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„Deine blauen Augen…“: Sigmar Gabriel macht Dieter Gorny zum Beauftragten für Kreative und Digitale Ökonomie

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Dieter Gorny Foto: ECCE


Den Pop-Sender Viva an die Wand gefahren, mit dem Lab Millionen verbrannt, mit ECCE auf dem Meer der Bedeutungslosigkeit gesegelt und die Popkomm gibt es auch nicht mehr  – Aus Sicht von Bundeswirtschaftsminister Gabriel scheint Dieter Gorny alle Voraussetzungen mitzubringen, um  „Beauftragter für Kreative und Digitale Ökonomie“ zu werden.

Auf der heutigen Kulturkonferenz des Bundeswirtschaftsministerium tauchte dieses Schreiben von Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel auf:

„Wir sind uns darüber einig, dass die Kultur- und Kreativwirtschaft von der Digitalisierung besonders betroffen ist. Ihre Innovationen und Produkte sind einerseits direkter Treiber wesentlicher gesellschaftlicher und ökonomischer Veränderungen, die weit über die elf Teilmärkte der Branche hinausgehen. Gleichzeitig verändert die Digitalisierung aber auch die Geschäftsmodelle der Branche. Von der Kultur- und Kreativwirtschaft ausgehende Innovationen berühren und prägen dabei auch andere Wirtschaftszweige und wirtschaftliche Erscheinungen, wie etwa ‚Industrie 4.0′ und die ‚Kreative und Digitale Ökonomie‘. Eine Verzahnung und Vermittlung der bestehenden Initiativen und Strategien der Kultur- und Kreativwirtschaft einerseits mit der Digitalen Agenda und der innovativen Digitalisierung der Wirtschaft erscheint mir daher erforderlich. Ich freue mich, dass Sie sich bereit erklärt haben, mich bei dieser Aufgabe als Experte beratend zu unterstützen und bestimme Sie zum ‚Beauftragter für Kreative und Digitale Ökonomie‘.“

Eine aus der Sicht eines sozialdemokratischen Politikers wie Sigmar Gabriel absolut verständliche Entscheidung.  Gorny hat ein SPD-Parteibuch, seine wirtschaftlichen Aktivitäten wie der TV-Sender Viva oder die Messe Popkomm hingen immer eng mit Subventionen und politischer Unterstützung ab und in den vergangenen Jahren beim European Center for Creative Economy war seine größte Leidenschaft die weitgehend sinnlose Vernichtung von Steuergeldern. Empfehlungen, an denen Gabriel nicht vorbei kam.

Ganz nebenbei ist Gorny als Vorstandsvorsitzende des Bundesverbandes Musikindustrie ein Lobbyist, was vor allem den Kollegen von Netzpolitik Sorgen macht. Ob diese Überlegungen berechtigt sind, wird sich zeigen. In den vergangenen Jahren trat Gorny vor allem als Heißluftproduzent in Erscheinung, der mit vielen Worten wenig sagt,

Und zur Entspannung:

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24 Kommentare zu “„Deine blauen Augen…“: Sigmar Gabriel macht Dieter Gorny zum Beauftragten für Kreative und Digitale Ökonomie

  • #1
    Andreas Lichte

    „Deine Blauen Augen machen mich so sentimental –

    total egal …“

    so hab ich „Ideal“ erinnert, mal schauen, ob‘s stimmt:

    https://www.youtube.com/watch?v=-D52CqyYpHw

    @ Stefan Laurin: warum dieser Titel? Weil Gorny die „ideale“ Besetzung ist?

  • #2
    Thorsten Stumm

    aaaaaaaaaaaaaaaaaaaaarrrrrrrrrrrrrrrrgggggggggggggggggggggggghhhhhhhhhhhhhhhhhh…. ne jetzt….nicht wirklich…. OMG….wieviel Inkompetenz darf man sich in der SPD denn erlauben….ok blöde Frage….

  • #3
    Nichtwähler

    Das die SPD nur Politik mit den Konzernlobbyisten macht ist ja nix neues, insofern hätte es doch gewundert wenn die SPD Netzpolitik irgendwas anderes macht als die Interessen veralteter Industrien gegen das freie Netz durchzusetzen.

