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Extrem rechter Laudator beim Netzwerk Recherche

Das Netzwerk Recherche hat auf seiner Tagung  in Hamburg den Preis  „Verschlossene Auster“ an die Fifa verliehen. Sicher eine gute Wahl. Keine gute Wahl hingegen war der Laudator: Roland Rino Büchel ist Nationalart der extrem rechten Schweizerischen Volkspartei (SVP).

Einmal im Jahr vergibt der Journalistenvereinigung Netzwerk Recherche die „Verschlossene Auster„. Der Preis geht an Institutionen, die alles tun, um gegenüber der Öffentlichkeit möglichst wenig von sich Preis zu geben, denen Geheimniskrämerei über Offenheit und Transparenz geht. Mit dem Internationalen Fußballverband FIFA hat es in diesem Jahr sicher den Richtigen getroffen:  Korruptionsskandale bestimmen seit vielen Jahren das Bild des Verbandes – die Aufklärung der Missstände  muss in der Regel gegen die FIFA erkämpft werden.

Das sieht auch Uli Hoeneß so, der auf der Tagung des Netzwerks in Hamburg an diesem Wochenende deutliche Worte zur FIFA und ihren Spitzenfunktionären fand.

Nicht nachzuvollziehen ist allerdings, wieso ein Verband kritischer Journalisten einen Politiker wie Roland Rino Büchel einlädt, die Laudatio gegen die FIFA zu halten. Sicher, Büchel kennt sich aus, hat bei der FIFA gearbeitet, aber er ist auch Nationalrat der Schweizerischen Volkspartei (SVP), einer zumindest rechtspopulistischen Partei, die gegen Ausländer und Muslime hetzt. Kritiker sehen die SVP auf einer Stufe mit der österreichischen FPÖ, dem belgischen Vlaams Belang und dem Front National. Pro NRW kopierte die von der SVP mitgetragenen Anti-Minarett-Kampagne.

Büchel äusserte sich auch zum Bau der Zentralmoschee in Köln:

Ganz so „lieb“, „nett“ und „tolerant“ wie Deutschlands Politiker und Behörden sollten wir dann doch nicht sein. Warum? Sie lassen zu, dass Minarette regelrecht in die Höhe schiessen. Nur ein Beispiel: Vor einer Woche wurde in Köln-Ehrenfeld der Grundstein für eine neue Moschee gelegt. Bauherr ist die türkisch-islamische Union DiTiB. Deren Imam zeigt den Einheimischen, wo der „Bartli“ den Most holt. Ein Stararchitekt darf in seinem Auftrag Dutzende Millionen Euro verbauen. Was entsteht für das viele Geld?

In Kürze werden am Rhein zwei 55 Meter hohe „Bajonette“ in den Himmel ragen. Der „Helm“ dazwischen ist 34 Meter hoch und auf einen fünfstöckigen Riesenbau gesetzt. Erdogan, der oberste Türke, darf sich freuen. Bald haben „Allahs Soldaten“ eine weitere „Kaserne“.

Journalisten haben sich mit Politikern wie Büchel auseinander zu setzen. Ihm eine Plattform zu geben sollten sie unterlassen.

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24 Kommentare zu “Extrem rechter Laudator beim Netzwerk Recherche

  • #1
  • #2
    Besserwisser

    „Nicht nachzuvollziehen ist allerdings, wieso ein Verband kritischer Journalisten einen Politiker wie Roland Rino Büchel einlädt, die Laudatio gegen die FIFA zu halten.“

    Weil er eben auch Sportmanager ist, ein Blick auf seine Website hätte genügt.

  • #3
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Besserwisser: Und er war bei der FIFA beschäftigt – aber das ist kein Grund so einen Politiker einzuladen. Sie hätten auch, wie es die taz vorschlug, Hoeneß nehmen können.

