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Blogs: Darum verdienen wir so wenig Geld mit Werbung

etonix

Mit Blogs Geld zu verdienen, ist in Deutschland schwer. Schon die Finanzierung eines Angebots wie die Ruhrbarone ist nur durch die Unterstützung unserer Leser möglich. Ein Grund dafür ist Schleichwerbung. Wer wie wir nicht mitmacht, geht schnell leer aus.

Eigentlich ist die Sache klar: Werbung muss als Werbung gekennzeichnet und für jeden Leser klar von redaktionellen Beiträgen zu unterscheiden sein. Das sollte im TV so sein, bei Zeitungen und Magazinen und natürlich auch im Internet. Es hat etwas mit der Ehrlichkeit gegenüber den Lesern zu tun – und jeder Anzeigenkunde, dessen Werbung ihr hier seht, ist bereit, sich an diese Regeln zu halten und setzt auf Transparenz. 

Doch sowohl für uns als auch für unsere Anzeigenkunden ist es mehr als ärgerlich, dass andere sich nicht an diese Regeln halten. Dass es Unternehmen gibt, die ihre Werbung unerkannt schalten wollen – und des offenbar Online-Medien gibt, die dabei mitmachen. Mails wie diese hier bekommen wir mehrmals in der Woche:

Sehr geehrte Damen und Herren,

mein Name ist xxxxx xxxx und ich bin als Marketing Manager bei der eTonix Interactive GmbH tätig.

Derzeit bin ich auf der Suche nach online Portalen wie www.ruhrbarone.de, die Advertorials ohne Anzeigen-Kennzeichnung anbieten.

Falls Ihrerseits auch Interesse besteht, würde ich mich über eine Rückmeldung sehr freuen.

Mit freundlichen Grüßen

xxxxxxxx

eTonix Interactive GmbH
Friesenstrasse 84
26789 Leer (Germany)
Nun besteht unsererseits an „Advertorials ohne Anzeigen-Kennzeichnung“ kein Interesse, aber eine Rückmeldung wollen wir eTonix doch gerne zukommen lassen – über das Blog. Versuche, solche Werbung zu platzieren sorgen für eine übele Wettbewerbsverzerrung. Und es gibt viele Unternehmen, die auf Schleichwerbung setzen – und offenbar viele Online-Medien, die bei solchen Angeboten zugreifen. Ein Freund vom mir programmiert Apps – ihm wurde das Angebot gemacht, dafür zu zahlen, dass seine Apps zu „App der Woche“ oder  gar „App des Monats“ in einem Blog werden. Natürlich ohne die Kennzeichnung als Werbung. Hat er nicht gemacht. Seine Apps sind so gut, dass Apple sie von sich aus im Appstore weltweit empfiehlt.
Online-Medien, die solche Angebot annehmen, verdienen damit ein paar Euro. Und Agenturen, die solche Werbung schalten, platzieren ihre Angebote – aber sie sorgen auch dafür, dass seriöse Anbieter wie wir und viele andere es auf dem Markt schwer haben, ja, dass so etwas wie ein offener Markt erst gar nicht entsteht.
Wenn wir seit Jahren darüber reden, dass die Vermarktung von Blogs und anderen Online-Medien ein Problem ist, müssen wir auch über diese Praktiken reden. Sie sind nicht das einzige Problem, aber sie sind auch keine Nebensache. Wir löschen seit Jahren ständig solche Angebote – heute gaben wir einmal eins öffentlich gemacht.
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22 Kommentare zu “Blogs: Darum verdienen wir so wenig Geld mit Werbung

  • #1
    at

    Ich persönlich würde es begrüßen, ein anderes Beispiel als ausgerechnet einen AppStore anzuführen. Das Beispiel mag zwar prägnant sein, führt aber in die Irre. Denn die hier geschilderte Praxis ist im Einzelhandel mit seinen Angeboten der Woche und Werbekostenzuschüssen üblich und unkritisch: Taugt die App nichts, haben Hersteller und Händler Reputation eingebüßt, und ich ein paar Euro. Die hier hauptsächlich angeprangerte Praxis der Schleichwerbung in Online-Medien wiegt jedoch viel schwerer, da sie das Vertrauen von Menschen ausnutzt, deren Sicht auf die Welt sie prägen.
    Dass auch die klassischen Medien gegenüber diesen Werbeformen sehr empfänglich sind, macht die Sache nicht besser. Insofern: Vielen Dank für diese deutliche Stellungnahme.

  • #2
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @AT: Das App-Beispiel ist gut. Es geht um Medien die über Apps berichten und bei denen man redaktionelle Bewertungen kaufen kann.

  • #3
    at

    Vielen Dank für die Klarstellung. Dieses Missverständnis hätte wahrscheinlich vermieden werden können, wenn „ihm wurde das Angebot gemacht“ durch „von einem Werbevermarkter“ ergänzt worden wäre. Aber nix für ungut.

  • #4
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @AT: Das Angebot wurde ihm von dem Blog gemacht, nicht von einem Vermarkter. Aber das Blog gibt es mittlerweile nicht mehr.

  • #5
  • #6
    Ada von der Decken (@odaeck)

    Danke für euren Beitrag!
    Angebote dieser Art erhalten wir auch ständig via E-Mail und Telefon. Es es gibt offenbar auch viele, die solche Angebote annehmen: Glaubwürdigkeit scheint denen nicht viel wert zu sein. Schade.