  • #4
    WALTER Stach

    Stefan,
    Absurdistan im Wirtschaftsministerium.Primär und ursächlich aber wohl ehe in „meiner “ SPD. Nichts Überraschendes , wenn „man“ den Parteivorsitzenden Gabriel……………………

    Die „Sache selbst“ erscheint mir allerdings weitgehend belanglos:
    a.)
    Kaputtmachen kann der Beauftragte für……“kreative (??)“ und „digitale“ Ökonomie nichts, weder das Kreative noch die Kreativen und schon gar nicht die digitale Ökonomie bwz. deren Motoren in allen Bereichen der Wissenschaft und der Wirtschaft, die sog. Kultur und Kreativ – Wirtschaft einschließend.

    b.)
    Weder in der Bürgerschaft noch in der Wählerschaft noch in der Mitgliederrschaft der SPD dürfte sich das minimale Intereresse an der Institut eines Beauftragten für….. noch an der Person des dafür von Gabriel Vorgesehenen zahlenmäßig erfassen lassen. Es wird gegen Null tendieren.

    Aber,
    Stefan,
    „wenn Du ‚mal viel Zeit haben solltest“:
    Wie wäre es, wenn Du recherchieren würdest, wer denn ganz konkret die Proteg’es für diesen Deal pro Gorny waren (sicherlich hat es weder intern noch exstern im BWM eine Stellenbeschreibung geschweige denn eine Ausschreibung derselben gegeben) und wie Gabriel in seinem Minsterium diese Personalentscheidung begründet und wie der Job vergütet wird.Oder ist Gorny , weil ihm die Sache „am Herzen liegt“, demnächst „nur“ im Einzelfall auf Nachfrage bei Bedarf ehrenamtlich für Gabriel bzw. für das BWM tätig?.Könnte ja sein.

    Stefan,
    wenn Du die diese „Causa Gorny, der Beauftragte für………“, jedoch ohne Weiteres zu den Akten legen würdest, wäre das vermutlich ehe der Sache angemessen als eine Recherche, wie sie mir in den Sinn gekommen ist.

  • #5
    keineEigenverantwortung

    Zuerst dachte ich an den berühmten Sack Reis.

    Dafür ist das Thema aber zu wichtig. Aktuell sieht es doch so aus, dass der Rest der Welt ein Tempo vorlegt und Geschäftsmodelle erzeugt, die uns überfordern. Mit unserem Datenschutz, der Angst der Unternehmen und Gründer gewinnen wir global gar nichts. Eine Möglichkeit besteht darin, den Rest davon zu überzeugen, dass bspw. persönliche Daten wichtig sind. Gelingt das? Ich glaube nicht. Die altersmäßig jungen Nationen haben andere Einstellungen.

    Das Schreiben ist natürlich eine tolle Sammlung von Buzzwords.

    Ob hier nicht ein paar Menschen ihren Einfluss auf bspw. die Industrie 4.0 überschätzen?
    „Von der Kultur- und Kreativwirtschaft ausgehende Innovationen berühren und prägen dabei auch andere Wirtschaftszweige und wirtschaftliche Erscheinungen, wie etwa ‚Industrie 4.0′ und die ‚Kreative und Digitale Ökonomie‘. “

    Es sieht wohl eher so aus, dass kein Plan da ist, und dass insbesondere unsere Content Industrie weiter auf traditionelle Modelle und Zwangsabgaben setzt (GEZ 2.0, GEMA).

    Es bleibt zu hoffen, dass unsere mittelständische Industrie die Digitalisierung vorantreibt und weiterhin international konkurrenzfähig ist. In der Kreativwirtschaft scheint es ja ohne Subventionen und Zwangsabgaben nicht zu funktionieren.

  • #6
    Stefan Laurin Artikelautor

    @keineEigenverantwortung: Es ist ein Beispiel für Filz, es hat mit Wirtschaft nur wenig zu tun.
    1. Die Großunternehmen wie VW. Mercedes, Bosch, SAP, Siemens sind international. Was Gabriel im Digital-Bereich macht ist für sie nicht wichtig. Und Gorny nimmt von denen sowieso keiner ernst. Warum auch?
    2. Die deutsche Kulturindustrie ist tatsächlich eine Insel: Die hiesigen Produkte spielen auf den internationalen Märkten keine Rolle. Hier kann Gorny sich ein wenig aufblasen. Dass die Inhalte soft schwach sind und nicht wettbewerbsfähig wird auch er nicht ändern können.
    3. Startups: Deutsche Startups müssen sich international ausrichten – hier gilt, was für Punkt 1. gilt: Gabriel und erst Recht Gorny spielen für diese Leute keine Rolle. Auch für die Samwers ist Gorny nur ein Versager mit Parteibuch.
    Es bleibt: Symbolpolitik von Gabriel, Versorgung für Gorny. Nicht das übelste: Wenn Politiker sich in die Wirtschaft einmischen geht es schief – siehe Energiewende. Lass sie spielen und sich aufblasen 🙂

  • #7
    der, der auszog

    Einen Beauftragten für Kreative und Digitale Ökonomie wird ein Volk genauso wenig brauchen, wie eine überalterte Volkspartei einen Beauftragten braucht, der ihren im Schnitt 59 jährigen Mitgliedern die Popmusik näher bringt. Insofern haben sich da schon die zwei richtigen gefunden.

