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„Der demographische Wandel beginnt jetzt…“

Der demographische Wandel wird für die Städte zur finanziellen Herausforderung. Experten sind sich einig: Die Städte, die sich jetzt nicht auf den Wandel einstellen, werden die Verlierer von morgen sein.

Gelsenkirchen Ückendorf ist ein Problemstadtteil: Die Arbeitslosigkeit ist hoch. Die meisten Häuser haben schon lange keinen neuen Anstrich gesehen, und in den Ladenlokalen an der einstigen Einkaufsstraße liegt Döner-Bude neben Ramschladen neben Döner-Bude. Geht es nach dem Bochumer Immobilienwissenschaftler Prof. Dr. Volker Eichener, lohnt es sich nicht mehr, öffentliches Geld in Stadtteile wie Ückendorf zu investieren: „Wir müssen einsehen, dass durch den demographischen Wandel viele Stadtteile keine Zukunft haben. Geld, das wir in ihren Erhalt reinstecken, ist rausgeworfenes Geld. Wir müssen die Mittel, die wir haben, in die Quartiere mit Perspektive stecken. Den Menschen, die noch in diesen Quartieren leben, müssen wir an anderer Stelle eine bessere Lebensqualität bieten.“

Um die Immobilienbesitzer davon zu überzeugen, ihre Häuser in Stadtteilen ohne Perspektive aufzugeben, fordert Eichener große Teile der Wohnungsbauförderung in eine Abrissprämie umzuwandeln. Auch in Wachstumsregionen wie Düsseldorf soll künftig auf eine Wohnbauförderung verzichtet werden: „Es ist doch Unfug, dass in Düsseldorf mit öffentlichen Mitteln neuer Wohnraum entsteht“, sagt Eichener, „während ein paar Kilometer weiter in Duisburg immer mehr Wohnungen keinen Mieter mehr finden.“

Das ist auch längst in den guten Lagen Duisburgs der Fall. Zum Beispiel in Alt-Rahm. Der Stadtteil im Duisburger Süden liegt nur wenige hundert Meter von der Grenze zu Düsseldorf entfernt. Ein kleiner Bach mäandert hier neben der Straße. Die Einfamilienhäuser stehen auf großen Grundstücken mit altem Baumbestand. Alt-Rahm gehört zu den besten Wohnlagen des gesamten Ruhrgebiets. Probleme gibt es trotzdem: „Es fällt auch in Alt-Rahm immer schwerer, Käufer für Häuser zu finden“, sagt Jürgen Dressler. Dressler ist Stadtentwicklungsdezernent in Duisburg und ein streitbarer Stadtplaner, der das klare Wort schätzt und dadurch immer wieder aneckt: „Wenn wir selbst im idyllischen Alt-Rahm Probleme haben, wird klar, dass wir in Duisburg und im Ruhrgebiet endlich damit beginnen müssen, uns mit dem Schrumpfen der Städte auseinander zu setzen.“ In Duisburg hat man schon damit angefangen: In Duisburg Bruckhausen werden über 170 Häuser abgerissen. Sie liegen in der Nähe eines Stahlwerks. Die Leerstandsquote ist hoch, und Investitionen lohnen sich nicht mehr. Die Bewohner bekommen neue Wohnungen in anderen Quartieren. Die Auswahl ist groß genug. In den vergangenen 25 Jahren hat Duisburg fast 100.000 Einwohner verloren. Nur noch 492.870 Menschen wohnten Ende 2008 in der Stadt.

Dressler weiß, dass die Menschen vom Abriss ihrer Wohnquartiere nicht begeistert sind. Dass es Widerstand gibt. Und dass man überzeugen muss: „Der Abriss von Quartieren ohne Zukunft ist ohne Alternative. Das betrifft längst nicht nur das Ruhrgebiet. Neben der Emscher-Zone muss auch im Sauerland und im Siegerland längst über solche Maßnahmen diskutiert werden. Die Kommunen müssen die Menschen überzeugen. Das geht nicht ohne Streit, aber wir haben wirtschaftlich keine Alternative. Schrumpfende Städte müssen zurückgebaut werden.“

Das sieht auch Günter Tebbe, bei der Bertelsmann Stiftung für Kommunales Finanzmanagement zuständig, genau so: „Die Städte, die jetzt in den Dialog mit ihren Bürgern treten und nach gemeinsamen Lösungen beim Rückbau der Städte suchen, werden in wenigen Jahren zu den Gewinnern gehören.“

Denn nur, wenn die Städte ganze Quartiere aufgegeben haben, eröffnet sich sie die Chance, sich finanzielle Spielräume zu erhalten. Die werden sie brauchen: „Die Städte müssen mehr in Bildung investieren. Ein Land mit einer schrumpfenden Bevölkerung kann es sich nicht erlauben, dass fast jeder zehnte Schüler die Schule ohne Abschluss verlässt und jeder vierte nicht über den Hauptschulabschluss hinaus kommt.“
Für die Städte wird sich der demographische Wandel verheerend auswirken. Als Tebbe im Mai die Konsequenzen für Dortmund und Unna vor der IHK östliches Ruhrgebiet vortrug, war nach Meinung eines Teilnehmers das Entsetzen in der Runde groß: „Es sieht wirklich düster aus.“

Für das Ruhrgebiet erwartet die Bertelsmann-Stiftung bis 2025 einen Verlust von 400.000 Menschen. Das entspricht der Größe der Stadt Bochum. Doch der Rückgang ist nur ein Teil des demographischen Wandels: Der Anteil der über 80jährigen wird um über 40 Prozent steigen. „Der Zunahme der Älteren und sehr Alten“, sagt Tebbe, „sorgt nicht nur für höhere Kosten bei der Betreuung und Versorgung.“ Eine älter werdende Bevölkerung hat auch weniger Kaufkraft.

Da mutet es verwunderlich an, wenn im Ruhrgebiet nach einer Studie der IHK Niederrhein die Einzelhandelsfläche seit 2001 um 15,9 Prozent gestiegen ist. Ein Trend, der sich fortsetzen wird: In Dortmund steht ein neues Einkaufszentrum kurz vor der Eröffnung, in Bochum und Recklinghausen wird eifrig an neuen Zentren geplant.
Das Gegenteil wäre richtig: „Es geht künftig um Qualität statt Quantität“, sagt Tebbe. Die Städte müssen Quartiere aufgeben um Infrastrukturkosten zu sparen: Schon weniger Abwasserkanäle, weniger Straßen und mehr Kooperation bei der Verwaltung und im Kultur- und Freizeitbereich helfen beispielsweise, Millionen einzusparen. „Aber es geht nicht nur ums Sparen. Die Quartiere, die erhalten bleiben, müssen attraktiver werden.“ Für Jürgen Dressler eine spannende Aufgabe: „Planung für eine Boomstadt kann jeder. So zu planen, dass eine kleiner werdende Stadt am Ende des Prozesses eine bessere Stadt für die Bürger geworden ist, ist eine Herausforderung.“

Der Artikel erschien in ähnlicher Form bereits in der Welt am Sonntag

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70 Kommentare zu “„Der demographische Wandel beginnt jetzt…“

  • #1
    Angelika

    Früher suchte sich ein wandernder Handwerksbursche ein Quartier für die Nacht. Heute leben angeblich Menschen in Quartieren. Tun sie nicht! Sie leben nach ihrem Verständnis weiterhin in Ortsteilen von Stadtteilen. Sie haben z.B. in ein altes Haus alles gesteckt, was sie aufbringen konnten. Nicht nur Geld, auch Emotionen. Man könnte Beispiele nennen, die Augen feucht werden lassen.

  • #2
    ch_we

    Interessanter Text, aber ein paar Fragen bleiben offen. Wer entscheidet, welche Stadtteile „aufgegeben“ werden sollen und warum sollten die Kommunen den Abriss von Wohnraum fördern und damit Vermieter subventionieren, die ihre Wohnungen verfallen lassen? Und was geschieht mit den Grundstücken nach dem Abriss? Werden die an die Stadt verkauft? Und wie hoch ist denn der Anteil von öffentlich gefördertem Wohnraum in Düsseldorf im Vergleich zu geförderten Büroflächen und Industriegebieten?

    Im Moment ist das eher ein Stimmungsbericht über eine sehr technokratische Top-Down-Stadtplanung, garniert mit ein paar Buzzwords: „schrumpfende Städte“, „keine Alternative“, „demographischer Wandel“. Nur mal zum Vergleich: In Großbritannien existiert seit 2003 das ‚Pathfinder‘-Programm. In bestimmten ’sterbenden Industrieregionen‘ konnten die Kommunen per Zwangsverkauf Häuser und Grundstücke erwerben, wenn der Markt „nicht funktionierte“, also die Preise einen gewissen Prozentsatz unter dem Durchschnitt waren – Nachfragestimulation also. In der Regel folgte dort der Abriss und die Grundstücke wurden Investoren für Reihen- oder Einfamilienhäuser überlassen, teilweise mit Bauförderung. Genaue Details über die Höhe sind kaum bekannt, weil die Verträge geheim blieben. Resultat: Teilweise hat die Finanzkrise den Neubau gestoppt, die Kommunen haben letztendlich die Bauvorhaben anderer Leute teuer subventioniert und existierende Sozialstrukturen vernichtet. Die Anwohner haben sich dagegen organisiert, waren teilweise (z.B. in Newcastle) auch erfolgreich, in anderen Städten herrscht jetzt staatlich subventionierter Leerstand, mit dem kein Beteiligter zufrieden ist.

    Bin mal gespannt, wie das im Ruhrgebiet weitergeht.

  • #3
    Angelika

    „…erwartet die Bertelsmann-Stiftung…“ (siehe Artikel oben)

    Welche Interessen werden da vertreten, die der Bürger oder…? Über diese Stiftung gibt es genug Kritisches im net zu finden.