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  • #5
    teekay

    Die Reaktionen waren ja zu erwarten…hat man da vielleicht extra mit Büchel ‚provozieren‘ wollen, um sicher zu stellen, dass auch ja alle vom Netzwerktreffen berichten? Es gibt sicher andere FIFA-Kenner und -Kritiker-aber vielleicht waere das einfach ‚unter gegangen‘? Schlimmer als kritische Berichte ist ja gar nicht zu berichten in der Aufmerksamkeitsoekonomie des Internets?

  • #6
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Tekay: Ein Laudator Hoeneß hätte für mehr und bessere Schlagzeilen gesorgt. Schon seine Rede auf dem Treffen wurde häufig zitiert .

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  • #8
    David Schraven

    Die Gesinnungspolizei hat wieder einen Rechten ausgemacht. Hurra.

    MANCHMAL ist es besser nicht nur nach Vorurteilen zu urteilen, sondern nach Inhalten. Büchel war ein sehr guter Laudator. Auch wenn er von einer rechten Partei kommt.

    Aber wenn man ihn nicht gehört hat und aus der Ferne schreibt, bleibt eben nicht viel mehr über als ein Vorurteil breit zu treten.

  • #9
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @David: Schau Dir die Zitate von ihm an. So einen kann man nicht einladen.

  • #10
    theo

    Das Netzwerk hat sich mit Büchel keinen Gefallen getan. Es sieht so aus, als ob da einer vom Organisations-Stab nicht richtig recherchiert hat.

  • #11
    der, der auszog

    Sport, speziell Fußball, wird in Deutschland von einer so breiten Masse „konsumiert“, dass Querverweise zu politisch fragwürdigen Zusammenhängen relativ schnell im Nichts verhallen. Ob es die Gesinnung eines rechtspopulistischen Laudators ist oder die Trikotwerbung eines mafiosen russischen Gaslieferanten spielt dabei keine Rolle. Hauptsache Ball und Rubel rollen…

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  • #13
    Roland Rino Büchel

    Ich bin erstaunt. Sie stellen die grösste Schweizer Partei mit rechtspopulistischen Idiotengruppierungen auf die gleiche Stufe.

    Sie stellen Menschen an den Pranger, welche zwei Volksinitiativen unterstützen, welche von der Mehrheit des Schweizer Volkes und der Schweizer Kantone angenommen wurden..

    Wenn Sie „Bajonette“ und „Helme“ erwähnen, vergessen Sie zu zitieren, dass diese Worte nicht von mir sondern von Erdogan stammen.

    Wenn Sie rechtsextreme Vollidioten mit der grössten Schweizer Partei und deren Vertretern gleichsetzen, verharmlosen Sie das Problem auf eine gefährliche Art und Weise und tragen zur Lösung des Problems wenig bei.

    In der Schweiz arbeite ich hervorragend mit linken Parteien und Politikern zusammen, um Probleme zu lösen. Die linke WOZ nannte mich in einem sehr wohlwollenden Artikel den „Wadenbeisser Blatters“. Usw.

    Der Unterschied zu Ihnen, Herr Laurin, ist der – jene Menschen haben den Kontakt mit mir gesucht (und umgekehrt), bevor sie sich äusserten

  • #14
  • #15
    Sven

    (/sarkasmus) (Der Tag in Dreieckklammer ist wohl einer Autokorrektur des Kommentar-Templates zum Ofer gefallen)

  • #16
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Büchel: Glauben Sie mir, ich traue Erdogan soweit wie ich ein Klavier werfen kann. Trotzdem waren die Kampagne ihrer Partei die Grundlage von Kampagnen anderer rechtspopulistischen Parteien in ganz Europa. Und Ihr Fraktionsvorsitzender im Kanton Aargau traf sich mit Pro NRW Funktionären, die SVP schickt Grußbotschaften an diese Gestalten. Da verharmlosen ihre Parteifreunde wohl mehr als ich.
    Die Frankfurter Rudnschau zählt die SVP zu den rechtspopulistischen Parteien:
    http://www.fr-online.de/die-neue-rechte/-politically-incorrect–im-netz-der-islamfeinde,10834438,10835026.html
    Und Die Welt berichtet, wie Ihre Partei gegen Ausländer hetzt – in diesem Fall einmal Deutsche:
    http://www.welt.de/politik/ausland/article106237376/Schweizer-Rechtspopulistin-legt-gegen-Deutsche-nach.html
    „Rechtsextreme Vollidioten“? Scheint es in Ihrer Partei und bei den Freunden Ihrer Partei im Ausland etliche zu geben.

