Zoo Krefeld: Trauer um tote Affen steht längst in keinem nachvollziehbaren Verhältnis mehr

Im Dortmunder Zoo. Foto: Robin Patzwaldt

Der Zoo in Krefeld trauert aktuell um über 30 tote Tiere, darunter acht Menschenaffen. Sie verbrannten in einem Feuer, das offenbar Himmelslaternen in der Silvesternacht auslösten. Das sind schlimme Nachrichten. Gar keine Frage!

Es schmerzt jeden Tierfreund, wenn er eine solche Meldung über die Medien vernehmen muss. Auch mich. Das Ausmaß der Berichterstattung und der öffentlich zur Schau gestellten Trauer rund um das bedauerliche Unglück, stehen allerdings schon längst in keinem auch nur ansatzweise  nachvollziehbaren Verhältnis zum Anlass mehr.

Egal in welches Medium man heute blickt, egal welchen Sender man auch einschaltet, es scheint in Deutschland tatsächlich keine wichtigere Nachricht zu geben als den Brand im Affenhaus zu Krefeld.

Doch bei aller berechtigten Trauer um den Verlust, man muss an diese Stelle einfach einmal ganz klar festhalten, dass es am Ende eben doch ‚nur‘ Tiere waren, die dort ums Leben gekommen sind!

Wenn man die Bilder und Statements aus Krefeld einmal ein paar Sekunden in Ruhe auf sich wirken lässt, dann kann man allerdings nur noch mit dem Kopf schütteln. Ein Meer von Kerzen, wie man es zuletzt beim Tod von Prinzessin Diana gesehen haben dürfte, wird für die Opfer der Flammen aufgestellt, zahlreiche Blumen zu ihren Ehren in der Nähe der Unglücksstelle niedergelegt. Vertreter des Zoos und der Stadt geben sich völlig geschockt und niedergeschlagen. Es ist sogar von zukünftiger psychologischer Hilfe für die Trauernden die Rede. Es geht also zu, als sei eine große Tragödie nationalen Ausmaßes zu beklagen.

Leute, auch wenn ich mich bei einigen hier jetzt sicherlich unbeliebt mache, haltet bitte mal den Ball flach! 30 Tote Tiere bedeuten, so bedauerlich die Ereignisse auch sind, längst keine nationale Krise.

Habt ihr schon einmal darüber nachgedacht, wie viele Tiere in Deutschland jeden Tag ums Leben kommen, wie viele alleine im Straßenverkehr sterben? Kümmert das irgendeinen außer den direkt an diesen Unfällen Beteiligten?

Klar, zu Zootieren baut manch regelmäßiger Besucher eine Beziehung auf, wie zu einem eigenen Haustier. Aber auch die Haustiere sterben irgendwann einmal.

Wer schon einmal einen Hund oder eine Katze in der Familie verloren hat, der trauert auch. Aber so eine Schau veranstaltet nahezu niemand um seine toten Stubentiger oder geliebten Familienhund. Ich kann mich jedenfalls in meinem Leben an keine vergleichbaren Fälle in solchen Situationen in der Familie bzw. im Freundes- und Verwandtenkreis erinnern.

Fassen wir den Blickwinkel auf das Geschehen in Krefeld noch etwas weiter, dann kommen einem die unzähligen Tiere in den Sinn, die in den Feuern im Amazonasgebiet oder gerade bei den Buschfeuern in Australien zu Tode kommen. Das sind tausende! Im Vergleich dazu sind die 30 Tiere von Krefeld eine geradezu läppische Marginalie. Hat man hierzulande über die Dramen, die sich in Brasilien und Australien abspielen, ähnlich viel Wehklagen gehört? Warum nicht? Irgendetwas passt da doch nicht mehr zusammen.

Noch verstörender wird es, wenn wir uns einmal mit dem traurigen Schicksal vieler Menschen in diesem Lande beschäftigen. Obdachlose? Pflegebedürftige? Kranke? Einsame? Für wen wird öffentlich bittschön so ein Aufstand veranstaltet wie für diese toten Zootiere? Wohl für kaum jemanden. Sind diese Zustände und Entwicklungen in unserer Gesellschaft aber letztendlich nicht viel trauriger, viel beklagenswerter? Kümmert uns das Schicksal einiger liebgewonnener Tiere tatsächlich mehr als das unserer Mitmenschen, unserer Nachbarn?

Kommt jetzt also bitte mal wieder auf den Teppich! Die Vorgänge von Krefeld sind traurig. Natürlich! Sie sind auch öffentlich beklagenswert. Sie können einen zugleich ein Stück weit wütend machen. Aber so ein riesiges Drama aufzuziehen für keine drei Dutzend ums Leben gekommene Tiere in einer Welt voller großer Probleme und Herausforderungen?

Einfach nur irre!

 

Dir gefällt vielleicht auch:

Abonnieren
Benachrichtige mich bei
38 Comments
Oldest
Newest
Inline Feedbacks
View all comments
ke
ke
4 Jahre zuvor

Ja, ich musste auch sofort an die Brände in den Regenwäldern denken und an die Buschbrände aktuell in Australien.
Die interessieren überhaupt nicht, es sein denn, irgendeine NGO präsentiert mal wieder ein dramatisches Foto. Wir verdrängen gut bzw. kümmern uns lieber um das Liebesleben eines C-Promis.

Bush Meat interessiert auch nicht. …

Dann bleibt aber natürlich die Verantwortung, die wir haben , wenn wir Tiere in Gefangenschaft halten. Ich halte generell den Brandschutz in Deutschland für deutlich übertrieben, kann aber nicht verstehen, dass keine Brandmelder / Videokameras etc. vorhanden sind. Da ist jeder Nerd in seiner Gartenlaube weiter. Immerhin war Silvester.

Es werden jetzt natürlich wieder Verbote in allen Richtungen gefordert. Zuerst stellt sich für mich die Frage, wieso solche "Brandbomben" überhaupt noch auf dem Zielmarkt NRW verkauft werden können. Insbesondere wohl ohne Kennzeichnungen, dass die Nutzung verboten ist.

Verbote, die sowieso nicht oder nur unzureichend überwacht werden, bringen auch nichts.
Das gilt auch für die Bilder mit extrem großen Böllern, die aus den Städten verbreitet werden. Wieso schreiten hier keine Behörden ein?
Dass dann die Berliner Polizei noch lustig twittert, kann ich überhaupt nicht nachvollziehen. In Berlin gibt es wirklich genug zu tun.

Karl-Martin Obermeier
Karl-Martin Obermeier
4 Jahre zuvor

DANKE! ??

Nina
Nina
4 Jahre zuvor

Robin, das sind unsere Verwandten. Ich glaube, da darf jeder auf die Art und Weise und auch medial trauern. Ich denke nicht, dass man ein Unglück gegen das andere aufwiegen muss. Das finde ich traurig.
Außerdem, sag mal, wolltest Du nicht eine Auszeit nehmen? 😉
Mir tun die Affen auch Leid und wie gesagt-es sind unsere Verwandten!

Klaus Wipprecht
Klaus Wipprecht
4 Jahre zuvor

Herr Patzwald,

welches Maß an Trauer ist genug. Wie soll es bemessen werde.

Jeder Mensch trauert auf seine Weise.

Welcher Anlass ist der, der ein Maximum an
Trauer freisetzt.

Ist es nicht eine höchst persönliche Angelegenheit.

Es ist anmaßend und intellektuell fehlgeleitet, darüber zu Urteilen.

Ihr Artikel, Ist so überflüssig wie ein Kropf.

Gruß

Klaus Wipprecht

Nina
Nina
4 Jahre zuvor

Hm, Robin, ich denke Du bist etwas angeknabbert derzeit. Man muss ein Unglück nicht mit einem anderen Unglück aufwiegen. Das vergiftet nur die Seele.

Helmut Junge
Helmut Junge
4 Jahre zuvor

@Robin, @Nina, im Prinzip denke ich meist eher wie Robin, und ich mag den Betroffenheitsjournalismus nicht, aber diesmal bin ich bei Nina. Übrigens tut es doch niemanden weh, wenn Menschen Trauer über den Tod von "Tieren" empfinden. Im Knast zu verbrennen, fände ich selbst für ganz schlimme Mörder, die den Tod aus meiner Sicht mehrfach verdient hätten, und woanders als hier auch gekriegt hätten, ganz furchtbar. So zu sterben ist, nachdem man schon kein wirkliches Leben hatte, entsetzlich. Und " sind doch nur Tiere" sagt doch nicht, daß sie nicht verstehen, was los ist.
Andererseits ist das Problem viel rößer, wie Robin schreibt. Sehr viel größer sogar. Doch darüber fehlen die Presseartikel. Robin kritisiert das zu Recht.

