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Linkspartei will harte Drogen legalisieren

Mit dem Beschluss, auch harte Drogen wie Heroin und Kokain zu legalisieren, liegt die Linkspartei richtig. Und könnte eine wichtige Debatte auslösen.

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Erinnert sich noch jemand an den Film “Es war einmal in Amerika?“. In ihm gibt es eine Szene, die alles über die Effektivität von Drogenverboten sagt. Zwei Alkoholschmuggler liegen am Strand von Miami als eine Zeitungsbote verkündet, dass die Prohibition aufgehoben wird. Die beiden sind am Boden zerstört, denn ihrem illegalen, aber lukrativen Geschäftsmodell wurde damit der Boden entzogen.

Ich würde gerne erleben, dass dies Drogenhändlern auf der ganzen Welt passiert. Es gibt keinen effektiveren Schlag gegen die unterschiedlichsten Mafia-Organisationen als die Legalisierung von Drogen. Ganze Länder wie Afghanistan, Teile Mexikos und Kolumbien könnten aus dem Griff der Banden befreit werden, wenn ihre finanzielle Basis, der Handel mit illegalen Drogen, wegfallen würde. Nebeneffekt: Drogen würden billiger werden – die Beschaffungskriminalität zurück gehen.

Aber es gibt nicht nur kriminalistische Gründe, die für eine Legalisierung sprechen.

Drogen gehören zur Zivilisation dazu – das Gefasel von einer drogenfreien Gesellschaft ist so hirnlos wie unrealistisch.  Das gilt es anzuerkennen. Und Drogen sollten möglichst wenig schädlich sein. Deswegen sollten sie von normalen Pharmafirmen hergestellt werden. Heroin von Bayer,  die haben es ja immerhin erfunden, wird sicher weniger Schäden hervorrufen als Krok aus irgendwelchen russischen Drogenküchen. Eine Legalisierung von harten Drogen wird die Zahl der Drogentoten massiv senken.

Und werden mehr Leute Drogen nehmen, wenn sie legal sind? Kann sein, dass es ein paar mehr werden.  Wir leben in einer Drogen-Gesellschaft.  Drogen gehören zu unserem Alltag. Aufklärung kann den Menschen helfen, die Gefahren zu erkennen und vernünftig mit Drogen umzugehen.  Unter dem Strich werden wir alle von einer Legalisierung von Drogen profitieren.

Komischer Tag. Ich stimme in einer Frage der Linkspartei zu. Bin mal gespannt, was heute noch so passiert :-)

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30 Kommentare zu „Linkspartei will harte Drogen legalisieren

  • #1
    Helmut Junge

    Stefan, vor so einem weißen Kaninchen haben mehr Leute Angst, als vor einem Bombenkrieg. Die Grace Slick sah damals übrigens richtig gut aus, finde ich.

  • #2
  • #3
  • #4
    Thomas

    Es ist schon ein interessantes Paradoxon, das die asketischste Partei von allen in Sachen Drogenpolitik die weitestgehenden Positionen vertritt.

    Übrigens ist der drogenpolitische Sprecher der Linkspartei-Bundestagsfraktion, der heute Vormittag den recht knapp angenommenen Antrag eingebracht hatte, Kriminalbeamter.

    http://www.frank-tempel.de/lebenslauf.html

    Und auch deren rechtspolitischen Sprecher kann man eine gewisse Drogenexpertise zuweisen.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Wolfgang_Ne%C5%A1kovi%C4%87

  • #5
  • #6
    Jan

    Legales Heroin wäre billiger aber nicht discounterbillig wie Tetrapak-Fusel oder No-Name-Fluppen und die Konsumenten wären weiterhin überwiegend nicht in der Lage ihren Lebensunterhalt selbst zu bestreiten, geschweige denn ihren Konsum zu finanzieren.
    Das Ende der Beschaffungskriminalität bleibt ein frommer Wunsch – und die Wirkweise von harten Drogen scheint eher zu entzugsbedingten Verzweiflungstaten zu führen bei Gesellschaftsdrogen wie Tabak und Alkohol. Von schmachtenden Rauchern, die Omis die Handtaschen entreißen oder Einbruchserien durch Alkoholiker hört man eher selten.