  • #4
    Torti

    @Laurin
    Schöner Artikel. Leider bin auch ich immer wieder überrascht wie wenig, der demografische Wandel wahrgenommen wird. Auf allen Ebenen werden da absurde Abwehrschlachten gegen die unvermeidliche Schrumpfung geführt. Leider setzen die Städte im Moment noch vielfach darauf durch Draufsatteln Konzentrationsgewinner zu werden. Im Schulsystem ist es bereits leider fünf nach zwölf. Die Kinder die dann den ganzen Bruch bezahlen müssen sind jetzt bereits in einem maroden Schulsystem unterwegs.

  • #5
    Höddeldipöp

    Erstmal würde ich sehr vorsichtig sein mit allem, was von der Bertelsmann-Stiftung kommt. Ich habe von denen noch nie etwas seriös methodisch fundiertes gelesen. Was die verkaufen, sind PR-Sprachregelungen im eigenen Interesse. Was soll das überhaupt sein, eine „Stiftung für Kommunales Finanzmanagement“. Ist die gemeinnützig? Warum geben wir Steuergelder für etwas aus, wenn Bertelsmann mit Arvato genau in diesem Markt ‚Kommunale Dienstleistungen“ will? Das ist ein Skandal. Das wäre allerdings eine Story wert.

    Also bitte Artikel neu schreiben mit Verweis auf seriöse Quellen. Dann kann man über das Thema diskutieren.

    PS: Es könnte ja auch die Vermutung nahe liegen, dass bestimmte Interessengruppen nur die Mieten ihrer eigenen Investments hochhalten wollen. Muss nicht sein, kann aber. Nur bei dieser Quellenlage kann man darüber nicht diskutieren.

  • #6
    Angelika

    @#4 Torti
    Wer so abgeklärt tut, der wohnt möglicherweise selbst in einem Promi-Viertel, das wohl ungeschoren davonkommen wird (da wird dann immer die Infrastruktur stimmen u. die Adresse macht was her auf der Visitenkarte), möglicherweise lebt er auch zur Miete in der soundsovielten Wohnung (in der soundsovielten Stadt, in dem soundsovielten Bundesland) und ist einer dieser Bürger, die gar keine Bindung mehr zu einer Stadt (geschweige denn einem Stadtteil, gar Ortsteil) aufbauen (können/wollen).

  • #7
    Angelika

    #5 Hödeldipöp

    „…Bertelsmann mit Arvato…“

    Ja, sehr interessant. Siehe Stichwort Würzburg usw..

  • #8
    Arnold Voß

    Egal welche Stiftung oder Institution Abrissprämien vorschlägt, sie dienen allemal der Marktbereinigung auf Steuerkosten. Die marktwirtschaftliche Marktbereinigung läuft dagegen bei Wohnungen und Häusern normalerweise über sinkende Mieten und Preise, was den Besitzern und Vermietern natürlich nicht gefällt. Die lieben den Markt nur, wenn er die Mieten und Preise steigen lässt.

    Wenn der Markt sie genügend weit nach unten gebracht hat gibt es entweder wieder Mieter oder Käufer oder, wenn es die dauerhaft nicht mehr gibt, den Abriss. Der allerdings kommt nicht automatisch, weil er natürlich Geld kostet was ein leerstehendes Haus dann natürlich nicht mehr einspielen kann.

    Die zentrale Frage ist also, was der Abriss dem an Vorteil bringen könnte, der ihn bezahlt. Wenn z.B. jemand der nebenan ein Haus besitzt, das noch genügend Miete einspielt bzw. dass er als Privatbesitzer und Nutzter aus bestimmten Gründen eben nicht verlassen möchte, dann ermöglicht der Abriss des nebenstehenden Gebäudes neben einer Verbesserungs des Images der ganzen Staße z.B. die Vergrößerung der Gartenfläche und damit die Vermietbarkeit des Hauses, dass noch stehen bleibt.

    Die Frage ist also gar nicht der Abriss selbst, sondern was mit der so rückgewonnen Fläche zum individuellen oder kollektiven Vorteil anderer getan werden kann. Erst wenn das geklärt ist und der Markt sein Werk zu Ende gebracht hat, ist Abriss volkswirtschaftlich sinnvoll.

  • #9
    Torti

    @Höddeldipöp
    Also wenn du mal Statistiken ohne Bertelsmann sehen willst dann schau hier nach
    http://www.it.nrw.de/
    Allerdings braucht man keine besonderen Kenntnisse um anhand der nackten Zahlenhistorie zu den selben Einschätzungen zu kommen.

  • #10
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Arnold: Das Problem bei dem von Dir geschilderte Fall ist, dass die Infrastrukturkosten der Stadt steigen würden: Die gleiche Zahl an Kanälen, Straßen etc. für immer weniger Einwohner. Eine perforierte Stadt wäre teuer – letztendlich vor allem für die Bürger, die diese Kosten ja über höhere Gebühren zu tragen hätten.

  • #11
    Arnold Voß

    Wenn der Abriss für den Rest geldwerte Qualitätssteigerungen möglich macht, dann sind steigende Infrastrukturkosten kein Problem. Ansonsten gilt natürlich dass, was die Experten die infrastrukturelle Sprungfunktion nennen. Die Kostensenkungen durch weniger Nutzer gehen nicht kontunierlich und proportional zu ihnen runter sondern in Sprüngen. Bis zum Sprung wirds sogar noch teuerer.Dann aber, wenn z.B. nicht nur ein Klassenraum sondern einge ganze Schule geschlossen werden kann. Wirds wirklich billiger.

    Aber was wäre denn, wenn erst einmal der Markt für Zuzug sorgen würde? Im Ruhrgebiet sind in bestimmten Bereichen die Mieten einfach noch zu hoch. Oder wie wäre es, wenn kinderreiche Familien auf Grund der sinkenden Mieten pro Kind ein Zimmer bekommen könnten? Bei den ärmeren Familien die von Transfers leben würde das die Lebensqualität dieser Kinder erhöhen und zugleich die kommunalen Ausgaben senken.

    Wie wäre es mit einer anderen offneren Zuwanderungspolitik, die die Leerstände auch in den schwierigeren Gebieten schell wieder auffüllen würde? Wie wäre das in Kombination mit einer anderen Wirtschaftspolitik, die mehr Einkommen schafft und so auch höhere Infrastrukturkosten bezahlbar macht?

    In allen wohlsituierten Eigenheimgebieten sind die Infrastrukturkosten relativ zur Anzahl der der Bewohner auch überdurchschnittlich hoch. Da käme doch umgekehrt auch niemand auf die Idee, denen alle die schönen und großen Grün- ,Frei- und Wasserflächen zu nehmen um diese Gegenden dichter bebauen und damit die Infrastrukturkosten senken zu können.

  • #12
    Angelika

    Was mich besonders erschreckt, ist, dass es da keine Alternativen geben soll (siehe Artikel oben). Zu oft hört man in letzter Zeit den Begriff alternativlos …

  • #13
    Patrizia

    Also ich meine man sollte bei der zukünftigen demografischen Entwicklung und der
    damit einhergehenden Bevölkerungsverschiebungen in Europa einige wichtige
    Punkte nicht ausser acht lassen …

    1.) Der demografische Wandel wäre ohne die Wiedervereinigung Deutschlands für
    alle schon sehr viel früher deutlicher wahrnehmbar gewesen … sehr viele DDR-
    BewohnerInnen sind nach Westdeutschland, Österreich und die Schweiz ausge-wandert; dadurch wurde der Bevölkerungsschwund in diesen „Einwanderungs-
    gebieten“ auf einen späteren Zeitpunkt (jetzt ?) verlagert.

    2.) Studien in der Schweiz belegen, dass der demografische Wandel in den aller-
    meisten Fällen, – die Schweiz ist da eher die Ausnahme -, nicht nur zu einer Bevölkerungsminderung führt, sofern nicht durch gezielte Einwanderung dieser
    entgegengesteuert wird, sondern auch zu einer massiven Landflucht.

    3.) Nur in attraktiven, urbanen Wohngebieten finden ältere Menschen auch jene
    Einrichtungen in ausreichender Zahl vor, welche für ihre Lebensgestaltung not-
    wendig sind. Der demografische Wandel dürfte deshalb Kleinstädte und Dorfge-
    meinschaften sehr viel stärker treffen, als die klassische Grossstadt. Ich glaube, – das nur gelesen hat -, dass so eine Entwicklung in der ehemaligen DDR bereits
    abläuft.

    4.) Der massive Druck auf die Preise von Immobilien, – es herrscht ein Käufer, kein
    Verkäufermarkt -, führt zu einem massiven Verlust an Vermögen. Hohe fixe Kosten
    belasten die ImmobilienesitzerInnen und, was noch vor einigen Jahren mit einer
    Wertsteigerung ausgeglichen werden konnte, wird jetzt durch eine Wertminderung
    verstärkt. Es besteht die Gefahr des Totalverlustes. Ich meine, ein in der
    Vergangenheit für die meisten EuropäerInnen undenkbares Szenario.

    5.) Auch der Erwerb einer Immobilie als Altersicherheit oder sog. „Inflations-
    schutz“, – wird zur Zeit, wegen der €-Schwäche, von vielen ÖkonomInnen als „das
    Gelbe vom Ei“ dargestellt, ist mit sehr viel Skepsis zu bewerten. Nur in bestimmten
    Lagen, am Rande von bedeutenden Wirtschaftszentren, dürfte die Immobilie, als
    klassischer Sachwert, diese Aufgabe noch leisten können.

  • #14
  • #15
    Torti

    @Particia
    Die von Dir angesprochene Landflucht gibt es schon längst. Städte wie Köln,Hamburg, München oder Berlin wachsen nur weil sie die sie umgebenen Landkreise leersaugen. Dafür gibt es natürlich viele Gründe. Aber da wir in D. einen Sterbeüberschuss haben und die Wanderungsbilanz negativ ist, kommt es zu diesen Effekten.