  • #17
    Ronnie Grob

    Ja, in jeder Partei gibt es extreme Vollidioten, wenn man darauf kommt, dann werden diese ausgeschlossen, das passiert sogar in einer Partei wie der SVP.

    Der Titel „Extrem rechter Laudator“ macht mir den Eindruck, als würde es sich beim Schweizer Parlamentarier Rino Büchel um einen Rechtsextremen handeln. Wenn es dazu nicht klare Belege gibt, ist eine solche Bezeichnung einfach nur rufschädigend. Ich finde, die Unterscheidung zwischen rechts im demokratischen Sinne und rechts im undemokratischen Sinne sollte gerade Journalisten keine Mühe bereiten.

    Wie schon Rino Büchel geschrieben hat: Die SVP ist die grösste Partei im Land und damit vergleichbar mit der CDU. Angeblich rechtspopulistische Vorlagen wie die Ausschaffungsinitiative (Ausweisungsinitiative), die fordert, kriminelle Ausländer ausser Landes zu verweisen, haben in der Schweiz eine Mehrheit unter den Bürgern gefunden. Wenn in der Schweiz also über 25 Prozent aller Frauen und Männer eine „extrem rechte“ Partei unterstützen, dann ist das vor allem eine originelle Sichtweise. Die SVP ist demokratisch und je nach Sichtweise rechtsliberal oder rechtskonservativ und setzt sich sogar eher für eine Ausweitung der Demokratie ein. Warum ein Vertreter einer demokratischen Partei nicht eingeladen werden soll, erschliesst sich mir nicht.

    Populistisch ist wie neoliberal ein Nullwort, das auf alles und jeden anwendbar ist. Man könnte auch einfach drauf verzichten, das ergibt dann Raum für Inhalte.

  • #18
    Arnold Voß

    @ Ronnie Grob # 17

    Ich glaube, die Tatsache, dass 25% der Schweizer diese Partei unterstützen, sagt wesentlich mehr über die Schweiz aus als über diese Partei.

  • #19
    Ronnie Grob

    @Arnold Voss: Glaube ich nicht, eine demokratisch gesinnte Partei wie die SVP würde auch in Deutschland vergleichbare Resultate erreichen. Das ist aber hypothetisch, weil es eine Partei wie die SVP in Deutschland nicht gibt.

  • #20
    Olaf Mertens

    Gut, reden wir über Inhalte. Wieso wirbt die rechtsliberale, konservative SVP mit Plakaten die sich dem rechtsradikalen Mob andienen?

  • #21
    Klaus Jarchow

    @ Ronnie Grob: Du meinst, der Blocher würde immunitätsbefreit jetzt endlich aus der SVP ausgeschlossen? Ich habe da Zweifel …

    Der Vlaamse Block hat im Norden Belgiens übrigens ähnlich hohe Zustimmungswerte in der Bevölkerung. Geert Wilders in Holland liegt auch nicht schlecht. Muss ich die deswegen alle ‚lupenreine Demokraten‘ nennen? Es geht mir doch eher um die propagandistischen Bildwelten, mit denen die SVP’ler arbeiten, die in ihrem Hugenberg’schen schwarz-weiß-rot so fatal an gewisse Methoden anderer ‚rechtspopulistischer‘ Parteien erinnern, die bis 1933 mangels Diktatur auch als ‚demokratisch‘ gelten durften. Wer heute die Welt mit Hilfe eines groben Schweizerkreuzes in ‚fremd‘ und ‚zugehörig‘ sowie in ‚die da oben‘ und ‚wir hier unten‘ teilt, der ist nicht mehr von dieser komplexen Welt. Damit liegt er notwendig neben der Spur.

