Zehn Geschichten über Klaus Steilmann

Grafik: ruhrbarone, Foto: klick

"Der schönste Tag in meinem Leben", war für Klaus Steilmann der 11. Dezember 1992 – und zwar um zwanzig nach neun. Die SG Wattenscheid hatte den VfL Bochum durch zwei Tore von Suleyman Sané besiegt. Sowieso eine gute Spielzeit für Steilmann: Am Ende der Saison stieg Bochum ab. Und Wattenscheid schaffte als 14. den Klassenerhalt.

Der zweitbeste Tag Steilmanns Leben war dieser gewonnene Grand ohne vier, im März 1984. Manchmal ärgert er sich noch heute, nicht Re gesagt zu haben.

Seine beste Tat, verriet der Textilunternehmer nur engsten Vertrauten, war die Verpflichtung von Michael "Ata" Lameck für seinen Betrieb und die Klaus Steilmann Traditionsmannschaft. Weniger weil Lamek ein passabler Mittelfeldspieler ist, mehr weil er den Bochumern ihren Kultspieler ausspannte. "Seit fast zwanzig Jahren hat er mir so manches Törchen aufgelegt", kichert sich Steilmann eins.

So richtig traurig war Klaus Steilmann nur einmal, vor einem Jahr, seither kann er Samstags nicht mehr Fußball spielen – die Kraft ließ nach. "Ich konnte nicht mehr schlafen".

"Was ich am Fußball mag?", antwortete der Sportmäzen einmal: "Gut geschnittene, aber preisgünstige Trikots".

Fast hätte sich Steilmann damals vergessen: Wenn Neujahr 1975 nicht die Geschäfte zu gewesen wären, wer weiß, was passiert wäre? Steilmann, der in Wattenscheid seine Heimat fand, freut sich an den rigiden Ladenöffnungszeiten in Deutschland: "Sonst wäre ich mit all den Messers und Pistolen wohl richtig lange in den Kahn gewandert", grinst er erleichtert.

Auf seine drei Töchter ist Steilmann echt stolz – nur Britta ging (nicht nur) ihm ganz schön auf die Nerven mit ihrer indianischen Baumwollwäschekollektion. Gut, dass sie jetzt in Ratingen als Dekorateurin arbeitet, murmelt der Unternehmer morgens beim Rasieren.

Steilmann hat jede Menge Auszeichungen bekommen, er weiß auch wofür. Nur warum sie ihn "Weltbürger aus Wattenscheid" nennen, ist ihm schleierhaft: "Ich bin doch aus Vorpommern."

Als er auf Italienreise war, erkundigte sich Steilmann beim Taxifahrer nach Fußballvereinen in der italienischen Hauptstadt: "Do you know a Club of Rome?" Als der Kutscher ihn an einem Kongresshotel heraus ließ, staunte er nicht schlecht, ließ sich aber nicht lange bitten, als ihm die gut gekleideten Herren sofort die  Mitgliedschaft antrugen. Nach ein paar Stunden Vorträgen über Nachhaltigkeit und die Grenzen des Wachstums wurde es Steilmann dann aber zu bunt; – und das will was heißen. Er rief "Where is the Whistleblower?". Die Gesellschaft stutzte, dann verstanden sie: Ihnen fehlte Insiderwissen, da kam der erfahrene Unternehmenslenker aus Wattenscheid gerade Recht. Mann, haben sie ihm die Schulter platt geklopft! 

Auf Klaus Steilmanns Schreibtisch finden sich immer noch ungewöhnliche Dinge aus anderen Erdzeitaltern: Zigarettenstangen der Marken Lux oder Atika. Anfragen vom Kardinal Hengsbach. Briefpapier der Stadt Wattenscheid. Lederfett. "Dabei hab ich das Rauchen leider dran geben müssen!", ärgert er sich.

Was Klaus Steilmann richtig wurmt, dass sein Betrieb ausgerechnet rund um seinen achtzigsten Geburtstag von Bochum, sorry: Wattenscheid nach Bergkamen verlagert wird. "Mit Italienern hab ich ja so meine Erfahrungen machen können", grummelte der schlanke Senior. Der Verkauf an den Modekonzern Radici geht dem Textilfachmann noch immer gegen die Naht.    

Und hier noch zwei Geburtstagslinks: klick, klack.

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