    Hier noch ein Link zu einer preisgekrönten Reportage des Sternkollegen Christ zum selben Thema http://www.stern.de/video/video-tagebuch-land-ohne-leute-eine-sommerreise-636012.html

  • #16
    Arnold Voß

    @ all
    Der wichtigste Punkt den man nicht außer acht lassen sollte, ist, dass der demographische Wandel in Europa in Anbetracht von Abermillionen arbeitsbereiten jungen Menschen geschieht, die sofort hierher kämen, wenn man sie nur ließe.

    Insofern hat die ganze Diskussion etwas äußerst Irrationales. Weltweit gibt es nicht zu wenig sondern zu viele Menschen. Europa kommt mir wie ein Ehepaar vor, das direkt vor einem riesigen Waisenhaus darüber jammert, dass es keine Kinder bekommen kann.

  • #17
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Arnold: Eine vernünftige Einwanderungspolitik ist in Europa überfällig. Wir müssen anfangen, offensiv um Akademiker und Facharbeiter zu werben. Und wir müssen die eigenen Potentiale nutzen: Unseren Wohlstand können wir nicht erhalten, wenn 15-20 Prozent ohne Abschluss die Schule verlassen.

  • #18
    Helmut Junge

    @Patrizia:
    Kaum wird man gelobt, kommen auch schon die Neider, die einem den Ruhm einfach nicht gönnen. c`est la vie.
    Ich möchte aber nur wichtige Ergänzungen zu Punkt 2 und 3, sonst ist alles ok. Und 2 und 3 nur deshalb, weil hier das Ruhrgebiet im weltweiten Zusammenhang eine Ausnahme ist.
    Stefan Laurin erwähnt ja Duisburg, und Duisburg hat in den letzten 25 Jahren tatsächlich etwa 100000 Einwohner verloren. Und wo sind die hin?
    Die umliegenden kleineren Gemeinden haben diese Einwohner dazugewonnen.
    Und diese Kleinstädte gehören zu den “ attraktiven, urbanen Wohngebieten ..in denen..finden ältere Menschen auch jene Einrichtungen in ausreichender Zahl vor, welche für ihre Lebensgestaltung notwendig sind. “
    Das ist das Problem der gr0ßen Städte im Ruhrgebiet. Natürlich sind aus Ostdeutschland und dem Osten und anderen Gebieten massenhaft Menschen dazugezogen, aber unter dem Strich hat Duisburg trotzdem 100000 Einwohner weniger.
    Hier ziehen die Menschen aufs „Land“. Die Verkehrsanbindungen sind gut. Wer kann, zieht oft weg. Aber nicht weit. Nur bis Dinslaken, Wesel, Moers, den linken und rechten Niederrhein. Das sind aus ihrer schweizer Sicht vermutlich auch Städte, aber hier denken die Menschen anders.
    Und wer zieht weg? Das sind diejenigen, die das Geld haben, sich dort Immobilien zu kaufen sind da ganz oben auf der Liste.
    Das sind besonders diejenigen, die dann besonders fehlen. Trotzdem ist der Immobilienmarkt selbst in den kleineren Nachbarstädten seit einigen Jahren ein Käufermarkt. Vielleicht signalisiert das das allmähliche Ende dieser Entwicklung.
    Für die kleinen Gemeinden in Ostdeutschland gilt sicher Ihre Einschätzung.

  • #19
    Patrizia

    @Torti
    Der Bericht ist sehr hübsch 🙂 .. für mich zumindest, weil ich diesen Teil Deutsch-
    lands überhaupt nicht kenne.
    Mit der expliziten Erwähnung der „Landflucht“, wollte ich einfach zum Ausdruck
    bringen, dass diese Wanderungsbewegung in Altersgesellschaften die Probleme
    für Klein- und Kleinstkommunen erheblich verstärken. Umgekehrt eröffnet dieses
    Verhalten für grössere Kommunen und deren Einzugsgebiete Chancen.
    Ein Beispiel dafür ist offenbar Görlitz.

    Trotzdem bleibt der „Vermögensverlust“, der durch die deflationäre Entwicklung der
    Immobilienpreise (die stark frequentierten, urbanen Wohngebiete ausgeschlossen)
    hervorgerufen wird, für die Eigentümer ein Problem. Es tritt eine flächendeckende
    Verarmung ein deren volkswirtschaftliche Auswirkungen nicht unterschätzt werden
    sollten. Eine Immobilie, welche nach dem „Discounted Cash Flow-Verfahren“ keine
    Netto-Rückflüsse erwarten lässt, sondern, ganz im Gegenteil, nur nach Netto-Zu-
    zahlungen verlangt, führt zur Verarmung der EigentümerIn. Wenn man jetzt noch
    bedenkt, dass viele ImmobilienbesitzerInnen einen Grossteil ihrer Saläre während
    ihres Arbeitsleben für die Finanzierung einer Liegenschaft verwendet haben, kann
    diese oben erwähnte Entwicklung leicht dazu führen, dass Altersarmut entsteht
    oder sich zumindest das Risiko dazu erheblich erhöht.

    Ich meine dieser Zusammenhang zwischen schrumpfender Bevölkerung, fallender
    Immobilienpreise und der damit verbundenen Verarmung bestimmter Bevölkerungs-
    schichten wird in Deutschland zu wenig Bedeutung beigemessen; aber wirklich
    beurteilen kann ich diese Situation natürlich nicht. Bei uns kann diese Entwicklung,
    aufgrund des Einwanderungsüberschusses, auch langfristig, so offenbar nicht ein-
    treten.

  • #20
  • #21
    Torti

    @Helmut Junge
    Tut mir leid, Sie sind im Irrtum. Schauen Sie bitte selbst unter http://www.it.nrw.de/statistik/a/daten/amtlichebevoelkerungszahlen/rp1_dez10.html
    nach. Die von Ihnen angesprochen Gemeinden wachsen keineswegs.
    Die These das die Einwohner sich nur verschieben ist falsch. Natürlich flüchten die Menschen nicht aus Duisburg. Es werden schlicht zuwenig Menschen geboren.

    Leider wird diese Grundlage des demografischen Wandels schlicht ignoriert.
    Wir sind im Ruhrgebiet, wie in ganz Deutschland, eine zutiefst kinderfeindliche Gesellschaft. Wer es nicht glaubt, versuche mal einen Kindergarten zu gründen.

    Als Bomont dazu hier eine Leseempfehlung
    http://www.zeit.de/2010/27/Kindergaerten

  • #22
    Torti

    @Patricia
    Was die finanziellen Auswirkungen angehen habe Sie sicher recht. Anders als die Schweiz verzichtet D. auf eine intelligente Einwanderungspolitik. Nach D. findet lediglich eine Einwanderung in die Sozialsystem statt. Zudem vergraulen wir z.B. Akademiker türkischer Abstammung, die mittlerweile verstärkt in der Türkei Karriere machen. Das gepaart mit einer deutlichen Kinderfeindlichkeit ergibt ein höchst gefährlich dämlichen Cocktail. In jeder Beziehung.

  • #23
    Patrizia

    @Helmut Jung

    Ich kenne einige „ländliche Gebiete“ in Süddeutschland mit Dorfgemeinschaften
    meistens zwischen 200 – 1000 Einwohnern. Ohne einen „Göppel“ ist es praktisch
    unmöglich in diesen Orten zu wohnen. Es gibt superschöne Häuser, meistens mit
    einer deutlich besseren Wohnqualität als bei uns in der Schweiz, aber keine
    Einkaufsmöglichkeiten, keine Ärzte, keine Versorgungseinrichtungen – ohne
    „Göppel“ oder „Bläächguutschen“ für jeden Bewohner eine mittlere Katastrophe.

    Für ältere Menschen ohne Fahruuswiis, trotz der ultra-chicen Häuser, in denen sie
    oft auch noch ganz alleine wohnen, ist der Alltag kaum zu bewältigen.
    Werden sie zum Pflegefall sind sie meistens gezwungen ihr Haus weit unter Wert
    zu verkaufen, – für den Erlös würde es in Zürich noch nicht einmal eine hübsche
    Wohnung geben -, um den Umzug in ein städtisches Wohngebiet finanzieren zu
    können.

    Es ist die fehlende Nachfrage nach Wohnraum in diesen ländlichen Gebieten, das
    ist nicht nur punktuell sondern flächendeckend, welche das Problem eigentlich
    verdeutlichen sollten, … eben einerseits ein Angebot von qualitativ hochwertigen
    Wohnimmobilien und andererseits keine Nachfrage wegen fehlender KäuferInnen,
    sprich Menschen.

  • #24
    Arnold Voß

    @ All

    Niemand ist gezwungen sein Geld in Immobilien anzulegen. Sollte dies der eigenen Altersvorsorge dienen, so ist die einzige längefristige Sicherheit, sie selbst zu nutzen bzw. nutzen zu wollen. Ansonsten gilt es rechtzeitg zu verkaufen und an anderer Stelle neu zu investieren.

    Es ist klar, dass im Alter die Mobilität abnimmt und wer dann in einem schrumpfenden Gebiet wo auch immer seine Immobilie hat bzw. in ihre wohnt, der muss mit Versorgungsproblemen rechnen. Erst recht wenn er gebrechlich und krank wird. Die Abwertung seines Vermögens jedoch ist, sofern er bis zu seinem Lebensende in seinem Haus zufrieden wohnen kann, nur für die Erben und nicht für ihn selbst ein Problem.

    Entwertung von Immobilien sind genauso normal wie ihre Wertsteigerung. Es gibt also keinen Grund Immobilienbesitzer deswegen besonders zu bedauern oder zu beneiden. Was jedoch in Schrumpfungsprozessen klar wird ist, dass ein Leben zur Miete eben nicht unbedingt ein Nachteil ist, denn es erlaubt flexibler auf solche sozialräumlichen Veränderungen zu reagieren.

