29

Anthroposophie und Nationalsozialismus: „Die Waldorfschulen erziehen zur Volksgemeinschaft“

Rudolf Heß, Unterstützer der Anthroposophie (rechts), mit Heinrich Himmler vor einem Modell des KZ Dachau, wo es einen biologisch-dynamischen Hof gab | Foto: Friedrich Franz Bauer, Deutsches Bundesarchiv. Lizenz: PD
Rudolf Heß, Unterstützer der Anthroposophie (rechts), mit Heinrich Himmler vor einem Modell des KZ Dachau, wo es einen biologisch-dynamischen Hof gab | Foto: Friedrich Franz Bauer, Deutsches Bundesarchiv. Lizenz: PD

Berlin, 22. Juli 2012 – Die Anthroposophie hatte als konkurrierende Weltanschauung erbitterte Gegner innerhalb des nationalsozialistischen Machtapparats. Sie fand aber auch zahlreiche einflussreiche Förderer und Unterstützer, unter diesen am bekanntesten der „Stellvertreter des Führers“ Rudolf Heß. Was machte die anthroposophischen Angebote aus Sicht ihrer nationalsozialistischen Unterstützer attraktiv? Gibt es eine Kontinuität vom „Dritten Reich“ bis in die Gegenwart? Von Andreas Lichte.

Rudolf Heß, Unterstützer der Anthroposophie (rechts), mit Heinrich Himmler vor einem Modell des KZ Dachau, wo es einen biologisch-dynamischen Hof gab | Foto: Friedrich Franz Bauer, Deutsches Bundesarchiv. Lizenz: PD

 

Anthroposophen arbeiteten in allen für sie wichtigen Praxisfeldern mit nationalsozialistischen Organisationen zusammen, im Überblick:

– Waldorfschulen: „Das Motto der Waldorfbewegung im »Dritten Reich« lautete: »Die Waldorfschulen erziehen zur Volksgemeinschaft.«1 Ihrer Selbstdarstellung zufolge lieferte die anthroposophische Pädagogik einen wesentlichen Beitrag zum Aufbau des neuen Deutschlands durch »die Pflege des völkischen Gedankens und die Betonung des Wesens und der Aufgaben des deutschen Geistes« und stand damit »im Einklang mit der Grundgesinnung des nationalsozialistischen Staates«.23

– Anthroposophische Medizin: „Die Vereinigung anthroposophischer Ärzte stellte eine Hauptstütze der NS-treuen »Reichsarbeitsgemeinschaft für eine Neue Deutsche Heilkunde dar«.“4

– „Biologisch-dynamische“ Landwirtschaft: „1935 wurde der »Reichsverband für biologisch-dynamische Wirtschaftsweise« korporatives Mitglied der nationalsozialistischen »Deutschen Gesellschaft für Lebensreform« (Motto: »Die Weltanschauung der Deutschen Lebensreformbewegung ist der Nationalsozialismus«).“5

Was machte die anthroposophischen Angebote für ihre nationalsozialistischen Unterstützer attraktiv?

Das „Dritte Reich“ strebte völlige Unabhängigkeit vom Ausland an, sowohl auf ideologischer, als auch auf wirtschaftlicher Ebene. Begründet auch durch die Erfahrung der britischen Seeblockade während des Ersten Weltkrieges, war die wirtschaftliche Unabhängigkeit – „Autarkie“ – Deutschlands ein übergeordnetes Ziel der Politik Adolf Hitlers: Produkte, die aufgrund der in Deutschland knappen Rohstoffe nicht, oder nur unter grossen Kosten hergestellt werden konnten, sollten ersetzt werden, eine Unabhängigkeit von Importen erreicht werden. Die Autarkie sollte einen hohen Lebensstandard, den sozialen Ausgleich, aber auch die militärische Schlagkraft sichern.

Autarkie Deutschlands: „Biologisch-dynamische“ Landwirtschaft

Hier bot die anthroposophische, „biologisch-dynamische“ Landwirtschaft eine Lösung an: sie verzichtet auf industriell hergestellten Kunstdünger und Pestizide und setzt stattdessen verstärkt auf menschliche Arbeitskraft.

„Demeter“, die „Monatschrift für biologisch-dynamische Wirtschaftsweise“, stellte die NS-Bemühungen um Autarkie in der Landwirtschaft heraus, Artikel hiessen beispielsweise: „Zurück zum Agrarstaat”, September 1933, „Beitrag zum Autarkieproblem”, August 1933. Ein Bericht der „Demeter“-Ausgabe vom Februar 1939 schloss: „So scheint mir denn die biologisch-dynamische Wirtschaftsweise dafür vorbestimmt zu sein, die Forderung unserer Regierung zu erfüllen: »Ernährungsfreiheit des Deutschen Volkes auf Deutscher Scholle!«”6

„In den ersten acht Jahren des »Dritten Reiches« wuchs die biologisch-dynamische Bewegung stark an und genoß die Gunst vieler NS-Größen, etwa von Heß, Rosenberg, Ohlendorf, Baeumler, Wilhelm Frick und Robert Ley. Der biologisch-dynamische Landbau wurde in der nationalsozialistischen Presse mit auffallender Begeisterung gefeiert.“7 „Das »Dritte Reich« kann als die Zeit angesehen werden, in der die biologisch-dynamische Landwirtschaft ihre grösste staatliche Unterstützung bekam.“8

„»Demeter« feierte die militärischen Siege Deutschlands in den ersten Jahren des Zweiten Weltkrieges und lobte Hitler. Die Ausgabe von September 1939 wurde mit folgender Erklärung eröffnet: »Die Stunde der Bewährung ist angebrochen! Der Führer hat die Verteidigung der Ehre und der Lebensrechte des deutschen Volkes übernommen.« Ein Jahr später hieß es: »Das soll unser Ziel und unsere hohe Aufgabe sein, gemeinsam mit unserem Führer Adolf Hitler für die Befreiung unseres lieben deutschen Vaterlandes zu kämpfen!«“9

Die biologisch-dynamische Landwirtschaft hatte für ihre Bejahung des deutschen Angriffskrieges neben der weit verbreiteten, anthroposophischen Kriegsbegeisterung – die Deutschen konnten nun ihre in anthroposophischer Deutung „für den Menschheitsfortschritt unabdingbare geistige, kosmische Sendung“10 beweisen – wohl auch pragmatische Gründe: Mit dem Wachsen des unter deutschem Einfluss stehenden Gebiets wuchs auch die potentielle Anbaufläche für die biologisch-dynamische Landwirtschaft:

„Seit Anfang des Krieges waren Anthroposophen an der Gestaltung und Durchführung von Siedlungsplänen im besetzten Osten unter Leitung der SS beteiligt. Schon im Oktober 1939 kooperierten Anthroposophen und SS an der Errichtung eines biologisch-dynamisch geführten Lehrguts auf einem enteigneten Hof in Posen, und auch nach 1941 wurde die Mitarbeit an verschiedenen Projekten weitergeführt, mit der Genehmigung Himmlers und unter Förderung von zwei hohen SS-Führern, Günther Pancke und Oswald Pohl.

Pancke, Chef des Rasse- und Siedlungshauptamts, hielt den biologisch-dynamischen Landbau für die einzig geeignete Wirtschaftsweise »für die zukünftigen Wehrbauern und Bauern im Osten«.

Pohl war für das Netzwerk biologisch-dynamischer Höfe bei verschiedenen Konzentrationslagern zuständig, u. a. in Dachau11 und Ravensbrück. Das Dachauer Gut wurde von dem Anthroposophen und SS-Offizier Franz Lippert beaufsichtigt, der vorher Obergärtner bei Weleda gewesen war. Die SS-eigenen biologisch-dynamischen Betriebe bestanden bis zum Kriegsende.“12

Ideologische Unabhängigkeit Deutschlands: Waldorfschulen

Leitbild der nationalsozialistischen Pädagogik war die „totale Erziehung“, die die „arische“ Jugend zu rassebewussten Volksgenossen formen, ihre jugendlichen Körper stählen13, und zu überzeugten Nationalsozialisten erziehen sollte. Privatschulen mit eigenem Lehrplan und eigenen Zielen standen diesem Vorhaben im Wege, wurden von den Nationalsozialisten im Laufe der Zeit immer weiter zurückgedrängt und verboten.14

Vor diesem Hintergrund einer allgemeinen Ablehnung von Privatschulen ist zu bewerten, dass Rudolf Heß’ Adjutant Ernst Schulte-Strathaus den Erziehungsminister um eine Ausnahmeregelung für die Waldorfschulen ersuchte, die für den Nationalsozialismus besonders wertvoll und nicht wie andere Privatschulen zu behandeln seien.15

Schulte-Strathaus war überzeugt: „Die Ziele der Waldorf-Schulen decken sich in ihren Grundzügen mit den Forderungen des Führers für das Erziehungswesen. (…) Es müsste ein Weg gefunden werden, die in den Waldorf-Schulen aus deutschem Wesen erwachsene, planmäßig gegen materialistisches Denken und blossen Intellektualismus gerichtete Erziehungsart bei der Neugestaltung des Erziehungswesens für die Sicherung des geistigen und seelischen Gehalts im Nationalsozialismus nutzbar zu machen. Das würde nicht so schwierig sein, weil die Grundgedanken der Waldorf-Schulen der Idee des Nationalsozialismus viel näher stehen als es bei einem oberflächlichen Überblick erscheinen mag.“16

Was sind die Grundgedanken der Waldorfschulen, die der Idee des Nationalsozialismus nahe standen?

Die erste Waldorfschule wurde 1919 in Stuttgart vom Anthroposophen Emil Molt, Besitzer der „Waldorf-Astoria“-Zigarettenfabrik, als Betriebsschule gegründet. Molt beauftragte Rudolf Steiner mit der pädagogische Leitung der neuen „Waldorf“-Schule. Die Waldorfschule war für Rudolf Steiner (1861–1925) von Beginn an ein wirksames Instrument zur Verbreitung der von ihm begründeten esoterischen Weltanschauung Anthroposophie.

Die Anthroposophie weist Parallelen zum völkischen Gedankengut auf. Im Mittelpunkt steht eine Mischung aus entschieden deutschbetonten Voraussetzungen und universalen Ansprüchen: grundlegend ist ein emphatischer Begriff des „deutschen Geistes“ bzw. „deutschen Wesens“ und der gegenwärtigen sowie künftigen „deutschen Weltmission“17 – die Anthroposophie kann als eine extreme, esoterische Auslegung des auch von den Nazis verwendeten Schlagworts: „Am deutschen Wesen mag die Welt genesen“18 angesehen werden.

