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Humanisten für PEGIDA?

PEGIDA. Eine Ansammlung rechtspopulistischer Menschen. Einige dumm, einige ausländerfeindlich, einige beides – alle von Angst und Hass zerfressen.

Es sind keine guten Menschen, die sich da durch die Strassen von Dresden und anderen Städte wälzen. Ich will sie nicht unter meinen Freunden haben.

Doch ich musste einsehen, dass ich naiv war.

Mögen Andere von ihrer Schande sprechen, ich spreche von der meinen. (B. Brecht)

Ich habe lange überlegt, ob ich diesen Artikel schreiben soll. Abgewogen, ob ich damit nicht ohne Not ein Nestbeschmutzer werde. Mich gefragt, ob ich da nicht Einzelfälle verallgemeiner. Und doch merke ich, dass mich das Thema nicht losläßt, ich schreiben muss, weil ich etwas zu schreiben habe. Zudem werde ich weiter recherchieren. Es bringt nichts, wegzusehen, nur weil das Unrecht, das geschieht, von denen unterstützt wird, von denen ich dachte, dass ich zu ihnen gehöre. Unrecht ist Unrecht ist Unrecht.

Aber vorne angefangen.

Kurz nach Weihnachten stolperte ich über einen Kommentar von Uwe Lehnert im Humanistischen Pressedienst (hpd) mit dem Titel „Unerwünschter Protest„. Bereits der Untertitel „passt nicht ins korrekte Schema“ liess mich aufhorchen. Man muss dazu wissen: ich sehe mich (bisher) als Teil der Humanistischen Bewegung an, auch wenn ich in keinem der großen Verbände Mitglied bin. Zudem schreibe ich ab und an für humanistische Medien. Umso irritierter war ich als ich Sätze wie die folgenden las:

Selbst Spiegel-Online kann seine These von der rechtsextremen Ausrichtung von Pegida nicht mehr aufrechterhalten.

und

Jene Politiker, die mit bloß verächtlich machenden Beschimpfungen reagieren und die Teile der Bevölkerung, die mit Sorge auf die nicht zu leugnenden Probleme mit vielen in Deutschland ankommenden Flüchtlingen verweisen, nur als rechtsradikalen Sumpf betrachten, sollten sich sachkundig machen und sich an den Beobachtungen und Analysen ausgewiesener Fachleute orientieren

oder auch

Die meisten muslimischen Zuwanderer bringen eine Religion mit, die auf einem Gesellschaftsverständnis und einer Moral des 7. Jahrhunderts basiert und in der vorliegenden Form mit wesentlichen Elementen unserer Verfassung und unserer Vorstellung vom Leben in einer freien Gesellschaft nicht zusammenpasst.

Ich war schockiert. Dieser Uwe Lehnert musste scherzen, auf eine sehr seltsame Art und Weise. Oder jemand sein, der relativ zu Beginn seiner schreibenden Tätigkeit stand, so dass er über möglichst kontroverse Zuspitzung Klickzahlen generieren wollte. Doch weit gefehlt. Lehnert ist emeritierter Professor, schrieb u.a. das einflussreiche Buch „Warum ich kein Christ sein will. Mein Weg vom christlichen Glauben zu einer naturalistisch-humanistischen Weltanschauung.“ Also kein Leichtgewicht in humanistischen Kreise, Mitglied des Humanistischen Verbandes Deutschland (HVD) und der Giordano-Bruno-Stiftung (gbs).

Wie ich erfuhr, war man auch beim hpd eher weniger angetan von der Meinung, die Lehnert da kundtat. Und ermöglichte in den Folgetagen sehr dankenswerte Gegenkommentare (so z.B. hier und hier). Stand Lehnert also alleine da mit seiner Apologetik für Schnullernazis?

Ich hoffte es – bis ich auf Facebook eine Auseinandersetzung mit Lehnert und Dr. Frank Berghaus hatte, die zu meinem Ausschluss aus der Gruppe „Initiative Humanismus“ führte. Im Kern warf mir Dr. Berghaus dabei vor, dass ich zu hart und diffamierend sei, wenn ich Lehnert als „Schnullernazi-Apologeten“ bezeichne – und anmerke, dass sein Artikel geeignet sei, ihm einen „braunen Anstrich“ zu verpassen.