    Nebenbei – die Zustimmung in der Bevölkerung lag bei unseren Deutschländern damals sogar noch höher. Anders ausgedrückt: Der Rückhalt in der Bevölkerung sagt nie etwas über den demokratischen Gehalt einer Partei aus. Und auch aus direkter Demokratie kann Bockmist entstehen, wenn nur genügend Interessenten das Volk massiv mit ihrer Propaganda nudeln. Am Ende Weimars war vielleicht noch ein Viertel aller demokratisch gewählten Parteien auch wirklich demokratisch …

  • #22
    Ronnie Grob

    @Olaf Mertens: Mir gefallen die Plakate der SVP auch nicht.

    @Klaus Jarchow: Du musst niemanden einen lupenreinen Demokraten nennen, aber jemand, der im Rahmen der Demokratie politisiert, muss sich doch auch nicht als Extremer brandmarken lassen, oder? Über Geschichte will ich jetzt nicht streiten, aber es war doch so, dass sich die angesprochene Partei irgendwann aus der Demokratie verabschiedet hat und totalitär wurde. Diese Gefahr sehe ich derzeit bei keiner der grösseren Schweizer Parteien.

  • #23
    Klaus Jarchow

    @ Ronnie Grob: Es kommt darauf an, wo jemand „im Rahmen der Demokratie“ herumpöbelt. Da gibt es auch in der Demokratie durchaus ‚extreme Positionen‘ – und bei Pro-NRW tummeln sich auch keine demokratischen Engelchen. Übrigens haben das damals viele Konservative genauso verharmlost wie du. Der GröSchwaZ würde sich – einmal an der Regierung – schnell als Windei entpuppen. Und dann ginge es im gewohnten Gleis Brüning’scher Austerity-Politik weiter, so wie Militär, Industrie und Junkertum es sich wünschten. Ja, Pustekuchen …

    Was mich am Schweizer Beispiel wiederum tröstet: Ob nun ‚Basler Zeitung‘ oder ‚Weltwoche‘, wo immer die SVP’ler beim Versuch ihrer medialen Übernahme des Landes hingreifen, regelmäßig geht das Medium dann wirtschaftlich in die Knie, es wird zum Subventionsfall. Anders ausgedrückt: Kaum jemand mag – außerhalb eurer innerschweizerischen Bauernkantone – diese Ideologiesoße dann noch lesen. Schlecht für Blochers Portfolio, gut für die Schweiz, noch besser für Vernunft und Aufklärung …

  • #24
    theo

    @Ronnie Grob: Richtig, die Frage, wie sehr die SVP rechts steht, hängt vom eigenen Srandpunkt ab. Du selbst hast ja in zahlreichen Veröffentlichungen deine Nähe zur SVP dokumentiert.

    Büchel ist für mich einer dieser Wölfe im Schafspelz. Zum Beispiel, wenn er schreibt:

    „In der Schweiz leben schon heute fünf Mal mehr Islam-Gläubige als das ganze Rheintal Einwohner hat. In der EU sind es 20 Millionen Muslime. Viele von ihnen stellen die Scharia über unsere Gesetze. Das heisst für sie, dass Frauen zwangsverheiratet werden dürfen. Es bedeutet auch, dass sie junge Mädchen an ihren Geschlechtsteilen verstümmeln, damit sie „rein“ für die Ehe sind. Nicht zuletzt grenzen sie sich vor „Ehrenmorden“ an Frauen und an deren Tod durch Steinigung bewusst nicht ab.“

    http://www.rolandbuechel.ch/news_103_mufti-moschee-minarett-und-muezzin.xhtml

    Ganz ehrlich: so einer hat aus meiner Sicht als geladener Festredner bei einem NR-Treffen wenig zu suchen – Fifa hin. Fifa her.

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