Zentral für die Anthroposophie ist auch Steiners esoterische Rassenlehre. Der amerikanische Historiker Peter Staudenmaier (siehe „Credits“) erläutert: „Ausgehend von Blavatskys19 entwicklungstheoretischem Ansatz baute Steiner eine Evolutionslehre der Völker- und Rassengruppen auf, wonach die menschliche Seele durch aufeinanderfolgende Verkörperungen in immer »höheren« Rassen geistig wie leiblich fortschreitet. Diese Stufenleiter der Rassen steht im Mittelpunkt von Steiners esoterischem Verständnis der Gesamtentwicklung der Menschheit, vom Verhaftetsein in der Materie hin zur geistigen Vervollkommnung.”20

Endpunkt und Ziel der „Menschheitsentwickelung“ ist für Steiner die „weisse Rasse“. Folgende Aussage Steiners hat programmatischen Charakter: „Die weiße Rasse ist die zukünftige, ist die am Geiste schaffende Rasse.“21

Steiner lehnte die Demokratie als Herrschaftsform ab, stattdessen sollten Hierarchie und Autorität „spirituell“ begründet sein.

Schulte-Strathaus hebt in seinem Ersuch für die Waldorfschulen hervor, dass die Erziehung der Waldorfschulen „gegen materialistisches Denken und blossen Intellektualismus“ gerichtet sei. Schon das „25-Punkte-Programm“, das Parteiprogramm der NSDAP vom 24. Februar 1920, wendet sich gegen den vermeintlichen Feind „Materialismus“. In „Punkt 24“, wird dieser Feind als „jüdisch“ identifiziert: „(…) Sie [die NSDAP] bekämpft den jüdisch-materialistischen Geist in und außer uns (…)“

Auch hier waren Rudolf Steiner, seine Anthroposophie – und damit die Waldorfschulen – an die NS-Ideologie anschlussfähig: „Für Steiner war das Judentum ein spiritueller wie evolutionärer Anachronismus; das jüdische Volk hätte sich schon längst auflösen sollen.“22 So sagt Rudolf Steiner: „Das Judentum als solches hat sich aber längst ausgelebt, hat keine Berechtigung des modernen Völkerlebens, und daß es sich dennoch erhalten hat, ist ein Fehler der Weltgeschichte, dessen Folgen nicht ausbleiben konnten. Wir meinen hier nicht die Formen der jüdischen Religion alleine, wir meinen vorzüglich den Geist des Judentums, die jüdische Denkweise.“23

„In anthroposophischen Schriften wurden die Juden als Verkörperung von Materialismus, Intellektualismus, Egoismus, Rationalismus, Abstraktion, Zersetzung und Dekadenz dargestellt. Der Herausgeber der Zeitschrift »Anthroposophie« schrieb 1925: »Aber das Judentum wird heute täglich nervöser, auch geistig immer nervöser und aktiver; denn es fühlt sehr wohl, dass seine für die Weltlage unheilschwere Rolle ausgespielt ist und das Blatt sich zu wenden beginnt. (…) Das Judentum begräbt sich selbst als bestimmender Exponent der Zivilisation, der es viel zu lange gewesen ist. Zionismus und ähnliche Verstiegenheiten, an die kein vernünftiger Mensch glaubt, sind nur als Ausgeburten eines perniziösen Fieberzustandes zu verstehen, der sich aus allen Kräften gegen die andringende Vernichtung sträubt, ohne sie aufhalten zu können.«24

Richard Karutz25 erklärte 1929: »Der Jude im Menschen ist der Feind«, und verurteilte »den gruppengebundenen, engherzigen, vergangenheitsstarren, totem Begriffswissen und totem Stoffe opfernden, weltmachthungrigen Geist des Judentums, der eben in jedem Menschen steckt«26.“27

Dies ist nur eine kleine Auswahl an antisemitischen Positionen der Anthroposophie. Grundsätzliches stellte der italienische, auch noch im heutigen Deutschland verehrte Vorzeige-Anthroposoph Massimo Scaligero28 (1906 – 1980) fest: Juden verkörpern „untermenschliche ahrimanische Kräfte“. „Ahriman“ steht in der Anthroposophie für „das Böse“, insbesondere ist Ahriman für den vernichtenden Einfluss des „Materialismus“ verantwortlich.

Mit dem Flug des „Stellvertreter des Führers“ Rudolf Heß nach England am 10. Mai 1941 verlor die Anthroposophie einen ihrer wichtigsten nationalsozialistischen Förderer. In der Folge musste auch die „von Rudolf Heß gedeckte“29 Waldorfschule Dresden als letzte damals noch existierende Waldorfschule 1941 ihren Betrieb einstellen.

Bereits im November 1935 war die „Anthroposophische Gesellschaft“ von der Gestapo verboten worden, was aber wie oben ersichtlich keinesfalls ein Ende der erfolgreichen Zusammenarbeit von Anthroposophen mit nationalsozialistischen Organisationen bedeutete. Die Gründe für das Verbot waren vielfältig, ganz allgemein lässt sich feststellen, dass der anti-esoterische Flügel der NSDAP alle okkulten Gruppen, nicht nur die Anthroposophie, als staatsfeindlich einstufte.

Einen spezifisch anthroposophischen Hauptgrund nennt Peter Staudenmaier: „(…) das »Deutschtum« [der Anthroposophie] (…), war ein Faktor, der besonders die anti-okkulte Interessengruppe in den Nazi-Geheimdiensten irritierte, die manchmal die Anthroposophie gerade wegen ihrer ostentativ germanozentrischen Ansprüche verurteilte.“30

Wie wahnhaft das anthroposophische „Deutschtum“ war, wird beispielsweise im von der „Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien“ (BPjM) als „zum Rassenhass anreizend bzw. als Rassen diskriminierend“ eingestuften Buch von Rudolf Steiner „Die Mission einzelner Volksseelen – im Zusammenhang mit der germanisch-nordischen Mythologie“ deutlich, der Titel ist Programm.

Kontinuität bis in die Gegenwart: Atlantis und die Rassen

„Mit dem Aufkommen des Nationalsozialismus, schrieb Karutz 1934, »gewinnt man auch die positive Einstellung zur Rasse wieder, die unter dem wissenschaftlichen Materialismus verlorengegangen war«31: »Die nationalsozialistische Völker- und Rassenpolitik ist in der geistigen Wirklichkeit verankert.«32

Um die Zusammengehörigkeit von anthroposophischer und nationalsozialistischer Rassenlehre zu dokumentieren, zitierte er Steiner und Hitler nebeneinander als Beweis, »dass sich hierin die auf Blut, Boden, Vererbung aufgebaute Weltanschauung des Dritten Deutschen Reiches und die Geisteswissenschaft nicht widersprechen«.33

Karutz erklärte: »Der Nationalsozialismus ist, vielen unbewusst, tatsächlich eine geistige Bewegung, Rassenbildung und Rassenschichtung in Europa gehen tatsächlich bis in jene atlantischen Zeiten zurück, von denen Rudolf Steiner spricht.«3435

„Rassenbildung und Rassenschichtung in Europa gehen tatsächlich bis in jene atlantischen Zeiten zurück, von denen Rudolf Steiner spricht“ – und von denen auch noch in der Gegenwart „gesprochen“ wird, in Waldorfschulen, wenn „Atlantis“ und die darauf folgenden anthroposophischen „Kulturepochen“36 unterrichtet werden. Die Kultusministerien und Schulaufsichten scheinen sich nicht dafür zu interessieren, wenn damit in Waldorfschulen Rassismus in „kindgerechter Form“ vermittelt wird – und die Eltern?

O-Ton aus dem 45-minütigen TV-Feature des SWR, „Betrifft: Wie gut sind Waldorfschulen?“:

„Mutter: »Also ich bin noch nie über irgendwelche Inhalte gestolpert, die mich irritiert hätten, ist mir nicht passiert.«

SWR: »Aber uns. Als wir in Julias alten Epochenheften graben, finden wir ein Geschichtsheft, das doch tatsächlich mit der Beschreibung von Atlantis beginnt …«“

 

Credits: Die Darstellung der Geschichte der Anthroposophie im Verhältnis zum Nationalsozialismus ist eine Kurzzusammenfassung der Forschung von Peter Staudenmaier, seit August 2011 Professor für „Modern German History“ an der Marquette University. Haupt-Quelle ist Peter Staudenmaiers Beitrag: „Der deutsche Geist am Scheideweg: Anthroposophen in Auseinandersetzung mit völkischer Bewegung und Nationalsozialismus“, in: Uwe Puschner/Clemens Vollnhals (Hrsg.), „Die völkisch-religiöse Bewegung im Nationalsozialismus. Eine Beziehungs- und Konfliktgeschichte“,Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen, 2012. Die Darstellung wurde von Peter Staudenmaier durchgesehen.

 

Weiterführende Artikel der Ruhrbarone:

Hitler, Steiner, Mussolini – Anthroposophie und Faschismus, gestern und heute

3 Jahre Rudolf Steiner ist „zum Rassenhass anreizend bzw. als Rassen diskriminierend anzusehen“ die „Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien“ (BPjM) entschied, dass Bücher Rudolf Steiners rassistischen Inhalt haben

Waldorfschule: Dr. Detlef Hardorp verkauft Rudolf Steiners Rassismus als Multikulti

Waldiwissenschaft: Lorenzo Ravagli an der Privatuniversität Witten/Herdecke  – über die Umdeutung von Rudolf Steiners Rassismus in Humanismus

Kann Celia Schönstedt kein Französisch? Französisch und die Waldorfschule … – die Pressesprecherin beim „Bund der Freien Waldorfschulen“ wurde nach einer Stellungnahme zu Rudolf Steiners Frankophobie und Rassismus gefragt



1 Vgl. z.B. Bund der Waldorfschulen, „Wesen und Aufgaben der Waldorfschulen“ vom 2.3.1935 (BArch, R 4901, Nr. 2519, Bl. 243).