  • #25
    Angelika

    #24 Arnold Voss

    „…Was jedoch in Schrumpfungsprozessen klar wird ist, dass ein Leben zur Miete eben nicht unbedingt ein Nachteil ist, denn es erlaubt flexibler auf solche sozialräumlichen Veränderungen zu reagieren.“

    Tja, unsere Gesellschaft ‚amerikanisiert‘ ja immer mehr. Und manche Amerikaner sollen ja besonders flexibel sein. Mobile Häuser oder gleich im Wohnmobil leben …

  • #26
    Helmut Junge

    @Torti:
    Danke für die Statistik. Aber ich sehe da nur einen geringen Rückgang für die Umgebung von Duisburg. Denken Sie daran, daß viele Leute erst als Rentner
    dahin gezogen sind. Da steigt jetzt die Sterbequote. Überalterung.

  • #27
    Helmut Junge

    @Patritzia:
    Lesen sie doch noch einmal, was ich über die Infrastruktur der kleinen Nachbarstädte Duisburgs geschrieben habe. Die ist supergut.
    Außerdem sollten sie die Namen Ihrer Diskussionspartner schreiben können. Jedesmal, wenn sie keine Zustimmung von mir kriegen, schreiben Sie meinen Namen falsch. Das ist vermutlich unhöflich gemeint, aber hilft nichts.

  • #28
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Helmut: Dinslaken und Wesel sind nicht „Land“ sondern Vororte. Auf dem Land ziehen auch in Westdeutschland die Menschen fort: Teile des Sauerlandes, Nordhessen etc. sind längst sterbende Regionen geworden. In Altena oder im Kreis Band Hersfeld-Rotenburg sieht es schon ziemlich düster aus. Und Immobilienexperten sind sich sicher, dass die vielen Reihenhaussiedlungen an der Peripherie des Reviers im Kreis Borken in wenigen Jahrzehnten Geisterstädte sein werden.

  • #29
    Manfred Michael Schwirske

    Demografische Entwicklung und Bildungsfragen sind zwei paar Schuhe. Aus einer schrumpfenden Bevölkerung – wie im Ruhrgebiet – leiten sich weder Erkenntnisse noch Notwendigkeiten für die Bildungspolitik ab.

    Der zitierte Bertelsmann-Finanzfachmann irrt, wenn er meint, eine schrumpfende Region könne sich das hohe Maß an gescheiterten Schulkarrieren nicht leisten.

    Im Gegenteil, die Bildungsmisere ist gleicberechtigter Ausdruck des industriellen Niedergangs und Teil der neoliberalen Verarmungs- und Marginalisierungspolitik. Man könnte auch sagen, sie ist ein Merkmal einer refeudalisierten Gesellschaft wie es Deindustrialisierung und Verarmung auch sind.

    Schulreformen scheitern seit Jahrzehnten an den Interessen der tatsächlichen und vermeintlichen Modernisierungsgewinner. Die allerdings geraten seit einiger Zeit selbst immer mehr in den Sog der Destruktionspolitik.

    Übrigens handelt es sich bei den Akteuren in Wirtschaft, Finanzwelt und Politik, die uns in die gigantische Finanz- und Wirtschaftskrise hineingemangt haben, um erfolgreiche Absolventen des Bildungssystems. Was soll uns da mehr Bildung vom gleichen bringen?

  • #30
    Angelika

    #28 Stefan „…Dinslaken und Wesel sind nicht “Land” sondern Vororte…“

    Nein. Städte. Und nicht alle Städte müssen so groß wie B, HH, K oder M sein!
    Wesel ist ein Kreisstadt – immerhin!

    „…Und Immobilienexperten sind sich sicher,…“

    Experten … LOL

  • #31
    Angelika

    #29 @Manfred Michael Schwirske

    „…Übrigens handelt es sich bei den Akteuren in Wirtschaft, Finanzwelt und Politik, die uns in die gigantische Finanz- und Wirtschaftskrise hineingemangt haben, um erfolgreiche Absolventen des Bildungssystems…“

    Yeah! Experten eben …

  • #32
    Helmut Junge

    Stefan,
    für heute mein letzter Versuch,
    ich möchte doch nur sagen, daß das, was ich über 40 Jahren beobachte, nämlich das Abwandern in ländliche Bereiche, die nur wenige Kilometer von Duisburg entfernt liegen, auch Dinslaken und Wesel betrifft. Die sind natürlich längst kein Land mehr. Der Zuzug in diesen Bereich deckt längst nicht mehr
    den Weggang, gilt aber noch. Umgangssprachlich sind die linksrheinischen Gemeinden aber immer noch Land.
    Ich streite den demographischen Wandel doch gar nicht ab!

  • #33
  • #34
    Christian Karpus

    „Die Städte müssen mehr in Bildung investieren. Ein Land mit einer schrumpfenden Bevölkerung kann es sich nicht erlauben, dass fast jeder zehnte Schüler die Schule ohne Abschluss verlässt und jeder vierte nicht über den Hauptschulabschluss hinaus kommt.“

    Wer als Stadt im Ruhrgebiet konkurrenzfähig bleiben, und den Veralterungsprozeß stoppen will, muss vor allem für junge Familien attraktiv bleiben. Die Stadt Bochum, die nur noch in wenigen Innenstadtbezirken einen geringen Zuwachs an Kindern hat, will gerade in diesem Bezirk 4 Grundschulen und eine Förderschule schließen. Gerade in den Gebieten, in denen viele Migranten leben und die größten Entwicklungspotentiale in den Menschen ungenutzt vernachlässigt werden.

    Der Sachverständigenrat der deutschen Stiftungen sieht gerade bei der Integrationsförderung an Schulen erheblichen Handlungsbedarf und prognostiziert ein Wirtschaftswachstum von ca. 0,8 Prozent, wenn die Potentiale durch eine bessere Schulpolitik genutzt würden.

    http://schulzeichen.wordpress.com/2010/06/17/sachverstandigenrat-der-deutschen-stiftungen-sieht-handlungsbedarf-bei-der-integrationsforderung-an-schulen/

    Insgesamt sollen in Bochum ca. 15 Schulen geschlossen werden, obwohl bis 2015 die Schülerzahl lediglich um 100 zurückgehen soll. Sicherlich sind in den vergangenen Jahren die Schülerzahlen zurück gegangen, aber durch die Einführung der Offenen Ganztagsbetreuung in allen Grundschulen sind entsprechen viele Räumlichkeiten dem regulären Schulbetrieb entzogen worden.

    Gleichzeitig baut die Stadt Bochum neue Schulen und es wird für die Privatschule ein neues Gebäude gebaut, das letztlich von allen Steuerzahlern finanziert wird.

    Anders als es die Bertelsmannstiftung rät, wird in Bochum nicht in einem offenen Dialog über die Schulpolitik diskutiert sondern die Schulverwaltung benennt die aus ihrer Sicht zu schließenden Schulen. In unserer paranoiden Gesellschaft bedeutet dies aber schon den Todeskuss für die betroffenen Schulen, da die meisten Eltern aus Panik ihre Kinder lieber quer durch die Stadt fahren, als an der nahe gelegenen Schule anzumelden, „…die doch eh bald geschlossen werden soll“.
    Die folglich zurückgehenden Anmeldezahlen werden dann von der Stadt als Argument genutzt, die Schule zu schließen.

    Die Eltern lassen sich das nicht mehr länger gefallen und haben sich zusammen geschlossen:

    www.schulzeichen.de

    Eine Demo ist geplant für den 12. Juli 2010 um 16:30 Uhr von der Carl-Arnold-Kortum Schule auf de Fahrendeller Straße über den Ring zum Rathaus.

    Alle Bochumer Bürger sind eingeladen.

  • #35
    Manfred Michael Schwirske

    @Angelika … und nicht mal das. Man könnte schlussfolgern, ich meine man müsste es sogar, dass ein Mehr dieser entfremdeten Schulbildung in den letzten Jahrzehnten uns nur mehr Experten und noch tiefere Krisen beschert hätte.
    Nicht das Versagen, sondern der Erfolg der Funktionseliten produziert Probleme und Katastrophen. Anders gesagt: Schulen erzeugen bestenfalls Schwätzer und Problemverwalter, aber keine Problemlöser.

  • #36
    crusius

    Eine Kollegin von mir hat neulich mit dem PKW für einen Pendelweg von ca. 40 km (Ruhrgebiet-Süd -> Ruhgebiet Nord) vier Stunden benötigt. An guten Tagen aber legt man die Strecke in ca.60-75 min. zurück. Per ÖPNV dauert dieselbe Strecke, vorsichtig gerechnet, an jedem Tag zwei Std.

    Für meinen Pendelweg zeigt Google eine Wegstrecke von ca. 22 km an. Je nach Fahrplan lege ich per ÖPNV zwischen 60 und 75 min pro Weg zurück. Und ich lebe, weil kein Autobesitzer, bewußt in der Innenstadt. Müßte ich für meinen Fahrweg nicht das Ruhrtal (einmal bergauf, einmal bergab) meistern, wäre das Fahrrad eine echte Alternative.

    Meine Vermutung: Der PKW-Verkehr im Ruhrgebiet ist zwar immer noch unberechenbar, aber auf vielen Wegen im Schnitt vermutlich effizienter als der ÖPNV. So lange Verkehrs- und Steuerpolitik weiter zusammenwirken, um PKW-Wege zur Arbeit auf die eine oder andere Weise zu prämieren, klingen Plädoyers wie die im Artikel referierten eher hohl. Mein Arbeitsplatz – immerhin der zweitgrößte Arbeitgeber der Gemeinde, in der ich arbeite – ist außerhalb von Kernzeiten per Bus bestenfalls viertelstündlich zu erreichen. Und wehe, es droht ein Abendtermin: Der letzte Bus zum Hbf fährt um 21:07. Richtig; Leben möchte ich in dieser Stadt nicht.

  • #37
    Beate

    Ich bin in einer Wohnung aufgewachsen die 55 m² gross war, und die sich 8 Personen teilen mussten.

