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Update: Tauss und die Reaktionen

Gestern habe ich das milde Urteil gegen Jörg Tauss angegriffen. Weil der Kinderschänderbildchensammler nur eine Strafe auf Bewährung bekommen hat. Seither toben sich in den Kommentaren die Tauss-Verteidiger aus. Das Gericht wird angegriffen, weil es Tauss nachgewiesen hat, dass dieser die ekeligen Bilder gesammelt hat. Ich werde angegriffen, weil ich meiner Meinung klare Worte gegeben habe. Gut. So soll es sein. Wer austeilt, muss auch einstecken.

Aber es gibt fünf Punkte, die mich jetzt immer noch extrem ärgern.

1) Während die Piraten endlich politische Verantwortung zeigen und dem Vergewaltigungsbildermann Tauss nahe legen, die Partei zu verlassen, um noch mehr politischen Schaden von den Piraten abzuwenden, kämpfen hier etliche Kommentatoren die letzte Schlacht um den hoffentlich bald Ex-Piraten Tauss. Akzeptiert endlich, dass der schon Ex-SPD-Politiker Tauss Unrecht getan hat. Er hat verloren. Tauss hat Bilder von ekeligen, kriminellen Verbrechen gesammelt. Das ist nicht zu entschuldigen – wie das Gericht befunden und geurteilt hat. Ihr mögt Tauss als Mensch leiden – seine Tat ist trotzdem verwerflich.

2) Natürlich kann ich hier bei den Baronen meine persönliche Meinung sagen. Und ein ekeliges Verbrechen verdient in meinen Augen klare, deutliche Worte und kein schwurbeliges Drumherum, wie dieses abstoßende verniedlichende “KIPO”, dass der Verteidiger von Tauss im Prozess benutzte. Wer meint, das Tauss-Verbrechen müsse mit einem netten einerseits-andererseits Kommentar abgehandelt werden, der irrt. Es geht bei der Tauss-Sammlung um die Bilder von einigen der miesesten Straftaten, die ich mir denken kann. Wer sich sowas runterzieht, ist selbst ein Verbrecher. Und wir reden hier nicht von Polizisten und Staatsanwälten, die sich den Dreck ansehen müssen, um die Täter zu überführen.

Update

Widerruf – Korrektur

Hier stand eine Passage in der wir behaupteten, Tauss habe am Anfang so getan, als ob ihm das bei ihm gefundene Handy nicht gehört habe. Wir haben uns dabei an einer fehlerhaften Darstellung von Spiegel-Online orientiert. Nach Gesprächen mit der zuständigen Staatsanwaltschaft müssen wir einräumen, dass Tauss nie bestritten hat, das ihm das Handy mit den Kinderpornographischen Darstellungen gehört. Für diesen Fehler entschuldigen wir uns.  Stefan Schröder, Stefan Laurin

3) Ich bin mir sicher, selbst wenn bei uns in den Kommentaren etliche Leute verschwörungstheoretisch das Gericht anzweifeln, vertrauen die meisten Menschen dem Urteil. Das Bild in unseren Kommentaren verzerrt die Wirklichkeit. Blindwütig wird gegen die klaren Worte gehetzt.

4) Mich erbarmt es, wenn sich die Kommentatoren mehr damit beschäftigen, Tauss reinzuwaschen, als an die Kinder zu denken, die von dreckigen Verbrechern vergewaltigt wurden, damit Leute wie Tauss die Bilder kaufen konnten. Leute wie Tauss bilden den Markt, den die Vergewaltiger nutzen, um mit ihren Verbrechen Geld zu machen.

5) Ich habe einen Fehler gemacht, als ich schrieb, das Gericht habe geurteilt, Tauss habe sich den Dreck zu seinem sexuellen Spaß besorgt. Diesen Fehler habe ich transparent korrigiert – auch wenn ich Tauss kein Wort glaube. Aber egal. Aus der Korrektur eines Fehlers, eine wilde Verschwörungsarie zu starten, wie es einige Tauss-Verteidiger in den Kommentaren taten, finde ich behämmert. Auch hier das starkes Wort, weil die Vorwürfe in meinen Augen völlig absurd sind.

Und Ende.