Arnold Voss
4 Jahre zuvor

@ Nina # 3
Affen sind nicht meine Verwandten und Hunde nicht meine Freunde. Es sind Tiere. Und sie sollten von Menschen auch wie Tiere behandelt werden.

Susanne Scheidle
Susanne Scheidle
4 Jahre zuvor

Mir tun die Tiere sehr, sehr leid. Da geht bei mir schon ein Kopfkino ab, das nicht so leicht zu ertragen ist. Bekanntermaßen habe ich ja auch als Künstlerin so ein bisschen mit Affen zu tun… man baut schon eine Beziehung zu den Tieren auf, auch wenn man sie nur aus dem Zoo kennt, weil sie so individuell sind, man kann sie unterscheiden, kennt die Namen und irgendwann auch deren Macken…
Allerdings habe ich das gleiche auch angesichts der Buschbrände in Australien empfunden, für Tiere und ganz besonders für Menschen, die z. B. noch immer am Strand ausharren müssen weil der Weg abgeschnitten ist, in der Hitze ohne Wasser, ohne Schatten, ohne Essen … nicht vorzustellen, das Ganze.

Was mich an der traurigen Geschichte in Krefeld sehr erbost hat: Die Nachricht machte gerade die Runde, da wussten die ersten schon, was Sache war: Es war eine Feuerwerksrakete! Warum gab es keine Brandmelder? Hat man die einfach weggelassen um Kosten zu sparen für den maximalen Profit? Ganz Schlaue schlagen vor, eine Notklappe einzubauen, durch die die Tiere im Notfall ins Freie können. Super Idee! Freilaufende Schimpansen in der Stadt… wissen die, wozu ein ausgewachsener Schimpanse fähig ist? Da werde Nachrichten auf FB geteilt, dass die Polizei mit Schusswaffen die Feuerwehr geschützt hat ("damit sie die Tiere abballern können, die sich doch noch retten können!") – auf die Idee, dass die Feuerwehrleute versuchen, schlimmeres zu verhindern und dafür bitte nicht von einem großen Tier in Panik schwer verletzt werden wollen kommt anscheinend nicht jeder.
Aber vor allem: Feuerwerk gehört verboten.

Jetzt stellt sich heraus, es waren diese romantischen Fluglaternen. Habe eben mal testweise "Himmelslaterne kaufen" gegooglt, et voilà: Angebot von Amazon, 12 Stück für 6,95 EUR, in der Beschreibung kein Wort darüber, dass die Dinger verboten sind. Sie werden ausdrücklich angepriesen als UMWELTFREUNDLICH.
Mir tun übrigens auch die Leute leid, die sich jetzt gemeldet haben weil sie mutmaßlich die Laternen auf die Reise geschickt haben und zwar garantiert nicht, um damit einen Brand auszulösen! Womöglich wollten sie Silvester diesmal besonders umweltfreundlich feiern, ohne Krawumm und Raketen, das wäre dann tatsächlich tragisch.

Geraldine
Geraldine
4 Jahre zuvor

Der menschliche Vergleich hinkt wohl, denn diese Tiere haben wir Menschen gefangen genommen und gezüchtet.
Sie können nichts für sich selbst tun in einem Käfig, sondern wir haben die Verantwortung.
Hingegen haben Menschen Möglichkeiten, treffen Entscheidungen und sind ihres eigenen Glückes Schmied.
Wohl deshalb haben wir teilweise auch mehr Mitleid mit unschuldigen Tieren, als mit Menschen, die sich jeden Tag die Birne weich saufen.

Silberrücken
Silberrücken
4 Jahre zuvor

Sie maßen sich an, Menschen zu verurteilen weil Sie trauern. Und zwar um das, was ihnen persönlich wichtig ist. Das ist hybrisch und unverschämt. Und wenn die Menschen 100.000 Kerzen für die Affen in Krefeld aufstellen.. stellen Sie welche für das auf, was Ihnen wichtig ist aber verschonen Sie die anderen mit Ihrer Meinung.