    Wieviel Euro jagt sich der deutsche Durchnitts-Junkie derzeit pro Tag in die Vene? Wieweit könnte das absinken? Wo liegt der afghanische Schwarzgroßmarktpreis, den ein legaler Großimporteur zahlen müsste? Wie würden sich Drogennetzwerke, die in Deutschlands Nachbarländern agieren? Würden die nicht in Afghanistan die Einkaufspreise hochtreiben und lieber auf eigene Gewinnspanne verzichten, als künftig in Europa mit dem Billigstoff zu konkurrieren?
    Rückgänge in der Beschaffungskriminalität des einzelnen Süchtigen, weil dessen persönlicher Fehlbetrag möglichweise sinken könnte, würden wohl aufgefangen durch Süchtigen-Zuwanderung, die aus EU-Nachbarländern aufgrund der Niederlassungsfreiheit vollkommen legal wäre …

  • #7
    Helmut Junge

    @Jan (6),

    Du hast übrigens ganz vergessen zu erwähnen, dass manch einer, der Suizid begehen will, dann nicht mehr mehr vor die Lok springt, sondern sich lieber zu Tode spritzt. Die Zahl der Drogentoten würde also auf jeden Fall ansteigen.
    Aber die Produktionskosten würden so stark sinken, dass der Endpreis, vor der Steuer natürlich, auch für Junkies erschwinglich wäre. Die müßten dann nicht kriminell werden. In dem Punkt stimme ich Dir nicht zu. Das Zeug wäre für Kartelle nicht mehr lukrativ, es gäbe deshalb in Mexiko! keine Drogenkriege mehr unter den Kartellen. Nicht mehr deswegen.

    @Stefan Laurin,
    ich finde übrigens, dass die zukünftige Realpolitikerin, die Sahra Wagenknecht eigentlich immer schon war, besser als Vorsitzende der Linkspartei geeignet ist, als das jetzige Gespann, oder sagen wir mal, besser als die alten Männer, die das schon mal gemacht haben. Was meinst Du?

  • #8
    Stefan Laurin Autor

    @Helmut: Ich kann das nicht beurteilen. Wagenknecht mag ich nicht, das Doppel-Null Duo auch nicht :-)

  • #9
    Ulrich

    Die Linke will Kokain legalisieren. Da kann wohl kaum noch jemand behaupten die Partei habe kein Herz für Investment-Banker ;-)

  • #10
    Jan

    @6
    Wieso sollten die Drogenkriege in Mexiko aufhören, nur weil ein im Gesamtzusammenhang recht unbedeutendes Abnehmerland die Drogen legalisiert?
    Wird das Geschäft dadurch in Mexiko legal?
    Überhaupt ist es nicht trival, einen legalen und regulierten deutschen Drogenhandel in illegal internationale Vertriebswege einzuklinken!

  • #11
  • #12
    Helmut Junge

    @10
    Wenn die künstlich durch Gesetze verengten Wege zu den Endverbrauchern offen werden, also mehr Produkte auf den Markt kommen, dann sinkt der Preis. So funktioniert das im Allgemeinen. Wenn nur ein einziges Land den Weg öffnet, wird sich in Mexiko nicht viel ändern. Das ist wahr. Als die Europäer und die Amerikaner die Drogengesetze einführten, haben sie das damals gemeinsam gemacht. Wenn der umgekehrte Weg beschritten werden soll, sollte das auch gemeinsam gemacht werden. Allerdings müßte es einen Anfang geben. Das ist immer so. Einer muß anfangen. Solche Anfänge gibt es bereits. Holland und Tschechien haben einen vorsichtigen Anfang gemacht.
    Die internationalen Vertriebswege?
    Hab nichts von Problemen gelesen.
    Da scheinen mir unterschiedliche Regeln in Europa für den Kreisverkehr schon gefährlicher zu sein. Also, warum sollte Deutschland nicht starten?
    Aber worüber reden wir eigentlich? Die Linkspartei will ja gar nicht richtig.