Auch Dr. Berghaus ist kein Unbekannter. Er ist Autor bei „Wissen bloggt“ und im Parteibeirat der  „Partei der Humanisten“. Diese Kleinstpartei formuliert auf ihrer Seite folgende Grundhaltung (Hervorhebung eingefügt):

Humanisten respektieren ihr Gegenüber als ebenso empfindenden und Rechte beanspruchenden Menschen, unabhängig von dessen weltanschaulicher Überzeugung. Sie  gehen davon aus, dass Andersdenkende dieselbe Toleranz entgegenbringen und nicht versuchen, sie mit missionarischem Eifer oder gar mit Gewalt von ihren Einstellungen abzubringen. Gegen Intoleranz darf es allerdings keine Toleranz geben. Humanisten respektieren alle Mitmenschen unabhängig von deren biologischen Merkmalen oder sexuellen Orientierungen.

Damit sollte doch alles klar sein. Und es keine Empathie für PEGIDA geben. Wieder falsch gedacht. Unter dem Titel „PEGIDA und des Pudels Kern“ schrieb nämlich David Helmus, der wohl „Sprecher für Menschenrechte, Demokratie, Außen- und Drogenpolitik“ ist unter anderem Folgendes:

Die Bewegung allerdings insgesamt in die rechte Ecke zu stellen und sie somit guten Gewissens ignorieren zu können ist zu einfach. Viel mehr offenbart diese Bewegung eine große Unzufriedenheit mit der Religionspolitik des Landes, allerdings mit falschen Konsequenzen. Die Ausgrenzung der Bewegung und ihrer Anhänger aus dem politischen Diskurs halte ich daher sogar für gefährlich.

Warum? Wie kann ich mich als ausgesprochener Humanist der pauschalen Verurteilung einer Gruppe, die nach Rechts offen ist, entziehen?

Aus dem offiziellen Positionspapieres der PEGIDA geht kein klarer Fremdenhass hervor. Sie sprechen sich sogar klar für das Recht auf Asyl, Sexuelle Selbstbestimmung und für ein Miteinander mit “integrierten Muslimen” aus. Einige Punkte sind also durchaus diskussionswürdig.

Zwar rudert Helmus im folgenden zurück, und erkennt auch an, dass das Positionspapier von PEGIDA vielleicht nicht das Papier wert ist, auf dem es gedruckt ist, und schließt mit folgender Quintessenz:

Dies alles ist Zeichen einer völlig verfehlten Integrationspolitik seitens Rot-Rot-Grün-Schwarz-Gelb, die mal wieder Menschen und Einwanderer auf ihre Religionszugehörigkeit oder gar die Religion ihrer Herkunftsländer beschränkt. Es ist die Schuld der Politik, dass Islam, Muslime und Einwanderung kaum noch voneinander zu trennen sind und Einwanderer aus dem arabischen Raum per se als Muslime gelten und mit den Vorfällen in ihren Heimatländern in Verbindung gebracht werden. So ist es für mich nicht verwunderlich, dass Rechtspopulisten dieses Thema nun ausschlachten können und dabei großen Zuspruch erfahren.

 Sich angesichts des politischen Islams und der selbstbewussten Islamverbände aber auf alte Werte und vor allem eine fiktive Wertegemeinschaft wie “christlich-jüdisch” zu besinnen um so “fremdes” auszuschließen und eine scheinbare Homogenität herzustellen ist der völlig falsche Weg. Vielmehr tun eine aufklärerische Islamkritik und ein laizistischer Staat not.

Die Lösung des Problems PEGIDA bestünde also darin, dass mehr „aufklärerische Islamkritik“ geübt wird (wir sprechen über 2 – 5% unserer Bevölkerung, von denen die Gefahr der Islamisieurng des Abendlandes ausgehen soll). Irgendwie stelle ich mir „Gegen Intoleranz darf es keine Toleranz geben“ anders vor. Intoleranter.

Ich muss mir also eingestehen, dass es sie gibt: die Verteidiger von PEGIDA unter den Humanisten. Für mich sind diese Menschen eben genau dadurch keine Humanisten. Sie sind entweder zerfressen von einem blinden Hass gegen alles Religiöse – oder vielleicht auch schlicht nur nicht in der Lage, die Sachverhalte intellektuell zu durchdringen.

Ich habe aber nicht vor, diesen Personen ihr Graufeld in der Humanistischen Bewegung zu lassen. Demnächst mehr!

+++ UPDATE (So, 4.1., 17:51 Uhr) +++

Unter Kommentar #41 teilte der von mir kritisierte David Helmus mit:

„(W)enn du so gut recherchieren würdest, wie du es vorgibst, dann wüsstest du, dass Frank Berghaus seit Mitte Dezember 2014 nicht mehr Parteibeirat der Partei der Humanisten ist. Seit dem 31.12.2014 ist er nicht mal mehr Mitglied unserer Partei.“

Ich entschuldige mich für die dann von mir am 2. Januar erhobenen Aussage bzgl. der Parteimitgliedschaft von Frank Berghaus. Inwiefern der ehemalige PI-Autor Dr. Berghaus davor aber gut im Parteibeirat einer Partei der Humanisten aufgehoben war – darüber schweigt Helmus sich leider aus. Wir werden dem in einem separaten Artikel nachgehen.