  • #8
    Arnold Voss

    Dieter Gorny entwickelt sich zu einer Art Hartmut Mehdorn der digitalen Industrie und da er viel jünger ist, werden wir noch lange was von ihm haben. 🙂

  • #9
    der, der auszog

    @Arnold

    Die Fettnäpfchen und Pleiten von Hartmut Mehdorn sind nicht ganz so lebensgefährlich wie die von Dieter Gorny.
    „Eine Metropole kann das stemmen!“ – 21 Tote als Folge kreativen Größenwahns.
    Art Director: Dieter Gorny

  • #10
    Helmut Junge

    @Arnold, also so was wie die Mehdornisierung der Popmusik. Hoffentlich bleibt es auf Popmusik beschränkt und umfaßt nicht alle Bereiche der Gesellschaft.
    @der der auszog, die Sozen sind 59 Jahre alt im Schnitt? Schön zu wissen. Das wäre dann das Ergebnis jahrzehntelanger guter Nachwuchsarbeit. Hut ab.

  • #11
    Frank

    Sagte ich nicht, dass der Dieter auf der Fast Lane ins C-Level ist, wenn er weiter so rockt? Hat geklappt!

    Ich freue mich auf neue Homestories, in denen Gorny dem Sigmar das Lied von der Industrie-4.0 zur Laute singt.

  • #12
    der, der auszog

    @Helmut

    Das Durchschnittsalter in der CDU/CSU und der Linkspartei ist ebenfalls 59 Jahre, insofern ist die Nachwuchsarbeit in diesen Parteien auch nicht viel besser als in der SPD, nur dass die anderen keinen Popbeauftragten brauchen, was nicht bedeutet, dass sie nicht genauso tricksen, wenn es um die Versorgung ihrer gescheiterten Hoffnungsträger geht.

    Karl-Josef Laumann beispielsweise, Ex-Fraktionschef der CDU im Düsseldorfer Landtag, ist von Merkel zum Patientenbeauftragten gemacht worden, weil die CDU es in NRW nicht gebacken gekriegt hat, aus sich heraus ihr Führungsproblem zu lösen. Doppelspitzen oder gar Troikas, das hat die SPD mehrmals bewiesen, gehen auf Dauer voll ins politische Höschen und die Regierung Kraft könnte noch so grottenschlecht sein (was sie ja eigentlich auch ist): mit einer Doppelspitze Laumann-Laschet hätte die CDU auch bei der nächsten Wahl keine Schnitte. Insofern musste der Posten eines Patientenbeauftragten her, damit Laumann nicht völlig nackt auf der politischen Bühne steht.

    zum Durchschnittsalter in den Parteien:
    http://de.statista.com/statistik/daten/studie/192255/umfrage/durchschnittsalter-in-den-parteien/

  • #13
    Helmut Junge

    @der der auszog, klasse der Link. Da sind die Grünen mit 48 Jahren Durchschnittsalter
    ja „DIE JUGENDPARTEI“!
    Und alle anderen Parteien sind dann mit 59 Jahren Durchschnittsalter noch älter.
    Jetzt muß man sich fragen ob das das Ergebnis der Politikverdrossenheit der Jugendlichen ist, oder die Ursache.
    Wie alt ist eigentlich Gorny?
    Von Mehdorn gar nicht erst zu reden. Der ist 72 und unabkömmlich im Zusammenhang mit neuester Technologie, Dieter Gorny wird mit seinen 61 Jahren sicher gut für die Verbreitung der Popkultur geeignet sein,

  • #14
    WALTER Stach

    Der,Der…und Helmut,

    meine Anregung:
    Laßt uns die politische Absurdität „Garbriel und sein Bauftragter……“ nicht zum Anlaß nehmen, um über die derzeitige Verfassung der Parteien in Deutschland -über die Krise der Parteien?- und damit über das brüchige Fundament der Parteiendemokratie in Deutschland zu diskutieren. Das ist notwendig, das liegt nahe. Und dazu gibt es bekanntlich Viel zu sagen!

