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Fußball: Ab sofort noch mehr Sonntagsspiele in der Bundesliga – Faninteressen rücken weiter in den Hintergrund

DSC06094Zahlreiche Fußballfans im Lande engagieren sich seit bereits über 10 Jahren gegen die zunehmende ‚Zerstückelung‘ des Spielplans, u.a. in der Aktion ‚Pro 15:30‘. Am liebsten wäre vielen dieser Traditionalisten die Bundesligaspiele ihrer Lieblinge würden, wie früher, fast geschlossen, ‚im Block‘ am Samstagnachmittag ausgetragen.

Es gibt ja auch durchaus einige gute Argumente dafür. Am Samstag hat man in der Regel Zeit, oder man kann sie sich im Bedarfsfall zumindest vergleichsweise einfach freihalten, wenn man ein Spiel besuchen möchte. Auswärtsfahrten in der Mitte des Wochenendes lassen sich besser und einfacher planen. Sonntags liegen häufig genug andere Termine an.

In den letzten Jahren wurde von der Verantwortlichen auf Seiten der Liga jedoch wiederholt am Spielplan ‚herumgebastelt‘. Inzwischen gibt es die Spiele nicht nur quasi über das komplette Wochenende zeitlich verteilt.

Auch an den Werktagen gibt es inzwischen seit Jahren eigentlich täglich Livefußball im TV zu begutachten. Das ist für den Fernsehzuschauer bei ‚Sky‘ oder ‚Ligatotal‘ toll, denn er kann für sein Geld ein Maximum an Fußball schauen. Für reisefreudige Anhänger, oder für Fans die zu ihrem Heimspielstadion eine weitere Anreise in Kauf nehmen müssen, ist das schon deutlich komplizierter. Ob das Auswärtsspiel in München, Bremen, Berlin, oder sonst wo am Freitagabend, oder am Sonntagnachmittag stattfindet, das ist für die Reisepläne nicht nur wichtig, sondern vereitelt diese häufig genug sogar komplett.

Wer Montag früh aus den Federn muss, der reist halt ungern die halbe Nacht noch quer durch das Land. Zweitligafans trifft es da seit Jahren bereits noch deutlich ‚härter‘. Die Montagsspiele sind bei vielen schon traditionell unbeliebt. Wer kann und will schon für ein Zweitligaspiel an einem Montagabend eine Anreise durch die halbe Republik auf sich nehmen?

Seit Jahren streiten daher viele Leute in der Fanszene für eine Trendumkehr dieser für sie eher ungünstigen Entwicklung.

Auch Amateurvereine sehen sich so um einige Fans bei ihren Spielen gebracht, da ihre vergleichsweise geringe Anzahl von Unterstützern unter Umständen in nicht unerheblicher Zahl das zeitgleiche Bundesligaspiel in der ‘Glotze’ aus Bequemlichkeitsgründen vorziehen könnte.

Nun, diese Bemühungen die Spiele eines Spieltages zukünftig doch bitte wieder näher zusammenzuführen wurden nun seitens der DFL stattdessen wieder ein weiteres Stückchen weiter in Richtung unerreichbarer Horizont befördert.

Die Anzahl der Sonntagsspiele wird zukünftig sogar noch größer werden. Dies soll in erster Linie der Entlastung der zukünftig in der Europaliga tätigen Clubs dienen, die zuletzt teilweise aus Termingründen nur 48 Stunden Pause zwischen ihren Spielen auf der europäischen Bühne und in der Bundesliga hatten. Diese Erholungspause soll zukünftig zumindest für alle betroffenen Teams auf 72 Stunden ausgeweitet werden. Da die Europaliga am Donnerstag spielt, bedeutet das eben noch mehr Sonntagsspiele. Auch das ‚Top-Spiel‘ am Samstagabend wird von der DFL gestärkt, wird zukünftig seltener entfallen als bisher. Gut für die TV-Partner, schlecht für manchen Fan im Stadion. In der Konsequenz rücken die Fans, auch die der Aktion ‚15.30‘, damit wieder ein Stückchen weiter in den Hintergrund.

Aber wundert das wirklich noch jemanden, in Zeiten wo wir hier nahezu wöchentlich über ähnliche Ereignisse sprechen können die die Interessen des Umsatzes und nicht die der Fans in den Mittelpunkt stellen? Ich erinnere in diesem Zusammenhang nur an die EM 2020, oder die WM 2022.

Die offiziellen Formulierungen der DFL dazu lesen sich allerdings vordergründig völlig unproblematisch:

„In der Spielplanung gibt es zur Saison 2013/14 Neuerungen: Zur Entlastung der Clubs, die an der UEFA Europa League teilnehmen, hat die DFL Deutsche Fußball Liga bei der Ansetzung von Spieltagen künftig größeren Handlungsspielraum. Zusätzlich zu den bislang im Regelspielplan vorgesehenen bis zu fünf Spieltagen, an denen statt der Samstagabendpartie eine weitere Begegnung am Sonntagnachmittag stattfindet, ist es nun möglich, an bis zu zehn weiteren Spieltagen eine dritte Sonntagspartie statt eines Spiels am Samstagnachmittag zu terminieren. Ziel der Regelung ist es, den am Donnerstagabend in der Europa-League spielenden Clubs eine Pause von mehr als 48 Stunden bis zum nächsten Bundesliga-Spiel zu ermöglichen. Ob und wie häufig die DFL von dieser Ausnahmemöglichkeit Gebrauch macht, ist abhängig vom Abschneiden der deutschen Starter in der Europa-League.“