Wolf Achim Wiegand
Wolf Achim Wiegand
4 Jahre zuvor

Es ist wirklich traurig, was da in Krefeld geschehen ist. Dennoch sei mir erlaubt anzumerken, dass über Menschen, die täglich von russischen Bombern in Syrien zermalmt, zerquetscht, getötet und verbrannt werden, kaum ein Affengeschrei angefangen wird. Ich weiß, dass es emotional und spitz ist, was ich hier schreibe. Aber mal ehrlich: gibt es nicht wesentlich grauenvollere Ereignisse auf der Welt, als das Abbrennen des Affenhauses in Krefeld?

ke
ke
4 Jahre zuvor

#10 Geraldine
Wir können Entscheidungen für uns treffen, wenn wir gesundheitlich dazu in der Lage sind. Bei vielen Menschen – insbesonderen alten Menschen – ist das nicht mehr der Fall. Bei kleineren Kindern als größere natürlich auch nicht.

Auch hier könnte viel getan werden.
Irgendwie kümmern wir uns aber lieber um unsere Haustiere, die wir in großen Mengen speziell züchten, damit sie möglichst süß sind.

Dass viele Tiere auch intelligent sind und Gefühle etc. haben, zeigt die Forschung auch. Darüber hatten wir aber auch schon vor vielen Monaten diskutiert, und ich weiß, dass dies viele der Stamm-Kommentatoren anders sehen.

Susanne Scheidle
Susanne Scheidle
4 Jahre zuvor

@ Geraldine
Ja, Menschen können Entscheidungen treffen, Erwachsene jedenfalls, und manchmal sind es die falschen, was gelegentlich dazu führt, dass man in Situationen kommt, in denen man sich nicht mehr selbst helfen kann.
Möglicherweise ist das der Grund, warum sich einige die Birne weich saufen.
Ich halte es durchaus für angebracht, auch für Menschen ein gewisses Maß an Mitgefühl aufzubringen.

Den Spruch "Jeder ist seines Glückes Schmied" fand ich ehrlich gesagt schon immer unerträglich selbstgerecht.

trackback

[…] fuhr Ruhrbaron Robin Patzwaldt einen Frontalangriff auf die Affen-Trauer. Ruhrbaron Robert Herr sieht das anders: Warum man auch um Affen trauern […]

Petra
Petra
4 Jahre zuvor

@Robin
Ihre Äußerungen zeigen, dass Sie an der maximalen Ausschöpfung Ihrer Kognitivität noch arbeiten müssen.
Ihre Vergleiche sind vollkommen daneben.
Es würde ja bedeuten, dass ich auch nicht um meinen verstorbenen Partner trauern darf, weil auf der Welt viele Menschen sterben.
Den Vergleich mit Prinzessin Diana ist doch gar nicht so verkehrt, auch sie starb überflüssigerweise, da durch Hetzjagden von "Journalisten", die ja ganz selbstlos handeln. Nein auch sie sind Geldgeil und nicht mehr. Ein Zoo macht in der Regel keinen Profit und spart bei Brandschutzmeldern.
Der Tod der Affen war gleichfalls überflüssig, da diese Himmelslaternen trotz Verbot gekauft werden können. Die Verursacher bekommen Drohungen, aber die tatsächlichen Verantwortlichen, die Regierung, die es scheinbar gar nicht interessiert, ob die Verbote eingehalten werden, nicht.
Wer für was trauert, ist eine ganz persönliche Angelegenheit und Ihre Ausführungen sind anmaßend und unverschämt.
Ich trauerte nicht um Prinzessin Diana, ich kannte sie nicht. Ich trauere nicht um geschlachtete Robben, ich kenne sie nicht und ich trage nicht deren Pelze. Trotzdem finde ich beides schlimm, weil es überflüssig ist.
Viele der trauernden kannten aber diese Affen über viele Jahre, ich auch, seit Kindesbeinen an. Ich fahre täglich zweimal am Tag dort vorbei und ich fand es ganz schrecklich gestern dabei das Gerippe des Affenhauses zu sehen, im Hinterkopf, wie elendig und überflüssig diese Tiere verendet sind.
Mit der Notklappe sollen keine Tiere durch die Stadt laufen können, aber ggf. in ein gesichertes Außengehege, womit der Tod durch Rauchgas und Verbrennungen verhindert werden könnte.
Schärfere Brandvorgaben bedarf es nicht, diese werden sowieso bei jedem Neubau berücksichtigt.
Aber hinterher weiß ja immer jeder alles besser, wie man an vielen Aussagen im Netz lesen kann.

Petra
Petra
4 Jahre zuvor

@Robin

Sie haben aus meiner Sicht nicht annähernd das Recht die Verhältnismäßigkeit in Frage zu stellen, da es eine rein persönliche Angelegenheit eines jeden Selbst ist.

Gründlich habe ich gelesen, schreiben Sie es einfach meiner Empörung Ihrer Unverschämtheiten zu, dass ich dann "nicht" anstelle von in Ihren Augen "viel" geschrieben habe.

Petra
Petra
4 Jahre zuvor

@Robin

Die Verhältnismäßigkeit zu hinterfragen, sollten Sie für sinnvolle Themen nutzen, nicht jedoch die die persönlicher Natur eines jeden Einzelnen sind und da bleibe ich bei meiner Aussage, dass Sie da vollkommen fehl am Platz sind. 😉

Lenken Sie doch Ihre Anschauungsweise von Verhältnismäßigkeit auf Themen wie Elektroautos und der vermeintliche Umweltschutz daraus, ohne Beachtung der Ausbeutung von seltenen Erden, die für die Autos und deren Batterien und Akkus notwendig sind. Oder die Ausgaben der Regierung in diversen Fällen.

Es gibt genügend andere Themen, wo man die Verhältnismäßigkeit in Frage stellen könnte, die nicht auf den Emotionen anderer aufgebaut sind.

Sarah F.
Sarah F.
4 Jahre zuvor

Ich finde den Kommentar auch schräg – das eine gegen das andere aufwiegen bringt nichts und sagt mehr über das Weltbild des Autors aus als über die Trauernden.

Diese Affen standen unter menschlicher Verantwortung und kamen dennoch durch menschliche Dummheit und Fahrlässigkeit und eine Menge unglücklicher Verkettungen um. Aber genau diese Affen kannten Viele und haben eine Beziehung dazu aufgebaut. Zu den Affen und Menschen und Kindern sonstwo auf der Welt jedoch nicht. Deshalb die große Anteilnahme – weil viele Menschen aus der Region, so auch ich, mit genau diesen Affen Erinnerungen und schöne Momente verbinden.

Und das man an den Bedingungen und für das würdige Überleben für Mensch und Tier in anderen bzw. Krisenregionen arbeiten sollte bzw. für diese einstehen sollte, steht doch außer Frage. Aber hier hat das Grauen quasi ein Gesicht bekommen, und wenn man etwas verliert, was man kennt, ist das für die Psyche schwerer zu verkraften, als wenn der Verlust abstrakt bleibt.

Und es bleibt den Ruhrbaronen ja unbenommen, auf die ganzen anderen Mißstände, von denen ich bspw. teilweise gar nichts wusste (Affen auf Borneo) hinzuweisen und darüber zu berichten. Aber mir meine konkrete Trauer als überzogen vorzuwerfen, ist echt unter aller Kanone.

Daniela Harth
Daniela Harth
4 Jahre zuvor

#Wahtaboutism im Bereich der Gefühle ist immer ein Wagnis und kann schnell schief gehen. Wie hier geschehen.

Lukas
Lukas
4 Jahre zuvor

Ich frage mich auch, warum ist ein Tier mehr wert als ein anderes? Wäre ein Viehtransport mit Nutztieren auf der Autobahn in Flammen aufgegangen und die Tiere verendet, wen hätte es weiter interessiert, außer der örtlichen Berichterstattung? Was ist mit den Tieren, die in Schlachthöfen nach einem kurzen Leben ohne Freigang, eingepfercht in engen Boxen dem Schlachter ans Messer geliefert werden? Ja es ist eine tragische Geschichte, die hätte vielleicht verhindert werden können, aber im Gegensatz zum tolerierten Tod von Tieren in Tierversuchsanstalten und auf Schlachtbänken, war es kein böswilliger Vorsatz. Denkt mal dran, wenn ihr in die nächste Bratwurst beißt.

Wolfram Obermanns
Wolfram Obermanns
4 Jahre zuvor

Empathie für Tiere ist wahrscheinlich deshalb so beliebt, weil die eigenen, individuelle Projektionen auf die Kreatur von dieser so oder so nicht in relativiert oder in Zweifel gezogen werden können.
Ambivalenzen wie bei einer Person braucht niemand aushalten, das Gefühl bleibt rein.