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  • #15
    Rudi Gems

    Drogen zu legalisieren, wäre kein brauchbarer Schritt. Man müsste Drogen, von Ärzten und Apotheken, ausgeben lassen, das wäre eine entscheidende Verbesserung. Damit gingen den Dealern, die Kunden verloren. Und es würde nichts mehr bringen, neue Konsumenten anzufixen.

    Drogen, zu legalisieren, hieße, das sie genauso wie Alkohol und Nikotin, offen gekauft werden könnten. Das Risiko, das sie dann, in Kinderhand gelangen könnten, wäre viel zu hoch.

    Grüße, Rudi Gems

  • #16
    Eva

    Illegale Drogen zu legalisieren, halte ich für den richtigen Schritt. Und zwar, weil dann endlich die unsinnige Unterscheidung zwischen legalen und illegalen Drogen wegfallen würde. Die jetzige Gesetzgebung suggeriert, dass die illegalen Drogen gefährlich und deswegen zu verbieten seien, wohingegen es andere Suchtmittel gibt (Alkohol und Nikotin), die man ruhigen Gewissens zu sich nehmen kann, da sie ja erlaubt sind. Ein Blick in Statistiken offenbart den Irrsinn dieser Unterscheidung. Die Zahl derjenigen, die jährlich an den Folgen des Konsums illegaler Drogen sterben, bewegt sich im drei- bis vierstelligen Bereich, wohingegen jedes Jahr Hunderttausende an den Folgeschäden von Alkohol- und Nikotinsucht sterben. Und ebenso wie es viele Menschen gibt, die Alkohol trinken, aber weit entfernt von einer Sucht sind, gibt es auch viele, die gelegentlich illegale Drogen konsumieren, ohne deswegen totgespritzt auf dem Bahnhofsklo zu enden.
    Da es unbestreitbar ein Bedürfnis nach Rausch gibt, denn zu allen Zeiten haben Menschen berauschende Substanzen zu sich genommen, wäre es einfach nur folgerichtig, jedem selbst die Entscheidung zu überlassen, ob er/sie überhaupt Drogen nimmt, und wenn ja, welche.

  • #17
    Hugo

    Das eigentlich wichtigste wurde vergessen (oder ich habe es übersehen). Ich studiere in Holland und hier ist wie ja so manche wissen das Kiffen erlaubt. Die Holländer nutzen die Möglichkeit jedoch gar nicht das sind zu über 90% Touristen. Und bei Galileo wurde in einer Sendung gesagt das in Holland der ProKopfKonsum geringer ist als in Deutschland. Auch können wir uns an Amerika zurück erinnern. Der meiste Alkohol wurde konsumiert, als er illegal war. Seitdem geht der Konsum stetig zurück!

  • #18
    cornholio

    eine entkriminalisierung des besitzes und des gebrauchs nach dem beispiel portugals würde mir schon reichen. die portugisen haben damit still und heimlich einen riesen erfolg gefeiert. wem wir es zu verdanken haben, dass man hier darüber nichts mitbekommt ist klar.
    wer sich darüber informiren möchte, dem sei hier ein erster anstoß gegeben.
    aber je weitreichender die legalisierung, desto besser.
    eine schöne vorstellung, wenn sich junge leute in ihrem schrebergarten wieder sinvoll beschäftigen. =)

  • #19
    Max

    Ich kann dir nur Recht geben. Zum einen zur Aussage, dass die beste “Bekämpfung” von Drogenkriminalität die Entkriminalisierung selbst ist. Und zum anderen – noch wichtiger – dass die Vorstellung einer drogenfreien Gesellschaft eine Illusion ist (nach der jeder Drogenkonsum eine negative Abweichung verstanden werden muss). Grüße, M.

  • #20
    np

    Ich würde noch einen Schritt weitergehen und sagen, dass sich der Staat das Verkaufsmonopol sichern sollte und das dazu nutzt um der Mafia die Preise kaputtzumachen. Wenn der Stoff zum Herstellungspreis (oder leicht darüber, manche Drogen sind ja ziemlich billig herzustellen) vertickt wird, können die Kartelle einpacken.