2 (ebd., Bl. 255)

3 Peter Staudenmaier, „Der deutsche Geist am Scheideweg: Anthroposophen in Auseinandersetzung mit völkischer Bewegung und Nationalsozialismus“, in:

Uwe Puschner/Clemens Vollnhals (Hrsg.), „Die völkisch-religiöse Bewegung im Nationalsozialismus. Eine Beziehungs- und Konfliktgeschichte“,Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen, 2012, Seite 482

„Der deutsche Geist am Scheideweg: Anthroposophen in Auseinandersetzung mit völkischer Bewegung und Nationalsozialismus“ im folgenden abgekürzt als „Staudenmaier“

4 Staudenmaier, Seite 481

5 Staudenmaier, Seite 489. Weiter Staudenmaier: „Mit Bartsch und seinem Kollegen Franz Dreidax wurden zwei prominente Anthroposophen in den Führerrat der Gesellschaft aufgenommen. Anthroposophische Beiträge erschienen regelmäßig in der Zeitschrift »Leib und Leben« der Gesellschaft. Bartsch konnte 1937 zutreffend behaupten, »dass sich die führenden Männer der Demeter-Bewegung rückhaltlos mit ihren Kenntnissen und Erfahrungen dem nationalsozialistischen Deutschland zur Verfügung gestellt haben«.“

6 Peter Staudenmaier, „Between occultism and fascism: Anthroposophy and the politics of race and nation in Germany and Italy, 1900-1945“, Dissertation, Cornell University, August 2010, Seite 230

„Between occultism and fascism: Anthroposophy and the politics of race and nation in Germany and Italy, 1900-1945“ im folgenden abgekürzt als „Dissertation-Staudenmaier“

7 Staudenmaier, Seite 489

8 Dissertation-Staudenmaier, Seite 250: „Indeed the Third Reich can be seen as the time when biodynamic agriculture received its most significant levels of state support and achieved its most impressive status among high officials.“ Dazu die erläuternde Fussnote 257:

„Retrospective anthroposophical accounts sometimes obliquely acknowledge this, noting for example the considerable increase in biodynamic production during the Nazi era. Wilhelm zur Linden, chairman of the »Verein zur Förderung der biologisch-dynamischen Wirtschaftsweise« in Berlin and a close associate of Bartsch, claims that there were 2000 biodynamic farms and gardens in Germany by 1940 (zur Linden, »Blick durchs Prisma«, 247). Such figures are difficult to verify, but the annual reports of the »Reichsverband für biologisch-dynamische Wirtschaftsweise« do indicate a steady rise in activity and confidence from 1933 onward. Other post-war anthroposophical claims can be confirmed through archival evidence, such as Demeter supplying the Rudolf Hess Hospital with biodynamic products; see the 1934 RVBDW »Geschäftsbericht«, BA R58/6197/1: 192. These achievements were not always attributed to cooperation between anthroposophists and Nazis; Werner, »Anthroposophen in der Zeit des Nationalsozialismus«, 362, quotes the head of Weleda crediting supernatural forces for preserving the enterprise intact throughout the entire Nazi period.“

Vergleiche auch: Gunter Vogt, „Ökologischer Landbau im Dritten Reich“, in: „Zeitschrift für Agrargeschichte und Agrarsoziologie“, Nr. 48, (2000), Seite 161-80

9 Staudenmaier, Seite 484

10 vergleiche Staudenmaier, Seite 485-86

11 Im KZ-Dachau führte der ehemalige Waldorfschüler und SS-Arzt Sigmund Rascher geplant tödlich verlaufende Menschenversuche an KZ-Insassen durch. Die anthroposophische Firma „Weleda“ versorgte Rascher mit Materialien für seine Menschenversuche (vergleiche Dissertation-Staudenmaier, Seite 251).

Folgendes mag die besondere Grausamkeit Raschers verdeutlichen (Zusammenfassung von Wikipedia): Rascher führte im KZ-Dachau u. a. „Unterkühlungsversuche“ durch. Für diese Versuche liess man Versuchspersonen nackt 9–14 Stunden bei Eiseskälte im Freien stehen, deren Körpertemperatur dabei auf 27 °C absank. Als der Winter sich dem Ende zuneigte, bat Rascher Himmler um Versetzung nach Auschwitz, da es dort kälter sei. Auch sei das Gelände größer, so dass dort weniger Aufsehen erregt werde. „Die Versuchspersonen brüllen, wenn sie frieren,“ schrieb Rascher …

12 Staudenmaier, Seite 489-90

13 Adolf Hitler: „(…) der deutsche Junge der Zukunft muß schlank und rank sein, flink wie Windhunde, zäh wie Leder und hart wie Kruppstahl. Wir müssen einen neuen Menschen erziehen, auf daß unser Volk nicht an den Degenerationserscheinungen der Zeit zugrunde geht.“

Adolf Hitler am 14. September 1935, „Der Parteitag der Freiheit vom 10. bis 16. September 1935“. Offizieller Bericht über den Verlauf des Reichsparteitages mit sämtlichen Kongressreden, München 1935, S. 183

14 In Hamburg mussten beispielsweise 1939 alle Privatschulen ihre Tätigkeit einstellen, siehe:

Konsolidierung der nationalsozialistischen Schule 1933–1939“, aus: Uwe Schmidt „Hamburger Schulen im »Dritten Reich«“, Seite 269f.:

„Privatschulen hatten in Hamburg und seinen 1937 eingemeindeten Nachbarstädten und Nachbargemeinden eine lange Tradition. Bis zur Begründung eines staatlichen hamburgischen Schulwesens 1870 waren sie für Hamburg die Normalform von Schule, während im benachbarten Altona bereits seit 1823 neben einem privaten Schulwesen acht kommunal finanzierte Stadtschulen, »gehobene Volksschulen« mit sechs aufsteigenden Klassen, bestanden. Von den um 1870 in Altona noch bestehenden 54 Privatschulen wurden die letzten 1924 aus finanziellen Gründen geschlossen, wogegen in Hamburg die Zahl privat betriebener allgemeinbildender Schulen zwar kontinuierlich zurückging, Privatschulen aber bis 1939 weiterhin existierten. Von über 200 staatlich anerkannten Privatschulen einschließlich der Konfessionsschulen und der jüdischen Schulen waren bis etwa 1900 bereits 172 aus den verschiedensten Gründen eingegangen. In den Jahren 1936/37 stellten sechs, zu Ostern 1938 sechs weitere Privatschulen ihren Unterrichtsbetrieb ein. Damit war das hamburgische Privatschulwesen, das 1925 noch – ohne die katholischen Gemeindeschulen und die jüdischen Schulen – 42 allgemeinbildende Anstalten umfasst hatte, auf 18 zusammengeschmolzen, die 1939 ihre Tätigkeit einstellen mussten.“

15 Schulte-Strathaus an Bernhard Rust vom 8.3.1935 (BArch, R 4901, Nr. 2519, Bl. 238–240)

16 Schulte-Strathaus, Bericht an den Stellvertreter des Führers über die Waldorf-Schulen vom 14.5.1934 (BArch, R 4901, Nr. 2519, Bl. 43–45)

17 freie Wiedergabe von Staudenmaier, Seite 474

18 aus dem Gedicht „Deutschlands Beruf“, 1861, von Franz Emanuel August Geibel (1815 – 1884).

19 Helena Petrovna Blavatsky (1831 – 1891), begründete die esoterische Weltanschauung „Theosophie“, deren rassistisches Konzept der „Wurzelrassen“ Rudolf Steiner übernahm und weiterentwickelte.

20 Peter Staudenmaier im Interview: „Anthroposophie und Faschismus“, „Humanistischer Pressedienst“, Nr. 13507, 07.06.2012

vergleiche zu Rudolf Steiners Rassismus auch die ausführlichen Zitate des Historikers Helmut Zander bei: Andreas Lichte, „Hitler, Steiner, Mussolini – Anthroposophie und Faschismus, gestern und heute“, „Ruhrbarone“, 24.2.2012

21 Rudolf Steiner, „Vom Leben des Menschen und der Erde – Über das Wesen des Christentums“, GA 349, Dritter Vortrag, Dornach, 3. März 1923

In diesem Vortrag wird die Wahnhaftigkeit von Steiners Rassismus deutlich, die Lektüre sei dringend empfohlen. Ein Beispiel, Zitat Rudolf Steiner:

„So daß also ein Schwarzer in Afrika ein Mensch ist, der möglichst viel Wärme und Licht vom Weltenraum aufsaugt und in sich verarbeitet. Dadurch, daß er das tut, wirken über den ganzen Menschen hin die Kräfte des Weltenalls so. (Es wird gezeichnet.) Überall nimmt er Licht und Wärme auf, überall. Das verarbeitet er in sich selber. Da muß etwas da sein, was ihm hilft bei diesem Verarbeiten. Nun, sehen Sie, das, was ihm da hilft beim Verarbeiten, das ist namentlich sein Hinterhirn. Beim Neger ist daher das Hinterhirn besonders ausgebildet. Das geht durch das Rückenmark. Und das kann alles das, was da im Menschen ist an Licht und Wärme, verarbeiten. Daher ist beim Neger namentlich alles das, was mit dem Körper und mit dem Stoffwechsel zusammen hängt, lebhaft ausgebildet. Er hat, wie man sagt, ein starkes Triebleben, Instinktleben. Der Neger hat also ein starkes Triebleben. Und weil er eigentlich das Sonnige, Licht und Wärme, da an der Körperoberfläche in seiner Haut hat, geht sein ganzer Stoffwechsel so vor sich, wie wenn in seinem Innern von der Sonne selber gekocht würde. Daher kommt sein Triebleben. Im Neger wird da drinnen fortwährend richtig gekocht, und dasjenige, was dieses Feuer schürt, das ist das Hinterhirn.“

22 Staudenmaier, Seite 487. Vergleiche Peter Staudenmaier, „Rudolf Steiner and the Jewish Question“. In: „Leo Baeck Institute Year Book, 50“ (2005), S. 127–147

23 Rudolf Steiner, „Gesammelte Aufsätze zur Literatur“, GA 32, Seite 152f.

24 Kurt Piper, „Martin Buber und das Chaos“. In: „Anthroposophie“ vom 22.2.1925, Seite 29–31, hier 30

25 Richard Karutz (1867 – 1945): Arzt, „Völkerkundler“, Rassist – Anthroposoph. Eine beschönigende Biographie findet sich bei der anthroposophischen „Forschungsstelle Kulturimpuls“, vergleiche Fussnote 28

26 Richard Karutz, „Von Goethe zur Völkerkunde der Zukunft“, Stuttgart 1929, Seite 57

27 Staudenmaier, Seite 487

28 eine ausführliche Darstellung des Anthroposophen und Faschisten Massimo Scaligero bei: Andreas Lichte, „Hitler, Steiner, Mussolini – Anthroposophie und Faschismus, gestern und heute“, „Ruhrbarone“, 24.2.2012

Der Anthroposoph Uwe Werner war nicht bereit, eine Stellungnahme zur von der anthroposophischen „Forschungsstelle Kulturimpuls“ veröffentlichten Biographie Massimo Scaligeros abzugeben. In dieser Biographie wurde Scaligeros faschistischer und antisemitischer Hintergrund verschwiegen, vergleiche meinen e-mail-Austausch mit Uwe Werner.

29 vergleiche: Helmut Zander, „Anthroposophie in Deutschland – Theosophische Weltanschauung und gesellschaftliche Praxis 1884–1945“, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen, 2007, Seite 1380f.

und allgemein: Achim Leschinsky, „Waldorfschulen im Nationalsozialismus“, in: „Neue Sammlung: Zeitschrift für Erziehung und Gesellschaft“, Nr. 23 (1983), Seite 255-78

31 Richard Karutz, „Rassenfragen“, Stuttgart 1934, Seite 38

32 Ebd., Seite 32

33 Ebd., Seite 63

34 Richard Karutz, „Gesellschaftliches Leben. Vorlesungen über moralische Völkerkunde“, Stuttgart 1934, Seite 5

35 Staudenmaier, Seite 487

36 Nach anthroposophischer Geschichtsschreibung leben wir heute in der „Fünften nachatlantischen Kulturepoche“ (1413 – 3573 n. Chr.). An der Verwendung des Begriffs „nachatlantisch“ lässt sich die zentrale Bedeutung des anthroposophischen Atlantis-Mythos erkennen: Ohne Atlantis könnte es nach anthroposophischer Auffassung die Menschheit in ihrer heutigen Form gar nicht geben – Atlantis ist für die Anthroposophie eine historische Tatsache.