    Nur sollte die Causa „Gabriel – Gorny“ uns dazu nicht den Anlaß liefern. Damit würden wir der Sache und vor allem auch Herrn Gorny übermäßge Bedeutung zu messen. Im übrigen: sh.mein Beitrag 4, unter b.).

  • #15
    WALTER Stach

    „Gorny, der Gabriel-Beauftragte“.
    Ich habe das Ganze wohl in seiner (gesellschafts-)politischen Bedeutung unterschätzt.
    Mittlerweile gibt es in der Sache auch einen Kurzbericht bei SPIEGELonlineNETZWERK..

    Für mich interessant, daß G. danach, wie ich unterr -4-im vorletzten Absatz gemutmaßt habe, nur ehrenamtlich als „Gabriel-Beauftragter“ tätig ist.
    Laut SPIEGELonline werden aber „im Netz“ das Ob und das Wie eines solchen Beauftragten kritisch hinterfragt, konkret auch bezogn auf die Qualitäten von Herrn Gorny für dieses „Ehrenamt“.

  • #16
    Thorsten Stumm

    @ Walter Stach
    Nun, sicher haben sie recht….wie relevant ist das wirklich mit Gorny… nur: Für Leute wie mich die digitalen Welt zuhause sind, ist das ein weiterer symbolischer Fehlgriff der SPD der dazu führt das ich ziemlich sicher NIE mehr mein Kreuz bei einer Landes- oder Bundestagswahl bei der SPD mache. Mag ungerecht sein aber eine Partei die meiner Lebenswelt derart einen Arschtritt versetzt ist, für mich nicht wählbar ….übrigens Sascha Lobo, mal nur so zum Beispiel, ist glaube ich SPD Mitglied….

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  • #18
    Tim

    Gorny ist doch nur ein Symptom. Eine deutsche Musikindustrie, in der Gorny alternativlos ist, wenn es um solche Lobbyposten geht, und die beim Echo gestern AC/DC, Pink Floyd und Grönemeyer auszeichnet, lebt in den 80ern. Ich denke, selbst das BMWI und Pop-Sigi werden damit nicht glücklich und erkennen, dass mit damit keine zukunftsfähige Politik gestaltet werden kann. Eigentlich nur traurig.

  • #19
    WALTER Stach

    Thorsten Sturm -17-,,
    „ein Fehlgriff der SPD“…..
    Meine laienhafte Meinung dazu habe ich unter -4-vorgetragen. Ich denke, daß die sich imn Ergebnis nicht von Ihrer unterscheidet.

    Im übringen:
    Sascha Lobo ist mittlerweile für mich der wichtigste unter all den Kommentatoren, die sich regelmäßig zur Wort melden, wenn es um „Politik und die digitale Welt“ geht!

  • #20
    Klaus Lohmann

    Als marketing-blubberndes „Kind“ der Dotcomblase Anfang des Jahrtausends ist Lobo ein Schwätzer und Poser, der mit seinem Halbwissen der „digitalen Welt“ kokettiert. Für ein paar wortgewandte Spässkes ist er aber immer zu haben.

  • #21
    WALTER Stach

    Klaus Lohmann,
    in Sachen Sascha Lobo leben wir beide in Sachen Wahrnehmung und Wertung in zwei verschiedenen Welten; macht aber nichts.

  • #22
    Klaus Lohmann

    @WALTER Stach: Keine Frage, Jedem seine Meinung. Meine Welt ist nun mal seit Mitte der Achtziger das „Digitale“, da beurteile ich natürlich Lobos PR-Wahrnehmung anders.

  • #23
    Klaus Lohmann

    "Siggi Pop" Gabriels Vertrauen in das Lobbyisten-Hohlhirn Gorny war sogar derartig riesig, dass Gorny seinen Vertrag mit dem Bundeswirtschaftsministerium fast ganz alleine schreiben durfte:
    http://www.heise.de/newsticker/meldung/Kritik-an-Gabriels-Digitalbeauftragtem-Gorny-ist-nicht-haltbar-2794131.html

  • #24
    Dreifels

    und schon wieder ein Pöstchen für Freunde geschaffen, bei dem sich hervorragend über AUfwandsentschädigungen ein sonst unmöglicher Lebensstil finanzieren lässt.
    Wird dann als Kompetenz verkauft an die Gläubigen.

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