    Wenn eine Stadt 100000 Einwohner verliert, bedeutet dies noch lange nicht einen Wohnungsleerstand > 4%.

    Für die verbliebenen Menschen ist endlich menschenwürdiges Wohnen möglich. Und das vorhandene Angebot wird genutzt.

    Ich hätte gerne gewusst, am Beispiel Duisburgs, wieviel % des Wohnungsbestandes dort dringend sanierungsbedürftig ist.

    So eine arme Stadt dürfte viele sanierungsbedürftige Wohnungen in ihrem Bestand haben.

    Herr Dressler wird alles tun, um solche Zahlen nicht öffeentlich werden zu lassen.

    Ist ja sein gutes Recht, Mittel für seine arme Stadt einzuwerben.

    Hat jemand eine Erklärung dafür, warum es reiche Kommunen (Düsseldorf) und arme Kommunen (Duisburg) nur 20 km Luftlinie voneinander entfernt gibt.

    Herr Sinn hat bestimmt eine Antwort darauf.

  • #38
    Philip

    @Beate Düsseldorf ist erst seit dem Verkauf der Stadtwerke (an EnBW, glaube ich) nicht mehr so ganz pleite. Und der Duisburger Süden kann es zumindest zu großen Teilen mit dem Düsseldorfer Norden aufnehmen. Und die schlechten Ecken von Düsseldorf-Garath oder -Reisholz müssen sich hinter denen von Duisburg-Marxloh auch nicht wirklich verstecken.
    Ist ja nicht so, dass hier Marzahn an Starnberg grenzt, das ist schon ein ziemlich deutlicher Verlauf.

  • Pingback: Links anne Ruhr (05.07.2010) » Pottblog

  • #40
    Patrizia

    @Arnold Voss
    Ich meine, Sie unterschätzen die Bedeutung des Immobilienmarkts für eine Volks-
    wirtschaft erheblich weil …

    a.) das Investment in eine Immobilie für die Normalbürger immer ein langfristiges
    finanzielles Engagement ist, welches sie eng mit ihrer Lebensplanung verknüpfen.

    b) der Immobilienmarkt mit Abstand das meiste Kapital einer Volkswirtschaft bindet

    c.) mit der Planung, Erstellung, Renovierung, Ausstattung einer Immobilie enorm
    viel knowhow und Arbeistplätze verbunden sind … etc, etc, etc …

    Ein flächendeckender Deflationsprozess im Immobilienmarkt und die damit einher-
    gehende Vernichtung von Vermögen ist doch nicht nur für irgendwelche Erben ein
    Problem … weil …

    a.) Erben die nichts erben können keine Erbschaftssteuer zahlen; die übrigen
    Steuerausfälle welche mit dem Kauf/Verkauf, Bau, Renovierung etc. einer Immobilie
    verbunden sind sollen auch nicht unerwähnt bleiben …

    b.) Erben die nichts erben und ohne Arbeitsplatz sind landen automatisch in den
    staatlichen Sozialsystemen;

    c.) Erben die nichts erben, fallen als Konsumenten aus;

    d.) Eine Deflation im Immobilienbereich trifft natürlich auch alle Immobilien im
    staatlichen Besitz, es trifft die Banken, die Pensionsfonds, die Insurance … naja
    viele helfen sich mit „Luftbuchungen“ und haben dann die ominösen Leichen im
    Keller. Der Verwesungsprozess lässt gesunde Banken zu sog. „Zombie-Banken“
    mutieren. Die einst so stolze jap. Volkswirtschaft hat sich bis heute noch nicht
    von dem Deflationsprozess im Immobilienbereich Ende des letzten Jahrhunderts
    erholt.

    Wenn sie jetzt noch bedenken, dass fallende Immobilienpreise auch fallende
    Investitionen in diesem Bereich zur Folge haben, was wiederum weniger Arbeits-
    plätze bedeutet, – oder würden Sie in die halbleeren Städte der ehemaligen DDR
    ihr Geld stecken ? -, da kann der kleine Vorteil von fallenden Mieten nur wenig
    Trost sein. Mieten können nur solange fallen bis der break even unterschritten ist;
    tritt dieses Szenario ein ist der Markt absolut tot.

    Und „Toten“ kann nur in den seltensten Fällen wieder Leben eingehaucht werden.

    @Helmut Junge
    *einen virtuellen Knicks macht* … exgüsii – das tut mir soooooo leid mit dem
    Namen und dem Falschschreiben und so 😉

  • #41
    bolleone

    Interessant in diesem Zusammenhang: Die Internationale Bauaustellung Stadtumbau Sachsen-Anhalt 2010 – http://www.iba-stadtumbau.de/index.php?iba2010-de

  • #42
    Arnold Voß

    Patrizia, was soll dieser Argumentationsaufstand? Das ist mir alles bekannt. Haben sie mein Statement nicht richtig gelesen? Was ich sagen will/wollte: Es ist normal, dass Grundstücks- und Häuserwerte an bestimmmten Orten fallen bzw. fallen können. Dafür steigen sie in der Regel woanders. So ist das mit räumlichen Wachstums- und Schrumpfungsprozesse.

    Es ist die Ausnahme in der Regional/Raumökonomie das alles überall immer wächst. Auch nicht die Bevölkerung. Der Markt hat diesbezüglich auch eine räumliche Steuerungsfunktion. Konkret, da wo die einen Erben was verlieren gewinnen woanders andere Erben. Oder sogar dieselben, wenn sie an beiden Orten über Immmobilien verfügen.

  • #43
    Helmut Junge

    @Stefan Laurin, @Torti,
    ich bin richtig froh, daß ich Euch heute diese Mitteilung machen kann.
    Zu meinen gestrigen Beiträgen (aus der Hüfte) habe ich heute unter dem Begriff „Suburbanisierung“
    einiges im Netz gefunden.
    Am besten gefällt mir:

    http://www.springerlink.com/content/224417206017×141/

    weil dort direkt ein Wert von 0,5% Abwanderungsverlust pro Jahr angegeben wird.
    In 20 Jahren sind das beachtliche 10% Einwohnerverlust in den genannten Städten. Auf Duisburg bezogen ist das mehr als die Hälfte der von Stefan genannten Zahl von 100000 Einwohnern.

  • #44
    teekay

    Ich finde die Diskussion sehr interessant, aber Hinweise auf Bertelsmann-Einfluss oder Haeuser/Grundstuecke sind sicherlich nur ein Teil des Problems. Staedte wie Duisburg haben Einwohner verloren, werden in der nahen Zukunft keine Einwohner gewinnen und werden sicherlich kein Job- oder Steuer-Wunder erleben. Aus Sicht einer hochverschuldeten Kommune gibt es kein Licht am Ende des Tunnels. Vorallem die Kosten fuer die Infrastruktur muessen die Kommunen beunruhigen und Gebaeude sind da nur ein sichtbarer Indikator: Gas, Wasser, Abwasser, Strom, Schulen, Strassen, OEPNV, Kirchen, Verwaltungskapazitaeten, Muellabfuhr, Strassenreinigung, Gruenflaechenpflege, Schwimmbaeder usw. An den Fixkosten aendert sich wenig, auch wenn in einem Stadtteil nun statt 20.000 sagen wir mal 12.000 Menschen leben. Natuerlich kann man nicht einfach einen Stadtteil ‚dichtmachen‘, aber was erwiderst du jemanden der sagt ‚wenn wir die Strassenbahn, die Schulen und die Strassenpfelege einstellen koennten wuerden wir X% sparen‘? Natuerlich ist das kurzfristig gedacht, aber Kommunen im Ruhrgebiet haben doch nicht den Planungsspielraum. ‚Aber Tante Herta lebt hier seit 40 Jahren‘ Schoen fuer die Tante, aber wie findet man da einen Kompromiss? Weite Teile des Ruhrgebiets werden in den kommenden Jahren nicht attraktiver und ein Projekt hier und ein tolles Quartier da sind doch nicht die Loesung. Und selbst wenn kurzfristig die Einwanderungspolitik komplett anders gestaltet wird (was sehr unwahrscheinlich ist), wuerden wirklich 10,000nde hoch- und mittelqualifizierte Arbeitskraefte ins Ruhrgebiet kommen? Was wuerden die arbeiten in Regionen mit ca. 15% Arbeitslosigkeit? IT? Pflegeberufe? Kunst und Kultur? Wie wuerde das, um im Beispiel zu bleiben, Duisburg bei seinen Problemen helfen?

  • #45
    Höddeldipöp

    Ist schon interessant diese Diskussion hier. Da gibt es tatsächlich die engagiert vorgetragenen Interessen derjenigen, die um den Substanzwert ihrer(?) Immobilieninvestements fürchten. Und natürlich diejenigen, die alles und jedes irgendwie mit Bildung in Verbindung bringen wollen.

    Tatsache ist doch, dass es bei dem Problem um komplexe Fragestellungen handelt, die man nicht einfach auf die Formel „Immobilienpreise“ oder „Schulniveau“ reduzieren kann.

    Meiner Meinung nach müssten die Politiker mehr gezielt „Sim-City“ spielen. Dort wo Probleme entstehen, eine Polizeiwache, ein medizinisches Versorgungszentrum (MVZ, muss ja nicht immer ein teures Krankenhaus sein), zwei solide Schulden (muss ja nicht immer Pisa-Olympia-Niveau sein), durch sozialen Wohnungsbau den privaten Vermietern Konkurrenz bei den Mieten machen, damit die Mietniveaus nicht durch die Decke gehen, gute funktionierende Infrastruktur herstellen (Nahverkehrsanbindung, etc.) Dabei sollte die Politik vor allem die Preisniveaus im Auge haben. Z.B. Wasserkosten senken (also keine Privatisierung), alternative Energien, Krankenkassenkosten niedrig halten (für geringverdienende Selbständige wichtig), kleine Selbständige fördern, Einwanderung fördern, etc.