  • #7
    geheim

    Ganz nebenbei: Werbung muss klar als Werbung gekennzeichnet sein, alles andere ist in Deutschland als Schleichwerbung verboten. § 4 UWG:

    Unlauter handelt insbesondere, wer
    den Werbecharakter von geschäftlichen Handlungen verschleiert;

    Entsprechend ist die Anfrage der eTonix erstaunlich, da sie ja gezielt zu einem unlauteren Wettbewerb aufruft. Da darf die Konkurrenz ruhig mal abmahnen.

  • Pingback: Pottblog

  • #9
  • #10
    SPF

    Wo ist der kausale Link zwischen „wird uns angeboten“ und „machen viele Online-Medien“? Daher kommen die Probleme, Einnahmen durch Werbung zu generieren sicher nicht. Wäre dem so, müssten die Online-Medien, die Geld verdienen, voll mit ungekennzeichneten Advertorials sein. Sind sie nicht. Überhaupt eignet sich diese „Werbe-Form“ nur für einige bestimmte Firmen. Der ganze Beitrag ist logisch fragwürdig, fachlich zu schwach, fast tendenziös.

  • #11
    Klaus

    MUSS man denn mit Blogs Geld verdienen?
    Ist denn GELD & REKLAME das einzige, an das man denken kann?
    Traurige Bagage.

  • #12
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Klaus: Allein dieses Blog zu betreiben kostet über 1000 Euro im Jahr. Und von so einem blöden Heckenpenner wie Dir lasse ich mich nicht als Bagage beschimpfen, wenn ich mir Gedanken über die Refinanzierung mache.

  • #13
    Andreas

    Danke für den Beitrag. Auch wir kennen das. Wenn man dann sogar noch die gebotene Leistung anschaut, ist es kein Wunder das gekennzeichnete Werbung und vor allem Werbung außerhalb des Feeds dann kaum noch Wert genießt. In den Kommentaren schrieb hier jemand „Bitte alle solche Anfragen veröffentlichen“. Tatsächlich könnte das eine Idee sein: Sich mit mehreren Medien und Blogs zusammen schließen und eine Art Online-Pranger machen und für „faire Werbung“ werben – ggf. auch im Schulterschluss mit aufrichtigen Werbeagenturen. Ist aber gerade nur eine fixxe Idee, müsste man noch mal in Ruhe drüber nachdenken, ob es sinnvoll ist und wenn in welcher Form. Könnte aber zumindest als gemeinsame Aktion eine Öffentlichkeit für das Thema schaffen

  • #14
    Wagner

    Super Artikel! Schleichwerbung muss endlich bestraft werden. Der Gesetzgeber ist gefordert. Ich kenne aus eigener Erfahrung die Thematik. Jeder Blogger der auf solche Angebote eingeht macht sich damit kaputt. Und kanabilisiert sein eigenes Anzeigengeschäft. Klar sind die Angebote finanziell interessant und Content gibt es noch obendrauf. Aber jede Blinde mit Krückstock erkennt gekaufte Artikel. Das Geschäft (teliad.de) damit ist riesig. Die SEO-Thematik sollte außerdem in den Fokus genommen werden.

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  • #16
    Ricc

    Klaus hat schon recht, muss man mit einem Blog Geld verdienen? Ich blogge, weil es mir Spaß macht und meine beiden großen Hobbys Heimwerken und Internet verbindet. Und sicher tut es auch gut, wenn man ein paar Lobe für seine Werke bekommt. Aber Geld verdienen? Nein, muss ich nicht wirklich. Daher verzichte ich bei mir auch auf Werbung und die paar Euro für den Internetauftritt darf mein Hobby ruhig kosten.

    @Stefan Laurin
    Auch wenn der Gegenüber nicht die selbe Meinung vertritt und sich im Ton vergreift, sollte man gerade als Blogbetreiber selber die Fassung und vor allem Niveau behalten.

  • #17
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Ricc: Ich muss mich nicht als Baggage beschimpfen lassen. Du machst es auf Deinem Blog wie Du willst, ich auf meinem wie ich es will.

  • #18
    Ricc

    Richtig Stefan, das musst Du natürlich nicht. Daher stehen Dir als Betreiber auch Möglichkeiten zur Verfügung dieses zu unterbinden (sperren, Beleidigungen entfernen…). Nur finde ich, dass man auf seinem Blog eine gewisse Vorbildfunktion hat und wenn man Beleidigungen nicht duldet (was verständlich ist), sollte man nicht mit Beleidigungen antworten.

    Das soll es aber meinerseits dazu gewesen sein. Hast schließlich recht, es ist Dein Blog und Du kannst hier so agieren, wie Du es für richtig hältst.

    Gruß Ricc

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  • #20
    Sebastian

    Ich sehe das Thema Authentizität eher in einem größeren, globalen Zusammenhang.

    Hotelbewertungen –> sind oftmals gekauft
    Wahlen,Abstimmungen zum besten Auto des Jahres, oder zur besten App –> hier wird oftmals nachgeholfen.
    Facebook Likes, Twitter Follower –> Ganz oft gekauft
    Sogar Zeitungen versuchen alles, um ein Stück vom (Vermarktungs-)Kuchen abbekommen zu können.

    Wer will da den ersten Stein werfen?
    Wann handelt es sich um Werbung oder Schleichwerbung, wann vertritt der Author seine Meinung? Und wann ist er z.B. verpflichtet, Artikel mit nofollow Verlinkungen zu versehen – nur weil eine große, marktbeherrschende Suchmaschine das gerne so haben möchte?

  • Pingback: Schleichwerben mit blogads | Ruhrbarone

  • #22
    marcus

    Toller Artikel und endlich mal etwas leicht Verständliches zu diesem Thema! Werde das auch an Freunde und Kollegen weitergeben. Danke!

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