Aufgrund der aktuellen juristischen Auseinandersetzung mit Jörg Tauss haben wir die Kommentarfunktion ausser Kraft gesetzt.

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74 Kommentare zu „Update: Tauss und die Reaktionen

  • #51
    wort_zum_sonntag

    Hallo Herr Schroeder,
    Herr Tauss ist dreimal gevierteilt und gekreuzigt worden. Seine soziale Existenz ist zerstört. Nun muss es aber auch einmal gut sein.
    Wenn schon Jörg Tauss so exzessiv vernichtet werden muss, was müssen wir dann zum Beispiel mit den Jesuiten tun? Exzesse sind ja kein Heilmittel.
    Die Piratenpartei ist vielleicht KEIN Club von Leuten, die alle “Richter gnadenlos” sein wollen. Es sind vielleicht Leute, die sagen: Die Tat ist bestraft worden, jetzt lasst uns zivilisiert miteinander umgehen.
    Mich erschreckt, wie erbarmungslos und hart Sie sind. Ist das typisch deutsch, diese Gnadenlosigkeit? Ganz unabhängig vom ganzen Fall Tauss, ganz grundsätzlich: Es ist doch auch jemand, der Verwerfliches getan hat, ein Mensch. Mit Menschenwürde.
    Die Piraten sind vielleicht Leute, die NICHT auf jemand, der schon am Boden liegt, noch eintreten wollen.

  • #52
    Palov

    Sich als “Tauss-Freund” abstempeln zu lassen, nur weil man es nicht in Ordnung findet, wie hier “gerichtsfeste” Lügen verbreitet werden (und nein, der Kommentar à la “hat doch nicht so ganz gestimmt, aber glaub ihm kein Wort” war keine akzeptable Korrektur!) ist wirklich nur noch eine Frechheit.

    Ich bin schonmal gespannt, ab wann die Kritiker hier auch als “ergötzende” und “sich aufgeilende” “Kinderschänderbildchensammler” hingestellt werden.

    Was die Kernaussagen des Ursprungsartikels (Strafe zu lasch / Tauss raus aus Piratenpartei) angeht, stimme ich sogar mit dem Autor überein, dennoch möchte ich von ihm ganz bestimmt nichts mehr lesen.

  • #53
    Jens

    “Dem sich an Kinderschändungen ergötzenden Piratenpolitiker ist nun gerichtsfest nachgewiesen, dass er sich Bilder von Kindervergewaltigungen besorgt hat, um sich daran aufzugeilen.”

    Selbst, wenn es nicht vom Gericht so festgestellt wurde. Wer bitte glaubt etwas anderes? Wofür sonst hat er Kindervergewaltigungs-Bilder gesammelt? Seid nicht so naiv. Es ist pervers diesen Tauss zu bedauern und zu verteidigen. Denkt mal darüber nach, an was für Leid und Elend er sich ergötzt. Die Piraten und deren Freunde scheinen nicht einmal Ihr einziges Thema in den Griff zu bekommen und opfern Kinder dafür. Erbärmlich!

  • #54
    Das_Gewissen

    Bzgl. des Falles Tauss werden die Ruhrbarone ja schon auf recht unübliche Weise angegriffen.

    http://tantejay.blogspot.com/2010/05/schlechter-journalismus-am-beispiel.html

    Mein Kommentar dazu, den ich der Einfachheit halber, hier reinkopiere:

    29. Mai 2010 22:55
    Anonym hat gesagt…
    Entschuldigung, mir liegt da eine Frage auf der Zunge. Wenn bei den Ruhrbaronen Kinderschänderbildchensammler steht und hier wird daraus Kinderschänder gemacht, nennt man das neuerdings seriös?
    Hier der Link dazu:

    http://www.ruhrbarone.de/tauss-und-die-reaktionen/

    Ich würde eigentlich gerne mal wissen, was diejenigen erwarten, welche meinen, das Verhalten von Tauss rechtfertigen zu müssen.
    Tauss hatte als Abgeordneter jede Möglichkeit sich früh genug mit den Ermittlern bzgl. Kinderpornografie in Verbindung zu setzen, wäre er “zufällig” darauf gestoßen. Er hat es gesucht, gefunden und abgespeichert. Wozu speichert man denn sowas Abartiges? Um die Ermittlungen zu unterstützen sicher nicht. Jeder normale Bürger ist verpflichtet, wenn er auf sowas im Internet stößt sofort den Behörden zu melden. Ein Abgeordneter, der für Ermittlungen sowieso nicht zuständig ist, etwa nicht? Es hat schon seine Richtigkeit, dass solche Perversen von den Bürgern geächtet werden und keinen Fuß mehr auf den Boden bekommen. Das ist wirkungsvoller, als ein mildes Gerichtsurteil.

  • #55
    otomo

    Und die Dreckschleuder spuckt weiter. Wer es wagt Joerg Tauss’ Verteidigungslinie Glauben zu schenken macht sich gemein mit Pädophilen und Kinderschändern. Das hat mit Journalismus nix zu tun. Das ist Demagogie a la Frau von der Leyen und co.

    Sie brauchen der Ausführung des Gerichts nicht zu glauben, und Tauss für einen Pädophilen halten. Aber das wie ein tollwütiger Pitbull, der das Schreiben gelernt hat ins Netz zu furzen ist eines Magazins, das auf einigem Niveau agieren möchte unwürdig.

  • #56
    zboson

    @ #54

    Die Artikel von Herrn Schröder wurden mehrfach geändert und in den Formulierungen entschärft, daher sind nicht mehr alle Bezüge darauf verständlich.

    Wenn ich ihre Fragen lese, glaube ich, Sie haben den Artikel, den sie verlinken, nicht wirklich verstanden (http://tantejay.blogspot.com/2010/05/schlechter-journalismus-am-beispiel.html).

    “Ich würde eigentlich gerne mal wissen, was diejenigen erwarten, welche meinen, das Verhalten von Tauss rechtfertigen zu müssen.
    Tauss hatte als Abgeordneter jede Möglichkeit sich früh genug mit den Ermittlern bzgl. Kinderpornografie in Verbindung zu setzen, wäre er “zufällig” darauf gestoßen. Er hat es gesucht, gefunden und abgespeichert. Wozu speichert man denn sowas Abartiges? Um die Ermittlungen zu unterstützen sicher nicht.”

    Ich befürchte zwar, dass das für einige Leser und Autoren der Ruhrbarone jetzt zu kompliziert wird, aber ich versuche eine Erklärung: wir haben in diesem Staat eine Gewaltenteilung zwischen Parlament, Regierung und Gerichtssystem. Interessant für unseren Fall ist das Recht des Parlaments, die Regierung zu kontrollieren.
    http://www.bundestag.de/service/glossar/K/kont_funk.html

    In der Praxis wird dieses Recht durch den Fraktionszwang und Politiker, die “was werden wollen”, nicht in dem Maße ausgeübt, wie es für unsere Demokratie gut wäre (Stichwort “Abnicken” statt Nachfragen). Wenn also die Exekutive (= die Regierung) eine “willige” Mehrheit durch eine Koalition bilden kann, hebelt sie damit die Kontrolle durch das Parlament aus (abgesehen von den “Kläffern” der Opposition mit ihren Reden, Fragerechten, und Untersuchungsausschüssen, die nichts bringen, weil da sich Zeugen “nicht erinnern können” oder rein zufällig interessante Festplatten “unwiederherstellbar defekt” sind).

    Das Gericht hat die dazu gehörenden Paragraphen so gegen Tauss ausgelegt, dass ein Abgeordneter zwingend alles glauben muss, was die Regierung (dazu gehören nachgeordnete Behörden wie BKA etc.) ihm erzählt. Gerade im Fall vdL weiß man ja, dass da durchaus verbogen und gelogen wurde, dass sich die Balken biegen.

    Diese Sicht kann man haben, jedoch ist es durchaus diskussionswürdig, eine andere Sicht zu haben. Ich fände es z.B. merkwürdig, einem Schreiberling wie Herrn Schröder ein Rechercherecht zuzugestehen, einem frei gewählten Abgeordneten, der seinem Gewissen verpflichtet ist, nicht.

    Zur Betonung für die “Schwanz ab”-Franktion hier: es geht um ein Rechercherecht, Herr Tauss ist verurteilt worden, weil er dieses Recht laut Gericht nicht hat. Es geht nicht darum, dass Abgeordnete frei morden dürfen (@Herr Laurin).

    “Jeder normale Bürger ist verpflichtet, wenn er auf sowas im Internet stößt sofort den Behörden zu melden. Ein Abgeordneter, der für Ermittlungen sowieso nicht zuständig ist, etwa nicht?”

    Zum Thema Melden solcher Vorkommen, von mir bereits gestern verlinkt:
    http://www.lawblog.de/index.php/archives/2010/05/28/14424/

    Es kann sich jeder selbst überlegen, ob er das Risiko eingehen möchte, Zufallsfunde im Internet zu melden.

    Zu Herrn Tauss: er ist auf Grundlage der aktuellen Gesetze zum Besitz dieser Materialien korrekt verurteilt worden, d.h. gegen das Urteil an sich ist nichts einzuwenden. Es ist nur zu hoffen, dass es von einer höheren Instanz im Interesse der Demokratie kassiert wird und Abgeordnete eigene Rechercherechte erhalten. Nochmal zur Verdeutlichung: Herr Tauss hat kein Kind missbraucht, keinen umgebracht, niemanden betrogen, sondern recherchiert (wenn wir das einfach mal zu seinen Gunsten annehmen).

    Der Fall Tauss berührt also, für Interessierte und unabhängig von der Person Tauss, einen wunden Punkt unserer parlamentarischen Demokratie. Insofern sind “Schwanz ab”- und “Hängt ihn höher”-Kommentare der Sache nicht angemessen.

    Warum befürchte ich nur, dass dieser Kommentar hier Perlen vor die Säue ist und ich mit der schlimmsten Beleidigung versehen werde, die sich Ruhrbarone-Fans vorstellen können: ein linker Pirat zu sein :-).

  • #57
    Martin

    Ich glaube Tauss auch nicht, ich finde ihn unglaubwürdig. Andererseits glaube ich deswegen nicht zwangsläufig daran, dass er sich sexuell daran ergötzt hat. Der Richter sprach von “Neugier”. Motive sind manchmal schwer durchschaubar und nicht immer begreifbar, möglicherweise für den Betreffenden selbst.
    Das macht die Sache nicht besser, aber es hat m.E. eine andere Qualität. Ich denke tatsächlich, dass die Wahrheit in diesem Fall in der Mitte liegt.

  • #58
    Chat Atkins

    Da hat also jemand hanebüchenen Unsinn geschrieben, wie es die Bild-Zeitung nicht besser gekonnt hätte. Er hat dann die gröbsten Schnitzer ebenso stillschweigend wie nachträglich korrigiert – und jetzt stellt er sich, statt sich mal ein paar Wochen in Selbstbesinnung zu üben, erneut in unverdrossen selbstgerechter Savanarola-Pose hin und verurteilt diejenigen gewissermaßen als Kinderschänder-Komplizen, die ihn mit Logik und Sachkenntnis zu diesen Korrekturen erst getrieben haben. Und er tut dabei noch so, als sei es ihm um blanke Selbstverständlichkeiten gegangen, wie darum, dass Kinderschändungen “eklig” seien, was niemand der seine fünf Sinne beisammen hat, bestreiten würde – alles in wundenstolzer Märtyrerhaltung und gewissermaßen pseudo-tabubrecherisch à la Westerwelle: “Das muss man in Deutschland doch noch sagen dürfen”. Obwohl hier wahrlich niemand Kinderschändungen oder Kinderschänder auch nur im Ansatz verteidigt hat – sondern nur eine korrekte Wiedergabe des Urteils angemahnt wurde. Anstelle dieser trötenden Rodomontaden eines Vorstadt-Seifenkistenredners. Ich fass’ es ja nicht! So etwas von Thema verfehlt …

  • #59
    Stefan Schroeder Autor

    Hi Rene,

    ich glaub auch, bei nem Gespräch wäre das einfach zu lösen. Es gibt ein Grundunterschied und darauf baut alles auf. :-)

    Damit sollte man aber leben können. Menschen sind so. Und solange man sich nicht die Nasen blutig haut, ist das auch OK so, dass man hart debattiert.

    Ich denke aber auch, dass zu einer harten Debatte Positionen gehören, von denen man aus diskutieren kann. Deswegen mag ich das “Auf-der-einen-Seiten-auf-der-anderen-Seite” nicht wirklich – und damit auch die Ambivalenz nicht. Wenn ich was meine, muss ich das so sagen können. Und mir nicht überlegen müssen, wie ich das möglichst feinfühlig unterbringe. Die Leute mitnehmen, sollen doch die Klerikalen.

    Ich freue mich, dass Du meine grundlegende Position für einen Augenblick verstehst, auch wenn Du sie doof findest, denn dann werde meine Äußerungen schlüssig.

    Übrigens kann ich Deine Position und Stellungnahme auch verstehen – obwohl ich sie trotzdem immer noch für falsch halte, weil ich Tauss eben nicht glaube.

    Aus dem gleichen Grund finde ich auch die Geschichten nicht richtig, in denen Tauss eine Mitschuld an seiner öffentlichen Bloßstellung gegeben wird, weil er sich töricht verhalten habe.

    Er hat in meinen Augen keine Mitschuld.

    Er hat die Alleinschuld. Weil er eben Bilder von Kinderschändungen gesammelt hat.

    Aber egal.

    Möge Tauss nun aus der Piratenpartei austreten und in den Geschichtsbüchern versinken. In drei Monaten spricht kein Mensch mehr von ihm. Hoffentlich.

  • #60
    Midnight Angel

    Was mich, ehrlich gesagt. massiv anwidert ist nicht einmal der Shitstorm zwischen der ‘Ich glaube Tauss’ und ‘ich glaube ihm nicht’ – Fraktion. Tauss ist im Rahmen der Gesetze verurteilt worden. Ob zu Recht oder zu Unrecht, darauf werde ich hier nicht eingehen.

    Aber:

    – Das Urteil liegt innerhalb des Gesetzlichen Rahmens, auf einem Niveau, das für Erstverurteilungen bei diesem Delikt üblich ist. Ich folge nicht ganz der Argumentation ‘das sei viel zu lasch’. Es ist das, was im Gesetz steht.

    – Die polemische Hetze einiger Poster hier; die Stimmungsmache in der Linie ‘Wer hier der Meinung ist, irgendetwas, IRGENDETWAS sei Strafe genug, oder man müsse hier noch etwas zu etwaigen Fehlern schreiben, der soll das den Kindern erklären, die wegen Tauss’ Abartigkeit zerfetzt worden sind’ ist schlicht… widerwärtig. Zumindest offiziell heben wir hier noch einen Rechtsstaat. Lynchjustiz, Schwanz-Ab-Stammtischjustiz oder an Instinkte appellierende Stimmungsmache sind da NICHT das, was wir benötigen.

    So, und jetzt flamet noch schön.

  • #61
    Jens

    @zboson (56):
    Kannst Du mir mal eine Mail an vinsalt ät gmail dot com schicken, damit ich Deine eMail-Aresse habe (da ich eine Frage an Dich habe, die ich hier nicht stellen wollte)?

  • #62
    zboson

    @ #54

    Noch eine Ergänzung aus aktuellem Anlass, da Sie ja ein politisch interessierter Bürger sind ;-). Wenn wir also davon ausgehen, dass die Regierung über eine Koalition ihren Kontrolleur, die von uns gewählten Abgeordneten im Parlament, “ruhigstellen” kann, um richtig “durchzuregieren”, reduziert sich die Gewaltenteilung auf Regierung und Gerichtsbarkeit. Na, dämmerts dem Leser der Qualitätsmedien, worauf ich hinauswill ;-)? Wer hindert denn die Regierung öfter mal, verfassungswidrige Gesetze vom hörigen Parlament verabschieden zu lassen bzw. hebt sie später auf (ist genauer formuliert)?

    Genau, das Bundesverfassungsgericht!

    Das ist jetzt natürlich ein bisschen blöd, weil: sieht ja nicht so gut aus, stört bei der Arbeit und kostet auch Geld. Aber dafür gibts ja unseren Horst Köhler, der uns Bürgern den Weg weist ;-):
    http://www.heute.de/ZDFheute/inhalt/0/0,3672,8072160,00.html

    Merke(l): lieber demonstrieren und koalieren statt zu klagen. Geben wir also unsere letzte “Ausputzer”kontrollinstanz einfach selber auf, um die Regierung nicht so zu belasten. Sagt unser Bundespräsident :-).

    Und alles nur, weil Parlamentarier versagen (“Na gut, wir mussten da zu zustimmen, Koalition und so, aber wir hoffen, dass das BVerfG das aufhebt.”). Und laut Tauss-Gericht müssen die sich jetzt auch immer darauf verlassen, was ihnen die Regierung erzählt. Der Kontrolleur muss den Kontrollierten nach Fakten fragen.

    Sollte ich mal meinem Finanzamt erzählen: “was in der Erklärung steht, ist so, und jetzt haut ab.” (Hint: morgens um 5 kommen dann die Jungs von der Steuerfahndung ;-) ).

    Am Ende reagiert dann die Regierung “durch”, kennt man ja aus der Wirtschaft, wenn Ackermann was beschließt, müssen ja auch alle Mitarbeiter folgen. Aber ist das dann noch eine parlamentarische Demokratie aus dem Lehrbuch?

    So, jetzt macht mal schön mit der Person Tauss weiter :-).

  • #63
    Patrizia

    @Zboson

    Die Logik Ihrer Argumentation erschliesst sich mir nicht …

    *lässt sich da aber gerne belehren*

    Nach der von Ihnen erwähnten “Gewaltenteilung” ist Herr Tauss als Abgeordneter
    ganz offensichtlich Mitglied der Legislativen.

    Ihr ins Netz gestellter Link

    http://www.bundestag.de/service/glossar/K/kont_funk.html

    beschreibt die Kontrollfunktion des deutschen Parlaments gegenüber der
    Regierung; aber wie lässt sich daraus ein Recht auf Recherche unter Umgehung
    des gültigen Strafrechts für die einzelnen Abgeordneten herleiten ?

    Angenommen das deutsche Parlament beschliesst ein neues Drogengesetz, oder
    eine neues Drogensgesetz steht zur Beratung an … könnte dann der einzelne
    Abgeordnete im Drogenmilieu recherchieren und sich, wenn er bei seinen
    Recherchen mit dem gültigen Strafgesetzbuch in Konflikt kommt auf sein Gewissen
    oder auf die Kontrollfunktion des Parlaments gegenüber der Regierung berufen ?

    Doch wohl nicht … oder ist Ihr Beitrag so zu verstehen, dass der gewählte
    deutsche Abgeordnete mit Hilfe eines sog. Rechercherechts, was immer Sie jetzt
    auch darunter verstehen, sich jenseits der gültigen Gesetze bewegen darf, also
    quasi über dem Gesetz steht ?

    Es ist zu hoffen, und soweit ich die Gesetzeslage in Deutschland kenne bin ich mir
    da auch ziemlich sicher, dass dieses Urteil im Interesse der Demokratie und im
    Interesse der besonders Schutzbedürftigen, hier die Kinder, nicht aufgehoben
    wird.

  • #64
    zboson

    @ #63

    Herr Tauss ist verurteilt worden, weil §184 b Abs. 5 StGB auf Abgeordnete nicht anwendbar ist. Das hat er gedacht (wenn wir das zu seinen Gunsten annehmen), das Gericht ist dem nicht gefolgt. Es gibt also bereits einen Paragraphen, der Ausnahmen enthält.

    “aber wie lässt sich daraus ein Recht auf Recherche unter Umgehung
    des gültigen Strafrechts für die einzelnen Abgeordneten herleiten ?”

    Es geht mir nicht um ein neues Gesetz oder neue Rechte, ich hoffe von einer Revision, dass Abgeordnete Journalisten und insbesondere Ermittlern (= Exekutive) gleichgestellt werden, damit sie ihre Kontrollfunktionen ausüben können. Gleiche Rechte, nicht erweiterte Rechte. Es geht mir also um den erwähnten Paragraphen, weniger um allgemeine Zusatzrechte.

    Die Legislative muss Fakten der Exekutive selbständig und unabhängig verifizieren können. Dafür gibt es z.B. ja auch die Wissenschaftlichen Dienste des Bundestages. Das sollte für die meisten Abgeordneten reichen, es sind also keine neue Rechte notwendig ;-).