Nina
Nina
4 Jahre zuvor

@Wolfram Obermanns: Wenn man den Bogen so weit spannen will, dann kann man das auch über verstorbene/getötete/ermordete Menschen sagen, denn da werden die "Projektionen" auch nicht relativiert oder in Zweifel gezogen.

Christian Perzl
Christian Perzl
4 Jahre zuvor

Ich kenne Krefeld durch genau drei Dingen, das ist zum einen weil ich Eishockeyfans bin natürlich die Pinguine, zum zweiten(nachdem ich festgestellt habe dass das ja nur ein Stadtteil Krefeld ist) den KFC Uerdingen 05 und als Dritten im Bunde den Zoo.

Vom Zoo bekomme ich auch noch rund 525 Km entfernt mehr dank der Lokalpresse, Fernsehen und co. als bei den fast in Steno geschrieben Spielberichte der zwei anderen. Den klar, süße Tiere ziehen in Medien immer, und lenken sie doch gut für einige Augenblicke von Problemen und Sorgen ab.

Schaut man dann noch sich die lokale Ebene an, wird das Ausmaß erst so richtig klar.
Der Krefelder Zoo hat gut über 300.000 Besucher letztes Jahr, das wäre im Fussballzirkus ein sehr gut besuchter Club der zweiten Liga.
Oder auf Krefeld bezogen, er zieht mehr Menschen an als die Pinguine, der KFC und alle Museum zusammen.
Da kann man mit wohl mit Recht schreiben, dass das wohl die Attraktion/Wahrzeichen Krefelds ist, und wo jeder darüber reden kann.

Wenn dann auch noch die Hauptdarsteller dieser Sehenswürdigkeit durch einen fahrlässigen Unfall sterben, kann ich jeden Krefelder verstehen das er bestürzt ist und man das mit einer kleine Geste zeigt.

Das mal ganz ohne die Thematik von Menschenaffen/Tiere überhaupt anzuschneiden.
Mit der wird es natürlich noch eine Zacke emotionaler.
Verständlich, den man hat in der Region diese Tiere über Jahre( Ein Gorrila zb. war 45 Jahre im Zoo) aufwachsen gesehen.
Genauso, es dürfte auch jeden Haustierbesitzer schwerer fallen den Tod des geliebten Familienmitglieds zu verkraften wenn es plötzlich, durch äußere Einwirkungen passiert.

Als Anekdote: Verwandtschaft, Bauern (Schweine) in Niederbayern, konnten den einen Hund selbst erschießen weil er wirklich nur noch leidet. Man war froh daß er nicht weiterleiden musste.
Ein anderer Hund würde bei Stadtbesuch von einen ausparken Auto erwischt. Ich hab sie außer danach bei einer Beerdigung nie weinen sehen, dort war's soweit.

Abgesehen jetzt von der lokalen und emotionalen Sichtweise:

Gibt es trotzdem wichtigeres? Selbstverständlich, aber warum kommen da jetzt Obdachlose wenn es doch Flüchtlinge gibt. / Ne halt, was ist mit den allgemeinen armen Menschen in Deutschland. / Wobei, das mit denn Menschen in der dritten Welt ist ja noch schlimmer. / Aber DAS WELTKLIMA ist das aller WICHTIGSTE Problem!!!

Mhh, irgendwie mag ich solches Zealotengefeifer schon bei Sachfragen nicht, aber es ist noch ekelhafter wenn man so versucht Emotionen masszuregeln.
Hat etwas von moralschwangeren Monologen der Biedermeier-Grünen, die wollen auch gerne mit der ins Heilige überhöhte Wichtigkeit andere Menschen vorschreiben wie sie sich zu fühlen haben.

Gratulation, das sowas jetzt auch bei Ruhrbarone mal seinen Platz findet.