RuhrBarone-Logo

29 Kommentare zu “Anthroposophie und Nationalsozialismus: „Die Waldorfschulen erziehen zur Volksgemeinschaft“

  • Pingback: Umleitung – Presseschau vom 23.7.2012 » xtranews - das Newsportal aus Duisburg » Presseschau, Umleitung

  • #2
    Puck

    Wundert das irgendwen? Jemanden, der sich leidlich mit Geschichte auskennt, nicht wirklich.
    Der Kernpunkt der Anthroposophie ist der „Antimaterialismus“ – man könnte auch sagen, die Ablehnung der Aufklärung und der Vernunft, der Logik, der Wissenschaft, zugunsten eines verschwurbelten „romantischen“ Weltverständnisses.
    Und schon die Romantiker – wen wunderts! – pflegten einen ausgesuchten Antiamerikanismus. Amerika war der Inbegriff des Materialismus.
    Kontinuität auch hier. Besonders bei Leuten, die sich selbst als „links“ sehen, ohne das auch nur im Ansatz zu hinterfragen.

    Von den noch immer hoch im Schwange stehenden Esotherikzirkeln mal ganz zu schweigen. Da muß man sich nur mal in der Esotherik-Abteilung einer X-beliebigen Buchhandlung tummeln. Da vergeht einem Hören und Sehen.
    Wenn ich dazu eine gut recherchiertes Buch empfehlen dürfte:
    Ellic Howe: URANIAS KINDER: DIE SELTSAME WELT DER ASTROLOGEN UND DAS DRITTE REICH.
    Das Buch reizt zum Lachen und läßt einen frösteln…

  • #3
    Robin Gutfreund

    @ Puck „Wundert das irgendwen?“ Vielleicht doch? Test: Stell dich vor eine Waldorfschule und ruf: „Anthroposophen sind Faschisten!“

  • #4
    Andreas Lichte

    „hpd“, „Humanistischer Pressedienst“, hat den Artikel „Anthroposophie und Nationalsozialismus: ‘Die Waldorfschulen erziehen zur Volksgemeinschaft’“ am 25.07.2012 übernommen, unter dem Titel:

    „Anthroposophie und Nationalsozialismus“

    http://hpd.de/node/13812

  • #5
    Andreas Lichte

    @ Puck #2

    Du schreibst: „Wundert das irgendwen? Jemanden, der sich leidlich mit Geschichte auskennt, nicht wirklich.“

    Stimmt.

    Wundern könnte man sich aber darüber, dass erst jetzt kritisch über das Verhältnis der Anthroposophie zum Faschismus und Nationalsozialismus berichtet wird.

    Das ist das Verdienst von Peter Staudenmaier. „News Network Anthroposophy“, „NNA“ – gesponsert u.a. von Weleda AG, GLS Bank, Wala Heilmittel GmbH – schreibt:

    „Anthroposophische Bewegung vor neuer Herausforderung

    (…) Staudenmaier betrachtet seine Forschung als Korrektiv zur 1999 erschienenen Arbeit von Uwe Werner „Anthroposophen in der Zeit des Nationalsozialismus“, die aus seiner Sicht Abgrenzung und Gegnerschaft der anthroposophischen Bewegung zum NS-Regime und seinen ideologischen Grundlagen zu sehr in den Vordergrund stellt. Demgegenüber legt er den Schwerpunkt auf die Verbindungen der Anthroposophie zu völkischem und rassistischem Denken und seinen Repräsentanten vor und während der NS-Zeit (…)“

  • #6
    Andreas Lichte

    Was ist mit „Korrektiv“ zu Uwe Werner, Autor von „Anthroposophen in der Zeit des Nationalsozialismus“, gemeint?

    Fange ich mit den Fussnoten zum obigen Artikel an (die wohl die wenigsten gelesen haben werden):

    Fussnote 25: Richard Karutz (1867 – 1945): Arzt, „Völkerkundler“, Rassist – Anthroposoph. Eine beschönigende Biographie findet sich bei der anthroposophischen „Forschungsstelle Kulturimpuls“, vergleiche Fussnote 28

    Fussnote 28: eine ausführliche Darstellung des Anthroposophen und Faschisten Massimo Scaligero bei: Andreas Lichte, „Hitler, Steiner, Mussolini – Anthroposophie und Faschismus, gestern und heute“, „Ruhrbarone“, 24.2.2012

    Der Anthroposoph Uwe Werner war nicht bereit, eine Stellungnahme zur von der anthroposophischen „Forschungsstelle Kulturimpuls“ veröffentlichten Biographie Massimo Scaligeros abzugeben. In dieser Biographie wurde Scaligeros faschistischer und antisemitischer Hintergrund verschwiegen, vergleiche meinen e-mail-Austausch mit Uwe Werner.

  • #7
    Andreas Lichte

    Was ist mit „Korrektiv“ zu Uwe Werner, Autor von „Anthroposophen in der Zeit des Nationalsozialismus“, gemeint?

    Ein weiteres Beispiel: Franz Lippert, der die Biodynamische Plantage im KZ-Dachau beaufsichtigte, und der vom Anthroposophen Uwe Werner entlastet wird.

    Peter Staudenmaier, „Between occultism and fascism: Anthroposophy and the politics of race and nation in Germany and Italy, 1900-1945“, Dissertation, Cornell University, August 2010, Seite 248f.:

    „The centerpiece of the DVA [„Deutsche Versuchsanstalt für Ernährung und Verpflegung“] biodynamic operations was the sizeable plantation at Dachau, which produced medicinal herbs and other goods for the SS. As at Ravensbrück, the labor on the Dachau biodynamic plantation was performed by camp inmates. From 1941 onward the Dachau operation was overseen by anthroposophist Franz Lippert, a leader of the biodynamic movement from its beginnings and head gardener at Weleda from 1924 to 1940. (249) Shortly after taking over the Dachau plantation Lippert joined the SS, and in 1944 received special recognition and a bonus for his work there. (250) Lippert also published a book for the SS in 1942 based on his work at Weleda and Dachau. (251)

    (Fussnote 250:) (…) According to a December 1939 DVA report, the Dachau plantation was built by camp inmates, “mainly Jews and Gypsies” (BA NS3/1433: 133).“

    weiter Staudenmaier, Seite 514–518:

    „Lippert was the anthroposophist SS officer who oversaw the biodynamic plantation at Dachau from 1941 to 1945. His activities at Dachau led to post-war de-Nazification hearings before a civilian panel, which ended in acquittal in 1948. Anthroposophists emphasize Lippert’s benign treatment of the concentration camp inmates, attested to in a series of affidavits from former prisoner submitted during his post-war hearings. According to this version of events, Lippert appears as a brave protector of the inmates forced to work on the Dachau plantation. (27)

    (Fussnote 27:) See Werner, „Anthroposophen in der Zeit des Nationalsozialismus“, 330-34, including extensive excerpts from the affidavits and other materials provided by Lippert’s daughter. The excerpts are unambiguous and praise Lippert for extraordinary efforts on behalf of the prisoners. (Ende Fussnote 27)

    For many anthroposophists, the testimony from former prisoners, and Lippert’s exoneration by a de-Nazification panel, show that far from a willing collaborator with the SS’s biodynamic program, Lippert was virtually a hero for his service at Dachau.

    From a historical perspective, there are several reasons to question this interpretation. The post-war affidavits themselves are not necessarily suspect as sources, despite their function as exculpatory testimony for the defendant in the court case against Lippert. (28) They are not substitutes, however, for direct sources from Lippert’s tenure as an SS officer. (29) Placing retrospective prisoner testimony into context is, moreover, a complex matter, particularly in light of the differential treatment of varying classes of inmates at Dachau. (30) For some prisoners the plantation was a relatively preferred work detail, while for others it was hellish, with dangerous and often deadly working conditions. (31) Without impugning the factual reliability of the affidavits in defense of Lippert, the account constructed around them is open to fundamental challenge. The portrait of Lippert as a humanitarian helper to his prisoners is the product of the post-war de-Nazification proceedings which exonerated him. This portrait belongs to a broader narrative of ‘rescuers’ and ‘good Nazis’ that was a common construct after 1945, which subsequent studies have sometimes adopted uncritically and projected back onto the Nazi era itself.

    Accounts such as these have not withstood scholarly scrutiny. Karin Orth’s study of SS concentration camp personnel analyzes “the nimbus of the ‘decent’ and ‘correct’ SS officer, which was sworn to in numerous court statements,” and concludes that this image was frequently deceptive. (32) Harold Marcuse’s study of Dachau amply supports this conclusion. Through a critical analysis of the civilian de-Nazification panels that absolved Lippert and many other SS officers, Marcuse shows that they were frequently re-cast as “rescuers” after the war, regardless of their activities in the camps. (33) The cases brought before German de-Nazification panels, consisting of lay jurors, routinely invoked the notion that SS officers who had treated prisoners benignly were thereby less guilty, and defendants were often acquitted on this basis. Marcuse notes that “most of them were let off without so much as a verbal reprimand.” (34) By 1948, when Lippert’s case was closed, the civilian panels were indiscriminately granting blanket clemency to SS officers and concentration camp guards across the board. (35) These findings are confirmed by extensive research on the de-Nazification process. (36)

    The post-war rehabilitation of Dachau guards and SS staff, and of concentration camp personnel and Nazi functionaries more generally, as well as the notoriously lenient approach of the civilian juries and the structural limitations of de-Nazification procedures, formed the framework within which anthroposophist representations of Lippert arose. His activities at Dachau appear in a different light when viewed against this backdrop. But the focus on his personal comportment is misplaced to begin with, and distracts attention from the more significant fact that Lippert was a central figure in integrating anthroposophical principles and biodynamic practices into the criminal enterprises of the SS and the concentration camp system.

    Avoidance of these broader historical factors is by no means unique to esoteric movements. The image of an anthroposophist SS officer as humanitarian hero partakes of a larger mythology that remains current among broad sectors of the German public, far beyond the anthroposophical milieu, a reminder of the unresolved legacy of the Nazi past.“

  • #8
    Puck

    @Andreas Lichte #5

    Ja, warum stellt man die Fragen erst heute? Gute Frage. DAs muß irgendwie damit zusammen hängen, daß es nach dem 8. Mai 1945 niemand mehr zu finden war, der überhaupt irgendwann mal Nazi gewesen war, noch nicht einmal Mitläufer!
    Nein, das meine ich gar nich so ironisch, wie das erstmal klingt.
    Schon seit einiger Zeit habe ich den Verdacht, daß die Leute ihre Handlungsweise – selbst wenn sie nicht nur stillschweigend geduldet, sondern das System tatkräftig unterstützt haben – und es gibt unzählige Hinweise darauf, daß genau das massenhaft und in allen Bevölkerungsschichten geschehen ist – dermaßen perfekt rationalisiert haben, daß ein Schuldbewußtsein überhaupt nicht vorhanden ist. Das betrifft den Lehrer einer Waldorfschule genau so wie den Vorstand eines Schützenvereins, der schon ’33 ganz stolz vermeldet, daß sein Club jetzt „judenfrei“ wäre.
    Das betrifft auch einen Schriftsteller, der sich mit 19 freiwillig zur SS meldet, das 50 Jahre lang geheim hält und sich statt dessen als „moralische Instanz“ ständig so weit es geht aus dem Fenster hängt – und dann auch noch treuherzig behauptet, Rassismus hätte er erst nach dem Krieg bemerkt, und zwar bei den Amis! Anstatt mal gelegentlich darüber zu erschrecken, warum er den Rassismus vor 1945 eigentlich nicht bemerkte…

    Natürlich könnte man auch noch ganz anderen Leuten unangenehme Fragen stellen: Einer bestimmten Sorte von Tierschützern z. B., die wie die ebenfalls sehr tierschutzbewegten Nazis Tierschutz mit Menschenverachtung verwechseln…

    Mit solchen Fragen riskiert man allerdings, sich extrem unbeliebt zu machen.

  • #9
    Andreas Lichte

    @ Puck #8

    Du schreibst: „Schon seit einiger Zeit habe ich den Verdacht, daß die Leute ihre Handlungsweise – selbst wenn sie nicht nur stillschweigend geduldet, sondern das System tatkräftig unterstützt haben – und es gibt unzählige Hinweise darauf, daß genau das massenhaft und in allen Bevölkerungsschichten geschehen ist – dermaßen perfekt rationalisiert haben, daß ein Schuldbewußtsein überhaupt nicht vorhanden ist.“

    Und das hat seine Gründe. Um beim Thema des Artikels – Anthroposophie / Waldorfschule – zu bleiben, hier habe ich sie erläutert, „Hitler, Steiner, Mussolini – Anthroposophie und Faschismus, gestern und heute„, Zitat:

    „Motive für die Leugnung des anthroposophischen Rassismus, Faschismus

    Die Anthroposophie ist einerseits eine Religion, die auf neue Gläubige angewiesen ist, andererseits ist sie ein Wirtschafts-„Imperium“, mit – formal unabhängigen –anthroposophischen Banken, Unternehmen, Krankenhäusern, Universitäten, und den bekannten Waldorfschulen.

    Was würde geschehen, wenn Rudolf Steiner, Begründer und immer noch unangefochtene Autorität der Waldorfschulen, in der Öffentlichkeit mit Rassismus und Faschismus in Verbindung gebracht würde? Die Anmeldezahlen würden zurückgehen, möglich wäre aber auch, dass die öffentliche, finanzielle Förderung der Waldorfschulen in Frage gestellt würde. Es entstünde ein erheblicher wirtschaftlicher Schaden, und auch die Gewinnung des anthroposophischen Nachwuchses wäre gefährdet (…)“

  • #10
    Andreas Lichte

    Dorion Weickmann, die „Zeit“, und der anthroposophische „Widerstand“:

    Dorion Weickmann, ehemalige Waldorfschülerin und freie Mitarbeiterin von Dr. Detlef Hardorp, „Bildungspolitischer Sprecher der Waldorfschulen in Berlin-Brandenburg“, suggeriert, dass die Anthroposophie in Opposition zum Nationalsozialismus stand.

    Dorion Weickmann, in einer Buchbesprechung der „Zeit“, Zitat Weickmann:

    „Dass die Waldorfschulen im Nationalsozialismus verboten waren und Anthroposophen in den Konzentrationslagern starben, erfährt der Leser nicht.“

    Leider erfährt der Leser der „Zeit“ von Dorion Weickmann nicht, dass Privatschulen im „Dritten Reich“ allgemein abgelehnt und verboten wurden.

    Leider erfährt der Leser der „Zeit“ von Dorion Weickmann nicht, dass die Waldorfschule Dresden unter der Protektion des „Stellvertreter des Führers“ Rudolf Heß stand.

    Leider erfährt der Leser der „Zeit“ von Dorion Weickmann nicht, dass sich Anthroposophen im „Dritten Reich“ an der Gestaltung der KZs beteiligten, siehe obigen Artikel und Kommentar #7

  • #11
    Puck

    @Andreas Lichte #9

    Zitat:
    Was würde geschehen, wenn Rudolf Steiner, Begründer und immer noch unangefochtene Autorität der Waldorfschulen, in der Öffentlichkeit mit Rassismus und Faschismus in Verbindung gebracht würde? Die Anmeldezahlen würden zurückgehen, möglich wäre aber auch, dass die öffentliche, finanzielle Förderung der Waldorfschulen in Frage gestellt würde. Es entstünde ein erheblicher wirtschaftlicher Schaden, und auch die Gewinnung des anthroposophischen Nachwuchses wäre gefährdet (…) Zitat Ende

    Daß staatliche Mittel gestrichen werden, darf man vermuten.
    Den Rest sehe ich nicht so optimistisch wie Du, falls man das Optimismus nennen darf…

    Ich vermute eher: Von einigen wird die Anschuldigung als „absurd“ abgetan. Weil etwas, an das man so lange geglaubt hat, nix mit Nazis zu tun haben kann, auch wenn sich die Thesen so auffallend ähneln. Die anderen – die Mehrheit der Anhänger – bemühen einen ganz anderen Dreh, ihre Ideologie zu retten: Da ist doch nur mal wieder eine an sich gute Idee von Nazis adaptiert worden – natürlich ganz ohne Zutun der maßgleblichen Protagonisten, oder wenn doch, dann nur um „noch schlimmeres“ zu verhindern.
    Aber die Idee an sich ist über jeden Zweifel erhaben!
    Man kennt diese Argumentation aus der Diskussion um die neue Mütterlichkeit (und Eva Hermann ist da beileibe nicht die Spitze der Bewegung!) und neuerdings der Debatte um Beschneidung von Jungen – wobei man (wie praktisch!) gleich Juden und Moslems gleichermaßen zeigen kann, daß die hier irgendwie fehl am Platze sind, und das kann man auch noch mit ein paar nonchalanten Vereinfachungen ganz und gar humanistisch begründen!
    Und vor allem kennt man das Thema des „mißbrachten Idealismus“ aus allen Diskussionen, die abseits von offiziellem Gedenken an bestimmten Gedenktagen über das Dritte Reich aufkommen, vor allem, wenn diese in den Bereich der eigenen Familie abdriften…

    Ich glaube nicht, daß die Anmeldungen an Waldorfschulen maßgeblich zurück gehen würden.

    Und der Nachwuchs an Anthroposophen geht bestimmt nicht aus. Die besinnen sich dann halt auf ihre „Kernkompetenzen“ – was sich sehr gut mit dem Trend unter den neuen Rechten trifft, bei denen Glatze und Springerstiefel out sind. Da wäre so eine „intellektuelle“ Basis doch sehr nützlich.
    Es gibt da gewisse Vorboten:
    Auch in Foren, die nicht gerade mit Neonazis in Verbindung gebracht werden, die aus eigenem Selbstverständnis noch nicht einmal konservativ sind, stolpert man zunehmend über explizit rechtsradikale/antisemitische/rassistische Beiträge.

    Und leider trifft das mit einem gewissen seit einiger Zeit um sich greifenden „rechten Chic“ in intellektuellen Kreisen – oder die sich dafür halten – zusammen, der sich in einer klammheimlichen Sympathie für absolutistische Regime äußert (Iran, Taliban, Gaddafi), in der mutigen „Brechung von Tabus“ („Israelkritik“, „Auschwitzkeule“ etc.) und vor allen Dingen natürlich in der Gewißheit, seit 45 Jahren nicht ein einziges Mal die Meinung gewechselt zu haben, was in Deutschland noch immer als „aufrechte Haltung“ gilt – während Menschen, die ihre Ansichten gelegentlich, wenn sich das bei klarem Verstand nicht mehr vermeiden läßt, der Realität anpassen, als „Umfaller“ diffamiert werden.

    Vielleicht bin ich aber auch ein bißchen zu pessimistisch.

  • Pingback: Die Waldorfschule und Andreas Molau, Aussteiger aus der rechtsextremen Szene | Ruhrbarone

  • #13
  • #14
    Andreas Lichte Beitragsautor

    „Geschichte in der Waldorfschule: ‘Atlantis’ und die ‘Rassen’

    (…)

    Rassismus im Geschichtsunterricht der Waldorfschule

    (…) Geschichtsepochenhefte beginnen mit „Atlantis“. Dazu sagt der Anthroposoph Richard Karutz8 – mit dem Ziel, die Vereinbarkeit von anthroposophischer und nationalsozialistischer Rassenlehre herauszustellen: „Der Nationalsozialismus ist, vielen unbewusst, tatsächlich eine geistige Bewegung, Rassenbildung und Rassenschichtung in Europa gehen tatsächlich bis in jene atlantischen Zeiten zurück, von denen Rudolf Steiner spricht.“9

    Im Kapitel „Unsere Atlantischen Vorfahren“ seines Buches „Aus der Akasha-Chronik“ spricht Rudolf Steiner von „Atlantis“ und den „Rassen“, Zitat:

    „Die Vorfahren der Atlantier wohnten auf einem verschwundenen Landesteil, dessen Hauptgebiet südlich vom heutigen Asien lag. Man nennt sie in theosophischen Schriften die Lemurier. Nachdem diese durch verschiedene Entwicklungsstufen gegangen waren, kam der größte Teil in Verfall. Er wurde zu verkümmerten Menschen, deren Nachkommen heute noch als sogenannte wilde Völker gewisse Teile der Erde bewohnen. Nur ein kleiner Teil der lemurischen Menschheit war zur Fortentwicklung fähig. Aus diesen bildeten sich die Atlantier. – Auch später fand wieder etwas ähnliches statt. Die größte Masse der atlantischen Bevölkerung kam in Verfall, und von einem kleinen Teil stammen die sogenannten Arier ab, zu denen unsere gegenwärtige Kulturmenschheit gehört. Lemurier, Atlantier und Arier sind, nach der Benennung der Geheimwissenschaft, Wurzelrassen der Menschheit.“10

    In Atlantis findet also eine Trennung der Menschheit statt, in auserwählte Menschen – „Arier“–, die die „Menschheitsentwicklung“ voranbringen, und andere Menschen, die dem „Verfall“ preisgegeben sind. Die für ihn zwangsläufige Entwicklung fasst Rudolf Steiner in den von Helmut Zander oben erwähnten „Arbeitervorträgen“ im Jahre 1923 so zusammen:

    „Auf der einen Seite hat man die schwarze Rasse, die am meisten irdisch ist. Wenn sie nach Westen geht, stirbt sie aus. Man hat die gelbe Rasse, die mitten zwischen Erde und Weltenall ist. Wenn sie nach Osten geht, wird sie braun, gliedert sich zu viel dem Weltenall an, stirbt aus. Die weiße Rasse ist die zukünftige, ist die am Geiste schaffende Rasse.“11

    Im Geschichtsepochenheft liest sich die Auswahl der Menschen mythologisch verklärt so – Atlantis versinkt, und, Zitat Geschichtsepochenheft:

    „Nur ein geringer Teil der Atlantier überlebte die große Flut und die Erdbeben. Diese hatten sich um Manu, den Sonnengeweihten, geschart. Er war dafür ausersehen, das helle Licht der Gedanken zu entfachen. Mit 7 heiligen Rishis führte er sie nach Osten.“

    Zum Vergleich Rudolf Steiner:

    „Das war nach der atlantischen Flut, als diese Kolonie nach Süden ging und dort die erste Kultur der nachatlantischen Zeit begründete, die erste Kultur unserer Zeitepoche. Die fortgeschrittenen Lehrer, die da mit hinunterzogen, die ersten großen Lehrer des alten Indien, sie nennt man die alten Rishis.“12

    Die „erste Kultur der nachatlantischen Zeit“ ist, wie oben ausgeführt, die „Urindische Kulturepoche“. Das Geschichtsepochenheft beschreibt wie Rudolf Steiner eine fiktive Völkerwanderung der auserwählten Menschen: von Atlantis, das laut Steiner im Atlantischen Ozean lag13, zogen die Arier nach Indien.

