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Naziaufmarsch in Dortmund: Verletzte Piraten-Politikerin, erfolgreiche Proteste und immer weniger Nazis

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Gestern war kein guter Tag für die Neonazis in Dortmund: Wegen Blockaden musste nicht nur der Standort der Demonstration verlegt werden, auch der Marsch durch den Dortmunder Osten wurde immer wieder verzögert. Mit 370 Nazis wurde die groß angekündigte bundesweite Demonstration der Partei „Die Rechte“ gegen Verbote von Naziorganisationen trotz Rednern aus ganz Deutschland zum Flop: Am 1. Mai kamen noch fast 500 Nazis nach Dortmund, obwohl es zahlreiche Konkurrenzveranstaltungen aus dem braunen Lager gab. Gestern waren es nach Polizeiangaben keine 400. Ein Flop, umso mehr, wenn man bedenkt, dass der im vergangenen Jahr verbotene Nationale Widerstand Dortmund (NWDO) in früheren Jahren zum ebenfalls im Spätsommer zeitweise über 1000 Rechtsradikale beim „Antikriegstag“ auf die Straße bekam.

Auch die Dortmunder haben dazu ihren Beitrag geleistet. Seitdem die Polizei Protest in der Nähe des Naziaufzugs zulässt, auch das ein Verdienst Wesselers, kommen sie auf die Straße: Gestern gab es mehrere  Blockaden und an mehreren Stellen marschierten die Nazis unter den Pfiffen und Schmähungen ihrer wütenden Gegner. Insgesamt waren es über 1000.

Zur Eskalation kam es kurz vor dem Ort der Nazi-Abschlusskundgebung an der Kreuzung Saarlandstraße/Märkische Straße, als ein Nazi einen sogenannten „Polenböller“ in die Reihen der Demonstranten warf und dabei mehrere Menschen verletzte – unter anderem einen Polizeibeamten und die Piraten-Landtagsabgeordnete Birgit Rydlewski. Als die Polizei später den Täter, gegen ihn wird wegen des Verdachts der gefährlichen  Körperverletzung ermittelt, aus dem braunen Demozug holte, kam es zu Auseinandersetzungen zwischen den Nazis und der Polizei. Mehrere kurzzeitige Festnahmen und eine Auflösung der Kundgebung waren die Folge.

Mehr Proteste, weniger Nazis auf der Straße: Das Problem der Dortmunder Rechtsradikalen  hat einen Namen: Christian Worch. Seitdem der Altkader mit seiner Partei „Die Rechte“ in Dortmund mitmischt, geht es mit der braunen Szene der Stadt bergab: Zwar konnten durch die Partei  organisatorische Zusammenhänge weitergeführt werden, die durch das Verbot des NWDO zerschlagen worden waren, aber die Anschlussfähigkeiten des NWDO hat die Worch Partei nicht erreicht. Die von dem  vor allem bei den Nazis im Osten umstrittenen Worch geführte Partei kann weder bei den Nationalen Autonomen noch im Kreis der NPD auf dem Niveau mobilisieren, wie es der NWDO konnte. Der Neustart unter dem Label „Die Rechte“ ist ein Flop. Die Verbotsstrategie von NRW-Innenminister Ralf Jäger und der harte Kurs von Dortmund Polizeipräsident Norbert Wesseler haben die Dortmunder Naziszene zwar nicht beseitigt, aber geschwächt.  Und die Dortmunder haben angefangen, den Protest gegen die Nazis ernst zu nehmen. Damit ist das Nazi-Problem in Dortmund noch nicht gelöst – aber es ist eine Basis da, dieses Ziel anzugehen.

Eine Chronik des ganzen Tages findet ihr in unserem gestrigen Liveticker.

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Verlaufen: Jodel-Hitler in Dortmund

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Klein, aber fein: Die Blockade auf der Gerichtsstraße sorgte dafür, dass der Startpunkt der Nazidemo verlegt werden musste.
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Protest am Rand der Nazistrecke

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Kundgebung gegen den Naziaufmarsch im Gerichtsviertel

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Auch am Ort der dann von der Polizei aufgehobenen Abschlusskundgebung wurde gegen demonstriert.

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Eskalation an der Märkischen Straße nach Nazi-Angriff  auf Demonstranten.

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Verhaftungen, Anklagen: Keine Partystimmung am Ende bei den Nazis.

 

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