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  • #22
  • #23
    Jan

    @16
    Also im Gegensatz zum Durchschnittsdeutschen, der sich am Wochenende mal ein Bierchen gönnt, gibt es nicht unbedingt den Wochenend-Junkie! Heroin wirkt ganz anders und macht auch bei Minimalkonsum schon schwerst süchtig.

    @18
    Wenn ich das richtig verstehe, ist der portugiesische Weg eher Nicht-Bestrafung als Anreiz, Hilfe anzunehmen, aber nicht die staatliche Ausgabe von Drogen …

    @20
    Soll der Staat dann auch selber auf Bundesopiumplantagen anbauen oder von welchen ehrenwerten Herrschaften soll er das Zeug ankaufen? Selber tun, was er vorher noch streng verboten hat?
    Vor allem: seit wann sind Monopole preissenkender als ein Polypol, in dem ein Anbieter eine aggressive Dumpingstrategie verfolgt?

  • #24
    cornholio

    @jan
    im juni habe ich erstmals davon auf telepolis gelesen. es gelten natürlich gewisse obergrenzen.
    dort heißt es:

    In der Praxis dürfen Konsumenten nicht mehr als 10 Tagesdosen mit sich führen, das sind 0,1g Heroin, 0,1g Ecstasy, 0,2g Kokain oder 2,5g Cannabis. Überschreiten sie diese Menge, werden sie der normalen Gerichtsbarkeit überführt.

    aber auch der rest scheint gut durchdacht:

    Seit dem 1. Juli 2001 steht nun der Erwerb und Gebrauch jedweder Droge zum persönlichen Vergnügen oder der Ruinierung der Persönlichkeit nicht mehr unter Strafe. Sie landen als Vergehen gegen die öffentliche Ordnung vor einem regionalen Gremium der CDT (Comissões para a Dissuasão da Toxicodependência). Dieses Gremium besteht aus einem Rechtsexperten, einem Sozialarbeiter und einem Arzt. Es kann durchaus Bußgelder verhängen oder die Mitarbeit in einem sozialen Dienst verordnen, primäres Ziel aber ist es, den Delinquenten, falls nötig, in eine therapeutische Maßnahme zu überführen.

    den gesamten artikel gibt es hier.
    ansonsten macht sich google ganz gut: portugal+drogenpolitik u.s.w.

  • #25
    rtq

    @22 Ullo
    Eben das ist nicht der Sinn einer Drogenlegalisierung. Die Menschen, die Krok kaufen, wollen eigentlich Heroin und denken auch Heroin gekauft zu haben. Daß das, was sie sich in die Blutbahn gespritzt haben, eben kein Heroin war, merken sie einfach zu spät. Hätten sie (legalen) Zugang zu echtem Heroin, würde das Krok beim Dealer “verschimmeln”.

    @23 Jan
    “Soll der Staat dann auch selber auf Bundesopiumplantagen anbauen oder von welchen ehrenwerten Herrschaften soll er das Zeug ankaufen? Selber tun, was er vorher noch streng verboten hat?”
    Ja, nach einer Legalisierung wäre es ja nicht mehr verboten. Wahrscheinlich gäbe es aber keine “Bundesopiumplantagen”, sondern eine Anzahl von Schlafmohnbauern, wie es sie auch vor dem II. Weltkrieg in Deutschland gab.

    “Vor allem: seit wann sind Monopole preissenkender als ein Polypol, in dem ein Anbieter eine aggressive Dumpingstrategie verfolgt?”
    Bei Drogen gibt es kein Polypol und schon gar keine aggressive Dumpingstrategie. Es gibt zwar eine Menge Kleindealer, diese beziehen ihre Ware, über diverse Zwischenhändler, immer bei einer Handvoll schwerkrimineller Drogenkartelle. Diese Kartelle haben null Interesse daran, sich gegenseitig die Preise kaputtzumachen.

    Außerdem möchte ich noch anmerken, daß Opioide, auch bei Langzeitgebrauch, nicht zu Organschädigungen führen. Ansonsten wäre eine Langzeittherapie mit Opiaten bei Schwerkranken schlicht unverantwortlich. Die Elendsbilder, die wir bei Heroinabhängigen im Kopf haben, werden nicht durchs Heroin, sondern durch die Streckmittel (z.B. Arsen, Strychnin, Fentanyl, Reinigungsmittel u.v.m.) darin verursacht.