    Die in der Waldorfschule unterrichtete anthroposophische Kulturepochenlehre ist eine rein weisse Menschheitsgeschichte, eine Geschichte des auserwählten Teils der Menschheit. Aber auch bei den Auserwählten setzt sich die „Menschheitsentwicklung“ fort: Die Höherentwicklung der Menschheit lässt sich anhand der Ausbildung der anthroposophischen „Wesensglieder“ beschreiben.

    Die 9 Wesensglieder im Überblick:

    1. Physischer Leib

    2. Äther-, Lebens- oder Bildekräfteleib

    3. Seelenleib, Empfindungsleib oder Astralleib (im engeren Sinne)

    4. Empfindungsseele

    5. Verstandes- oder Gemütsseele

    6. Bewußtseinsseele

    7. Geistselbst (Manas)

    8. Lebensgeist

    9. Geistesmensch (Atma)

    Bei der Ausbildung zum Waldorflehrer am „Seminar für Waldorfpädagogik Berlin“ wurden die zukünftigen Waldorflehrer auch mit der Bedeutung der „Wesensglieder“ für die „Menschheitsentwicklung“ in den aufeinander folgenden „Kulturepochen“ vertraut gemacht:

    Im Fach „Kunstbetrachtung“, einer anthroposophischen Kunstgeschichte, erläutert der Gastdozent „Dr. Weiss“ [Name geändert] die Entwicklung der Steinerschen „Wesensglieder“ anhand von dafür typischen Kunstwerken: Die alten Ägyper besaßen noch ein „magisches Bewusstsein“, eine unmittelbare Verbindung zur „geistigen Welt“; bei den Griechen bildete sich die „Verstandesseele“ aus; und „um das Jahr 1413 herum begann mit der Entdeckung der Perspektive die Ausarbeitung der Bewusstseinsseele“. „Damit haben die Europäer eine Vorreiter-Rolle übernommen“, erklärt Dr. Weiss.

    Im Zusammenhang mit der Perspektive präsentiert Dr. Weiss noch ein überraschendes Detail: auf nicht nachvollziehbaren Umwegen verortet er den eigentlichen Verdienst an der kulturhistorischen Leistung „Perspektive“ nördlich der Alpen, statt – wie allgemein üblich – in Italien. Aber auch das ist, Zitat Helmut Zander, „kein Unfall“, sondern Anthroposophie, Zitat „ABC der Anthroposophie“:

    „Das Jahr 1413 bezeichnet nun den ungefähren Zeitpunkt, an dem sich in den Völkern des germanischen Kulturkreises die Bewußtseinsseele auszubilden begann. Sie weiter zu entwickeln ist die Aufgabe der bis in die Mitte des vierten nachchristlichen Jahrtausends dauernden Fünften nachatlantischen Kulturepoche.”14

    Bis zum Jahre 3573 n. Chr. haben also die Völker des „germanischen Kulturkreises” die für die Menschheitsentwickelung alles entscheidende Funktion: die menschliche Evolution ist germanisch!

    An dieser Stelle noch einmal der Historiker Helmut Zander:

    „In der Konsequenz dieses Denkens lag auch Steiners Bestimmung des Judentums, das ebenfalls als evolutionshistorisch überholt galt (s. 8.3.2b), und in diesen Kontext gehören auch seine Völkerstereotypien, die gleichfalls hierarchisiert waren und die Deutschen als Avantgarde der Entwicklung sahen (s. 14.3.1a).“15

    „Die Deutschen als Avantgarde der Entwicklung“: ist das damit gemeint, wenn sich die Waldorfschulen in der Öffentlichkeit so vorstellen: „Waldorfschulen als Vorreiter. Nicht mehr lernen, sondern das Richtige.“16?

    zum vollständigen Artikel: http://www.ruhrbarone.de/geschichte-in-der-waldorfschule-atlantis-und-die-rassen/

  • #15
    Karl

    Es ist erschreckend zu sehen, wie quer durch fast alle Weltanschauungsgruppen die Mehrheit dem Nationalsozialismus sich diskursiv und praktisch angepasst hat.

  • Pingback: Michael Mentzel: Anthroposophie und Nationalsozialismus | Ruhrbarone

  • #17
    Andreas Lichte

    @ Karl #15

    es ist mehr als „Anpassung“ wenn man in einem KZ einen biologisch-dynamischen Hof betreibt … Zitat aus dem Artikel:

    „(…) Pohl war für das Netzwerk biologisch-dynamischer Höfe bei verschiedenen Konzentrationslagern zuständig, u. a. in Dachau11 und Ravensbrück. Das Dachauer Gut wurde von dem Anthroposophen und SS-Offizier Franz Lippert beaufsichtigt, der vorher Obergärtner bei Weleda gewesen war. Die SS-eigenen biologisch-dynamischen Betriebe bestanden bis zum Kriegsende.“12 (…)“

  • #18
    Andreas Lichte Beitragsautor

    Michael Mentzel: Anthroposophie und Nationalsozialismus

    Ansgar Martins, Gastautor der Ruhrbarone, hat ein kritisches Buch über Rudolf Steiners Rassismus und Geschichtsbild geschrieben, das vom Historiker Prof. Peter Staudenmaier in einer Rezension als „sachliche und scharfsichtige Darstellung“ begrüsst wurde, „bei weitem die beste Darstellung, die bei einem anthroposophischen Herausgeber erschienen ist“. Das sorgt für einen bizarren Auftritt von Michael Mentzel, Propagandist der, Zitat Prof. Hopmann, „Sekte“ Anthroposophie. Von Andreas Lichte.

    In seinem Artikel „Steiner und der Rassismus“, veröffentlicht auf seiner Website „Themen der Zeit“, begibt sich der Anthroposoph Michael Mentzel [aus Schloss Hamborn] auf die verzweifelte Suche nach Fehlern in Ansgar Martins Buch „Rassismus und Geschichtsmetaphysik: Esoterischer Darwinismus und Freiheitsphilosophie bei Rudolf Steiner“. Es wird eine Irrfahrt durch das anthroposophische „Geisterland“, wie Ansgar Martins in seiner Antwort dokumentiert.

    Zu Mentzels propagandistischer Grundausstattung gehört es, Kritikern der Anthroposophie zu unterstellen, was sie nie behauptet haben, Zitat Mentzel:

    „Eines scheint mir das Anliegen des Autors Ansgar Martins jedoch nicht zu sein: Der Versuch, nachzuweisen, dass der von ihm bei Steiner diagnostizierte Rassismus und Antisemitismus die von manchen Kritikern behauptete Klammer und die Kontinuität sind, die den Nationalsozialismus ermöglicht haben.“

    Dazu Ansgar Martins’ Antwort im Originalwortlaut, Zitat:

    „Dass die Anthroposophie nicht die Wegbereiterin des Nationalsozialismus war und sich in dieser Richtung auch nicht ernsthaft argumentieren lässt, darin ist Mentzel ausdrücklich zuzustimmen. Tatsächlich hat bisher auch noch kein ernstzunehmender Steinerkritiker die Anthroposophie zum Wegbereiter des Faschismus stilisiert. Das haben diesbezüglich interessierte Anthroposophen ganz allein geschafft. Ettore Martinoli [Mitbegründer der ‘Anthroposophischen Gesellschaft Italiens’], der sich nicht nur aktiv für die antisemitischen Rassegesetze im italienischen Faschismus, sondern vor allem für deren Synthese mit der Anthroposophie einsetzte, riss Steiner aus seiner faktischen geistesgeschichtlichen Irrelevanz und stellte ihn in eine Reihe mit Mussolini und Hitler:

    ’Rudolf Steiner war ein wahrhaft idealer Vorläufer des neuen Europa von Mussolini und Hitler. Ziel dieser Schrift war es, den Geist und die Figur dieses grossen, modernen, deutschen Mystikers für die Bewegung zu beanspruchen – eine Bewegung, die nicht nur politisch, sondern auch spirituell ist – eingeführt in die Welt von den zwei parallelen Revolutionen, der Faschistischen und der Nationalsozialistischen Revolution, denen Rudolf Steiner als echter Vorläufer und spiritueller Pionier in idealer Weise angehört.’ (Martinoli: ‚Un preannunziatore della nuova Europa: Rudolf Steiner’, in: ‘La Vita Italiana’, Juni 1943, S. 566, übersetzt bei Andreas Lichte)

    Es waren gerade die idealistischen Aspekte der Anthroposophie, mit denen solche Autoren ihren faschistischen Enthusiasmus rechtfertigten. Erhard Bartsch, Pionier der biodynamischen Landwirtschaft, belehrte den jüdischen Anthroposophen und Nazigegner Hans Büchenbacher:

    ‘Wissen Sie, Herr Dr. Büchenbacher, wenn man wirklich michaelischen Geist hat, dann tritt man an die Seite von Adolf Hitler.’ (zit. n. Büchenbacher: ‘Erinnerungen 1933-1945’, Archiv ‘Info3’, 8)

    Andere sahen in der Anthroposophie die ideale spirituelle Ergänzung zum ‘materialistischen’ Nationalsozialismus:

    ‘Rudolf Steiner kommt von oben. Hitler kommt von unten, und so geben sie einander die Hand.’ (zit. n. Dieter Brüll: ‘Ein Bewusstsein war nicht vorhanden’, in: ‘Info3’, 4/1999, 20)

    Büchenbacher, der als Vorsitzender der deutschen Anthroposophen 1935 ‘freiwillig’ zurücktreten musste, schätzte rückblickend, ‘dass ungefähr 2/3 der Mitglieder mehr oder weniger positiv zum Nationalsozialismus sich orientierten.’ (Büchenbacher: ‘Erinnerungen’, a.a.O., 17)

    (…)“

    Soviel von Ansgar Martins zur anthroposophischen Zustimmung zu Faschismus und Nationalsozialismus. Betrachtet man die praktische Zusammenarbeit von Anthroposophen und nationalsozialistischen Organisationen, fällt es noch schwerer, eine klare Grenze zu ziehen:

    Im „Dritten Reich“ passierte Anthroposophie auf der falschen Seite des Zaunes, des Zaunes des KZ Dachau: Dort gab es einen biologisch-dynamischen Betrieb – und den ehemaligen Waldorfschüler und SS-Arzt Sigmund Rascher, der geplant tödlich verlaufende Menschenversuche an KZ-Insassen durchführte. Die anthroposophische Firma „Weleda“ versorgte Rascher mit Materialien …“

    > zum Originalartikel > http://www.ruhrbarone.de/michael-mentzel-anthroposophie-und-nationalsozialismus/

  • #19
    Andreas Lichte

    Henning Kullak-Ublick, der ‘Bund der Freien Waldorfschulen’, und die Glaubwürdigkeit

    (…)

    Dokumentiert ist, dass der Lehrplan der ersten Waldorfschulen „Rassenkunde“ enthielt, die in der siebten Klasse einzuführen sei, samt der Diskussion des „Gegensatzes von nördlicher und südlicher Volksart“ und dem kulturellen Ausdruck von „fremden Volksseelen“.2

    Bei einer Pressekonferenz des „Bundes der Freien Waldorfschulen“ zu Rudolf Steiners Rassismus erklärte Kullak-Ublick [Vorstand „Bund der Freien Waldorfschulen“] aber im Widerspruch zur oben dokumentierten Geschichte der Waldorfschule:

    „Schon bei ihrer Gründung sind die Waldorfschulen mit einem Ansatz angetreten, der im krassest möglichen Gegensatz zu den Beschuldigungen [des Rassismus in der Waldorfschule] steht“.3

    Am 6. September 2007 entschied die „Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien“ (BPjM), dass Bücher Rudolf Steiners rassistischen Inhalt haben. Und auch hier fühlt sich Kullak-Ublick nicht an Fakten gebunden:

    „(…) So erläuterte Henning Kullak-Ublick, Mitglied im Vorstand des Bundes der Freien Waldorfschulen, in einem Interview mit Deutschlandradio Kultur der Hörerschaft, die Bundesprüfstelle habe die inkriminierten ‘Stellen für unwesentlich erklärt und … sie eben nicht indiziert. Gerade das hat sie ja nicht getan. Sie wäre dazu verpflichtet gewesen, wenn sie die eben als rassendiskriminierend angesehen hätte.’ Angesichts der Tatsache, dass in der Entscheidung 5505 [der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien] explizit steht, dass das Zwölfergremium zu dem Ergebnis gekommen ist, dass ‘Die Mission einzelner Volksseelen’ in Teilen ‘als zum Rassenhass anreizend bzw. als Rassen diskriminierend anzusehen’ sei, muss sich Kullak-Ublick eine Verdrehung der Fakten vorwerfen lassen. (…)“4

    (…)“

    zum vollständigen Artikel (mit Quellenangaben): http://www.ruhrbarone.de/henning-kullak-ublick-der-bund-der-freien-waldorfschulen-und-die-glaubwuerdigkeit/

  • #20
    Andreas Lichte

    Prof. Peter Staudenmaier on Ida Oberman’s book „The Waldorf Movement in Education from European Cradle to American Crucible, 1919-2008“ (Lewiston: Mellen, 2008):

    „(…) Citing testimony from several pupils, for example, Oberman reports that raising the Nazi flag, giving the Hitler salute, and singing the Horst Wessel Lied „became daily requirements“ at the Stuttgart Waldorf school from 1934 onward (129).

    She also observes that „Racial theory has a place in the Waldorf curriculum as designed by Rudolf Steiner.“ (132)

    The stance of the Waldorf leadership in 1933 and 1934 was „loyal cooperation with the new regime“ (136).

    Oberman describes the primary leaders of the League of Waldorf Schools, Rene Maikowski and Elisabeth Klein, as „pro-Nazi Waldorf representatives“ (139).

    She quotes Hess writing to the Nazi Education Minister in 1935 praising Waldorf’s potential to „make a valuable contribution“ to National Socialism (147).

    She also discusses the „close Nazi collaboration“ of the Dresden Waldorf school (163). (…)“

    source: http://groups.yahoo.com/group/waldorf-critics/message/26887

  • #21
    Andreas Lichte

    Die Mehrheit der Anthroposophen unterstützte den Nationalsozialismus.

    Das geht aus der Rezension des Historikers Peter Staudenmaier von Ansgar Martins’ Buch „Hans Büchenbacher: Erinnerungen“ hervor:

    “Hans Büchenbacher: Erinnerungen – Reviewed by Peter Staudenmaier

    “Hans Büchenbacher: Erinnerungen – Reviewed by Peter Staudenmaier

    (…)

    According to Büchenbacher, “approximately two thirds of German anthroposophists more or less succumbed to National Socialism.” (40) He reports that a wide range of influential anthroposophists, whom he identifies by name, “staunchly supported Hitler.” Both Guenther Wachsmuth, Secretary of the Swiss-based General Anthroposophical Society, and Marie Steiner, the widow of Rudolf Steiner, are described as “completely pro-Nazi” (24). Büchenbacher concludes with a lament for the far-reaching “Nazi sins” of his Dornach colleagues.

    (…)”

    zur vollständigen Rezension: http://waldorfblog.wordpress.com/2014/08/09/staudenmaier-buechenbacher/

  • #22
    derwaechter

    Ich habe heute in einem anderen Zusammenhang dieses Zitat von Kant gelesen.

    "Die Menschheit ist in ihrer größten Vollkommenheit in der Rasse der Weißen. Die gelben Indianer haben schon ein geringeres Talent. Die Neger sind weit tiefer, und am tiefsten steht ein Teil der amerikanischen Völkerschaften."

    Man darf halt nie vergessen Autoren auch im Kontext ihrer Zeit zu lesen.

  • #23
    Andreas Lichte

    @ derwaechter #22

    Zitat derwaechter: "Man darf halt nie vergessen Autoren auch im Kontext ihrer Zeit zu lesen."

    Genau. Waren Kant und Rudolf Steiner etwa Zeitgenossen?

    Ich nenne Ihnen im folgenden nur 2 Kriterien, die für die Bewertung von Rassismus im Werk eines Autors von Bedeutung sind:

    1. – wann hat der Autor gelebt? Welche Kenntnis der Welt konnte er haben?

    2. – welche Position nimmt der Rassismus im Werk des Autors ein? Ist der Rassismus zentral – “sinnstiftend” – für das Werk, oder nur eine Randerscheinung?

    1. – Rudolf Steiner lebte von 1861 bis 1925. Große Teile von Steiners Werk entstanden erst im zwanzigsten Jahrhundert, zu einer Zeit, als der von Rudolf Steiner verachtete Albert Einstein seine die Welt verändernde Relativitätstheorie entwickelte. Steiner war mit seiner eklektischen Esoterik schon zu Lebzeiten ein Anachronismus – und ein unverbesserlicher Rassist, der es hätte besser wissen müssen, ein Zitat von 1897:

    “There are many humorous things in the world, among them the white man’s notion that he is less savage than the other savages.”

    Mark Twain, Zitat aus: “Following the Equator”, 1897

    2. – Historiker wie Peter Staudenmaier und Helmut Zander stellen die Rassenlehre Rudolf Steiners als ZENTRAL für die Anthroposophie heraus. Steiners esoterische Evolutionslehre – die „Menschheitsentwickelung“ – ist Beweggrund und Ziel der Anthroposophie, Zitat Staudenmaier:

    „Ausgehend von Blavatskys4 entwicklungstheoretischem Ansatz baute Steiner eine Evolutionslehre der Völker- und Rassengruppen auf, wonach die menschliche Seele durch aufeinanderfolgende Verkörperungen in immer ‘höheren’ Rassen geistig wie leiblich fortschreitet. Diese Stufenleiter der Rassen steht IM MITTELPUNKT von Steiners esoterischem Verständnis der Gesamtentwicklung der Menschheit, vom Verhaftetsein in der Materie hin zur geistigen Vervollkommnung.”5

    Zum Vergleich Helmut Zanders zusammenfassende Darstellung von Rudolf Steiners Rassenlehre, Zitat Zander:

    „Steiner ordnete die Rassen einer Fortschrittsgeschichte zu, in der beispielsweise heutige Indianer als ‘degenerierte Menschenrasse’ im ‘Hinsterben’ (GA 105,106.107 [1908]) oder schwarze Afrikaner als defiziente Spezies der Menschen- und Bewußtseinsentwicklung, als ‘degenerierte’, ‘zurückgebliebene’ Rasse (ebd., 106) erschienen. Umgekehrt habe die weiße Rasse ‘das Persönlichkeitsgefühl am stärksten ausgebildet’ (GA 107,288 [1909]). Dies sind nur Kernsätze einer Rassentheorie, die Steiner 1904 erstmals formulierte, um sie 1910 in einem komplexen System und in zunehmender Abgrenzung zu theosophischen Positionen auszufalten. Mit seinem Ausstieg aus der Theosophie hat er diese Vorstellungen keinesfalls über Bord geworfen, sondern sie 1923 nochmals in Vorträgen vor Arbeitern des Goetheanum in vergröberter, ‘popularisierter’ Form wiederholt, aber ohne Revision im inhaltlichen Bestand. Die weiße war nun ‘die zukünftige, die am Geiste schaffende Rasse’ (GA 349,67 [1923]).“6

    „Steiner formulierte mit seinem theosophischen Sozialdarwinismus eine Ethnologie, in der die Rede von ‘degenerierten’, ‘zurückgebliebenen’ oder ‘zukünftigen’ Rassen keine ‘Unfälle’, sondern das Ergebnis einer konsequent durchgedachten Evolutionslehre waren. Ich sehe im Gegensatz zu vielen Anthroposophen keine Möglichkeit, diese Konsequenz zu bestreiten.“7

    Quellenangaben für die Zitate von Peter Staudenmaier und Helmut Zander hier:

    http://www.ruhrbarone.de/geschichte-in-der-waldorfschule-atlantis-und-die-rassen/49644

    "Geschichte in der Waldorfschule: ‘Atlantis’ und die ‘Rassen’"

  • #24
    Andreas Lichte

    "Ein ‚rechter‘ Waldorflehrer soll gehen – Rudolf Steiner bleibt

    BERLIN. (hpd) Nicht zum ersten Mal werden Waldorfschulen im Zusammenhang von "Rechtsextremismus" auffällig. Erinnert sei hier nur an den "NPD-Waldorflehrer" Andreas Molau. Nun gibt es einen neuen Fall. Und alles bleibt beim Alten.

    Wolf-Dieter Schröppe war zwanzig Jahre lang Lehrer an der Waldorfschule Minden. Nun belegt ein Gutachten der “Mobilen Beratungsstelle gegen Rechtsextremismus im Regierungsbezirk Detmold”, dass der Waldorflehrer im rechten Umfeld aktiv war: "Der Lehrer hat sich über Jahrzehnte ab Mitte der 90er Jahre bis Mitte 2000 in extrem rechten Strukturen und Netzwerken bewegt – nicht als Mitläufer, sondern Organisator", so ein Mitarbeiter der Beratungsstelle.