Fußball ist inzwischen scheinbar endgültig dem totalen Kommerz verfallen. Zumindest im Profibereich. Das mag man laut beklagen und öffentlich bedauern, aufhalten wird man diese Tendenz aber garantiert nicht können. Die Clubs sind auf das Geld der TV-Vermarktung angewiesen. Auf einige Fans kann im Zweifelsfall dagegen offenbar relativ leicht verzichten. Das ist schlicht eine kaufmännische Herangehensweise.

Und die Masse der Bundesligafans will es ja anscheinend ja auch nicht wirklich anders haben bzw. hat sich damit inzwischen längst arrangiert. Die Stadien sind insgesamt voll wie nie, Fußball auf der Mattscheibe ist erfolgreich.

Und wie sonst ist es auch zu erklären, dass inzwischen sogar die Präsentation des neuen Spielplans zum ‚Live-Event‘ im TV mutiert ist. Endgültig vorbei damit auch die Zeiten als man den Spielplan nach dessen Erstellung irgendwann beiläufig zur Kenntnis nahm. Heutzutage wird eine sprichwörtliche Show daraus gemacht. Wer es braucht… Ich persönlich könnte allerdings gut wieder darauf verzichten.

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10 Kommentare zu “Fußball: Ab sofort noch mehr Sonntagsspiele in der Bundesliga – Faninteressen rücken weiter in den Hintergrund

  • #1
  • #2
    Walter Stach

    Robin,
    da das Millionen-Geschäft, weltweit das Milliarden-Geschäft mit dem Fußball nur noch minimal finanziert wird über die Eintrittsgelder der Fans, ist es doch naheliegend, irgend wann ‘mal ganz ohne Fans im Stadion die Spiele auszutragen; die Geräuschkulisse ließe sich elektronisch herstellen, dem Zuschauer am Bildschirm könnten problemlos “volle Ränge”eingespielt werden und die Polizei hätte keine Sondereinsätze gegen “gewaltbereite” Fans zu leisten;also, es läuft doch alles bestens, abgesehen von der Kritik einiger weniger Fußball-Traditionalisten wie Du und ich.

  • #3
    Robin Patzwaldt

    @Walter: So isses! Und wie wenig die Faninteressen inzwischen trotz aller gegenteiliger Bekundungen offenbar noch gehört werden, dass sieht man ja wieder an diesem kleinen Beispiel. Zuletzt hatten wir im Winter ja auch erst die Diskussionen und Fanproteste in der Bundesliga. Zeigt einem als Fußballfan ja auch wieder, dass man die Sache nicht zu ernst nehmen sollte. Ansonsten wird man oft zu schnell, und zu sehr enttäuscht.

  • #4
    Berry

    #1 “Bei Basketball oder Eishockey läuft die Sache doch auch.” Schau Dir mal den Spielplan an:
    http://www.beko-bbl.de/index.php

    Robin “Sonntags liegen häufig genug andere Termine an.”
    Bei Dir, oder generell? Ich habe mehr Termine am Samstag. Aber Du hast offensichtlich andere Informationen. Woher weisst Du das?

  • #5
    Robin Patzwaldt

    @Berry: Im Zuge dieser Diskussionen wird häufig bemängelt, dass der Sonntag der klassische ‘Familientag’ ist, wo zahlreiche Leute die Freizeit eben lieber mit der Verwandtschaft, in der Kirche o.ä. verbringen (oder dazu angehalten werden von Frau und Kind) und eben nicht mit Kumpels auf dem Fußballplatz. Verfolgt man diese Diskussionen dann wird der Samstag häufig als deutlich flexibler nutzbar und zum Besuch bei Fußballspielen als wesentlich besser geeignet beschrieben.

  • #6
  • #7
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  • #9
    kai

    Ich war ja verdammt froh, als man den Freitag wieder mitgenommen hat( leider zu früh die Spiele), aber der Sonntag ist Müll. Habe genug Bekannte, die bei jedem Sonntagsspiel ihrer Mannschaft, einen riesen Terz mit Frau und Kind(ern) haben. Die wollen auch mal was zusammen machen.

    @Berry Danke für den Link, die Seite ist einfach genial, Nostalgie pur!

  • #10
    Martin Böttger

    Die Amateurvereine werden nicht nur durch weniger Zuschauer geschädigt. Auch der Zufluss von Spielern und Nachwuchs wird dadurch geschwächt. So sägt die DFL perspektivisch an ihrem eigenen Ast. Sollen sie nur so weitermachen, dann erreicht sie ihr gerechtes Schicksal. Lasst uns von Brasilien lernen ;-)
    Jens Weinreich, am Schluss zwar zu germanozentristisch, hat es heute auf Spon insgesamt gut erfasst:
    http://www.spiegel.de/sport/fussball/demonstrationen-in-brasilien-gegen-blatter-und-die-fifa-a-907224.html

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