  • #26
    Jan

    @25 rtq
    Also ich kann mir nur schwer eine Opiumlandwirtschaft vorstellen – Felder innerhalb Deutschlands würden “Selbsterntende” anlocken und der eine oder andere Bauer würde sicher auch mal einen “Nebenabnehmer” finden.
    Und welchen Preis sollte der Staat dafür zahlen? Wieviel Gewinn gesteht er einem Opiumbauern zu? Welchen Preis sollte der Staat verlangen? Einen exakten Selbstkostenpreis kann man nicht finden: es würde weder akzeptiert werden, dass der Staat Drogen subventioniert, noch, dass er daran verdient.
    Das Polypol, oder meinetwegen auch Oligopol, wären der Staat und seine illegale Konkurrenz – nicht ausschließlich die Kartelle. Zumal: wie sollte man ein solches Monopol durchsetzen? Wie wirksam illegaler Drogenhandel zu bekämpfen ist, sieht man doch schon gegenwärtig.

  • #27
    Helmut Junge

    Bei Wikipedia fand ich einen Artikel über den Mohnanbau, in dem mir folgende 2 Anmerkungen besonders auffielen:

    “Das frühe Christentum, das in einer Krankheit eine Strafe Gottes sah, verbot im 4. Jahrhundert die Anwendung von Opium als schmerzstillendes Mittel. Karl der Große erneuerte dieses Verbot 810; Mohnsaft galt als Satanswerk.[6] Mit der arabischen Medizin kehrte Opium nach Europa zurück.”

    und

    “Es sind weiße, graue und blaue bis blauschwarze Mohnsaaten erhältlich. Die weißen Sorten stammen zumeist aus Indien, die bei uns gehandelten blauen Sorten stammen zumeist aus der Türkei, aus Tschechien, Ungarn und Australien. Jährlich werden in Deutschland rund 8000 Tonnen Mohnsaat verarbeitet. Zur Samengewinnung wird ausschließlich Schlafmohn verwendet, denn andere Mohnsorten gelten als wenig ergiebig oder unbekömmlich.”

    http://de.wikipedia.org/wiki/Schlafmohn

  • #28
    Jan

    @27
    Wenn sich da nicht mal jemand ein Rauschmonopol aus Messwein und Weihrauch basteln wollte ;)

  • #29
    rtq

    #26 Jan
    Also z.B. in Österreich ist der Schlafmohnanbau gestattet, es ist mir nicht bekannt, daß dort “Selbsterntende” ein großes Problem wären. Das liegt vermutlich daran, daß Junkies mit Rohopium ihre Sucht nicht ausreichend befriedigen können. Sie müßten zuerst das Morphin aus dem Rohopium, welches man auch nicht im “Vorbeigehen” ernten kann, extrahieren, um daraus dann Heroin zu synthetisieren. Das dürfte zumindest den Durchschnittsjunkie überfordern.

    Zur Preisgestaltung: Der Preis pro Kilo Rohopium bewegt sich z.Z. zwischen
    $ 100 im “goldenen Dreieck” und ca. $ 400 in Afghanistan. Wäre der Anbau legal, lägen die Preise viel tiefer. Selbst wenn man von $ 400 ausgeht, liegen die Herstellungskosten für reines Heroin bei unter $ 5 pro Gramm. Dieser Preis ist aber hypothetisch, denn die Kartelle kaufen das Zeug tonnenweise und landen so bei einem Herstellungspreis von ca. $ 1 pro reinem Gramm Heroin. Geht man hier, in Deutschland, von einem Straßenverkaufspreis von € 30 pro Gramm, bei vielleicht 25 % Reinheitsgehalt (liegt oft noch darunter) aus, so kostet hier ein Gramm reines Heroin auf der Straße € 120 = ca. $ 165. Wahnsinn, nicht wahr? Dieses Geld landet ausschließlich bei Kriminellen.

