen kann. Moral? Vereinsliebe? Sportlicher Ehrgeiz? Alles nett, aber in Zeiten, in denen Investorenklubs mit unbegrenzten Ressourcen hantieren, nur hübsche Worthülsen. Die Regeln des Spiels haben sich längst verschoben: Nicht mehr die besten Konzepte oder die nachhaltigste Arbeit entscheiden, sondern die dicksten Schecks.

Bundesliga als Selbstbedienungsladen

Und so zeigt sich einmal mehr das strukturelle Problem: Die Bundesliga ist zu einer Art Ausbildungsliga für die Reichen geworden. Vereine wie Stuttgart investieren klug, entwickeln Talente, bauen behutsam auf – und sehen ihre Stars dann doch in England oder Spanien verschwinden. Der deutsche Fan darf sich mit wohlklingenden Phrasen über „starke Ablösesummen“ und „finanzielle Stabilität“ trösten. Doch sportlich bleibt die Liga geschwächt, während die Premier League ihr Übergewicht immer weiter ausbaut.

Der Preis der Illusionen

Für den VfB ist Woltemades Abgang ein sportlicher Aderlass, für die Fans ein emotionaler. Gerade dieser Stürmer hätte zum Gesicht einer neuen, ehrgeizigen Stuttgarter Generation werden können. Stattdessen wird er nun zur nächsten Figur in einem globalen Monopoly, bei dem Tradition und Identität kaum noch zählen. Wer an Fußballromantik glaubt, wirkt mittlerweile so naiv wie jemand, der an den Osterhasen schreibt.

Romantik? Vergiss es!

Übrig bleibt nur ein schales Gefühl. Ja, der VfB hat Bayern München die Stirn geboten – aber am Ende war das völlig egal. Statt „Mia san mia“ entscheidet nun „Money makes the world go round“. Fußballromantik? Tot. Beerdigt. Und der Grabstein trägt den Namen Nick Woltemade.

Dir gefällt vielleicht auch:

Abonnieren
Benachrichtigen bei
guest
0 Comments
Älteste
Neueste
Inline-Feedbacks
Alle Kommentare anzeigen
Werbung