    Das hier in den meisten Punkten in den letzten Jahre das Gegenteil von Sim-City und stattdessen Marktliberalisierung, also das „Sich-selbst-übelassen“ als Konzept, betrieben wurden, ist eine der Hauptursachen für die heutigen Probleme.

    Man hat auf die falschen Ratgeber gehört und ist versucht, dies auch heute wieder zu tun, auch wenn dieselben Ratgeber versuchen, mit Gutmensch-Themen (Bildung, Kitas, etc.) wieder in’s Geschäft zu kommen.

    Das Demographie-Problem ist nicht die Hauptursache. Die meisten Älteren haben gute Renten und sind zahlungskräftig. Ob die wirklich alle in die Stadt ziehen wollen und nicht doch lieber irgendwo mehr im Grünen ihren Lebensabend verbringen wollen (ich denke nur an die Riesenschwärme von Rentner-Radfahrern, die mir beim Joggen dauernd begegen) ist doch die große Frage. Die Stadtflucht hat vor allem mit dem Wandel zur Dienstleistungsgesellschaft zu tun. Die großen Arbeitgeber befinden sich halt in den Städten. Kaufkräftige Ältere würden aber sicherlich auch in die Region ziehen, in der es ein gut erreichbares MVZ gibt. In der Region erreicht man natürlich keine tragfähige wirtschaftliche Vernetzung durch einzelne große Arbeitgeber, denen man alle Steuern erlässt, sondern durch viele kleine Betriebe und Selbständige. Das kann man gezielt fördern, wenn man sich von der Ärzte-Lobby, der Privatisierungslobby und der Immobilienlobby unabhängig macht.

  • #46
    teekay

    @Höddeldipöp: Ich bin mir nicht ganz sicher, inwieweit sich das konkret auf das Ruhrgebiet bezieht. Hohe Mieten erscheinen mir in vielen Staedten nun gerade kein Problem zu sein. ‚Die meisten Älteren haben gute Renten und sind zahlungskräftig‘-muesste man empirisch belegen-gibt ja auch viele ‚arme Muetterchen‘. Ausserdem halte ich die Mobilitaet von aelteren Menschen fuer stark eingeschraenkt. Ich kann mir intuitiv nicht vorstellen, dass viele Neu-Renter mit Anfang 60 den Wohnort wechseln wollen. Aber vielleicht belegen Zahlen das Gegenteil.

  • #47
    Beate

    #38 | Philip

    Das Lohnniveau in Düsseldorf ist sehr viel höher als in Duisburg.

    Warum verlagern die Unternehmen nicht Arbeitsplätze nach dort oder entlassen einheimische Arbeitskräfte und stellen Pendler aus Duisburg ein.

    Die Welt der Neoklassik ist sehr einfach.

    Man sieht ja auch dass sich dauernd neue Habilitierte zu niedrigeren Löhnen für Stellen als Volkswirtschaftsprof. bewerben.

    Und jetzt denke mal an das Problem Handelsbilanzungleichgewicht Deutschland Griechenland.

    Wundert mich , dass die Medien nicht über die Menschen in Duisburg herziehen.

  • #48
    Höddeldipöp

    @TEEKAY

    Die durchschnittliche Rente netto nach Steuern beträgt heute ungefähr 1500 Euro. (Berechnung: 25000/12*0,7 Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Rentenniveau )

    Netto nach Steuern ist das nicht sooo wenig (wenn die Kinder aus dem Haus sind)! Für die hier vorliegende Problemstellung spielt aber auch die Verteilung der Renten eine Rolle. Auffällig sind schon die Schwärme von gut ausgerüsteten Rentner-Radfahrern, die mir häufig begegnen und die alle einen sehr unternehmenslustigen und kaufkräftigen Eindruck machen (Gut, das ist nur Augenschein 🙂 ).

    Auch das Mietniveau muss man differenziert betrachten. Werden z.B. im Duisburger Hafen Wohnungen gebaut, so dürften diese nicht zu den preiswertesten gehören. In den Problemvierteln dagegen wird man sicherlich Buden für Mini-Mieten bekommen. Das durchschnittliche Niveau sagt hier nichts aus. Die Segregation ist statistisch schwierig zu fassen, aber verursacht die Probleme, weil man nur für die kräftig zahlende Klientel Top-Niveau anbietet, den Rest aber vernachlässigt. Die Konzentration auf Top-Lagen mit der Folge hoher Mieten dort ist der ungesteuerten Marktliberalisierung geschuldet. Politiker hängen sich PR-mäßig an die Projekte großer Investoren dran, finanzieren höchstens noch deren Infrastruktur mit viel Steuergeld, betreiben aber keine aktive Infrastruktur-Politik in den übrigen Lagen oder schreiben diese komplett ab.

    Vielleicht denken Sie ja ähnlich, wenn ich Sie zitieren darf:

    „Weite Teile des Ruhrgebiets werden in den kommenden Jahren nicht attraktiver und ein Projekt hier und ein tolles Quartier da sind doch nicht die Loesung.“

    Nur würde ich große Teile des Ruhrgebiets nicht einfach einstampfen, sondern günstige wirtschaftliche Rahmenbedingungen schaffen für sich neu bzw. wiederbelebende Strukturen, die sich dann wirtschaftlich selbst tragen durch eine gesunde regionale wirtschaftliche Vernetzung.

  • #49
    Patrizia

    @Arnold Voss

    Ich mache keine Aufstände! Auch keine keine Argumentationsaufstände.

    Einig sind wir uns, dass Immobilien, ähnlich wie andere handelbare Güter, im Preis
    fallen bzw. steigen können, je nach Angebot und Nachfrage … oder je nachdem
    welche Wachstums- oder Schrumpfungsprozesse im Moment ablaufen.

    Das wird auch durch die in jüngster Vergangenheit stattgefundenen „Wanderungs-bewegungen“ von Ost- nach West sehr schön veranschaulicht. Neu ist, dass
    innerhalb der europäischen Volkswirtschaften die absolute Zahl von Menschen
    deutlich absinkt und nur wenige Regionen durch die Wanderungsbewegungen der
    Bevölkerungen gewinnen, während viele andere Regionen verlieren.

    Deshalb ist ihre Aussage …

    „Konkret, da wo die einen Erben was verlieren gewinnen woanders andere Erben.“

    nicht haltbar, weil sie den LeserInnen suggeriert, dass die Gewinner und Verlierer
    dieser Entwicklung in einem ausgeglichenen Verhältnis stünden. Das ist definitiv
    falsch. Bei der vorgezeichneten Bevölkerungsentwicklung schrumpft das immobile
    Vermögen, ererbt oder erarbeitet, von vielen und nur bei wenigen wächst es.
    Diesen Verarmungsprozess wollte ich verdeutlichen! Er wird durch die Überalterung
    der Gesellschaft und der daraus folgenden fehlenden ökonomischen Dynamik noch
    zusätzlich verschärft wird.

    Aber egal … folgender link scheint interessant zu sein …

    http://deposit.d-nb.de/cgi-bin/dokserv?idn=1002104238&dok_var=d1&dok_ext=pdf&filename=1002104238.pdf

    Ich habe den Artikel nicht wirklich gelesen … das ist mir zuviel und überhaupt
    muss ich mein Nase nicht überall reinstecken.

  • #50
    Arnold Voss

    Das mag in Europa so gelten, Patrizia. Aber nur wenn die Einwanderungspolitik so restriktiv bleibt. Weltweit wächste die Bevölkerung immer noch. Und sie verdient, wenn auch langsam, im Durchschnitt immer mehr Geld.Wer also sein Geld in global operierenden Immbolienfonds respektive eigene internationale Immobilien anlegt, muss nicht unausweichlich verarmen.

  • #51
    Patrizia

    @Arnold Voss

    … *räusper* … *räusper* … *räusper* … Sie sollten hübsch auf dem Teppich
    bleiben und keine „globalen Luftblasen“ ablassen. Der Artikel thematisiert den
    demografischen Wandel in Deutschland und dessen Folgen für bestimmte Regionen
    in der Bundesrepublik, – ganz ähnlich liegen die Probleme in vielen anderen Ländern
    Europas -, und nicht die weltweite Bevölkerungsentwicklung.

    Es geht auch nicht um noch zu erwerbendes oder noch zu erarbeitendes Kapital,
    welches dann in irgendeinem Immobilienfond angelegt wird, sondern um Vermögen
    in Form von Immobilien, welches zumeist über Generationen hinweg, – zumindest trifft dies so auf den ländlichen Raum zu -, erworben wurde und jetzt durch diese
    demografische Entwicklung, aufgrund fehlender Nachfrage, einen nie dagewesenen
    Vermögensverlust erfährt.

    Die „typischen Habenichtse“, welche ständig ihre mangelnde Chancengleichheit
    bejammern und ihr Leben lang nach dem „ökonomischen,vermögenstechnischen (?)
    Resetknopf“ suchen, mögen das begrüssen; für die Volkswirtschaft eines Landes
    ist so eine Entwicklung fatal.

    Noch etwas zur restriktiven deutschen Einwanderungspolitik … ich meine, ohne es
    wirklich zu wissen, dass diese nicht restriktiver ist, als in unserer Schweiz. Das
    Problem liegt doch in einer falschen Steuer- und Abgabenpolitik.

    Wieso sollte denn „eine potentielle EinwandererIn“, z.B. Pharmakologin oder Chemikerin, mit einem Jahresverdienst bei BASF, Bayer von etwa 70.000 €, single,
    25-jährig … am Anfang ihres Berufsleben auf 50% !!! ihres Einkommens verzichten,
    heisst mit kümmerlichen 30.000 € bis 35.000 € ihr Leben bestreiten, nur weil der
    deutsche Sozialstaat, was immer das auch ist, dies so für erforderlich hält ?