    Jetzt mal angenommen Heroin wäre legal und würde in Deutschland kontrolliert hergestellt. Da in Deutschland vieles etwas teurer ist, setze ich jetzt mal einen Herstellungspreis von € 3 pro reinem Gramm Heroin an. Ein Verkaufspreis von
    € 10 wäre realistisch und würde sich z.B. wie folgt zusammensetzen:
    € 3 Herstellung + € 4 Steuern + € 1 Transport + € 2 Gewinn für den
    (End-)Verkäufer. Die Vorteile liegen auf der Hand; Hersteller, Staat und
    (End-)Verkäufer machen ihren Schnitt, wobei Hersteller und Verkäufer ihren Gewinn ja auch noch versteuern müßten. Der Junkie macht auch seinen Schnitt; es entfällt der Beschaffungsdruck, der bisher einen Großteil der Zeit im Leben eines Junkie verbraucht, der Junkie bleibt (relativ) gesund und kann am sozialen Leben teilhaben. Die Gesellschaft macht ebenso ihren Schnitt, da die Beschaffungskriminalität (Diebstahl, Raub, Betrug u.ä.) größtenteils wegfällt. Die einzigen Verlierer, die ich hier sehe, wären die Kriminellen; sie wären im Fall der Legalisierung schlagartig ihrer Einnahmen verlustig.

    Bei dem jetzt von mir angenommenen Verkaufspreis muß der Staat auch keine illegale Konkurrenz fürchten. Da der Verkauf von Drogen außerhalb der lizensierten “Drogengeschäfte” weiterhin illegal wäre und auch mit hohen Strafen belegt würde, wäre der illegale Verkauf einfach nicht mehr profitabel genug.
    Richtig rund würde die Sache, wenn der Staat die erzielten Steuern
    -ausnahmsweise einmal- zweckgebunden für Drogenaufklärung, von mir aus auch für Drogenprävention, verwenden würde. Na ja, jetzt träume ich wohl.

    Zu guter Letzt: Ich bin überhaupt kein Fan der Linken, im Gegenteil, wenn ich an Gestalten wie Herrn Dierkes denke, wird mir speiübel. In diesem speziellen Fall hat DIE LINKE ausnahmsweise meine Sympathie. Die Drogenproblematik ist viel zu ernst, man sollte sie nicht ideologiebehaftet diskutieren.

  • #30
    jschlott

    Was ich seit Jahrzenten wirklich spannend finde, ist die aufgeregte und oft auçh unsachliche Art der Diskussion um Drogen. Allein sprachlich gibt es ein heilloses Durcheinander. Was sollen den “harte Drogen” sein? Drogen deren übermäßige Einnahme zum Tod führt? Dann muss auch Schnaps dazu gezählt werden. Das Verbot von Schnaps ist Gott sei Dank in Deutschland nicht mehrheitsfähig.
    Ich nehme gerne Drogen.
    Sagt diesen Satz mal beiläufig beim Mittagessen. Ihr habt sofort eine wunderbare Diskussion. Der Satz wird auf die meißten von Euch passen. Viele von uns konsumieren Alkohol regelmäßig und eine ganze Menge werden das auch mehr oder weniger kontrolliert hinbekommen. Das entscheidende Adjektiv, welches regelmäßig vergesssen wird, ist “legal” bzw. “illegal”. “Legalisiert bzw illegalisierte Drogen” gefällt mir aber noch besser.
    Die Unterscheidung zwischen harten und weichen Drogen ist mE. wenig hilfreich, da viel zu diffus.
    Ach ja, selbstverständlich bin ich für die Legalisierung von psychoaktiven Substanzen wie Heroin, Cannabis usw. Selbstverständlich gehört dazu, dass man sich gleichzeitig darüber Gedanken macht, wie diese Substanzen zum Konsumenten kommen. Schnaps und Zigaretten verkaufen wir ja auch nicht an Kleinkinder!
    Schade, dass in Deutschland nur die Linkspartei hier ansatzweise ein vernünftige Position entwickelt, die wähle ich nämlich bestimmt nicht ;-)
    Aber ich bin sicher, irgendwann werden die anderen Parteien nachziehen. An Windkraft hat die Mehrheit vor zwanzig Jahren auch nicht geglaubt und nun könnte man fast meinen, dass die CDU sie erfunden hat. Auch schön…

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