  • #65
    Das_Gewissen

    Kein Mwensch hat etwas dagegen, wenn Tauss ermittelt und seine Kenntnisse den zuständigen Behörden weitergibt. Dazu bedarf es aber nicht einer ganzen Sammlung an Kinderpornofien, ob als Bild oder Film. Was wollte er überhaupt mit dieser Sammlung anfangen? Sicher nicht den zuständigen Behörden übergeben. Wenn die Bedürworter von dem Verhalten von Tauss schon so weit gehen und Überschriften verfälschen, so ist das vielsagend. Folgt man Zobson, darf also jeder Journalist bzw. Abgeordnete sich zukünftig eine Aservatenraum zulegen, um unter Strafe stehende Sachen aufzubewahren. Die Genannten dürften dann sogar Waffen sammeln, von Drogen ganz zu schweigen. Für Ermittlungen reicht es doch aus, festzustellen, wo was zu finden ist und der Rest ist Angelegenheit der zuständigen Behörden. Was hat Tauss überhaupt daran gehindert, die Behörden von seinen Aktivitäten zu unterrichten? Hatten seine “Recherchen” überhaupt einen Wert im Sinne der Ermittlungen?

  • #66
    Patrizia

    @Zbosen

    Ja, wenn Sie so argumentieren und sich genau an die Aussage des Gesetzes
    halten

    http://www.kinderschreie.de/09_internet/strafgesetzbuch.htm

    kann es doch nicht sein, dass Sie die Ausnahme, beschrieben unter Absatz (6),
    Herrn Tauss zubilligen. Hätten Abgeordnete dieselben Rechte wie die Exekutive,
    wäre die Gewaltenteilung aufgehoben und dies wäre ein Verstoss gegen die
    demokratischen Grundprinzipien.

    Genau weil es die Gewaltenteilung gibt, kann sich Herr Tauss nicht auf auf diese
    Ausnahmeregelung berufen. Das hat die deutsche Rechtssprechung, hier das mit
    dem Fall betraute Landgericht, sehr schön erkannt. Deshalb dürfte auch eine
    Revision des Urteils ohne zusätzliche neue Erkenntnisse ausgeschlossen sein.

  • #67
    zboson

    @ #66

    Das Urteil gegen Tauss geht völlig in Ordnung. Es hätte aber auch anders ausfallen können (Beispiel: überführter CSU-Abgeordneter: Fall geräuscharm abgewickelt; UvdL + BKA als Vorführerin dieses Materials vor Journalisten: Fall abgewiesen).

    @ #65

    Tauss ist kein Fallermittler, sondern wollte nach eigener Aussage die Ermittler überprüfen. Das nahm man ihm nicht ab, das war sein Risiko und dafür wurde er verurteilt. Der Rest Ihres Beitrags erledigt sich von selbst, wenn Sie meine Beiträge genauer lesen.

  • #68
    zboson

    @ #66

    Ich habe mir erst jetzt Ihren Link angesehen, die dort dargestellte Version ist nicht aktuell. Nehmen wir diese hier:
    http://dejure.org/gesetze/StGB/184b.html

    Die Berufsgruppen, für die die Ausnahme gilt, ist nicht definiert. Journalisten und Ermittler wurden im Prozess erwähnt. Es ist für mich aber nicht völlig offensichtlich daneben, wenn (Fach)Abgeordnete dazugehören (ergibt sich aus der Stellung eines Abgeordneten in der Gesellschaft; gilt aber z.B. sicher nicht für Privatpersonen). Das Gericht sieht das nicht so, also wird es wohl eine Revision geben, und irgendwann eine Klärung.

    Ein Gedankenspiel: nehmen wir mal an, ein Staatsanwalt würde gegen engagierte private Rechercheure dieser Materialien vorgehen (“Kinderhilfsvereine” o.ä.). Das wäre nach dem Gesetz möglich, da sie auch zeitweilig im Besitz sind. Ganz sicher fallen sie auch nicht unter den Paragraphen 184b. Was würden Sie dazu sagen ;-)?

    Als Abschluss: die Sache ist nicht so einfach, wie es sich Schröder und andere Kommentatoren machen.