    In der Schweiz würde sie bei vergleichbarem Salär bei Novartis oder Nestle, ab-
    züglich Bundessteuer, Kantonssteuer, Pensions- und Rentenkasse, Arbeitslosen-
    versicherung … bei ungefähr 55.000 € (ohne Krankenversicherung) liegen …,

    in Indien bei 40% Spitzensteuersatz und inkl. privater Vorsorge bei rund 40.000 €,

    in Australien, ohne Sozialbeiträge, weil steuerfinanziert, wären es ca. 46.000 €,

    in den USA, je nach Bundesstaat zwischen 44.000 € und 51.000 € … usw., usw …

    Jetzt müsste mir nur noch ein deutscher Politiker erklären, wieso junge Neubürger-
    Innen in eine „gesellschaftliche Solidarität“ gezwungen werden, – wobei sie keines-
    wegs sicher sein können, umgekehrt, in einer späteren Lebensphase diese Solidari-
    tät in einer individuellen Notlage in Anspruch nehmen zu können -, welche ihnen
    die Hälfte ihres Einkommens kostet. Ich glaube er könnte es nicht begründen …
    deshalb wird es auch keine qualifizierten EinwanderInnen geben. Das System ist
    unter diesen Umständen auf das Konservieren des Vorhandenen angewiesen.

  • #52
    dissenter

    @Patrizia

    Wie kommen Sie bloß auf „kümmerliche 30.000 Euro“? Lt. Abgabenrechner des BMF zahlt Ihre Migrantin (Steuerklasse I, keine Kinder, keine Kirche, gesetzliche Rentenversicherung, private Krankenversicherung mit Arbeitgeberzuschuss) ziemlich genau 20.000 Euro an Lohnsteuer und Soli-Zuschlag. Rechnen Sie es selbst nach!
    Dazu kommen großzügige 2.400 Euro PKV-Beiträge jährlich und bis zur Beitragsbemessungsgrenze von derzeit 66.000 Euro Beiträge zur Renten- (Arbeitnehmeranteil ca. 10%) und Arbeitslosenversicherung (derzeit 1,4%), also rund 7.500 Euro jährlich. Unterm Strich zahlt unsere Einwanderin rund 30.000 Euro an Steuern und Abgaben inkl. privater Krankenversicherung. Ihr bleiben 40.000 Euro – nach Ihren Angaben etwa soviel wie in dem bekanntermaßen großzügig ausgebauten indischen Sozialstaat.

  • #53
    Patrizia

    @Dissenter

    Danke für den Hinweis. Bei den zu zahlenden Steuern liegen Sie jedoch definitiv,
    – zumindest nach der deutschen Steuertabelle von 2010 -, falsch.

    Einkommen: 69.944 € —> Eink.Steuer 21.204 € + Soli.Steuer 1.166 €
    Einkommen: 70.088 € —> Eink.Steuer 21.264 € + Soli.Steuer 1.170 €

    Beachtenswert: Ein Mehreinkommen von brutto 144 € führt ohne Berücksichtigung
    der ominösen Lohnnebenkosten, zu einem mehr an Nettoeinkommen von sagen-
    haften 80 € :-(.

    Bei aller Liebe der Migrantin zu ihrer neuen Heimat … *räusper* … kalkuliert sie
    nüchtern und berücksichtigt ihre Möglichkeiten in den wenigen Jahrzehnten in
    denen sie beruflich etwas bewegen kann, wird sie um das „Sozi-Schlaraffenland“
    des Dissenters einen weiten Bogen schlagen. Übrigens ist es genau diese staatlich
    legitimierte Abzockerei, welche speziell gut ausgebildete deutsche Fachkräfte aus-
    wandern lässt. Wieso sollte also umgekehrt eine Migrantin, die zu diesem Staat noch keinerlei Bezug hat, ca. 50 % ihres Einkommens in den Wind schreiben ?

    Wenn sie es trotzdem tut, muss das Liebe sein 😉

  • #54
    C. Karpus

    Stell Dir vor es ist Schulkrieg und keiner sieht hin.

    In Bochum sollen 11 Grundschulen eine Förderschule und demnächst auch noch weiterführende Schulen geschlossen werden. Obwohl die SPD vor der Kommunalwahl 2009 in Kenntnis der Haushaltssperre versprochen hat:

    „Schulschließungen von Grundschulen wird es mit Zustimmung der Sozialdemokraten nicht geben.“

    http://schulzeichen.de/2010/06/28/spd-kommunalwahlprogramm-2009/

    Die Inklusion der Förderschulen steht vor der Tür und keinen interessiert es.

    Die Klassen werden immer größer, obwohl die Politiker ständig von kleineren Klassen schwafeln.

    Die rot-grün regierte Bochumer Schulverwaltung plant u.a. eine 5-zügige Grundschule (450 bis 600 Schüler) auf der Feldsieper Straße mit einem Migrationsanteil von ca. 70 Prozent.

    Da es unsere Journalisten aus den besseren Wohngegenden wohl nicht trifft, wird der Protest der Eltern verschwiegen. Vuvuzuelas, Kleingartenvereinssitzungen und andere seichte Themen laufen ganz groß aber über unsere Demonstration gegen die Schulschließungen an der ca. 200 Bochumer teilgenommen haben, berichtet niemand, weder WAZ noch Ruhrnachrichten, geschweige denn die „Ruhrbarone“.

    http://schulzeichen.de/2010/07/05/aufruf-zur-demonstration-am-12-juli-2010-um-1630-uhr/

    Die Aufregung wird erst kommen, wenn unsere Kinder die verbleibenden Schulen füllen werden, wenn dort die Klassenhöchstwerte von 30 Kindern ausgereizt werden, wenn dort die Ganztagsbetreuungsplätzte neu verteilt werden und man selbst betroffen ist.

    Dann ist es aber schon zu spät.

    Macht also weiter so und diskutiert über Lohnnebenkosten und Steuersätze!

    Der demografische oder besser gesagt demagogische Wandel findet in der wirklichen Welt statt.

    http://schulzeichen.de/2010/07/05/demografischer-demagogischer-faktor/

  • #55
    Arnold Voss

    Patrizia, der Teppich auf dem eine vernünftige Diskussion über Demographie in Europa zu bleiben hat ist, in Anbetracht der vielen Menschen die gerne nach Europa kommen würden, nicht nur Europa, sondern die ganze Welt.

    Die fehlende Immobiliennachfrage in Europa ist eine veränderbare Größe und keine feststehende Bedingung, die sie als Ceteris Paribus Klausel anführen können, damit ihr Argumentationsmodell stimmig bleibt.

    Da gibts dann auch gar nichts zu räuspern, geschweige denn hat das was mit irgendwelchen Habenichtsen mit oder ohne Apostroph zu tun.

    Was ich mich allerdings schon länger frage ist, wo bei ihnen diese seltsame mit vielen kleinen bis großen Gehässigkeiten garnierte Borniertheit gegenüber Allem herkommt, das sie nicht verstehen oder was nicht in ihren Wertekanon passt. Und wieso sie das auch noch auf eine recht aufdringlich-redundante Art witzig finden.

    Haben sie heimliche Absturzängste oder ist ihre kaum zu kaschierende Wut auf jede Art von Verlierern angeboren?

  • #56
    dissenter

    @Patrizia

    Der Abgabenrechner ist flexibler und realitätsnäher, denn er berücksichtigt im Gegensatz zur Grund- bzw. Splittingtabelle die (in diesem Fall von mir willkürlich gesetzten) Beiträge der indischen Migrantin zur Krankenversicherung, die sich steuermindernd auswirken. Dies dürfte die Differenz erklären.

  • #57
    Patrizia

    @Arnold Voss

    Was sollen die persönlichen Angriffe ? … Meinen Sie ihr oberlehrerhaftes Getue
    garniert mit psychologischen Oberflächenanalysen macht Ihre Argumentation
    glaubwürdiger ? Das ist doch albern. Damit bewegen Sie sich auf einem Niveau
    von Schreiberlingen in bestimmten blogs die ständig mit Schaum vor dem Mund
    ihre tatsächlichen oder scheinbaren ideologischen GegnerInnen bekämpfen 🙂
    … aber wenn es Ihnen hilft und Sie glücklich macht; das ist jetzt nicht witzig
    gemeint!

    Ich habe die fehlende Immobiliennachfrage nie als feststehende Ceterius-
    paribus-Annahme ins Feld geführt, sondern sie als eine der Hauptursachen für
    die Verarmung einer Gesellschaft bezeichnet. Es gibt genügend Beispiele in der
    Vergangenheit, welche genau die Immobiliennachfrage als sensiblen Seismo-
    graph für ökonomische Veränderungen ausweisen …

    — der „Gastarbeiterboom“ in Deutschland, – genau kann ich den jetzt nicht datieren, das war lange vor meiner Zeit -, der auch eine steigende Nachfrage
    auf dem Immobiliensektor auslöste …

    — die von mir bereits erwähnten Bevölkerungswanderungen von Ost Richtung
    West nach Ende des „Kalten Krieges“ …

    — oder die bei uns in der Schweiz zur Zeit herrschende Wohnungsknappheit, die dadurch stark steigenden Immobilienpreise,- kombiniert mit einem Bauboom, der keineswegs zu begrüssen ist -, verursacht durch den hohen Zuzug von
    zumeist besser qualifizierten EU-BürgerInnen.

    Es gibt also ein auslösendes Moment für eine stabile oder steigende Immobilien-
    nachfrage. Dieses auslösende Moment, eben die Zuwanderung von Menschen
    ist aber in Deutschland nicht gegeben … oder nicht in dem Masse gegeben, wie
    es notwendig wäre, weil a.) die Arbeitsplätze (noch) fehlen und b.) die vorhan-
    denen Arbeitsplätze, wegen der zu hohen Abgaben, für ZuwanderInnen nicht
    genügend attraktiv sind.

    Bliebe noch die Zuwanderung ins „Sozialsystem“. Der Albtraum schlechthin …
    aber NICHT, weil vielleicht ein erdbebengeschädigter „Habenichts“ aus Haiti
    plötzlich ein Dach über dem Kopf hat, sondern weil die ganzen „sozialistischen
    Geier“ zerfressen von ihrem Neid auf all jene die etwas mehr ihr eigen nennen
    als sie selber, genau dieses „Sozialsystem“ und die darin gefangenen Menschen
    missbrauchen, um ihre Umverteilungskämpfe zu organisieren.

    Soweit ich weiss, lass mich da aber gerne korrigieren, hat die deutsche Gouver-
    nante Wagenknecht oder der Herr Lafontaine oder die Frau Nahles usw., usw ..
    noch nie ausserhalb der Politik gearbeitet. Deren einzige Tätigkeit besteht darin
    durch Polittalks zu tingeln, im Parlament zu sitzen und auf Wahlkampfveran-
    staltungen Reden zu schwingen. Als Feindbild dient jede und jeder der etwas
    mehr als der Durchschnitt verdient. Die Manövriermasse dieser Politkaste sind
    die Sozialhilfeempfänger, die Geringverdiener und die im Leben Gestrauchelten.
    Sie verachten diese Menschen, für die sie scheinbar Partei ergreifen, zutiefst
    – dies lässt sich auch anhand der historischen Handlungen dieser Neidideologen
    und ihrer Helfershelfer sehr einfach belegen -, aber sie sind natürlich für die
    Umsetzung ihrer paranoiden Ideologie notwendig.

    Ich habe weder gegen „Habenichtse“ etwas, noch gegen „Superreiche“. Wenn
    ich als Melonenverkäuferin auf dem Wochenmarkt in Locarno oder Lugano
    stehen würde, wäre ich über einen Einkauf des Bankdirektors genauso glücklich
    wie über jenen einer armen Rentnerin. Das Einkommen meiner MitbrürgerInnen
    ist sekundär. Primär ist, dass alle ein ausreichendes Einkommen haben und dass
    jede und jeder über die Verwendung seines Einkommens weitesgehend individuell
    entscheiden kann. Wer natürlich im wilhelminischen Wertekanon steckt, sei es
    mit oder ohne dieses hässliche sozialistische Mäntelchen, und meint Steuern
    und Abgaben wahllos erhöhen zu können, – Hauptsache es trifft sein persön-liches Feindbild und therapiert seine Neidkomplexe -, ohne damit rechnen zu
    müssen per Volksentscheid zurückgepfiffen zu werden, begreift dies natürlich
    nicht.

  • #58
    Dirk Haas

    Die prinzipielle Unvereinbarkeit von „Wohlfahrtsstaat“ und „Einwanderungsland“ zählt zu den beliebten rechtslibertären Glaubenssätzen:
    http://ef-magazin.de/2010/07/01/2287-wohlfahrtsstaat-oder-einwanderungsland–der-kampf-um-die-torte

    Oder Heinsohn, vor einigen Wochen in der FAZ:
    „Wer jährlich 160.000 qualifizierte Einwanderer gewinnen will, darf sie nicht mit 80.000 Hartz-IV-Familien und 40 Milliarden Euro Schulden verschrecken. Jede andere hochentwickelte Nation ohne solche Lasten wird sonst vorgezogen. Solange also potentielle Einwanderungstalente sehen, dass mehr als die Hälfte ihres Einkommens weggesteuert und -sozialversichert wird, werden sie nicht in Dortmund siedeln, sondern nach Melbourne, Seattle oder Toronto streben, wo man sie ebenfalls dringend benötigt, ihnen aber nur 20 bis 25 Prozent abnimmt.“

    http://www.faz.net/s/Rub9B4326FE2669456BAC0CF17E0C7E9105/Doc~E9F1ABBF98E934840B59647644EC14C0A~ATpl~Ecommon~Scontent.html

    Nun sollte man von Heinsohn besser keine Vorschläge erwarten, wie man 80.000 Hartz-IV-Familien wieder los wird. Aber auch die implizite Vorstellung, hochqualifizierte „Einwanderungstalente“ würden ihre Lebensplanungen in erster Linie von Steuer- und Abgabenquoten abhängig machen, wird von der seriösen Migrationsforschung natürlich nicht gedeckt (alle sog. Hochqualifizierten, die nach D, FIN, NOR, FRA, SWE, ITA, BEL usw. einwandern, wären nach diesem Verständnis ohnehin nichts anderes als ökonomische Analphabeten).

    Die Frage „Geh ich nach Dortmund, oder muss ich nach Toronto?“ ist viel zu interessant, um sie den liberalen Abgabenrechnern zu überlassen.

  • #59
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Dirk: Der Wohlfahrtsstaat setzt Anreize zur Einwanderung einer Klientel, die schon in ihren Ursprungsländern wirtschaftliche Probleme hatte. Ein Land das gute Aufstiegschancen bietet, Abschlüsse anerkennt, tolerant ist und den Menschen auch noch was von ihrem Geld übrig lässt zieht Hochqualifiztierte an. Alternde Gesellschaften wie Deutschland stehen in einem Wettbewerb um hochqualifizierte Zuwanderer. Wir tun gut daran, für diese Klientel attraktiv zu sein. Dazu gehören auch maßvolle Abgaben und Steuern. Diese Gruppe muss im Gegensatz zu denen, die den Wohlfahrtsstaat brauchen, nicht in Länder wie Deutschland einwandern sondern können sich aussuchen wohin sie gehen.

  • #60
    Dirk Haas

    Stefan, die soziale Mobilität (in etwa das, was Sie Aufstieg nennen) ist in den europäischen „Wohlfahrtsstaaten“ nachweislich sehr viel höher als in dem immer wieder angeführten klassischen „Einwanderungsland“ USA.

    „Wirtschaftliche Probleme in den Ursprungsländern“ haben ohnehin nicht nur Geringqualifizierte: Lehrer, Ingenieure, Universitätsprofessoren, die neben ihrem ersten Job zwei weitere benötigen, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen, sind so selten nicht.

    Weil dieses Schreckgespenst von der Migration in die Sozialsysteme ja nicht totzukriegen ist, braucht es regelmäßig Berichte, die das Ganze ein wenig distanzierter betrachten:
    http://www.monde-diplomatique.de/pm/2009/06/12.mondeText1.artikel,a0048.idx,14

    „Der hiesigen Öffentlichkeit scheint nicht bekannt zu sein, dass die legale Einreise nach Europa ein Mythos ist, ein Trugbild, das zerrinnt, wenn etwa ein junger Afrikaner oder ein junger Araber danach greift. In weiten Teilen dieser Welt ist es nahezu unmöglich geworden, sich für ein Visum nach Europa zu qualifizieren.“

  • #61
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Dirk Haas: Wir müssen bessere Möglichkeiten schaffen das Qualifizierte legal einwandern können. Keine Frage. So um die 20 Prozent eines Jahrgangs ohne Schulabschluss zeigt aber auch, dass die soziale Mobilität in Deutschland nicht allzu hoch ist. Der Druck alles zu geben, um einen Schulabschluss zu bekommen, aber anscheinend auch nicht.

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  • #63
    lebowski

    Komisch, dass immer alle Leute den alten Zeiten hinterhertrauern.
    Das müssen früher schöne Zeiten gewesen sein, als man in lausigen Mietskasernen lebte und die Luft, die man atmete, noch sehen konnte.

    Eigentlich kann doch eine schrumpfende Stadt ein feine Sache sein.
    Man kann die häßlichsten Gebäude endlich abreißen, mal die eine oder andere Brachfläche begrünen.
    Schrumpfende Städte bieten jede Menge Möglichkeiten, die aber offensichtlich nur die wenigsten sehen wollen, weil Kapitalismus ist ja Wachstum, das Frau Merkel auch noch beschleunigen will.

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  • #68
    Arnold Voss

    @ Patrizia # 57

    „Damit bewegen Sie sich auf einem Niveau von Schreiberlingen in bestimmten blogs die ständig mit Schaum vor dem Mund ihre tatsächlichen oder scheinbaren ideologischen GegnerInnen bekämpfen.“

    Könnten sie sich unter dieser Maxime nochmal ihren eigenen Kommentar durchlesen. Und fragen sie mal einen guten Freund, d.h. einen Menschen der den Mut hat ihnen gegenüber ehrlich zu sein, ob sie manchmal etwas oberlehrerhaft rüberkommen.

    Ansonsten mag ich ihre Kommentare sehr.

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  • #70
    Patrizia

    @Armin Voss
    Die Begründung für mein „oberlehrerhaftes Daherkommen“ ist ganz einfach … ich
    habe ca. 1/5 meines Lebens in Deutschland verbracht ;-); das waren offenbar
    fünf Jahre zuviel. Wenn Sie das so betrachten, findet frau/mann immer eine nette
    Erklärung für ihre persönlichen Ungereimtheiten 🙂 … die nachweislich leichteste
    Übung bei einem disharmonischen Zusammenspiel von „Selbst“, „Selbstkonzept“
    und „Selbstwirksamkeitserwartung“ ist es „mit dem Finger auf andere zeigen“.

    Aber das ist nicht Gegenstand der Diskussion. Heute gibt es einen lesenswerten
    Artikel in unserer NZZ über Überalterung, Schuldenexplosion und den drohenden
    Staatsbankrotten in einigen europäischen Ländern.

    http://www.nzz.ch/nachrichten/wirtschaft/aktuell/schuldenexplosion_wegen_ueberalterung_1.8028401.html

    … aber erklären Sie das einmal den jetzigen RentnerInnen in Schwaben. „Dess isch
    denen wurscht“ … ich meine das heisst so im Schwäbischen … Hauptsache die
    altersschwachen Bäume im Schlossgarten bleiben stehen und der überhaupt nicht
    putzige Juchtenkäfer hat dort auch in den kommenden hundert Jahren sein
    sicheres auskommen. Wer weiss, wer weiss … vielleicht beteiligt sich das kleine
    Krabbeltier ja an den zukünftigen Stuttgarter Sozialausgaben.

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