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70 Kommentare zu “Humanisten für PEGIDA?

  • #51
    WALTER Stach

    Noch einmal zum FAS-Beitrag von Konrad Adam:

    1.
    Verwundert war ich nur sehr eingeschränkt über den Inhalt des Beitrages von Konrad Adam und seine Veröffentlichung just zu einer Zeit, wo es immer öfter zu Übereinstimmungen/Überlappungen kommt zwischen Kritik gegenüber der Türkei – gezielt gegen den türkischen Staatspräsidenten ob seiner mehr und mehr religiös -muslimisch-bestimmten Politik- und allgemeiner Kritik gegenüber dem Islam.

    Klaus Adam „steht bekanntlich für „Dieses und Verlgeichbares“, iinsofern ist da nichts „verwunderlich“.

    Und dafür einzustehen ist seine Sache so wie es völlig unbestriten Sache der Pegida-Akteure ist und bleibt, für ihre Sache öffentlich zu demonstrieren.

    abraxasgbr -45- sh.Absatz 1:
    Ich habe bisher nicht wahrgenommen, daß dieses öffentlichen Einstehenkönnen für eine Sache, hier durch Adam und die Pegida-Akteure für die ihre, irgend jemand, irgend wie, irgend wann in Frage gestellt hat. Sollte das „jemand“ versuchen, wäre dem Betreffenden in der Tat, unbestritten, selbstverständlich und unmißverständlich zu attestieren, daß er die Meinungsfreiheit, die Meinungsäußerunsfreiheit, die Meinungsverbreitungsfreiheit in ihrer substantiellen Bedeutung für eine freiheitlich plurale Gesellschaft und für jeden freiheitlich-demokratischen Staat nicht begriffen hat.

    Daß diese Freiheiten gleichermaßen auch Andersdenkenden -anders als Adam und die Pegida-Akteure denkend- zustehen, dh., daß dieseie also z.B. öffentlikch bekunden dürfen, daß sie die Meinungsäußerungen von Klaus Adam und von der großen Masse der Pegida-Akteure für sachlich falsch, für im wesentlichen emotional und nicht für rational halten, daß sie sie werten als Ausdruck und / oder Mobilisierungsversuche fremdenfeindlicher Grundängste der Menschen, daß sie darin Beiträge sehen, die zu wesentlichen Inhalten unserer Verfassung in Widerspruch stehen -sh ua..Art.1(1.)GG, sh.Art.3(3)GG, das Alles sollte „eigentlich“ als ebenso selbstverfständlich gelten wie das Meinungsäußerungs-, das Meinungsverbreitungsrecht von Adam und en Pegida-Akteuren.

    Was ich bisher gesagt habe, sind doch „Binsenwahrheiten“ und doch scheint es mir angebracht, an sie zu erinnen.

    2.
    Verwundert war ich primär darüber, daß die FAS (!!) -nicht BILD- auf S.2 diesen Beitrag veröffentlicht hat unter der Überschrift:
    „Wie Christen schon einmal die Türken schlugen“.

    Und diese meine Verwunderung am gestriegen Tage hat sich bis heute nicht gelegt. Mir ist nicht wohl dabei, in einer Zeitung, die für sich stets intellektuelle Redlichkeit in Anspruch genommen hat, auf S.2 und jetzt (!!) einen Beitrag angeboten zu bekommen unter der Überschrift “ Wie Christen schon einmal die Türken schlugen“.
    Ich will hier nciht versuchen, dieses Unwohlsein detailiert zu ergründen, um es dann zu artikulieren.

    Ich merke als Audsruck meines fortrbestehenden Unwohlseins lediglich an:

    Geht es nur mir mit meinem Unwohlsein so?
    Ist bei sonst Niemanden -bei den Ruhrbaronen, in anderen Medien -außer SPIEGEL online-solches Unwohlsein existent, das sich öffentlcih artikuliert? Irgend etwas stimmt da nicht -oder mit mir nicht-!

    Was wäre „hier und europaweit“ medial und in der öffentlichen Diskussion wohl los, wenn z.B. eine Zeitung in Moskau einen Beitrag auf S.2 ihrer Sonntagsausgabe überschrieben hätte mit: “ Wie Russen schon einmal die Deutschen schlugen“.

    Also,
    mir ist mit Blick auf die FAS nicht wohl angesichts der Veröffentlichung des Beitrages von Klaus Adam auf S.2 ihrer Sonntagsausgabe und vor allem nicht angesichts der von der FAS-Redaktion bestimmten Überschrift dieses Beitrages mit…….!

    Leserbrief von mir an dike FAS? Darüber denke ich nach, aber vermutlich werde ich es lassen.

    3.
    Arnold Voss, Wofram Obermanns, Bernd Kammermeier,

    wir haben hier bei den Ruhrbaronen mehrfach intensiv, auch, wie ich meine, mit Substanz und äußerst kontrovers über Religion und Politik diskutiert und dabei u.a. über Christentum, Judentum, Islam, über Übereinstimmungen in ihren Lehren, in ihrem Verhältnis zu Gesellschaft und Staat und über Unterschiede in ihren Lehren und in ihrem Verhältnis zu Staat und Gesellschaft.

    Das wird auch weiterhin so sein, ja so sein müssen!

    Ich will mir morgen dazu aktuelle Lektüre beschaffen: “ Politik und Religion“ – zur Diagnose der Gegenwart“, herausgegen v..Fr.W.Graf und Heinrich Meier; erschienen bei CH. Beck, mit Beiträgen von…., möglicherweise finde ich da weitere Argumente für weitere Diskussionen hier bei den Ruhrbaronen.

    Ich (ver-)wehre mich allerdings, wenn diese Diskussion geführt wird, geführt werden soll wegen der Meinugnsbekundungen von „Dumpfbacken“ im Kreise der Pegida-Aktivisten oder wegen der Meinungsbekundungen eines Klaus Adam oder wegen…….!
    Überheblichkeit meinerseits?
    Nein, Ausdruck meiner Überzeugung, daß es einer guten Sache schadet, hier der permanent notwendigen Diskussion über Religion und Poltik, über das Verhältnisi der Religione zueinander, über das Wesen/Unwesen von Religionen generell, wenn sie ihren Anlaß findet indem, wo für z.B. jetzt die Pegida-Akteuere stehen, besser wohl in dem was sie sagen.
    Wie wird denn das, was sie da von sich geben, rational begründet, wie diskursfähig und diskursbereit sind sie denn -untereinander und in der Auseinandersetzung mit Anderen? Ich vermeide hier das Wort von den Anders d e n k e n d en.

  • #52
    Helmut Junge

    Walter, zur Seeschlacht von Lepanto gibt es unzählige Artikel aus allen Zeiten, und lange vor Pegida, nicht nur in der FAZ, und es wird sie noch geben, wenn Pegida vergessen ist.
    „Richtig“ war allerdings kein einziger Zeitpunkt. Aber dann dürften wir nur noch über das „Gute“ in der Geschichte schreiben. Vor Lepanto hat es auch Bündnisse christlicher Länder mit den Osmanen gegeben. Später übrigens auch. Es ging nur nicht um Glaubenskriege, wie viele denken, sondern um Einflußzonen konkurrierender Mächte. So haben die Franzosen die Osmanen gegen Portugal bei der Eroberung von Marokko unterstützt, und die Allianz Deutschlands mit dem letzten osmanischen Sultan ist doch auch bekannt. Nicht die Geschichte und die Auseinandersetzung mit ihr führt zu Konflikten, sondern andere Dinge. Zum Beispiel übergroße Aufgeregtheit.

  • #53
    WALTER Stach

    Helmut,
    ich bin schlicht und ergreifend nicht in der Lage, den Bericht in der FAZ -zum jetzigen Zeitpunkt, von diesem Verfasser, mit dieser Überchrift- lediglich als einen unter sehr vielen Beiträgen zu einem historischen Ereignis zur Kenntnis zu nehmen.
    Übergroße Aufgeregtheit bei mir?
    Mag sein; ich denke darüber nach.

    Hättest Du es auch „mit übergroße Aufgeregtheit“ bewertet und mit Verweis auf ein schon mehrfach behandeltes, kommentiertes geschichtliche Ereignis abgetan, wenn ich mich z.B. zum einem einschlägigen Artikel in einer anderen Zeitung, und zwar just zu diesem Zeitpunkt -sh.mein Beispiel „Wie die Russen.schon einmal -angefangen inin Stalingrad…..“- zu Wort gemeldet hätte?

    Und was mag man in der Türkei denken angesichts der Überschrift „Wie Christen schon einmal. die Türken…….“ . Da ließe sich aus türkischer Sicht manch Bedenkliches herauslesen. Die FAS, die für sich in Anspruch nimmt, nicht nur innenpolitisch mitgestalten zu können und zu wollen, sondern sie diesen Bericht, mit dieser Übeschrift, zum jetzigen Zeitpunkt gebracht hat?

    Also…
    mein politisches Unbehangen bleibt .
    Es hat primär mit der FAS zu tun, nicht mit Klaus Adam.
    Ich bin gespannt, ob das „Ereignis“ noch zu mehr führen wird als nur zu persönlichem Unbehagen bei mir und einem kritischen Kommentar bei SPIEGELonline.
    Helmut, ich bin jedenfalls- sh.SPIEGELonline-mit meiner, wie Du meinst übergroßen, Aufgeregtheit nicht ganz alleine.

  • #54
    WALTER Stach

    Korrektur:
    Letzter Satz vor dem „Also…..“ muß lauten:
    „Wird die FAS, die für sich in Anspruch nimmt, nicht nur innenpolitisch mitgestalten zu können und zu wollen, sondern auch außenpolitisch einflußreich zu sein, ihrem Anspruch gerecht, wenn sie den Beitrag von Adam zum jetzigen Zeitpunkt, von diesem Verfasser, mit dieser Überschrift auf S.2 bringt, und wäre sie glaubwürdig, wenn sie diesen Beitrag als “ bloßen geschichtlichen Exkurs“ abtun würde?

  • #55
    Helmut Junge

    Walter, ich erweitere mal den Gedanken von @abraxasrgb (45) so.
    Wer sich angegriffen fühlt, soll sich verteidigen, erst dann entscheide ich, ob ich helfe oder nicht.
    Aber eine Verteidigungsform , die darin besteht, zu sagen „Der hat das und das gesagt (Schluchz) und dann noch gemein geguckt (Schluchz, Schluchz)“, ist aus meiner Sicht überhaupt keine Verteidigung.
    Da kann ich mich, der als Kind noch nicht von Genderfrauen gezwungen wurde, mit Puppen zu spielen, mich nicht einmal richtig hineindenken.
    Damit habe ich aber jetzt auch alles zu diesem Diskurs gesagt, was ich sagen will.

  • #56
    Wolfram Obermanns

    #51 W. Stach
    Das Thema Religion bzw. Islam und Staat gemäß den Äußerungen der Pedingens zu diskutieren, halte ich ebenso für unmöglich.
    Ängsten kann man nicht mit Argumenten begegnen und irrational begründeten (was wenn mich nicht täuscht psychologisch doppelt gemoppelt ist) schon mal gar nicht.
    Da da aber nunmal doch ein paar Leutchen zusammenkommen stellt sich die Frage, wie geht man damit um und wie verhindert man ein Abgleiten in den heillos braunen Sumpf an dessen Kante diese Menschen stehen. (Ja ich weiß, da sind auch echte braune Ratten bei, die sich feucht in die Hose freuen.)

    Eine Idee ist sedieren. Das scheint mir aber nicht mehr zu klappen.
    – Diffamieren: geht auch in die Hose.
    – Aktivieren: Laut veröffentlichtem Programm sind die doch für ein verstärktes Engagement bei (ihrer Ansicht nach) sich hier berechtigt aufhaltenden Immis. Nutzbringende Aktivität, Zielvorstellungen und praktische Erfahrung sind Gegenmittel zu Angst. Eine Möglichkeit wäre also der Versuch ehrenamtliche Flüchtlingshelfer auf diesen Veranstaltungen zu rekrutieren.
    – Abwarten: Eine der lustigsten Sachen bei Pedingsbums ist doch, daß auf der einen Seite von ihnen festgestellt wird, „auf uns hört ja keiner“ und auf der anderen Seite selbst auf Nachfrage kaum einer bereit ist was zu sagen. Stellt sich die Frage, wieso die Leute sich so bescheuert verhalten. Vielleicht, weil sie wissen, daß sie jeweils Einmannparteien sind, wobei egal wer welche Stellung bezieht, plötzlich allein mit seiner Meinung da ständ. Deswegen ein Feindbild bestehend aus völlig unbekannten Leuten und Weihnachtslieder – kleinster gemeinsamer Nenner.
    Irgendwann aber, werden sie sich unterhalten und dann …

  • #57
    Helmut Junge

    Mein Respekt gilt den Organisatoren der gestrigen Gegendemos gegen Pegida und dem Dompropst des Kölner Doms, der die Dombeleuchtung abgeschaltet hat.
    Die Mitte der Gesellschaft ist groß genug, daß eben nicht nur Pegida daraus Gefolgschaft sammelt, sondern auch ihre Gegner. Und so muß es auch sein. Aktiv Flagge zeigen. Dabei spielt der linke Stammtisch mit seiner ausgrenzenden Tradition vermutlich nur eine winzige, wenn nicht gar keine Rolle.
    Die neuen Helden sind eben die Organisatoren, die es fertigbringen, tausende Menschen zu überzeugen gemeinsam gegen Menschenverachtung zu demonstrieren. Und das ist eine Kunst. Denn dabei treten sich Nachbarn gegenüber, die aus dem eingeschränkten Blickwinkel linker Stammtischstrategen einander ziemlich ähnlich sind. Der Unterschied ist aber der, daß die einen den rechten Rattenfängern auf den Leim gegangen sind, und die anderen sie durch ihre Präsenz auf der Gegenseite genau auf diesen Zusammenhang aufmerksam machen.
    Das weiß ich, weil sich bei der Lichterkette in Neumühl Leute beteiligt haben, deren derbe Ausdrucksweise im Zusammenhang mit bestimmten Migranten ich kannte, und deren Beteiligung an unserer Aktion gegen Rassismus mich absolut erstaunt haben. Die muß jemand, dem sie Respekt zollen, überzeugt haben, sich bei uns einzuklinken. Von den linken Stammtischrednern kann das aber niemand gewesen sein, weil die eine Sprache sprechen, die in Neumühl kaum jemand versteht.

  • #58
  • #59
    WALTER Stach

    -55-Helmut

    „Verteidigungsform“……?
    Solltest Du mich gemeint haben, ginge das voll in die Irre.

    Ich bezogen auf die Causa FAS – Adam nichts zu verteidigen und habe folglich auch nichts verteidigt.
    Ich habe so wie Spiegel-online kritisch das OB, das WIE, das WANN eines Beitrages von Adam in der FAS, insbesondere wegen der Artikel-Überschrift kritisch hinterfragt und zugleich mein daraus reslutierendes politisches Unbehagen gegenüber der FAS formuliert, nicht gegenüber Adam. Und bisher hatte ich -leider-kein Argument zu bedenken , das mir für ein solches Bedenken über die Berechtigung meines Unbehagens qualifiziert erschien.

  • #60
    Helmut Junge

    Walter, dadurch daß Du den FAS-Artikel von Konrad Adam „wie die Christen schon einmal die Türken schlugen“ allein deshalb kritisch siehst, weil er von einem AFD-Mann geschrieben wurde, und das sogar zum jetzigen, zum falschen Zeitpunkt, wie Du schreibst, vermittelst Du den Eindruck, daß Du gegen den Inhalt dieses Artikels selbst keine Kritik einwenden willst oder kannst.
    Ich halte es da eher mit @Bernd Kammermeier, der in (45) schreibt: „Würde ich mir erst das Parteibuch oder den Clubausweis meiner Gesprächspartner zeigen lassen, um deren Meinung vorzuverurteilen, hätte ich etwas in Bezug auf freie Gesellschaft missverstanden.
    In puncto Pediga wird mir zu viel über Personalien und “Nähe zu Organisationen” diskutiert“
    Im Sinne von @Bernd Kammermeier wäre es demnach besser, den Adams Artikel auf seinen Wahrheitsgehalt zu untersuchen. Die Person und der Zeitpunkt kann dabei keine Rolle spielen, denn niemand darf jemanden verbieten etwas zu schreiben, oder festlegen, wann er das darf.
    Ein Gedanke, der aber bei Deinen Kritikpunkten innerhalb des Interpretationsbereiches liegt.
    Wirst Du nicht so meinen. Weiß ich.
    Doch so, wie Du vorgehst, gehen auch andere Autoren vor. So z.B. ein Sebastian Hammelehle bei Spiegelonline, der sein Mißfallen über Adams Artikel dadurch ausdrückt, daß er ausgerechnet die propagandistischste und provokannteste Stelle in Adams Artikel empört zitiert, ohne sie allerdings auf ihre Richtigkeit zu hinterfragen. Hammelehle zitiert „Da erweisen sich die „christlichen Streitkräfte als disziplinierter und stärker. Die Türken verloren an die 180 Schiffe, die Liga nur zwölf. Und sie befreite an die 12.000 christliche Galerensklaven, die für die Türken hatten rudern müssen.“ Dieses Zitat ist schlimm, denn die Stelle ist ursprünglich aus dem Gesamtzusammenhang eines Wikipediaartikels gerissen und deshalb verführerisch falsch und wird durch Herrn Hammelehle, um dessen eigenen Artikel aufzupäppeln, in dieser falschen Form auch noch verbreitet, was wiederum suggeriert, daß Adam über einen wahren Sachverhalt schrieb.
    Walter, das ist mein Problem, eine Auseinandersetzung auf dieser flachen Basis ist mir regelrecht zuwider.
    Wahr ist, daß auf beiden Seiten massenhaft bzw. ausschließlich Galeeren eingesetzt wurden, schließlich ist es bis heute die bekannteste Galeerenschlacht der Weltgeschichte, aber da die sich selbst so nennende „Heilige Liga“ fast alle gegnerischen Galeeren versenkt hat, haben nur wenige Galeerensklaven der Osmanen das Massaker überlebt. Und ob die überlebenden „befreiten“ Galeerensklven und die überlebenden Seeleute nicht direkt an die Ruderbänke „heiliger“ Galeeren angekettet wurden, wer weiß das denn? Und ob sie überhaupt Christen und nicht verurteilte Moslems waren, ist sowieso fraglich. Das ist nämlich der zweite Punkt. Die Osmanen haben auch Christen aus den eroberten Ländern für sich kämpfen lassen. Es gab keinen Zwang Moslem zu werden. Aber Militärdienst mußten sie leisten. Und wenn das hundertmal als Glaubenskrieg verkauft wird, es war kein Glaubenskrieg, sondern es ging um Macht und Einflußzonen. Und bei der geringen Lebenserwartung der Galeerensklaven wurde immer wieder die Ersatzbank aufgefüllt, denn „heilige“ Galeeren gab es in Christenländern noch lange nach Lepanto, und die Ruderbänke wurden immer schnell frei.