  • #69
    Thomas Maier

    Die Frage ist nicht, was man selbst von Tauss hält, sondern wie man damit umgeht. Es gibt auch derzeit Bundestagsabgeordnete, die sich verdeckt über Kinderpornoringe informieren. Das Urteil besagt: Tauss hat sich einfach nur extrem saublöd und naiv angestellt.
    Aber der Titel des letzten Beitrags hier dazu, das ist BILD Niveau. Ich sags nur. Es gibt auch Leute, die die BILD kaufen.

  • #70
    Pyramus

    “Leute wie Tauss bilden den Markt, den die Vergewaltiger nutzen, um mit ihren Verbrechen Geld zu machen.”

    Dass das nicht der Wahrheit entspricht, wollen Sie wohl nicht wahr haben, Herr Schröder.

  • #71
    Das_Gewissen

    StGB 184b besagt:

    (5) Die Absätze 2 und 4 gelten nicht für Handlungen, die ausschließlich der Erfüllung rechtmäßiger dienstlicher oder beruflicher Pflichten dienen.

    Seit wann gehört es zu den dienstlichen oder beruflichen Pflichten eines Abgeordneten, sich eine Sammlung kinderpornographischen Materials zuzulegen? Demnach dürfen sie auch Drogen in unbegrenzter Menge lagern. Wer soetwas sammelt, hat andere Interessen. Wenn das zulässig wäre, ist dem Handel mit diesen Dingen Tür und Tor geöffnet. Wenn man da auch noch Journalisten bewilligt, wird es gänzlich unkontrollierbar. Es werden sich sicher noch ein paar Berufsgruppen finden, denen man das “Ermitteln” und daraus resultierend das “Sammeln” bewilligen kann.
    Mir kommt das Ganze genauso verlogen vor, als wenn ein Priester sich lüstern Sexfilme in der Woche anschaut, um dann am Sonntag von der Kanzel zu poltern, wie verkommen doch die Menschheit sei. Nur ist solches Verhalten nicht strafbar, aber moralisch bedenklich. Tauss ist unglaubwürdig und hat sich somit strafbar gemacht.

  • #72
    otomo

    @71: Es ist Journalisten im Rahmen ihrer Recherchearbeit bereits bewilligt. Willkommen in der Realität.

    Dass Tauss sich strafbar gemacht hat streitet übrigens niemand ab. Auch er selbst nicht. Schön das Sie das hier auch nochmal feststellen.

    Für die moralische Bewertung gibt es letztlich keine objektiv überprüfbaren Fakten. Da man einem Menschen eine pädophile Veranlagung eben nicht durch eine Urinprobe nachweisen kann. Das Gericht hat Tauss von einer pädophilen Motivation freigesprochen. Natürlich darf sich jeder seine Meinung darüber bilden.

    Wer sich den Anspruch ans Revert heftet professioneller Schreiber zu sein sollte aber zumindest in Ansätzen die Fähigkeit zur Recherche anwenden und mit Fakten arbeiten und nicht mit dem “gesunden Volksempfinden”.

  • #73
    Das_Gewissen

    Schreibe ich chinesisch. Ermittlungen sind Journalisten erlaubt, wie jeden Bürger auch, aber nicht das Bunkern von Kinderpornographien oder Drogen. Darum geht es doch wohl.
    Die Fakten liegen doch auf der Hand. Tauss hat verbotenes Material gesammelt und wurde dafür verurteilt. Was gibt es da noch zu recherchieren? Das er pädophil sei, wurde auch nicht behauptet, aber dass er sich mit Interesse solches Material gesammelt und angesehen hat, steht ja wohl außer Frage. Das Beispiel mit dem Sexfilmchen ansehenden Priester #71 war schon zutreffend, auch wenn es nicht verstanden wird. Ich habe auch nicht behauptet, dass der Priester wild herumpoppt. Es ist eben schwierig zu unterscheiden, wo bei Tauss das Emittlungstechnische aufhört und die Begeisterung für Kinderpornographie anfängt. Mehr als seine Sammlung kann man eben nicht beweisen. Wer sich solch eine Sammlung zulegt und noch auf dem Handy mit sich herumschleppt, egal mit welcher Begründung, tickt ganz offensichtlich nicht richtig.

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