Jennifer
Jennifer
4 Jahre zuvor

Was soll das, hier abwägen zu wollen, ob die Trauer verhältnismässig ist oder nicht. Hauptsache, schlau dahergeredet. Wem bringt es was? Ich finde solche Besserwisserei einfach nur peinlich. Der Artikel schwimmt auch nur mit auf der medialen Welle. Darf man jetzt nicht wegen der Affen traurig sein, weil es noch anderes Unglück auf der Welt gibt? Ich denke, viele sehen die Kreaturen, die hilflos ausgeliefert sind/ waren. Die konnten sich nicht retten, und haben das Feuer nicht verursacht. Ausserdem sind diese Menschenaffen uns Menschen sehr nahe. Orangs und Gorillas sind nicht einfach "nur Tiere". Wer sich ein bisschen mit ihnen beschäftigt hat, weiss das. Morgen werden wieder Pferde gequält fürs Hormon, dass man in der Schweinezucht "braucht", und sowieso finden Tiertransporte statt usw. usw. Klar, könnte man sich endlos noch sehr viel mehr aufregen. MfG

Michael
Michael
4 Jahre zuvor

Der Beitrag von Robin ist sehr treffend. Genau so treffend, wie die Empörung, die er auch gleich wieder auslöst. Es ist völlig unverständlich, welche Blüten, die Wellen der Empörung mittlerweile treiben. Robin geht sogar noch darauf ein, dass es natürlich unendlich traurig ist, was da passiert ist, aber er wird angefeindet und es wird ihm vorgeworfen, dass sein Beitrag unnötig und gefühllos sei. Und genau deswegen ist seine Mahnung als Journalist wichtig. Er will uns aufzeigen in welche Richtung wir gehen und dass Verhältnissmäßigkeiten einfach nicht mehr stimmen. Jeder kann natürlich trauern nach seiner Fasson, aber ein solcher Bohei macht es schwierig, noch schlimmere Sachen dann verhältnismäßig zu veröffentlichen und journalistisch darzustellen. Nicht umsonst hat eine Zeitung Schlagzeilen und auch einfache Meldungen. Im Verhältnis gesehen liegt der Affenhausbrand irgendwo dazwischen. Dass er in Krefeld und näherer Umgebung zur Schlagzeile wird ist klar. Wir brauchen in unserem Zusammenleben Verhältnismäßigkeiten, sonst ertrinken wir im Tal der Empörungen. (ich bin ebenfalls Journalist und im Nahen Osten tätig, bin deshalb nur von Empörungsthemen umgeben)

Wolfram Obermanns
Wolfram Obermanns
4 Jahre zuvor

#27
Trauer über einen Menschen ist häufig sehr ambivalent und nicht selten mit Wut, Enttäuschung und allen möglichen anderen negativen Empfindungen gegenüber dem toten Menschen verbunden.

trackback

[…] festgestellt, als ich in einem Beitrag die meiner Meinung nach völlig aus dem Ruder gelaufene Trauer um die in der Silvesternacht verbrannten Affen im Krefelder Zoo thematisiert und zur Diskussion habe, der Beitrag überdurchschnittlich häufig in […]

E
E
4 Jahre zuvor

Danke.

Sven
Sven
4 Jahre zuvor

Whataboutismus war noch nie ein gutes Argument. Das Menschen nach eigenem Bezug werten und das Schnitzel ein Essen ist und die Affen „Familienangehörige“ ist natürlich ein Wertungsunterschied. Das so eine Dynamik entsteht ist auch nicht neu (unabhängig ob Facebookparty oder andere Themen die gepusht werden).
Aber auf andere Themen zu verweisen ist schlicht whataboutismus.

JYF
JYF
4 Jahre zuvor

Hier geht es um Politik. In Krefeld und darüberhinaus darf man überhaupt nicht ansatzweise äußern, gegen eine Weiterführung der MenschenaffenHaltung in Zoos zu sein. Volkes Stimme zählt bei den nächsten Wahlen. Und die gewinnen die Affen.

Kerstin Winkert
Kerstin Winkert
2 Jahre zuvor

Also ganz ehrlich…Es ist zwar jetzt schon anderthalb Jahre her,aber mir ging der Tod der verbrannten Tiere auch seehr nah..?????…Klar sterben jeden Tag irgendwo Affen auf diesem Planeten,aber ich hoffe das soo ein Unglück nie wieder passiert…

Monika
Monika
1 Jahr zuvor

Ich bin geschockt . Unfassbar , das manchen Menschen das Leid und die Qualen der Tiere nicht sofort das Herz zerreißen .
Vergleiche zu ziehen mit anderen Situationen finde ich völlig überflüssig .

Werbung