7

Die Bank, das etablierte Medium und ein paar Blogs

Die Noa Bank ist am Ende. Sie ist ruiniert, kaputt und einfach fertig. Die Noa Bank sollte eine alternative Bank sein. Sie war wohl nur ein Bereicherungsinstrument für ein paar dubiose Gestalten.

Wie gesagt, sie ist am Ende. Die Bundesanstalt für Finanzaufsicht hat die Noa Bank vorübergehend geschlossen, die Einlagen eingefroren – das Abenteuer des Bankengründers François Jozic beendet.

Das besondere daran: Die ganze Nummer hätte jeder wissen können. Denn der Spiegel hat bereits im April über dubiose Vorgänge bei der Noa Bank berichtet.

Damals aber wusste sich Jozic zu helfen. Über die sozialen Medien – über Blogs und Co – ließ er Angriffe auf den Spiegel fahren und auf den Autoren Günter Heismann. Viele Angriffe waren unter der Gürtellinie. Einige trieb Jozic auch selbst voran. Andere kamen als Beiwagenzweifler hinzu.

Etliche Blogs sind auf die Angriffe von Jozic eingegangen.

Nun weiß man, was man manchmal von etablierten Medien hat. Die Leute, die damals auf den Spiegel gehört haben, konnten ihr Geld retten. Die Leute, die auf diese Zweiflerblogs lauschten, müssen jetzt um ihre Einlagen bangen.

RuhrBarone-Logo

7 Kommentare zu “Die Bank, das etablierte Medium und ein paar Blogs

  • #1
    Michael Kolb

    Eine Geschichte, die komplett an mir vorbeigegangen ist… Tscha, damit ist wohl auch die alte Geldmachertheorie erstmal widerlegt, daß es profitabler sei, eine Bank zu gründen, als eine zu überfallen.

    Grundsätzlich sei aber dennoch gesagt, daß die Einlagen bis 50k versichert sind (nur zur Erinnerung, das waren mal 100.000 DMark (nicht das Aluzeuchs)). Sollte jemand auf einen Schlag dort seine gesammte Kohle investiert haben und übersteigt dieser Betrag die magische Grenze, dann ist demjenigen auch nicht mehr zu helfen. Es ist zu hoffen, daß es sich, wie eigentlich bei jeder irgendwie mit einem Risiko behafteten Geldanlage, nur um „Spielgeld“ gehandelt hat.

    Anyway, es ist jedenfalls schon komisch und interessant zu beobachten, wer wann und wie auf wen hört, wenn es ums Geld geht.

  • #2
    DAMerrick

    Gerade schon getwittert, das Ganze zeigt einfach das die traditionellen Medien noch etwas wert sind. Aber auch das die Internetnutzer ihnen nicht mehr oder einfach zu wenig trauen.

    Nach dem Motto: Die Masse hat schon Recht.
    Und wenn es dann noch ins Weltbild passt – die bösen Journalisten die auf Seiten der großen Banken stehen – wird lieber blind gefolgt als sich zu fragen was dran sein könnte.

    Ich habe dem Ganzen nie getraut. Ein Start-Up Unternehmen der Dotcom-Blase. So wenig heisse Luft das man darunter den Abgrund sehen konnte.
    Wenn man wollte.

  • Pingback: Links anne Ruhr (19.08.2010) » Pottblog

  • #4
    Peter K.

    Eine Bank geführt wie eine Sekte. Mich würde interessieren, weviele Leute denen am Ende auf den Leim gegangen sind. Soviele können das auch nicht gewesen sein.

  • #5
  • #6
    Matthias Schwenk

    Die etablierten Medien also. Schade nur, dass der Text nicht darüber spricht, wie diese etablierten Medien (FAZ, FTD, Handelsblatt, WAZ, Die Welt…) vom Herbst 2009 bis weit ins Frühjahr 2010 fast durchweg positiv über die Noa Bank geschrieben haben (in mehr als einem Dutzend Artikel). Die Webseite der Bank, die noch erreichbar ist, listet das übrigens unter dem Punkt „Presse“ fein säuberlich auf.

    Was meine Berichterstattung auf Carta betrifft: Zu keinem Zeitpunkt bestand eine geschäftliche Beziehung zur Noa Bank. Es gab auch keine Beauftragung seitens Francois Jozic, so dass die Tatsachenbehauptung hier im Text, „über Blogs und Co ließ er Angriffe auf den Spiegel fahren“ völlig aus Luft gegriffen ist. Ich bitte das zu korrigieren.

    Schließlich hätte man hier auch erwähnen können, dass etliche Artikel in den „sozialen Medien“ explizit darauf hingewiesen haben, dass Einlagen bei der Noa Bank nur bis 50 TEUR abgesichert waren, weil das Institut allein der gesetzlichen Einlagensicherung unterlag. Dieser Punkt war also immer im Gespräch und das nicht nur auf auf Spiegel Online.

  • #7
    Lothar Lochmaier

    Eigentlich wollte ich den obigen Beitrag wegen unsorgfältiger Recherche nicht kommentieren. Schließe mich aber nach dessen Kommentar den Ausführungen von Matthias Schwenk von Carta an. Auch liegt keine geistige Beeinflussung vor. Hier eine Instrumentalisierung der Blogs durch die Noa Bank zu unterstellen, geht völlig an der Realität vorbei.

    Im Gegenteil: In meinem Weblog Social Banking 2.0 war ich lange Zeit (im Dezember 2009 und Januar 2010), der einzige (!) Berichterstatter in Deutschland, der sich entgegen den Medien, die die neue Bank ziemlich unkritisch behandelten, auch zahlreiche kritische Fragen zum Firmenkonstrukt der Noa Bank und zur Vorgeschichte aufwarf, siehe etwa meinen Eintrag v. 10.01.2010:

    http://lochmaier.wordpress.com/2010/01/10/noa-bank-erfolgreicher-start-und-kritische-nachfragen-zum-firmengeflecht-quorum-targas/

    Wo waren denn zu dieser Zeit all die jetzt so kritischen Zeitgenossen? Keines der Leitmedien interessierte sich damals dafür. Dass sich einige Weblogs, so auch ich, dann im April, gegen eine Vorabverurteilung der Noa Bank auf Basis nicht wirklich eindeutiger Fakten aussprachen, sollte eigentlich kein Anlass zum Vorwurf sein, sondern das Gegenteil. Im deutschen Rechtssystem gilt doch der Grundsatz „in dubio pro reo“.

    Und jetzt wissen es offenbar alle viel besser, zunächst wurde die Bank relativ unkritisch hoch gelobt, und danach wieder medial zerrissen (es ist wie an der Börse, zuerst die Kurse künstlich hoch pushen, und dann zweimal mit medialen „Put“ und „Calls“ das Geld machen). Von einem kritischen Blog wie den Ruhrbaronen hätte ich mir jedoch jenseits einer Parteinahme für wen auch immer -Blogger oder die Medien – aber doch deutlich mehr Recherchetiefgang erwartet.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *