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Linker Liedersommer: Die Bandbreite „nicht erwünscht“

In Ruhrgebiet | Am 21 Juni 2013 | Von Martin Niewendick

Sänger Wojna, Foto: (CC BY-NC-SA 2.0), Benefiztour 2008/flickr

Sänger Wojna, Foto: (CC BY-NC-SA 2.0), Benefiztour 2008/flickr

Die Veranstalter des „Linken Liedersommers“ auf Burg Waldeck haben sich von der Paranoia-Popband Die Bandbreite distanziert. Diese hatte angekündigt, auf dem Fest einen Auftritt absolvieren zu wollen. Davon, hieß es bei der Rosa-Luxemburg-Stiftung (RLS) auf Anfrage der Ruhrbarone, wisse man nichts. Nun hat die Band Post bekommen.

Wahrscheinlich wird es bald wieder ein Jammer-Video von Bandbreiten-Sänger Wojna geben, wie jedes Mal, wenn Veranstalter der Verschwörungsband kein Forum bieten wollen. Lapidar hatte die Duisburger Band angekündigt, dass „beim linken Liedersommer auf Burg Waldeck (…)  auch in diesem Jahr die Bandbreite wieder zu hören sein“ werde. Ein „kleiner aber feiner Auftritt“ solle es werden, „eingebettet in die musikalischen Beiträge zahlreicher linker Liedermacher, die vor und nach uns auf der Bühne sein werden.“

Damit erweckt die Band den Anschein, als gebuchter Showact im rheinland-pfälzischen Hunsrück fest im Musik-Programm eingeplant zu sein. In der Vergangenheit war dies bereits der Fall, 2010 wurden die Duisburger vom „Freidenkerverband“ eingeladen. Im diesjährigen Programm hingegen taucht die Band nicht auf.

„Indiskutabel“ sei die Bandbreite, heißt es aus Kreisen der RLS Rheinland Pfalz, die als Kooperationspartnerin am Liedersommer mitwirkt. Am Samstagabend gebe es allerdings eine Mitmachbühne, wo Leute aus dem Publikum die Möglichkeit hätten, zu musizieren. „Da versucht wohl wer durch die Hintertür sich eine Auftrittsgelegenheit zu verschaffen.“

“Niemand will die”

Man habe „ausdrücklich“ darauf bestanden, dass die Band nicht auftritt. Möglicherweise hätte die Bandbreite aber auch über den Kooperationspartner „Freidenkerverband“ um eine Auftrittsmöglichkeit ersucht. Die Bandbreite ist dort Mitglied. „Seitens der RLS will die niemand“, heißt es von der Stiftung gegenüber den Ruhrbaronen.

Die Auftrittsankündigung verschwand gestern recht schnell wieder von der Facebook-Seite der Band, auf ihrer Website ist sie immer noch zu finden. Sollte Wojna es dennoch schaffen, sich auf die Bühne zu mogeln, werde das entsprechend thematisiert. Die Bandbreite solle nicht mehr dort auftreten, wo RLS draufstehe, heißt es aus Kreisen der RLS.

Als Reaktion auf die eigenmächtige Ankündigung hat Sänger Wojna nun offiziell Post von der RLS bekommen. Dort wird ein spezieller Grund für einen Ausschluss formuliert:

„Anfang dieses Jahres haben Sie den Song für die Partei ,Die Mitte‘ geschrieben und gesungen. Das Programm dieser Partei ist mit linken Positionen nicht vereinbar. Eine Werbung für Ideen der Partei Die Mitte beim Linken Liedersommer ist für uns undenkbar. Aus diesem Grund ist ein Auftritt der Gruppe ,Die Bandbreite‘ beim Linken Liedersommer 2013 nicht möglich und Ihre Teilnahme an der Veranstaltung nicht erwünscht.“

Breite Ablehnung

Damit erweitert sich der Kreis derjenigen Organisationen, die der Bandbreite zumindest in Teilen ablehnend gegenüber stehen. Zuvor hatte sich unter anderem bereits die Linkspartei NRW und der sozialistische Jugendverband Die Falken von der Verschwörungsband distanziert. Auch beim Duisburger CSD will man nach Homophobie-Vorwürfen nichts mehr von ihnen wissen.

Normalerweise folgen auf derartige Absagen ausführliche Stellungnahmen per Video von Sänger Wojna, in denen er seine Kritiker beschimpft und sich als Opfer von Zensur und Boykott inszeniert. So nannte er etwa die Falken im Zuge seines Ausschlussverfahrens einen „faschistoiden Pfadfinderverein“. Bei der RLS ist man zuversichtlich, dass die Duisburger Band der Veranstaltung fernbleibt. Kämen sie doch, sei das dennoch nicht so schlimm: „Wie es aussieht ist das Wetter eh schlecht und den Mist hört sich keiner an.“


5 Kommentare zu »Linker Liedersommer: Die Bandbreite „nicht erwünscht“«

  1. #1 | BillBrook sagt am 21. Juni 2013 um 11:43

    “So nannte er etwa die Falken nach seinem Ausschluss einen „faschistoiden Pfadfinderverein”

    in dem es Wojna offensichtlich derartig gut gefiel, dass er nicht einmal bereit war, da freiwillig auszutreten.

  2. #2 | Karc sagt am 21. Juni 2013 um 11:56

    Hoffentlich gibt das einen Fan-Shitstorm, dann hat man wieder viel zu Lachen.

  3. #3 | Jochen Hoff sagt am 21. Juni 2013 um 12:54

    Yepp Ausschluss. Das ist immer gut. Weg mit diesen Verschwörungstheoretikern. Entzieht Ihnen das Parteibuch … Mist haben sie ja gar nicht. Aber egal. Auf jeden Fall gilt Bak Shalom, Verzeihung die RLS hat immer rechts.

    Aber das Festival wird auch das überleben. Zensur und Zensurversuche gab es dort immer. Ach ja. Ich würde keinen Cent für die Bandbreite ausgeben, aber immer dafür kämpfen dass auch sie auftreten kann. Auch wenn sie reichlich Fehler macht.

  4. #4 | nootnoot sagt am 21. Juni 2013 um 17:03

    Ausschluss ist immer gut? Nö, aber viel zu oft trauen sich linke Organisationen nicht, diesen Schritt zu gehen, der oft eben doch die bessere Wahl ist.
    Ich bin froh, dass die Falken nach vielen fruchtlosen Gesprächsversuchen konsequent sind und sich zu dem “links sein” der Bandbreite abgrenzen.

    Die SPD ist was das angeht ein Totalausfall. Sarrazin, Buschkowski, Wößner, Rolf Kleine und Clement gehörten rausgeschmissen. Die SPD ist aber zu feige. Pluralismus heißt nicht, dass eine Organisation Rassisten und Antisemiten eine Plattform bieten muss.
    Die LiNKE ist da auch nicht viel besser… Hermann “Wahrheit macht frei” Dierkes.

  5. #5 | Linker Liedersommer: Bandbreite vergrault Rosa-Luxemburg-Stiftung | Ruhrbarone sagt am 23. Juni 2013 um 18:25

    [...] als Mitveranstalterin des Linken Liedersommers auf Burg Waldeck zurückgezogen. Hintergrund waren Uneingkeiten über den Umgang mit der Verschwörungsband Die Bandbreite. Diese hatte trotz ausdrücklicher Ausladung durch die RLS angekündigt, dort [...]

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