    Im Artikel "Völkischer Pädagoge?" von "blick nach rechts" wird dem Waldorflehrer vorgeworfen, dass er "bereits im Jahr 2000 in der Ludendorffer-Zeitung ‘Mensch und Maß’ über die Externsteine" publiziert habe.

    Der "Bund der Freien Waldorfschulen", die Dachorganisation der Waldorfschulen, war bemüht, sich schnellstmöglich vom Waldorflehrer Schröppe zu distanzieren und forderte seine Entlassung. Doch kein Wort der Selbstkritik zum Begründer der Waldorfschulen Rudolf Steiner (1861–1925), und seiner rassistischen, germanozentrischen Gedankenwelt.

    Was aber, wenn Rudolf Steiner selbst sich zu den Externsteinen geäußert haben sollte? Und das nicht irgendwo, sondern in "Die Mission einzelner Volksseelen im Zusammenhang mit der germanisch-nordischen Mythologie"? [1] Einem Buch, dem die "Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien" (BPjM) bescheinigte, dass es, Zitat BPjM "als zum Rassenhass anreizend bzw. als Rassen diskriminierend anzusehen" sei.

    Die BPjM beanstandete unter anderem die folgende Text-Stelle, die den Inhalt des Buches zusammenfasst, Zitat Rudolf Steiner: "Eine Aufgabe, die besonders der kaukasischen Rasse obliegt, ist die: Sie soll den Weg machen durch die Sinne zum Geistigen, denn sie ist auf die Sinne hin organisiert." [2] "Kaukasische Rasse” gebraucht Steiner synonym für "weiße Rasse", über deren Rolle er an anderer Stelle schreibt: "Die weiße Rasse ist die zukünftige, ist die am Geiste schaffende Rasse." [3]

    Die "weiße Rasse" ist das Ziel von Rudolf Steiners "Menschheitsentwickelung", die der Historiker Peter Staudenmaier so zusammenfasst: "Ausgehend von Blavatskys [4] entwicklungstheoretischem Ansatz baute Steiner eine Evolutionslehre der Völker- und Rassengruppen auf, wonach die menschliche Seele durch aufeinanderfolgende Verkörperungen in immer ‘höheren’ Rassen geistig wie leiblich fortschreitet. Diese Stufenleiter der Rassen steht im Mittelpunkt von Steiners esoterischem Verständnis der Gesamtentwicklung der Menschheit, vom Verhaftetsein in der Materie hin zur geistigen Vervollkommnung." [5]

    Innerhalb der "weißen Rasse" haben die "Germanen" eine herausragende Mission, sie sind es, die die "Menschheitsentwickelung" voranbringen. Und genau darum geht es in Steiners "Die Mission einzelner Volksseelen im Zusammenhang mit der germanisch-nordischen Mythologie": die "Germanen" – sprich: die "Deutschen" – sind ein auserwähltes Volk.

    (…)"

    weiter: http://hpd.de/artikel/11915

  • #25
    Claudia

    Also man lernt doch nie aus, ich habe eben das Netz durchsucht, da ich den Unterschied zwischen BIO und Demeter wissen wollte, da auch ich mit meiner Familie gern frisch angebaute Sachen aus dem Garten esse. Nun wunder ich mich aber, das der Gründer der Demeter Bewegung, wenn ich das richtig verstanden habe ein Rassist und Nationalist war. Warum aber bauen doch so viel in diesem Stiel an, auch linke Kommunen, die ich kenne halten sich an diese Lehre ?

    Freu mich auf Antwort.

    Gruß sagt Hobbyköchin und Gärtnerin Claudia

  • #26
    Sigrid Herrmann-Marschall

    Hallo,

    zunächst einmal: Mit Frische hat Bio oder Demeter nichts zu tun, sondern nur mit den Lagerzeiten und Transportwegen. Konventionell kann da besser abschneiden, wenn es häufiger (Nachfrage!) angeliefert wird. Bio unterliegt bestimmten Regeln, die z.B. hier einsehbar sind:

    http://www.vzfbdww.de/informationen/VergleichEGBiolandDemeter.pdf

    Demeter unterliegt weiteren/anderen, die z.T. völlig irrational sind.
    Linke kennen oft nicht den Zusammenhang. Zudem finden manche eben dieses esoterisch-schwurbelige-unwissenschaftliche irgendwie "schick". Auf die Qualität hat das keinen Einfluß, die Einbildung isst da z.T. mit. Es ist nicht gesünder, bio kann man machen, aber weniger wegen der Gesundheit, sondern vielleicht wegen des eigenen guten Gefühls.

    Das ist oft ein ganzer anderer Lebensentwurf, mit der Person Steiner setzen sich die wenigsten auseinander, obwohl das gerade Eltern tun sollten, die ihre Kinder auf entsprechende Schulen schicken, tun sollten.

  • #27
    Andreas Lichte

    @ Claudia #25

    warum biologisch-dynamische Lebensmittel nach ihrer KZ-Vorgeschichte noch heute angebaut werden, weiß ich nicht – vielleicht fragen Sie einfach erst mal die Demeter-Bauern, die Sie kennen?

    Möglicherweise sind es die "esoterisch-magischen Elemente" der "Biologisch-dynamischen Landwirtschaft", die viele "verzaubern" ?

    siehe dazu auch: https://www.psiram.com/ge/index.php/Biologisch-dynamische_Landwirtschaft

  • #28
    Claudia

    Vielen Dank für die Antworten, und ja ich werde den Bauern aus Österreich von dem ich beziehe einmal fragen. Das er ein Esoteriker ist, weiß ich bereits 🙂

    Danke und beste Grüße

    Caludia

  • #29
    Andreas Lichte

    „der besondere Stoffwechsel der Neger-Rasse“

    Prof. Peter Staudenmaier über „Atlantis“, Rudolf Steiners „Arier-Mythos“, anthroposophischen Rassismus, und das „Denken“ heutiger Anthroposophen:

    „(…) the Atlantis myth is directly linked to the racial components of anthroposophy and especially to Steiner’s version of the Aryan myth. All of these are still very much part of contemporary anthroposophist thinking — this is by no means merely a thing of the past. It is not something that magically disappeared after 1945. Nor is it merely a matter of disembodied ideas unconnected to the social realities of racism. Consider the following passage from an anthroposophist book published in South Africa in 1987:

    .

    „In lectures presented by the late Dr. Max Stibbe, who made an extensive study of race relations in South Africa, it was mentioned that the Mercury Mysteries in Atlantis soon degenerated, with the result that the Negro race was deprived of those spiritual impulses that introduced initiatives. Migrating from Atlantis, the blacks entered Africa at the mouth of the Congo river. Some of them went to North-West Africa, the rest journeying to the East and the South. The life forces of the black race are so strong that they absorb all light. The warmth of the cosmos is, so to speak, boiling inside them, hence their particular metabolism, their strong desires, instincts and emotions.

    Their skin is coarse (large-pored) and their limbs extraordinarily strong, in comparison with which the development of their thinking is much weaker. Their strong life forces see to it that of their soul functions, willing is by far the most strongly developed. Their metabolism is dominated by the liver, hence the frequent liver diseases–and other glandular disturbances–among blacks. They are rigidly imprisoned in the fire of their metabolism and their physical as well as etheric body is hardened.“

    Hymen Picard, „Some Thoughts on Race Relations“ Invisible Africa: A Search for the Grail in Africa (Novalis Press, 1987), 113-14

    .

    The Atlantis myth was a popular theme in anthroposophist publications in Nazi Germany as well. Two full-length books on Atlantis were published by leading anthroposophists in Germany in 1936. Both combined Steiner’s racial teachings with his esoteric variant of the the Atlantis myth and the Aryan myth. Both books were re-published several times by anthroposophists presses after 1945, from the 1950s to the 1990s.

    Ernst Uehli’s book Atlantis und das Rätsel der Eiszeitkunst: Versuch einer Mysteriengeschichte der Urzeit Europas (Stuttgart: Hoffmann, 1936) highlighted the divinely ordained nature of racial evolution. Uehli explained that the origin of racial differences lies in the spiritual realm and is expressed in the physical realm. The members of the „Aryan race“ were carefully selected by their cosmically appointed guide in order to lead the development of human individuality.

    Following Steiner’s model, Uehli held that the „red race“ of the American Indians was „incapable of further evolution“ and thus „dying out.“ The „black race“ was „unable to develop further,“ hence its „symptoms of racial decline.“ (66) According to Uehli, these racial characteristics were based on „cosmically anchored laws of evolution.“ (67) But „the Aryan race, and with it the Germanic peoples, were born from spiritual foundations,“ empowered to carry forward the „mission of the Germanic peoples in the cultural development of Europe.“ (77)

    Sigismund von Gleich’s book Der Mensch der Eiszeit und Atlantis (Stuttgart: Waldorf-Verlag, 1936) was published by the Waldorf press. The book drew on esoteric authors as well as contemporary racial theorists to construct a spiritual framework which confirmed “the cosmic order in the arrangement of the races.” (192) In Gleich’s extravagantly detailed account of spiritual-racial evolution, the “Aryan root race” was threatened by “violent onslaughts” from “colored races” and “the lowest racial remnants” of the Atlanteans and Lemurians. (113) The legacy of these racial unfortunates persists within “the Semitic element.” (153) But “the best members of the white race” bear a spiritual consciousness “which enables humanity to become a free spiritual being.” (83) The virtues of the Aryans are the result of a rigorous racial selection process overseen by esoteric Initiates:

    „A small number were led out of the general moral decline and the violent natural catastrophes by the Initiates to an isolated region, in order to be cultivated into the primary seed of future evolution. These were members of the white race from north Atlantis, whose spiritual thinking ability was the most highly developed. They were able to mature into the seed of the post-Atlantean root race, which in Spiritual Science is called the Aryan.“ (88)

    Gleich continued:

    „Because the capacity for thought had been fostered in the finest way among the north Atlanteans, their highest spiritual leader, Manu, chose the best from among them and led them, as Rudolf Steiner describes, to a special location in inner Asia, in order to protect them from the harmful influences of those who were left behind or of peoples who had gone astray.“ (89)

    For Gleich, “human souls develop different cultures on the basis of different racial and ethnic forces” and “the specific racial traits” of each human group. Dark skin, for example, is due to demonic forces. (163) “People became black because of the after-effects of the Fall from grace, they became ‘black as sin,’ or ‘black as the devil,’ to whose temptations man had succumbed. Through Lucifer’s influence the astral body with its desires was corrupted and made more powerful than the divine spark, which was weakened and darkened.” (171) In vivid contrast to the debased darker races, “the outstanding sensory talents and spiritual thinking power” of the “white-skinned races of Atlantis” have “reached perfection in their descendants, the Aryan-Caucasian peoples.” (174)

    As we have seen repeatedly on this list over the years, these are myths that some of Steiner’s followers continue to propagate today.

    Peter S.“ [Peter Staudenmaier]

    Quelle: https://groups.yahoo.com/neo/groups/waldorf-critics/conversations/messages/30935

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.