  • #61
    WALTER Stach

    Helmut,
    ich kann mich offenkundig Dir gegenüber nicht verständlich machen.

    Es geht mir überhaupt nicht, nicht einmal ansatzweise darum, daß ein AFDler einen Beitrag über ein geschichtlichen Ereignis geschrieben hat. Das gilt für den Gegenstand des Beitrages ebenso wie für die Person Adam. Ich kommentiere folglich n i c h t s bezüglich dieses geschichtlichen Ereignisses und schon gar nicht zur Person Adam.
    Es ging mir und es geht mir – ähnlich wie Spiegel-online- darum, daß die FAS diesen Beitrag von diesem Verfasser j e t z t , j e t z t auf S.2 plaziert , j e t z t mit diser Überschrift gebracht hat. D a s hat mich nachdenklcih gemacht und „politisches Unwohlsein“ bei mir befördert. Nur das habe ich artikuliert.

    Wenn d a s für Dich belanglos ist, wenn d a s Dich nicht nachdenklich gestimmt hat, dann ist das so. Dann nehme ich das zur Kenntnis.

    Mehr sage ich nicht mehr dazu.

  • Pingback: Pegida, Muegida & Co – aus humanistischer Sicht | Atheologie

  • #63
    Michael

    Ich teile das „Unwohlsein“. Auch wenn sich einige humanistische/atheistische Organisationen/Vertreter eindeutig gegen Pegida & Co äußern, gibt es wohl auch einige Unterstützer. Unter http://www.atheologie.de/blog/?p=569#more-569 zitiere ich z.B. aus der Pressemitteilung der „Liberalen Freigeister“, ehemals BfG Rhein-Neckar, aus der man eine Unterstützung von Pegida ablesen kann.
    Gerade die Münchner Gruppierung Muegida erscheint mir eindeutig rechtsextrem – deswegen meinerseits ein klares „dagegen“.

  • #64
    Helmut Junge

    Walter, ich empfinde die Absicht von Herrn Adam keineswegs als belanglos. Sonst hätte ich nicht drei Stunden an der Vorbereitung meines letzten Kommentars gearbeitet. Die Absicht von Herrn Adam ist eindeutig zu provozieren und Öl ins Feuer zu gießen. Er weiß, daß es ein Publikum gibt, das mit Begeisterung seine Thesen aufgreifen wird. Aber hat nur die recht kleine FAZ am Sonntag als Plattform.
    Und er kalkuliert schon die Multiplikation seiner Thesen durch aufgeregte Medienstimmen ein, die voller Empörung über seine bösartige Provokation berichten.
    Das Kalkül geht praktisch immer auf.
    Empörung reicht aber nicht aus, um Adams Absichten zu durchkreuzen. Sein Publikum teilt diese Empörung doch nicht!
    Man muß deshalb mehr als Empörung auf der Pfanne haben, wenn man schon glaubt, über Adam und seine Ansichten zu berichten. Sonst verbreitet man sie doch nur.
    Und wenn Du meinen Kommentar (60) noch einmal durchliest, kannst du eine der möglichen Ansätze inhaltlicher Argumentation gegen Adams Interpretation dieser historisch belegten Seeschlacht entdecken. Meine Schlußfolgerung aus der mir bisher bekannten Quellenlage ist ganz anders als die die Adam propagiert, und meine Botschaft ist ganz simpel: Diese Seeschlacht war kein Glaubenskrieg, sondern ein Kampf um Interessen bzw, Einflußsphären. Und das ganz eindeutig. Eindeutiger als bei allen anderen Kriegen! So eindeutig, daß es im folgenden Friedensvertrag festgelegt wurde, daß Venedig als Sieger (!!!) Tribut an die Osmanen zahlen mußte! Danach gingen die Handelsbeziehungen zwischen der Republik Venedig und den Osmanen weiter. Das war notwendig, weil die Osmanen ihre Verluste binnen 2 Jahren ergänzt hatten. Man lebte ganz vergnügt miteinander weiter. Aber der „Sieg“ wurde propagandistisch so aufgeblasen, daß das bis heute nachhallt, und als Thema immer wieder gerne von interessierter Seite aufgegriffen wird, um primitive Feindgefühle zu wecken. Adam ist nicht der erste Provokateur der das tut.

  • #65
    WALTER Stach

    Helmut,
    danke für die Erklärungen, die Erläuterungen zu dem betr.geschichtlichen Ereignis und zur Person Adam.

    Ich habe jetzt den Eindruck gewonnen,daß wir lediglich bezüglich der Gewichtung, der Bedeutung von Adam und dessen Interpretation des betr.Geschichtsereignisses in dem FAS-Beitrag einerseits und anderseits mit der gesellschaftspoltischen Bewertung der „Präsentation“ des Adam-Artikels in der FAS- je t z t , aus S.2, mit der Überschrift- enschließlich der Frage an die FAS nach dem Warum und der von ihr beabsichtigten (?)Wirkung zu unterschiedlichen Bewertung kommen. Lassen wir es dabei?
    Ich wollte ja „eigentlich“ gar nichts mehr dazu sagen , was mir Dir gegenüber aber unfair erschien.

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  • #70
    Meis

    Für das Projekt http://who-is-hu.de/humanisten
    haben sich über 900 Säkulare/Humanisten von Evelin Frerk fotografieren lassen und geben dort auch Auskunft über ihre Mitgliedschaft in Verbänden/Organisationen.
    Z.B. bei der Unitarier Stiftung oder Deutsche Unitarier Religionsgemeinschaft.
    In der TAZ vom 31.7.2015*,
    wird über die Verbindung eines Waldorflehrers zu alten und neuen Nazis u.a. zum RECHTEN Bund Deutscher Unitarier – Gemeinschaft informiert. s.a. TAZ v. 8.8.15 u. 10.8.2015.*

    In Hamburg hat sich in 2014 das Säkulare Forum Hamburg (SF-HH) mit anderen Mitgliedsorganisationen, u.a. der Unitarische Stiftung "Unitates" zusammengeschlossen.
    Das Sf-HH möchte die Interessen der 60 % Hamburger Bürger deutlicher zu Gehör bringen, die konfessionsfrei bzw. säkular sind.
    1. Vorsitzender ist Prof. Dr. H. Kramer und ebenfalls Unitarier.
    Am 29.10.2012 wurde im Deutschlandfunk v. R. Brandes über die Religionsgemeinschaft der Unitarier informiert. Seit 1989 hat sich danach, Zitat: "…die Deutsche Unitarier Religionsgemeinschaft mehrfach offiziell von dieser Gruppe und deren Gedankengut distanziert ….".***

    Quellen:
    * TAZ Autor Andreas Speit am 31.7.15 http://www.taz.de/!5219898/ Gruppenbild mit Kriegsverbrecher, und
    http://www.taz.de/Rechter-Lehrer-an-Waldorfschule-Minden/!5221843/ am 10.8.2015, und
    http://www.taz.de/Rechter-Lehrer-an-Waldorfschule-Minden/!5221479/ am 8.8.2015

    ** Säkulares Forum Hamburg
    http://www.sf-hh.org/home/ . Zitat: "…Um die Interessen der Konfessionsfreien in der Öffentlichkeit deutlicher zu Gehör zu bringen, haben sich sieben Organisationen im Juni 2014 auf gemeinsame Grundsätze und Forderungen geeinigt und sich zum Säkularen Forum Hamburg (kurz: SF-HH) zusammengeschlossen…[..] …Weitere Vereine und Weltanschauungsgemeinschaften, die diese Ziele unterstützen und als gemeinnützig anerkannt sind, können Mitglied werden. Einzelpersonen wenden sich bitte an unsere Mitgliedsorganisationen. …"

    *** Deutsche Unitarier,
    Siehe dazu Bericht v. R. Brandes im Deutschlandfunk – 29.10.2012 http://www.deutschlandfunk.de/zwischen-pantheismus-und-atheismus.886.de.html?dram:article_id=225855

    Mit Beschluss d. OLG Hamburg 7 U 69/99 v. 3.3.2000, wurde entschieden, ob die Deutschen Unitarier als Nazi-Sekte u.ä. bezeichnet werden dürfen. Siehe Entscheidungen in "Kirchensachen seit 1946", S. 112 ff., Verlag W. de Gruyter.

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